Ghana
Hacho

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2 travelers at this place:

  • Day2

    Ankunft in Accra

    August 25, 2018 in Ghana ⋅ ☁️ 23 °C

    Den Flug habe ich eigentlich ganz gut überstanden. Außer, dass ich mir den entspannter vorgestellt habe (ich war nämlich von zwei kleinen süßen Babys umringt, die ich ständig füttern oder entertainen musste), war alles super. In Accra angekommen, musste ich erstmal einen Zettel mit Name etc. ausfüllen, durch die Passkontrolle und mein Gepäck holen. Die Schlange war mega lang, sodass ich ca. eine Stunde anstand. Da ich leider nicht ins Internet gekommen bin, konnte ich keinem Bescheid sagen, dass ich später aus dem Flughafen rauskomme. Ich wurde langsam richtig nervös, weil ich nicht wusste wie lange Aaron auf mich warten würde.

    Ich bin mit meinen Sachen irgendwann aus dem Flughafen getaumelt, wo mir eine schwüle Hitze und eine Horde von Menschen entgegenkam, die mir SIM-Karten, vor allem Fahrdienste, Hotels etc. andrehen wollten. Für einen kurzen Moment dachte ich mir "Ach du scheiße! Wenn nicht gleich jemand kommt, bin ich verloren!" Genau in dem gleichen Moment hörte ich meinen Namen und sah ein bekanntes Gesicht auf mich zusteuern...Aaron! Ich habe mich riesig gefreut ihn zu sehen. Er hat uns ein Taxi gerufen, mit dem wir dann zum AIESEC Haus gefahren sind.

    Im AIESEC Haus angekommen, war ich wieder direkt überfordert. Hier wohnen momentan ungefähr 25 Leute in einem Haus mit viel zu wenig Betten, einem Bad, einer Küche und einem Riesen-Wohnzimmer, in dem einfach nur ein paar unbezogene Matratzen rumfliegen. Da es wie gesagt viel zu viele Leute sind, muss ich mir nun ein paar Tage ein 1-Personen-Bett mit einem Mädchen (Raki?) aus der Elfenbeinküste teilen. Bei unserer ersten Begegnung hat sie mich direkt angesprungen und mich nicht mehr losgelassen und hat sehr viel verrücktes Zeug geredet. Ein sehr aufgedrehtes Mädchen, dachte ich mir im ersten Moment. Ich glaube, ich bin einfach nur überfordert von der ganzen Situation im Haus und den ganzen neuen Leuten.

    Die sind alle super nett hier, sehr interessiert und wollen viel über einen wissen. Nur einige sind, glaube ich, zieeemlich verrückt. Vielleicht kommt es mir nur so vor, weil die Leute aus dem Haus heute Party machen und dementsprechend schon etwas intus haben. Aber das ist erstmal nur der erste Eindruck. Das zeigt sich dann noch über die Zeit. :)

    Ach, und eine Sache habe ich heute noch erfahren. Ich werde hier nur bis Dienstag wohnen, danach geht es für mich 6 Wochen lang in ein Dorf. Also so wie man sich das vorstellt mit Lehmhütten und so. Ja moin! Gerade fühle ich mich nicht ganz so wohl, obwohl alle sehr lieb sind. Hoffentlich gewöhne ich mich ganz schnell an die Verhältnisse hier. Ich nehme mir einfach den ersten Zettel aus meiner tollen Geschenke-Kiste zu Herzen. ♡

    Liege jetzt geduscht im Bett und versuche zu schlafen. Gute Nacht!
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  • Day3

