Tag 28 Durchs wilde tschechische Kurdistan
July 9 in Czech Republic
☀️ 20 °C
Heute bin ich um kurz vor sechs aufgewacht. Das passt ja ganz gut, denke ich mir, weil ich ja durchs Erzgebirge auf tschechischer Seite und durchs Egerland in die Oberpfalz rüberhüpfen will.
Ich trinke eine Flasche Proteinmilch – das gibt Kraft zum Einpacken – und räume flugs alles zusammen.
Irgendwie habe ich jede Menge Servietten, Einmalhandtücher und noch anderen Müll in meiner Packtasche gefunden. Das brauche ich alles nicht mehr, denn heute packe ich das Zelt und meine sieben Sachen das letzte Mal für diesen Urlaub ein. Aus ist es mit dem Zigeunerleben. Heute Abend schlafe ich in einem Bett, weil ich mich liebevoll bei unseren Bekannten in der Oberpfalz aufgedrängt habe.
Aufgeladen und festgezurrt rolle ich vom Hof. Schnell noch den Zugangschip für die Toiletten in den Briefkasten geworfen und ab zum Frühstück organisieren bei der nächsten Bäckerei.
„Einen Muichkaffee und a Butterbretzn, bitte.“
„Sie können a großes Schälchen Heeßen und a Laugenbrezel haben.“
Ich frage dann noch nach Butter. Die gibt es nicht. Butterbrezen auch nicht. Aber die Kollegin kann mir eine Butterbreze mit Schnittlauch machen, sagt die Dame an der Kasse.
Aha! Muss man nicht verstehen. Außer, dass das Gemisch aus Butter und Schnittlauch aus der Tube kommt.
Elise braucht auch noch was zum Frühstücken und wir rollern die paar Kilometer über die Grenze und tanken billigen tschechischen Sprit. Nur beim Bezahlen wollte die EC-Karte nicht. Die Dame an der Kasse meinte dann: „Ich mache guten Umrechnung in Euro.“
Ja, das kenne ich, und ich glaube ihr auch, dass sie einen guten Wechselkurs gemacht hätte.
Ich krame meine Mastercard raus und füttere den Schlitz vom Terminal damit. Noch kurz den PIN dazu. 1234 kann ich mir eh so gut merken. Passt, schon bin ich wieder unterwegs.
Es geht schlängeln, schlängeln und kurvig, kurvig gleich los und den Berg hinauf. Ich fahre quasi am Kamm entlang und kann rechts noch nach Deutschland und links in die Tschechei reinschauen. Es lässt sich heute übrigens supa fahren und gucken, denn ich fahre von Ost nach West und habe die Sonne im Rücken.
Trotz Navi verfahre ich mich heute gleich mal zu Beginn. Aber mit einem geschickten Wendolin komme ich wieder auf meine Route.
Ich sehe einen richtig guten und informativen Wegweiser nach Abu Dabi. Ich sage zu Hildegard: „Komm, lass uns in diese Richtung reiten.“
Apropos Abu Dabi: Es dauert nicht lange, da schickt mich das Navi schon wieder so was von ins Grüne. Da hilft nur eins: umdrehen. Keine Ahnung, wer hier in Tschechien diesen Feldweg als befahrbare Straße für Navigationssysteme klassifiziert hat.
Bei dem Umweg rausche ich dann auch noch in eine Straßensperre. Kein Umleitungsschild oder dergleichen. Ich halte an, steige ab und schnappe mir mein Navi. Dann trotte ich zu einem Straßenbauarbeiter und texte ihn auf Englisch zu. Sein Gesicht sagt mir nur „Error“ und „Tilt“. Er antwortet in irgendeiner Sprache, vermutlich Tschechisch. Keine Ahnung. Verstanden hat er mich nicht und ich ihn auch nicht.
Zeichensprache war ebenfalls nicht möglich. Also weiter zu einem vorbeilaufenden Passanten. Der konnte mit Englisch auch nichts anfangen, aber es kam so etwas Ähnliches wie „rechts“ und „Brücke“ aus ihm heraus. Dachte ich zumindest.
Versuch macht kluch, denke ich mir, und fahre einfach mal los. Ganz so einfach war es nicht, aber ich wäre nicht ich, wenn ich den Weg nicht gefunden hätte und nach vielleicht 30 Minuten auf der anderen Seite der Baustelle gewesen wäre.
Puuh, geschafft. Ich habe überlebt. Langsam wird es warm und bei der Kurvenhatz bin ich hungrig geworden.
In Krasno nad Teplou mache ich bei dem Bushäusl neben dem bekannten Brunnen eine Pause. Dabei stelle ich fest, dass ich zwar Käse und Salami gekauft hatte, aber keine Sättigungsbeilage wie Brot oder Semmeln.
Okay, dann halt Low-Carb-Diät.
Ich verputze den ganzen Käse und die Packung Salami einfach so, spüle mit koffeinhaltiger, maximal pigmentierter Brause nach und habe fertig.
Bissi später spielt mir das Navi wieder einen Streich und jagt mich durch einen Wald. Klodeckelgroße Schlaglöcher, zehn Zentimeter tief, ein paar Quadratmeter Asphalt, dann wieder Schotter, Fleckerlteppich von irgendwas und a bissi Sandstraße.
Nanana ... also da waren die unpaved roads in Norwegen richtige Highways.
Nach so einer Aktion brauche ich immer eine Pause. Eine Wasserflasche wird leerer gemacht und dabei denke ich mir: Ja ... das nächste Mal fahre ich vielleicht für zwei Wochen nach Tschechien. Das wird lustig, spaßig und vielleicht auch abenteuerlich.
Ich nähere mich der Grenze. Es gibt Läden mit allerlei Sachen, die man nicht gebrauchen kann, Tankstellen und Geschäfte, wo man Spirituosen, Tabak, Zigaretten und schöne Tschechinnen bekommt.
Schlagbäume gibt es ja nicht mehr. Auch Polizei oder Zoll kontrollieren hier keine illegalen Grenzübertritte. So suche ich auch ganz schnell das Weite in Richtung Oberpfalz.
Mit Tigger ohne Ausweis im Topcase und Hildegard versteckt unter meinem Hintern. Ich habe für beide keinen blauen EU-Heimtierausweis und das wird teuer, wenn sie mich erwischen.
Noch 20 Kilometer Kurven genießen, dann bin ich an meinem heutigen Ziel in Gaisthal. Ich besuche Bekannte, die Elke und ich vor vielen Jahren im Kroatien-Urlaub kennengelernt haben.
Es gibt Abendessen, was zum Trinken, ein Ratscherl und ein Bett für mich.
Es waren aufregende, kurvige 277 Kilometer durch Tschechien und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dort die Kurven inspiriert habe.
Und tschechisches Bier muss ich dann auch noch probieren.Read more


























