Tag 24 nochmal Fähre und dann nach Deutschland
July 5 in Germany
⛅ 19 °C
Heute Früh werde ich gegen vier Uhr wach. Also, na so was – das geht ja dreimal nicht. Mother Nature is calling. Danach drehe ich mich schnell auf die andere Seite und ratze bis 7:00 Uhr weiter.
Geweckt werde ich durch einen Regenschauer, der auf das Zelt prasselt. Den hätte es aber auch nicht mehr gebraucht.
Ich räume a bissi zusammen, frühstücke und laufe auf dem Campingplatz herum. Es ist eine Gruppe junger Mädchen am Platz, die Segeln lernt. Sie haben ein großes Mannschaftszelt aufgebaut. Wahrscheinlich für die Verpflegung und den Theorieteil beim Segeln. Es sind so zwölf bis fünfzehn Segeljollen im Wasser. Gestern habe ich sie schon segeln sehen. Reschpeckt … bei dem Wind. Gut, sie haben alle gerefft. Ich als Segelprofi habe das natürlich gleich vom Steg aus gesehen. Was sage ich immer? Die besten Segler stehen am Steg.
Nach meiner Runde ist das Zelt durch den Wind und die morgendlichen Sonnenstrahlen schon fast trocken geworden. Hildegard hat auch wieder die Wallemähne gepustet bekommen.
Der Rest wird gepackt. Ich buche noch schnell die Fähre von Bøjden nach Fynshav. Die 17 Kilometer übers Wasser sparen mir den weiten Weg über Land.
Der Campingplatzbesitzerin sage ich noch schnell Ciao-Ciao und bringe ihr das Holzbrett für den Seitenständer zurück. Sie sagt mit dänischem Dialekt „Tschuss“ – also mit u.
Svendborg ist ein nettes kleines Städtchen. Es kann leider nichts dafür, dass Sonntagmorgen um 9:00 Uhr ist und alles zu hat. Außer der Dönerbude. Die hat offen und der Herr Döner steckt gerade den Spieß auf den Grill. Mir ist aber nicht nach Döner.
Ich schlendere so durch die Innenstadt. Was mir auffällt: Überall Schilder mit „Kraftfahrzeuge und Motorräder verboten“ – und die Dänen fahren und parken munter im Sperrgebiet.
Dann entdecke ich an einer Häuserfront den Namen Danske Bank. Erinnerungen kommen hoch. Das war ein Kunde, mit dem ich auch durch diverse Sonderschichten zu tun hatte.
Altes Thema, abhaken.
Ich nehme noch einen Kaffee zum Gehen und suche Elise. Schlau, wie ich bin, habe ich mir ein Bild mit den Standortkoordinaten gemacht.
Ich düse weiter nach Faaborg. Noch ein Spaziergang durch die Innenstadt. Eine sehr kleine Innenstadt.
Dort bleibe ich beim „det blå ishus“ hängen. Das bedeutet auf Deutsch „das blaue Eishaus“.
Ich kaufe mir eine Tüte Eis mit zwei Kugeln. Umgerechnet 6 Euro … also ist das Cristallo in Bardolino mit 5 Euro ein richtiges Schnäppchen.
Ich bin pünktlich an der Fähre, sogar überpünktlich. Die Zeit brauche ich auch, um an der Schranke meinen Reservierungscode über den Touchbildschirm einzugeben. Ich habe kein Papierticket, das ich dort scannen lassen kann, und das Bild auf dem Handy mag er irgendwie nicht.
Hinter mir stehen schon einige Dänen. Gott sei Dank sind die so gemütlich. In Deutschland hätte es wahrscheinlich schon ein Hupkonzert gegeben.
Apropos Dänen, langsam und Autofahren. Die Ampel wird grün. Der Däne guckt erst mal links und rechts. Legt den Gang ein, guckt nochmal links und rechts und fährt langsam los. Manchmal bleibt er auch erst noch mal stehen, weil es mittlerweile schon wieder rot wurde.
Oder du fährst auf einer Landstraße, auf der 80 km/h erlaubt sind. Ein Deutscher fährt 200 km/h … na gut … 100 km/h. Der Däne fährt 65 km/h und hinter ihm vier weitere Dänen – auch mit 65 km/h. Keiner überholt. Nur der Deutsche, der von hinten aufläuft. Also nix gegen Vorsicht und Rücksicht. Das ist schon okay. Aber alles nur mit 50 Prozent zu machen, ist halt auch recht wenig.
