Yellowstone, lange Wege zu Fuss und Auto Teil 1
September 8 in the United States ⋅ 🌬 10 °C
Es ist 4.18 Uhr und ich kann nicht mehr schlafen. Bevor ich mich im Bett hin und her wälze, stehe ich lieber auf, damit Sonni noch schlafen kann.
AirBnB ist so eine Sache für sich. Wir haben es in diesem Urlaub ausprobiert, aufgrund der ziemlich hohen Preise welche in dieser Gegend für eine Unterkunft verlangt werden. Schon die letzte Unterkunft war eine kurzfristige Änderung (sie war dann in Alpine). Die Gastgeberin hatte aus familiären Gründen darum gebeten, dass wir stornieren. Wenn sie es storniert, müsste sie Geld zahlen. Okay, das war im Rahmen des Machbaren. Wir hatten wiederum über AirBnB diese Unterkunft hier am Yellowstone gebucht.
Bei solchen Angeboten muss man wissen, dass es keine Maßstäbe gibt. Der oder die Gastgeberin setzt selbst den Maßstab und das nach seinen oder ihren Vorstellungen. Das kann manchmal gut und manchmal schlecht sein. Für uns war es diesmal mittelmäßig.
Die Terrasse ist nicht gepflegt und birgt Stolperfallen, die Matratze ist zu weich auf einem mobilen Bettgestell. Das Bad gleicht einem Tinyhousebad, auf dessen Fußboden es offenbar irgendwann einmal gebrannt hatte. Das Internet funktioniert nur wenn man 30 Meter bis vor an die Straße läuft... und dann auch nicht stabil und schnell schon gar nicht. Aaaber, es ist alles sauber. Kein Staub oder Spinnweben.
Einen Kaffee kann ich mir nicht machen, sonst wacht Sonni auf und vor der Tür sitzen ist auch nicht gerade ratsam, denn wartet eventuell der Grizzly.
Es wird zwar ein Frühstück angeboten, aber nach reiflicher Überlegung werden wir davon Abstand nehmen. Der Frühstücksraum sieht schon ein wenig spooky aus. Alles andere wollen wir uns nicht vorstellen.
Ich denke AirBnB sollte eine Win-Win Möglichkeit sein. Das ist es hier nicht, finden wir.
Wer eine Abenteuernacht sucht, der ist sicher hier in der Big Bear Lodge richtig. Für meinen Geschmack und ich denke ich kann da auch für Sonni sprechen, ist es nichts. Und auch AirBnB werde ich nicht mehr in meine Planungen aufnehmen. Dann nehme ich lieber eine längere Fahrstrecke oder einen höheren Preis in Kauf, habe dann aber einen Maßstab mit dem ich rechnen kann.
Wir fahren nach Cooke City zum Frühstück und finden auch etwas. Diesmal ganz amerikanisch, mit Bacon, Ham, Ei, Toast, Hashbrownies und Jam. Jetzt sind wir gestärkt und können los. Inzwischen ist unser Auto vollgetankt, für satte 4,99 Dollar pro Gallone und aufgetaut. Immerhin hatten wir -2 Grad in der Nacht.
Wir fahren die östliche Route über den Tower Fall, Lower und Upper Falls bis nach Canyon Village. Dann weiter zum Mud Volcano. Es riecht, es blubbert und es dampft. Herrlich, nur Sonni muss zwischendurch die Luft anhalten. Dasselbe Spiel dann im Süden beim West Thumb Geyser Basin. Auf dem Weg haben wir noch Gabelböcke gesehen, die ersten im Urlaub und die ersten heute.
Weiter geht es zum Old Faithful. Wir kommen an und er liegt da und schnauft vor sich hin. Wir wissen nicht genau wann er das Letze Mal eruptierte, also heißt es warten. Dann knapp 50 Minuten später lässt er immer wieder Wasser aufsteigen und beruhigt sich wenig später wieder, bis er dann doch anfängt all seine heißes Wasser auszuspeihen. Ein herrliches Naturschauspiel. Es ist schon spät geworden und wir schaffen leider nicht mehr das gesamte Areal, aber wir sehen noch einige andere Geysire, wie sie ihr Wasser an die Oberfläche befördern. Wahnsinn.
Wir besorgen uns einen Abendsnack im Old Faithful Inn und machen uns auf den Heimweg. Wir kommen morgen noch einmal wieder hierher und schauen uns den Rest an. Der Yellowstone braucht und verlangt seine Zeit.
Wir fahren auf der Westroute bis Norris und wechseln dann rüber zur Ostseite. Diesen Weg kennen wir schon. Vorbei an den Wasserfällen hoch zum Mt. Washburn und an ihm wieder runter zum Lamar Valley. Auf dem Weg sehen wir noch zwei junge Elkhirsche und natürlich den ganzen Weg immer wieder Bisons auf ihren Weideflächen.
Kurz vor dem Lamar Valley bei Sonnenuntergang sehen wir die große Herde vom Lamar Valley. Sie wechseln gerade zu ihrem Schlafplatz. Nach und nach wechseln einzelne und mehrere Tiere über die Straße. Was für ein grandioser Anblick. Sie sind uns so nah, das man sie berühren könnte, was wir aber nicht machen und was auch keiner machen sollte. Manche Kühe zügeln ihre herumtollenden Kälber, Jungbullen grunzen sich an und manchmal wird die Herde kurzzeitig schnell. Alle, die dies hier noch erleben dürfen, sind vernünftig und lassen die Tiere gewähren. Dafür schenken sie (die Tiere) uns tolle Posen für Bilder und Videoaufnahmen. Zwischendrin verirrt sich noch ein Coyote in der Herde, aber auch er darf gewähren. Die Herde ist gewaltig, keine Ahnung wie viele Tiere es waren, unzählige.
Hier und da sehen wir noch vereinzelte kleine Herden und es wird immer dunkler. Im Scheinwerfer unseres Wagens verirrt sich noch ein Fuchs und auch Gabelböcke sehen wir vorher noch einmal. Das Ende bildet ein großer einzelner Bulle am Ende des Lamar Valleys, welchen wir schemenhaft im Scheinwerferkegel erblicken. Ein gewaltiges Tier.
Wir spülen noch die letzten Kilometer ab und sind froh wieder in unserer Blockhütte zu sein.
Ein anstrengender Tag geht zu Ende mit vielen tollen Erlebnissen und morgen geht es weiter.Read more









































