• Tag 26 Bissi Harz, dann Richtung Zwickau

    July 7 in Germany ☁️ 23 °C

    Ich schlafe einfach supa auf meiner dicken Thermarest Luma. Es lohnt sich einfach, die dicke Luma mitzunehmen, auch wenn sie das größte Packmaß hat. Ich habe eh so viel Gelumpe dabei – dieses Mal viel zu viel.
    Zum Frühstück gibt es nur einen Proteinshake, den ich mir noch aus Dänemark mitgenommen habe. So richtig will ich dann unterwegs bei einem Bäcker was essen.

    Kurz die Karte gecheckt, das Navi gebrieft. Es geht heute bissi durch den Harz. Aha – wenig Tankstellen, wenig Bäckereien. Dann fahre ich eben die erste Tanke nach dem Campingplatz an. Eine Aral. Supa bleifrei für Elise, einen mittleren Kaffee und eine Butterbreze für mich – macht 33 €. Sauba, sage ich.

    Es ist ein Mordsspektakel los an der Tankstelle. Ein Kunde hat statt Diesel Supa getankt. Leider passt der Benzinzapfhahn in einen Dieselstutzen rein, weil er dünner ist. Er blockiert eine Zufahrt und läuft wie wild mit seinem Handy herum. Dabei gestikuliert er mit Händen und Füßen. Ich habe mitbekommen, dass der ADAC kommt.

    In seiner Haut möchte ich jetzt nicht stecken, und seinen Blutdruck möchte ich auch nicht haben.

    Den heißen Kaffee und die Knatschi-Butterbreze im XXL-Format lasse ich mir schmecken. Sodalla, fertig. Alles drin, alles wieder bepackt … es geht in den Harz.

    Hui, da sind aber Kurven. Ich suche mir eine ganz besondere Nebenstrecke raus und baller los. 50 km/h sind erlaubt, und manchmal bremse ich in den Kurven sogar auf 50 km/h runter. Ich hoffe, dass nirgendwo ein Blitzer versteckt war. Und falls mich hier jetzt jemand hinhängen will: Ich dementiere alles.

    Rauf, runter, linksrum, rechtsrum … Kurven über Kurven. Erinnert mich an die Schwarzwaldtour. Die findet man übrigens auch bei FindPenguins. Müsst mal gucken – unter Chrissiesplace habe ich einige Touren festgehalten.

    Übrigens können sich im Harzhotel Güntersberge die älteren Herrschaften E-Bikes und die jüngeren Motorräder ausleihen.

    Ich jage eine Weile Kurven und bin ganz hungrig geworden. Ab und zu sehe ich ein Schild mit „Feldküche“. Jetzt düse ich gerade noch mal an einer vorbei. Anker geworfen, Wendolin gemacht und rein auf den Parkplatz.

    Ich schau mir die Auslage an. Es gibt alles, was man lange warm halten kann. Also Gulasch und verschiedene dünnere und dickere Suppen. Ich nehm ein Gulasch mit Nudeln und eine Golaa. (Ich versuche, den Dialekt zu lernen.) Es ist so viel, dass ich es nicht mal ganz schaffe. Ich picke alle Fleischstücke raus und ein Teil der Nudeln geht leider zurück. Hoffentlich ändert sich dadurch nicht wieder das Wetter. 🤔

    Ich sehe in der Ferne mehrere Abraumhalden und je näher ich komme, auch einen Förderturm. Aha, denke ich mir … Bochum lässt grüßen. Kurz gegoogelt: In Nienstedt wurde früher nach Kupfer und Silber gebuddelt. Again what learned.

    Aaaaah, wieder einen Wendolin machen und ein paar Meter zurückfahren. Störche. Muss ich fotografieren.

    Ich fahre die ganze Zeit an einer Bahntrasse entlang. Ein Zug überholt mich, und am nächsten Bahnübergang traue ich mich auf die Gleise für ein Foto.

    Es ist Kaffee-und-Kuchen-Zeit. Während ich eine kleine Schleuse fotografiere, sehe ich das Wort „Café“ an einem Haus. Ich fahr hin. Ein freundliches Schild am Eingang weist darauf hin: Nur Kartenzahlung ab 50 €. Nettes Restaurant. Ich schau mir die Auslage am Kuchenbuffet an. Es grüßt Coppenrath & Wiese. Neee, nix für uns.

    Kurz Tante Google angeworfen. Bäckerei im nächsten Ort. Gebucht.

    Netter kleiner Ort mit einer alten Straßenbahn. Den Namen habe ich gerade vergessen. Die nette Omi in der Bäckerei grinst über das ganze Gesicht, als ich zwei Stück Kuchen mit Sahne nehme, dazu einen Kaffee. Die 7 € hätte ich bei ihr übrigens auch mit Karte zahlen können.

    Ich google mal wieder nach einem Campingplatz. Klein soll er sein, eine Campingwiese soll er haben. Ich finde den Campingplatz Mannichswalde direkt neben dem Freizeit- und Erlebnisbad. Ich ruf an mit meinem Sprücherl: „Ein Zelt, ein Motorrad und ein alter Mann.“

    Am anderen Ende des Telefons hört man jemanden überlegen. Alter Mann? „Ja, wir haben Platz für Sie. Bitte am Schwimmbad melden.“

    Die Zufahrt zum Campingplatz war wieder atemberaubend. Mit meinem Wohnwagen wäre ich das nicht lang gefahren.

    Angekommen schau ich zum Schwimmbad und stell mich vor. „Hallo, ich bin's, und ich soll mich hier melden.“

    Von hinten kommt der Campingplatzbesitzer und fragt: „Ist das der alte Mann?“

    Der an der Kasse meint: „Nö, ein Zehntklässler.“

    Irgendwie müssen wir drei lachen.

    Ich bekomme den zweiten der zwei verfügbaren Zeltplätze zugewiesen. Eine Oma mit Enkelkind hat den ersten belegt. Eigentlich ist es ein Dauercamperplatz. Sonst gibt es keinen freien Stellplatz. Glück gehabt.

    Ich bettle einen Dauercamper an, meine warme, durchgeschüttelte Flasche Bier für zwei Stunden in seinem Kühlschrank aufzunehmen. Tigger hat versucht, sie im Topcase festzuhalten, so gut es ging.

    Es gibt heute kalt zum Abendessen. Mittags hatte ich ja das Gulasch. Ich sitze auf meinen Stühlen und es gibt wieder adeliges Essen. Vom Boden. Mit Nachspeise rauche ich wieder eine Elchsalami.

    Später hole ich das gekühlte Flascherl, sitze auf meiner Zeltveranda, schreibe ein wenig den Blog und schau ganz viel doof in der Gegend rum.

    Ich bin schon wieder bettschwer.

    Sehr schöne 272 Kilometer mit vielen Kurven. Hildegard unterm Hintern war heute in ihrem Element – Kurven kann sie.
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