    Chale Wote Street Art Festival

    August 26, 2018 in Ghana ⋅ ☁️ 25 °C

    Ich bin ziemlich müde und mit Nackenschmerzen in den Tag gestartet. Einige, die den Abend zuvor feiern waren, stürmten nämlich gegen 6:00 Uhr richtig laut ins Zimmer. Ich bin natürlich wach geworden, habe aber versucht weiterzuschlafen. Gegen 9:00 Uhr bin ich aufgestanden und bin durch's Haus gegeistert. Ich setzte mich mit an den Tisch, an dem sich zwei Mädels aus der Elfenbeinküste ihre unechten Haare rausrissen und guckte ihnen dabei zu. Es hat ganz schön lange gedauert, bis alle wach wurden. Mir war richtig langweilig. Deswegen entschied ich mich alleine um die Häuser zu ziehen, da ich auch mega Hunger und Durst hatte. Als die Bewohner das mitgekriegt haben, sind sie plötzlich aufgestanden und wollten mich netterweise begleiten. Die AIESECER aus Ghana sind richtig fürsorglich und achten darauf, dass es einem gut geht. Also bin ich mit Ben, Ekow und Aaron auf Essenssuche gegangen. Wir holten uns Nudeln mit Bohnen und Fleisch von der Straße und eine Avocado. Das war lecker!

    In den nachfolgenden Stunden wurde mega abgegammelt. Immer mehr Leute wurden wach und das "Wohnzimmer" füllte sich. Um 14:00 Uhr war eigentlich Abfahrt zum 'Chale Wote Street Art Festival' im Zentrum Accras geplant. Aber wie die Ghanaer so drauf sind, kann man locker drei Stunden drauf packen. Letztendlich ging es um 17:30 Uhr los. Echt nervig, aber daran muss ich mich wohl auch gewöhnen.

    Auf dem Weg dahin beobachtete ich alles aus dem Taxifenster und ab und zu feierten wir zu viert - John, Sophie und Tanja - im Auto zu ghanaischer Musik. Mit den beiden Mädels aus Bayern verstehe ich mich mittlerweile echt gut. Eine 3/4 Stunde später kamen wir dann endlich an. "Das Festival ist eine alternative Plattform, die Kunst, Musik, Tanz und Performance auf die Straße bringt." Dort angekommen, kam einem einfach nur eine unglaublich große Menschenmasse entgegen - das kann man sich gar nicht vorstellen! Wir haben uns nur durch die Menge gequetscht, damit wir vorwärts kamen. Zwischenzeitlich war es so schlimm, dass man Angst hatte keine Luft mehr zu bekommen. Es waren so viele Eindrücke auf einmal, sodass wir total überfordert waren. Überall laute Musik und dazu ausrastende Ghanaer, die plötzlich alle anfingen in der Menge zu tanzen und zu hüpfen. Eklige, aber auch leckere Gerüche kamen einem entgegen. Als 'Ubruni' - eine nicht ghanaische Person - wirst du ständig von fremden Leuten angefasst. So merkte ich z. B. wie Leute einfach Selfies mit mir machten, mir wurde ständig über Haare und Haut gestreichelt, irgendwann hatte ich plötzlich ein kleines Mädchen an der Hand, die nicht mehr losgelassen hat usw. Und jedes Mal hab' ich einen halben Herzinfarkt bekommen. Zum Ende hin stumpfte ich etwas ab und ließ das alles über mich ergehen und watschelte Arm in Arm mit Soraya und mit meinem Rucksack am Bauch durch die Menge und folgten den anderen. Zwei Mädels von uns haben sogar angefangen zu weinen, weil es ihnen viel zu viel wurde. Tanja wurde sogar das Handy aus der Tasche geklaut ohne, dass sie es bemerkte. :/ Da bin ich heute zum Glück vom Pech verschont geblieben und hatte heute einen ziemlich coolen Tag. :) Leider waren heute drei Mitbewohner ziemlich arm dran. Neben dem geklauten Handy wurde einem Mädel noch im Haus 200$ gestohlen und einer liegt mit Malaria im KH. Ich fühle mich hier dennoch immer wohler. Wahrscheinlich war das nur der erste Schock.

