Tag 27 Bissi Erzgebirge
July 8 in Germany
⛅ 17 °C
Ich wache gegen 6:30 Uhr auf. Es regnet. Prinzipiell habe ich nix gegen Regen, nur das Einpacken läuft halt ohne ihn irgendwie geschmeidiger.
Ich muss das Toilettenpapier inspizieren. Dabei läuft mir die Oma über den Weg, die mit ihrer Enkelin neben mir geschlafen hat.
Ich frag frisch und munter: „Guten Morgen. Na? Habt ihr gut geschlafen heute Nacht?“
Es kam nur ein: „NEIN!!!“ (Mit drei Ausrufezeichen.)
Ich war dann still und wollte ihre gute Laune nicht noch durch weitere Fragen heben.
Ich packe im Zelt alles zusammen, was so geht, und lade Elise. Zum Schluss kommt das nasse Zelt in den Packsack.
Jetzt musste ich nur noch zahlen – und keiner weit und breit an der Rezeption. Hmmm. Was machen? An der Tür hängt eine Nummer, die soll man anbimmeln, wenn man Fragen hat.
Gesagt, getan. Aus dem Hörer kommt: „Ja, jetzt habe ich keine Zeit. Ich habe Schwimmunterricht.“
Ich bin nicht ganz sicher, ob ich alles verstanden habe, da ich mit dem Dialekt hier enorme Probleme habe.
Ich frage noch mal nach und wir einigen uns darauf, dass ich beim VEB Schwimmhalle dreizehn Euro fuffzisch zahle. Er holt das Geld dann später und ich kann fahren.
Ja, wenn es denn so sein soll.
Ich habe mein Navi mit Oberwiesenthal gefüttert und fahre dann weiter an der Grenze entlang Richtung Nordosten nach Zinnwald.
Nur fängt es jetzt auf einmal wieder das Duschen an. Ich checke wetteronline.de. Aha, in gut einer Stunde bis 90 Minuten ist der flüssige Sonnenschein durch.
Ich fahre zum August-Horch-Museum nach Zwiggau. (Langsam lebe ich den Dialekt.)
Eine interessante Ausstellung über die Geschichte von Audi, DKW, Horch und Wanderer. Schwupps, gehen 90 Minuten rum und es lacht die Sonne.
Ich fahre Richtung hügeliges, kurviges Erzgebirge. Der Spaß kann beginnen. Alles, was auch nur ein bissi wie Kurve aussieht, wird mit erhöhter Geschwindigkeit genommen. Also, es ist immer noch Luft unter den Fußrasten und man muss ja nicht gleich knieschleifen. Ich höre nur das Poltern im Topcase. Tigger hält sich wieder an einer Flasche Bier fest.
Haaaaalt … vorbeigefahren. Links wäre es zum Fichtelberg hochgegangen. Einmal Wendolin und wieder zurück zur Abzweigung und … aufi aufn Berg muas i.
Oben angekommen pfeift ein ganz schöner Wind. Ich stelle mich auf den Gehsteig, denn am Wendehammer ist absolutes Halteverbot. Foto hier machen, Foto da machen … bissi rumgucken … und ich fahre wieder. Wind genug gehabt.
Das Restaurant wird gerade umgebaut, wahrscheinlich für den Skibetrieb nächsten Winter.
Unten angekommen geht's gleich nach Tschechien rein. Ui, ist der Sprit hier billig. Er wird in Kronen und Euro angezeigt. 1,60 €.
Ich fahre bei Sonnenschein gemütlich über die Straßen mit ihren leichten bis mittleren Kurven. Der Österreicher würde sagen: eine rote Piste.
Ich pendle eine Weile zwischen Deutschland und Tschechien. Irgendwann habe ich auf einmal keine glückliche Hand mehr mit meiner geplanten Route. Eine Straßensperrung nach der anderen zwingt mich, Umwege zu fahren.
Ich rufe beim Campingplatz an und frage, wie lange sie denn da sind, und schütte nebenbei mein Herz aus wegen der Sperrungen und Umleitungen.
Wir einigen uns darauf, dass ich bis sechs Uhr da sein sollte.
Genervt mache ich eine Pause, irgendwo im Erzgebirge an einer kleinen Forststraße. Und ich denke mir: Hier könnte auch die schöne Försterin aus den Erzgebirgskrimis mit ihrem Hund Flocke ums Eck kommen.
Etwa zehn Kilometer vor dem Campingplatz noch mal eine Umleitung. Aber mir ist es jetzt egal. Ich düse einfach durch die Baustelle.
Platz gefunden, gleich das pitschnasse Zelt aufgebaut und dann ein feines Essen gemacht: Hüftsteak mit Knoblauchzwiebeln, Scampis mit Knoblauch, einen großen gemischten Rohkostsalat und das alles zu einem Gustl. Für die, die es nicht kennen: Ein Gustl ist ein Augustiner.
Zur Nachspeise einen feinen Filterkaffee und zur Nach-Nachspeise eine ganze Tafel Ritter Sport Rum-Nuss. Weil wir das Spinnen anfangen in Deutschland, gibt es fast nirgends mehr die Rum-Trauben-Nuss. Sie war mal eine meiner Lieblingsschokoladen. Denn diese Trauben sind im Rum eingelegt. Rum ist Alkohol. Und Alkohol ist böse. Also gibt's nur noch Trauben-Nuss.
Ich sitze nach dem Abspülen noch vor meinem Zelt, warm eingepackt, und genieße den Abend und die gute Luft. Ich habe mal das Thermometer gecheckt. Heute Nacht wird es richtig frisch.
Das Bett, besser gesagt die Luftmatratze, ist schon hergerichtet und ich brauch nur noch sagen: 3-2-1 Mainz.
Es waren heute supaklasse, extrem kurvige 254 Kilometer. Ich musste sogar gegen den Kurvenrausch zwei Bier trinken: eins für die Rechtskurven und eins für die Linkskurven.Read more


























TravelerNa du Christian 🤣 Wenn man so deine Menüs anschaut....... Sehr abwechslungsreich. Ich bin ja ein bisschen eifersüchtig, Peter noch mehr, er bekommt fast nur Gemúse. Ich wünsche dir für die letzten Tage noch viel Spass 🥩
Traveler
Es ist immerwieder schön deine Berichte zu lesen. Jeden Morgen freue ich mich schon darauf. Das mit der Schokolade ist ja wiedereinmal SUPER. Den gleichen ( oder so ähnlich) hab ich schon als Kimd bei meiner Oma gegessen. Den haben wir immer bekommen, damit sich die Erwachsenen unterhalten können.
Traveler
Danke, daß ich mitreisen darf, es ist wunderschön deine Kommentare und so wunderschön das zu lesen. Weiterhin eine schöne und erlebnisreiche Reise.