• Tag 17 Bis zum Campingplatz nach Fagernes

    June 28 in Norway ⛅ 23 °C

    Ich habe geschlafen wie ein Stein. Ich mache die Augen auf und im Zelt sieht es so aus, als ob es draußen schon sehr hell ist.
    Ich riskiere mal ein Auge. Saxndi, das ist ja Nebel. Aber die Sonne mag gleich durchkommen. Kurz ins Bad, und als ich zurückkomme, ist der ganze spooky Nebel schon wieder weg.

    Es ist warm, um nicht zu sagen: heiß. Gut, momentan erzählt mir Elke von heißen 30 bis 35 Grad in Deutzland. Die 17 Grad hier um 6:30 Uhr langen mir völlig.

    Ich packe zusammen und trage alles in den Schatten, um Elise zu beladen. Ich habe noch meine leichte Bieruniform an und ziehe mich dort erst richtig an.

    Abflug nach Lillehammer zur Skiflugschanze. Das muss schon sein. Am Fuß der Schanze ist ein netter Stellplatz, gefüllt mit jeder Menge deutscher Wohnies. In irgendeinem Reiseführer, Insta-Post oder einer Facebook-Gruppe steht bestimmt: Da muss man stehen.

    Ich stelle Elise hin und mache ein Foto.

    Zurück in die Innenstadt von Lillehammer. Die schläft aber noch. Ich laufe kurz auf und ab und entschließe mich, zu einem Sonntags-Supermarkt zu fahren, der unweit entfernt ist.

    Ich Hasenhirn habe nur halb gedacht. Gestern noch zwei Dosen Bier für Samstag und Sonntag eingekauft, aber ans Essen habe ich nicht gedacht. Supermärkte sonntags zu. Lehrgeld bezahlt. In dem einzigen Sonntags-Supermarkt wird mit Goldstücken bezahlt.

    Ich nehme jetzt immer ein Körbchen und bringe meine Beute damit zu Elise. Alles hat nicht mehr in die Koffer gepasst, weil ich heute auch noch die Fleecejacke ausgezogen und ins Topcase gestopft habe.

    Ab zu Circle K. Wenigstens dort einen Kaffee auf Flatrate bekommen.

    Ich unterhalte mich mit einer Kanadierin, die ich von ihrem Eis abhalte. Sie sind mit einem Tourbus unterwegs und fahren jeden Tag 450 bis 500 Kilometer. Gestartet in Dänemark und auf dem Weg zum Nordkap.

    Ich rede viel und erzähle ihr alles übers Nordkap. Dabei läuft ihr das Eis die Finger runter. Sie will höflich sein und mir zuhören und lässt es einfach laufen.

    Sie hat festgestellt, dass es in Norwegen doch glatt aussieht wie in Kanada. Sie heißt Stacy und verabschiedet sich mit Handschlag von mir.

    Gut, dass ich an einer Tankstelle bin. Da konnte ich gleich mal die etwas klebenden Finger waschen.

    Ich suche mir einen Campingplatz raus, der nicht so weit weg ist. So um die 150 Kilometer sollen heute langen, weil ich so spät losgekommen bin.

    Supakurvige Gegend, und am Ende werden es 142 Kilometer.

    Ich schlage in Fagernes auf. Das muss echt nobel hier sein. Die rufen glatt 400 Kronen auf. 36 Euro für ein Zelt, ein Motorrad, Tigger, Hildegard und einen alten Mann.

    Gut, es gibt hier freies WLAN, Duschflatrate und sogar meine Haare konnte ich föhnen. Was für ein Luxus.

    Ich mache noch eine kleine Handwäsche: ein T-Shirt und eine U-Hose.

    Ich baue mein Stühlchen auf und sitze den ganzen Nachmittag unter einer Kiefer und gucke aufs Wassi. Zwischendurch knabbere ich mal ein paar Kartoffelchips und rauche eine Elchsalami.

    Die warme Bierdose aus dem Topcase habe ich wieder bei einem älteren Ehepaar im Kühlschrank untergebracht. Diesmal ging so gut wie keine Kommunikation – außer deuten.

    Ich war am Nachmittag so schläfrig, ich hätte glatt wegratzen können. Aber das Zelt steht in der prallen Sonne und drin waren es 63,5 Grad Celsius.

    Das Beste am Tag ist immer das Essenmachen. Ich freue mich jedes Mal drauf. Bekomme ich einen Tisch? Ist eine Bank dabei? Oder geht wieder alles am Boden ab?

    Ich habe eine Bank und stelle mein Stühlchen daneben. Champignons, Paprika und Knoblauch anbraten und beiseitelegen. Zwei Lendenstücke in die Pfanne, Fetakäse mit getrockneten Tomaten dazu. Mein Schlemmermenü.

    Einen Filterkaffee zur Nachspeise und dann hole ich mir meine Bierdose von dem älteren Pärchen.

    Bissi Blog schreiben, bissi abwaschen und früh ins Bett … denke ich.

    Tigger hat sich heute gar nicht gemeldet. Dem war es im Topcase zu heiß. Ja, und Hildegard – ich muss sagen, sie macht sich bei Wärme auf der Sitzbank echt gut.
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