    Eben wollte ich eigentlich nur "Gute Nacht" sagen, aber das ist dann letztendlich zu einer kleinen Tanz-Session mit Aaron & Sorayath geworden. Jetzt liege ich aber wirklich endlich im Bett und möchte schlafen.
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  • Day3

    Entspannter Sonntag in Accra

    August 26, 2018 in Ghana ⋅ ⛅ 23 °C

    Der Morgen fing bei mir sehr spirituell an. Während der Großteil noch geschlafen hat, holte mich Aaron um halb neun für den Gottesdienst in seiner Gemeinde ab. Als wir dort ankamen, saßen alle anderen schon in verschiedenen Stuhlkreisen zusammen und haben sich über bestimmte Themen ausgetauscht. Nach ca. 15 Minuten fing der eigentliche Gottesdienst an. Eingeleitet wurde er durch eine Gesangseinlage mit Hauptsänger und Backgroundsängerinnen und einer richtig coolen Band. Die Atmosphäre war unglaublich in der Kirche - seine Stimme war einfach nur wunderschön. Ich bekam richtig Gänsehaut und fühlte mich schon fast der Gemeinde zugehörig. :D Darauf folgte noch viel mehr Gesang und Tanz. Dazwischen kamen immer mal fünf minütige Predigten. Dann war auch schon eine volle Stunde vergangen. Für die Kirchenspende sind wir alle nacheinander nach vorne gegangen und haben uns wieder auf unsere Plätze gesetzt. Danach folgte aber wirklich die richtige Predigt. Und die war sehr langatmig für mich, da ich außer "Halleluja", "Praise the Lord", "Trust in Jesus" und "Amen" leider nicht viel verstanden habe. Trotzdem merkte ich aber wie ich manchmal mit dem Kopf mit nickte, wenn das alle gemacht haben. :D Mein kleiner Schockmoment in der Kirche war, als alle, die das erste Mal beim Gottesdienst mitmachten, aufstehen mussten und sich vorstellen sollten. Aber auch das habe ich überlebt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden wir nach vorne geholt, damit uns alle segnen und durch Umarmungen begrüßen konnten. Alle Neuankömmlinge wurden sehr herzlich in die Gemeinde aufgenommen. Ich bekam sogar als Geschenk ein leckeres Ingwergetränk und ein Sandwich, die mein Leben retteten. Der Gottesdienst ging insgesamt drei Stunden lang, worauf ich nicht vorbereitet war. In Deutschland geht ein Gottesdienst maximal eine Stunde oder? Jetzt weiß ich ungefähr wie sich Aenno und Doro beim indonesischen Gottesdienst gefühlt haben. :D Ich war echt froh, dass mich Aaron mitgenommen hat. Super lieb! :) Denn heute habe ich für mein Gefühl den ghanaischsten Tag erlebt, seitdem ich da bin.

    Zu zweit setzten wir uns in ein Trotro, eine Art Minibus, der erst weiterfährt, wenn noch mehr Leute dazusteigen, obwohl er eigentlich schon mit Menschen überladen ist. Ich verstehe das hier alles noch nicht so ganz. Wir holten uns bei KFC einen Eimer Chickenwings und fuhren noch zu seiner Tante, da er kurz in der Apotheke aushelfen musste.

    Im AIESEC Haus haben wir zusammen die Chickenwings gegessen. Nun chillen wir alle. Einige am Tisch, einige auf dem Zimmer, die Jungs spielen natürlich FIFA - was auch sonst. Ich sitze gerade auf einer Matratze mit anderen Mitbewohnern und hören gerade das Lied 'Etana - Wifey'. Hier gesellt sich jeder zu jedem. Das ist echt cool. Wie eine Riesen-WG. :)

    Mit Tanja, Sophia und Martha holte ich mir am Abend Indomie von der Straße. Während die Frau vier Portionen zubereitete, haben wir ein süßes Baby auf dem Arm halten können. Jeder wollte es einmal halten. Der Arme! Nun sitzen alle Mädels am Tisch und essen und gossipen - so wie man das so kennt. Ist wohl überall auf der Welt gleich. :D Wahrscheinlich bleibt der Abend so entspannt und irgendwann geht's auch schon wieder ins Bett. Ich merke, dass ich mich immer wohler hier fühle, weil ich anfange alles hier rumliegen zu lassen. Das sollte ich mir vielleicht wieder lieber abgewöhnen.

    Heutiger Zettel:
    Eine Maori-Weisheit von Dübel: "He ngahuru koiangiangi!" " Ein Frühling verursacht häufige Toilettengänge!" xD Also: Genieße das jeile Essen dort, aber übertreib's nicht (Indonesien)

    Ok Boss!! :D ♡♡♡
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  • Day8

    Mittwoch, 29.08.