Ach ja, ich stehe an der Schranke … irgendwann fahre ich durch und reihe mich als Nummer drei in der Biker Lane ein. Zwei Dänen, eine Moto Guzzi von 1989 und eine BMW 1150 RS, die von 2000 bis 2004 gebaut wurde. Alles betagte Maschinen – und Elise dazwischen als junger Hupfer mit 14 Lenzen.
Wir reden über Benzin, aber auch über Familie. Alle haben graue oder gar keine Haare. Der Guzzi-Fahrer besucht seinen Enkel, der Geburtstag hat. Der BMW-Fahrer macht einen Ausflug nach Hamburg.
Wenn ich mir die Ostsee so ansehe, sehe ich ganz schön hohe Wellolas. Das wird richtig spaßig werden. Es geht auf die Fähre. Wir drei sind vom Bondage-Club und zurren unsere Maschinen sogar doppelt fest.
Die Fähre legt ab und ich gehe hoch in den zweiten Stock. Ui, das geht schon im Hafen ganz schön hin und her. Draußen auf See, nach etwa fünf Minuten, rollt die Fähre – und stampfen tut sie auch.
Ich sehe mir den Kiosk an. Es gibt sogar Bratwurst und Hotdogs, doch bei dem Seegang ist mir nicht danach.
Ich bin ja einiges gewohnt als alter Seebär und Segler. Aber das war schon ordentlich für den Magen. Ich gehe wieder zurück auf das Autodeck, denn je tiefer man im Schiff ist, desto weniger geht es hin und her.
Ich bin dann doch froh, nach 40 Minuten wieder festen Boden unter den Rädern zu haben.
Eine kleine Essenspause mache ich ein paar Kilometer hinter dem Fähranleger.
Ehe ich mich versehe, bin ich wieder in Deutschland. Ah, endlich wieder über 100 km/h auf der Landstraße und rücksichtsloses Fahren erwünscht.
Ich komme durch Schleswig und unterhalte mich bei einer Pause mit zwei norddeutschen Kradfahrern. Auf ihr „Moin Moin“ kontere ich mit „Grieß Eich“. Der eine sagt dann zu dem anderen irgendetwas in der Art von: „Was meint der? Wo kommt der her?“
Wir plaudern ein bisschen aneinander vorbei, jeder in seinem Dialekt. Ich sage dann: „Jungs, ich muss weiter. Der Kaffee wird kalt.“
In Eckernförde ist ein Open-Air-Festival. Habe ich nicht gewusst! Mein Navi schon, weil es mich auf einmal so komisch leitet. Ein bisschen von dem Stau bekomme ich trotzdem ab.
Das muss das Open Air sein, auf dem meine heutigen Gastgeber sind. Norma und Knud habe ich vor zwei Jahren auf meiner Nordkap-Tour kennengelernt. Damals habe ich bei ihnen übernachtet. Sie sind bei Bunk-a-Biker registriert – Motorradfahrer helfen Motorradfahrern.
Sie haben mir vor zwei Jahren ein Sofa angeboten. Und als Norma vor ein paar Wochen meinen Norwegen-WhatsApp-Status gesehen hat, schrieb sie: „Wenn du vorbeikommst, kannst du bei uns schlafen.“
Da sie auf dem Open-Air-Konzert sind und erst später nach Hause kommen, haben sie den Schlüssel an einem sehr geheimen Ort versteckt. Norma meinte: „Du kennst dich ja aus. Kannst schon mal die Wohnung vorheizen. Wir kommen gegen Mitternacht, wenn das Open Air aus ist.“ Und alleine wäre ich auch nicht, weil die Katze ja zu Hause ist.
Gesagt, getan. Ich komme in Preetz an und parke im Hof unweit des Leichenwagens. Norma und Knud haben ein Bestattungsunternehmen.
Norma hat mir zwar angeboten, dass ich den Kühlschrank plündern darf, aber ich habe genug Eigenes dabei, das auch mal weg muss.
Heute bin ich 245 Kilometer gefahren, davon 17 Kilometer mit der Fähre über das Wasser. Ein schöner, abwechslungsreicher Fahrtag – und es gab auch wieder Kurven.Read more

