    August 31, 2018 in Ghana ⋅ ⛅ 24 °C

    Ich hab' für die erste Nacht auf einer dünnen Matratze ziemlich gut und fest geschlafen. Ich glaube, weil ich die letzten Tage wenig schlief und allgemein von der Ankuft und den vielen Eindrücken und den vielen Kindern hier, die ständig mit einem spielen wollen, erschöpft war. Ab vier Uhr morgens wird's eigentlich wieder laut. Der erste Hahn kräht direkt neben dem Fenster. Der Nachbar macht ghanaische Kirchenmusik an und man hört die Kinder vor der Tür spielen. 

    Das Gute, was es im AIESEC Haus nicht gibt, ist, dass wir "morgens, mittags, abends" (:D) bekocht werden. Das Essen ist zwar einfach, aber richtig lecker! Und die Portionen sind riesig. Wir vier Interns essen immer zusammen an einem Mini-Holztisch. Ein Junge, er müsste etwa 14 Jahre alt sein, räumt danach unsere Teller weg. Hier wird nicht zugelassen, dass man etwas selbst macht. Alles wird einem hin- und hergetragen. Selbst von kleinen Kindern, die nicht mal wie vier aussehen, kriegt man Hilfe. So nahm mir einer bei meiner Ankunft meine schwere Tüte ab. Für ihn war es so selbstverständlich, sodass ich den restlichenWeg sehr verwundert und fasziniert weitergegangen bin. Ich wusste nicht wie ich mich bedanken konnte. Da erinnerte ich mich daran, dass meine Mutter mir eine Tüte  saurer Würmchen in meinen Rucksack stopfte. Ich holte sie heraus, die Kinder stürtzten sich auf mich und schon war die Tüte nicht mehr in meiner Hand. Die älteren Kinder haben hier natürlich das Sagen und beanspruchten die Süßigkeiten für sich selbst. Ich rief noch hinterher, dass sie sich das teilen sollen. Er gab jedem ein Würmchen. Das nächste Mal weiß ich's besser und verteile die Sachen lieber selbst.

    Da ich auf Netzsuche war, zog ich alleine um die Häuser. Auf einer großen, weitläufigen Grünfläche, auf dem ab und zu Fußball gespielt wird, versuchte ich mein Glück. Dort begegnete ich einem sehr netten Jungen, der mir bei der Suche half. Wir quatschten dabei und erzählten uns gegenseitig voneinander. Er ist 19 Jahre alt und hat die Secondary School gerade beendet und würde am liebsten anfangen in Richtung Wirtschaft zu studieren. Aus finanziellen Gründen ist das leider überhaupt nicht möglich. Auf dem Dorf findet man so gut wie keine Arbeit, um vernünftiges Geld zu verdienen. Das Farming (Kakao) und der Verkauf von Tontöpfen sind die Hauptverdienstmöglichkeiten auf dem Dorf. Die Erträge reichen gerade aus, um die Familie zu versorgen. Deswegen geht er die nächsten Wochenenden nach Accra, um Arbeit zu suchen. Das ist hier leider kein Einzelfall. Aber: "When you really want it, you can do it.", um Kofi, unseren Nachbarn, zu zitieren.

    Ich stelle oft fest, dass sie so gut wie nichts besitzen. Deswegen bewundere ich sie umso mehr, dass sie so viel Lebensfreude haben und neuen Leuten gegenüber total offenherzig & hilfsbereit sind. Sie sind außerdem sehr kreativ und handwerklich begabt. So basteln/bauen die Kinder ihre Spielzeuge z. B. selbst. Ein Auto ist eigentlich nur ein langer Palmenblattzweig mit zwei kleinen Röllchen aus Holz am Ende. Es gleicht eher einer Holz-Watschelente für Kleinkinder in Deutschland als einem Auto. Teilweise schieben sie dann zu dritt dieses "Auto" durch die Gegend. Ein Bobby Car ist ein Kanister, auf die sie sich draufsetzen und sich gegenseitig über den erdigen Boden schieben. Ein dreijähriges Mädchen zog ein altmodisches, ziemlich kaputtes Schnurtelefon hinter sich her. Vielleicht soll es einen Hund darstellen?! Hier wird einem erst richtig bewusst, in was für einem Überfluss bzgl. materieller Dinge wir leben und dass wir die Möglichkeiten und Freiheiten besitzen, alles zu bekommen. In jeglicher Hinsicht. Da weiß man sein Leben viel mehr zu schätzen!

    "Ergreife jede Chance, die dir das Leben bietet, denn manche Dinge passieren nur einmal. :) " 

    Danke Lars & Chrissi. Der Spruch hat mich noch mal daran erinnert, dass ich die Zeit, die ich noch hier bin sinnvoll nutzen sollte. Denn diese Erfahrung ist einmalig und wer weiß, wie schnell ich nochmal eine solche Möglichkeit erhalte. Ich habe schon eine kleine Überlegung, was ich mit den Kindern in ihren Ferien anfangen könnte. Ich weiß zwar nicht, ob es was wird und wie es ankommt, aber darüber werde ich mich wohl die nächsten Tage mit Mr. Thompson und Kofi austauschen wollen. 

    Ansonsten waren die Tage relativ entspannt. Ich spiele viel mit den Kindern. U. a. das Spiel "Bei Müller's hat's gebrannt-brannt-brannt...", wir bringen uns gegenseitig deutsche bzw. ghanaische Lieder bei. Bei einem Spaziergang durch's Dorf traf ich erneut Amos, der mich wieder ein bisschen rumführte. Ich bin von so tollen Menschen umgeben. Sowohl auf dem Dorf, als auch im AIESEC House. Das macht die Zeit hier echt einzigartig und ich bin gerade mal eine Woche hier. Ich hab' jetzt schon Angst vor'm Abschied. Aber bis dahin werde ich so gut es geht die Zeit mit ihnen hier genießen.  

    "So meine süße Maus...Ich wünsche Dir einen tollen Tag und genieß' die Zeit dort. Bald sehen wir uns ja. :)"

    Den hatte ich tatsächlich. Danke. ♡♡♡
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  • Day22

    09.09.: Lost in the rainforest.

    September 14, 2018 in Ghana ⋅ ⛅ 25 °C

    Heute Morgen ging es zum Gottesdienst - dieses Mal in einen anderen. Die Schneiderin, die die Mädels in Accra kennenlernten, lud sie dazu ein. Ich kam mit und wollte von da aus mein Trotro Richtung Nkawkaw nehmen. Wenn ich darüber nachdachte, wurde ich ziemlich nervös, da es meine erste Fahrt alleine war. Die Kirche befand sich letztendlich nicht in Madina, wovon wir ausgingen, sondern die Schneiderei. "Na toll!", dachte ich mir wie so oft hier. Keine Ahnung, wo ich später bei dem Chaos einsteigen sollte. Während des Gottesdienstes konnte ich also nicht wirklich entspannen und hatte nur im Hinterkopf, dass ich noch vor Einbruch der Dunkelheit ankommen wollte. Der Gottesdienst ging wie erwartet etwa drei Stunden und war dieses Mal kaum auszuhalten. Er begann richtig stressig. Die Predigerin schrie eigentlich nur ins Mikrofon und das ca. die Hälfte der Zeit. Die Boxen waren so schranzig, sodass die Ohren schon wehtaten. Zwischendurch gab' es Tanzeinlagen, bei denen wir nach vorne geholt wurden und uns zu der Musik im Kreis bewegten - teilweise über fünf Minuten lang. Manche sind beim Tanzen etwas durchgedreht und haben ihre eigenen Filme geschoben. Manchmal fühlten wir uns wie im falschen Film. :D Irgendwann kam noch ein anderer Pfarrer, der endlos lang gepredigt hat. Bei jedem "We close the service now." schöpfte ich neue Hoffnung. Jedes Mal wurde ich enttäuscht. Als wäre das nicht genug gewesen, wollte er noch jeden Einzelnen segnen. Dafür kippte er jedem Öl über die Haare - "Auch das noch!". Irgendwann waren wir an der Reihe. Bei meinem Glück kippte er natürlich besonders viel auf meinen Kopf, sodass meine frisch gewaschenen Haare mega fettig wurden. Der Rest lief überall vom Kopf aus herunter, sodass ich meine Arme damit einschmieren konnte. Jetzt fühlte ich mich besonders fresh für meine etwa fünfstündige Trotro-Fahrt...nicht. :D Als der Gottesdienst dann WIRKLICH endete, fuhr der Pfarrer mit seinem Auto zuerst mich zur Trotro-Station, dann die Mädels nach Hause. Er brachte mich allerdings nicht zur gewöhnlichen Station, sondern setzte mich ganz woanders ab. Ich wusste nicht wirklich, wo ich hinsollte. Ich wurde in ein Trotros gesetzt, verstand irgendwas mit 'Circle' und fuhr dann weg ohne zu wissen, wohin es geht. Es ging alles so schnell. Ich konnte den Mädels nicht mal richtig 'Tschüß' sagen. Ich fuhr etwa eine halbe Stunde durch Accra rum, bis ich irgendwann abgesetzt wurde. Ich stand dann alleine an der Straße, war total orientierungslos und überfordert von dem stressigen Verkehr und dem Menschenauflauf. Ich ging planlos durch die Gegend und fragte mich durch und schaffte es irgendwann zum richtigen Trotro nach Nkawkaw zu gelangen. Ich entspannte wieder und fühlte mich nun wieder sicher. Als ich dort ankam, war es sogar noch hell. Ich filmte fröhlich die Gegend mit den schönen Bergen im Hintergrund und der untergehenden Sonne. Von da aus musste ich nur noch ein Taxi nach Mpraeso Amanfrom nehmen. "Juhu, gleich ist's geschafft. Nur noch zehn Minuten Fahrt, dann bin ich 'Zuhause'. 

    Ich stieg also ins Taxi, nachdem ich drei Mal nachfragte, ob er nach Mpraeso Amanfrom fährt. Seine Aussage "Yeah, yeah sure." klang auch sehr überzeugend, sodass ich ihm vertraute. Nach mehr als fünf Minuten wurde es immer dunkler und ich erkannte nicht mehr so richtig, wo ich langfuhr. Irgendwann merkte ich aber schon, dass die Strecke etwas ungewöhnlich war. Bei genauerem Hinschauen aus dem Fenster befand ich mich plötzlich schon in den Bergen im tiefsten Regenwald. Ich hörte nur noch Tierlaute, alles wurde nebelig und dunkler, wir fuhren immer höher und keine Menschenseele weit und breit. Ich wurde richtig panisch, da ich merkte, dass ich definitiv falsch fuhr. Ich fragte den Fahrer, ob wir gerade nach Mpraeso Amanfrom fahren. Er antwortete mit "No, Mpraeso." Das war der Moment, bei dem ich mir dachte "Oh, shit. Jetzt bin ich verloren." Das Mädel, was ich vorher neben mir im Taxi fragte, verstand mich auch nicht. Ich versuchte zu erklären, dass ich da falsch bin. Er verstand kein Englisch und fuhr immer weiter. Glücklicherweise verstand der Beifahrer englisch und versuchte dem Fahrer auf 'Twi' zu erklären, dass ich die gesamte Strecke wieder runter muss. Ich war sooo froh darüber, dass mich jemand verstand. Der liebe Mann schien besorgt um mich zu sein und erklärte mir noch ein paar Dinge, bevor ich aus dem Taxi stieg. In dem Moment kam uns ein anderes Taxi entgegen, was wieder nach unten fuhr. Ich sollte schnell umsteigen. Die Strecke von Taxi zu Taxi war richtig schlimm. Sie standen etwa 20m voneinander entfernt. Also sprang ich raus, sprintete zum anderen und hüpfte da rein. Die Vorstellung, dass beide wegfahren, war schrecklich. Ich wäre im Regenwald gefangen gewesen. Das hätte ich vor Angst nicht überlebt. 

    Die Weiterfahrt war immer noch gruselig. Ich war aber froh, dass mein Internet sporadisch ging, sodass ich die ganze Zeit mit David in Kontakt blieb. Wir schickten uns gegenseitig im Minutentakt unsere Standorte. Er beruhigte mich, dass alles gut geht. Ich war noch nicht ganz so zuversichtlich. Insgesamt stieg ich vier Mal um anstatt einmal durchzufahren. Der Weg durch den Wald war so dunkel. Links und rechts war nichts erkennbar und vorne befand sich Nebel, sodass man nicht weit schauen konnte und wir total langsam fuhren. Ich saß mit vier Männern in einem engen Taxi, die sich nur auf 'Twi' unterhielten. Das war beängstigend. Ich hatte schon die ganze Zeit Horrorszenarien im Kopf. Letztendlich kam ich an. David, Kofi und seine ganzen Freunde standen schon am Wegesrand im strömenden Regen auf mich und empfingen mich mit einer fetten Gruppenumarmung. Ich glaube, ich war noch nie so froh, Menschen wieder gesehen zu haben. :D Den Rest des Abends wurde ich richtig verwöhnt. Selbst die Kinder merkten, dass was nicht stimmte und waren die ganze Zeit bei mir. ♡
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  • Day23

    11.09.: Was zur Hölle esse ich da?!

    September 15, 2018 in Ghana ⋅ ⛅ 25 °C

    Mein Highlight des Tages: 

    Siehe Foto. 

    Kofi fragte mich, was ich für den heutigen Abend gerne essen wollen würde. Ich antwortete mit 'Fufu'. Das ist ein typisches ghanaisches Gericht, eine Art runder Teig  - etwa wie Knödel, der meistens in einer Suppe mit Fleischeinlage serviert wird. Ich war neugierig und wollte es probieren, da die Japanerinnen meinten, das sei die leckerere Version zu Bangku. Kofi führte uns durch's Dorf. Wir endeten in einer kleinen, dreckigen Essenshütte, wo alle möglichen Tiere zwischen deine Beine liefen und den Boden nach Essensresten absuchten.

    Das Essen wurde serviert. Da ich richtig Hunger hatte, griff ich mit meiner Hand rein und nahm den ersten Happen. In der Hütte war es so dunkel, dass ich nicht richtig erkannte, wo ich reinbiss. Als ich mit der Hand ertastete, dass das Fleisch sich wie eine Pfote anfühlte, kam mir fast alles hoch. Ich schluckte das unzerkaute Fleisch mit einem Mal runter und war schon fast am Würgen. Ich riss mich zusammen, da ich nicht "disrespectful" sein wollte. Ich aß nur noch den 'Fufu' und die Soße dazu und tat so als wäre ich schon satt. Dabei hatte ich noch total Hunger. So ging es dann für mich ins Bett in der Hoffnung, den morgigen Tag eine andere Mahlzeit zu bekommen. 

    Manchmal weiß ich in einigen Situationen echt nicht, ob ich gerade weinen oder einfach lachen soll. :D Bis jetzt war Letzeres zum Glück immer der Fall! 

    Achso. Kurze Auflösung. Kofi hat mir versichert, dass es eine Antilope war.
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  • Day25

    Herzlich Willkommen, kleiner Mensch!

    September 17, 2018 in Ghana ⋅ ⛅ 25 °C

    Der Morgen fing schonmal blutig an. Gestern Abend wurde ein Motorrad-Unfallopfer in die Notaufnahme eingeliefert. Er ist etwa 23 Jahre alt und hat am gesamten Körper Verletzungen - mal größere, mal kleinere. Ich half der Krankenschwester die etwas "kleineren" Wunden zu verarzten bzw. sauber zu machen und mit einer Bandage zu umwickeln. Sein Gesicht kriegte vom Aufprall das meiste ab. Er schlug sich einige Zähne aus, seine Lippen wurden dabei dementsprechend verletzt, sodass sie genäht werden mussten. Der Arzthelfer meinte, ich kann froh sein, dass ich ihn erst heute sehe. Der Anblick war selbst für ihn gestern etwas viel. 

    Als wir fertig mit ihm waren, wartete ich weiterhin auf Dr Basit. Beim Warten auf dem Flur begegnete ich einigen Schwestern, die meinten, dass es gleich mit der OP losgehen  kann. Sie bereiteten nur noch schnell alles dafür vor. Verwirrt dachte ich mir "Ok, dann gucke ich wohl heute bei einer OP zu." So wird man hier mental darauf vorbereitet - also gar nicht. Es passiert einfach. :D Aber mich schreckt mittlerweile immer weniger ab.

    Irgendwann schlüpfte ich in mein Ärztinnen-Outfit, was eigentlich viel zu groß war. In meiner Vorstellung sah ein OP-Saal auf jeden Fall anders aus. Ich fühlte mich ein bisschen wie bei Frankenstein. Der Raum war karg ausgestattet und schlecht beleuchtet. Das kleine Gitterfensterchen in der hintersten Ecke des Raumes ließ kaum Tageslicht rein. Eine Anästhesie-Maschine, eine Metall-Operationsliege und ein Rollwagen, die als Ablage der unzähligen Operationswerkzeuge diente, schmückten den Raum. Das war's. Die Ausstattung sah eher provisorisch aus. Bei der Operation ging es um einen Kaiserschnitt, der durchgeführt wurde, da das Kind falsch herum lag - mit dem Hintern nach unten. Wahrscheinlich hab' ich mich fachlich sehr korrekt ausgedrückt. Was meinen Sie, Doc Nainus?  :D Der Anästhesist gab ihr eine Spritze, um sie zu betäuben. Relativ zeitnah folgte die eigentliche OP. Ich stand am Fußende und konnte die Prozedur genauestens beobachten. Dr Basit nahm sich ein Skalpell, setzte es an den linken, unteren Bereich der Bauchdecke an und zog es von da aus längst bis zur anderen Seite durch. Er arbeitete sich langsam von Schicht zu Schicht durch. Die Arzthelferin tupfte regelmäßig das Blut bzw. saugte es mit einer Maschine weg. Seltsamerweise konnte ich das ganz gut ab und schaute weiter interessiert zu. Nachdem die oberste Haut angeschnitten war, kam das ganze Fettgewebe zum Vorschein - eine gelbe, bläschenartige Konsistenz. Danach kamen irgendwelche Muskelfasern (?), daraufhin die Muskeln, bis letztendlich die Organe zu sehen waren. Da das Loch noch zu klein war, fassten sowohl Dr Basit als auch seine Arzthelferin ins Loch und rissen es mit aller Kraft auseinander. Da hab' ich mich echt erschrocken und mich gefragt, ob das in Deutschland auch so brutal durchgeführt wird. Laut Doc Nainus wird es das, da das Gewebe besser abheilen kann. Hoffentlich hab' ich das richtig verstanden. Ein bisschen vorsichtiger Schnitt Dr Basit dann den Uterus auf, da das Baby sich ja darin befand. Alles, was danach kam, sah für meine Augen wieder total brutal und grob aus. Sie kramten im Bauch herum, um das Baby rauszuholen. Zuerst kam der Hintern zum Vorschein. Stück für Stück zog er es letztendlich ganz raus. Es dauerte etwa zehn Sekunden, bis es anfing zu schreien. Auf dieses Geräusch wartete ich ungeduldig. Herzlich Willkommen, kleiner Mensch! Ich klatschte fröhlich und fand es faszinierend, dass ich bei einer Geburt live dabei sein konnte. Dr Basit musste lachen und meinte, es ist das erste Baby, was bei der Geburt lächelte. 

    Die Nabelschnur zur Plazenta wurde abgeschnitten, das Baby wurde an eine zweite Arzthelferin gereicht und die Plazenta in einen Metallbehälter getan. Danach gab' es eine kleine Verschnaufpause vor der zweiten OP. Juhu, nicht nur eine Geburt, sondern gleich zwei! 

    Bei der zweiten OP wurde ebenfalls ein Kaisershnitt durchgeführt. Dieses Mal, weil die junge werdende Mutter (15 Jahre alt) sich bereits in der 41. Woche befand und längst überfällig war. Genau das gleiche Spiel von vorne mit dem Unterschied, dass das Baby zuerst mit dem Kopf rausgeholt wurde und es kurz darauf anfing zu schreien. Welcome, welcome, kleiner Mensch! Zwei Geburten innerhalb von anderthalb Stunden reichen dann auch mal. Das waren zwei schöne, sehr ungewöhnliche Erlebnisse an einem Tag. Ich kann doch ziemlich viel Blut ab. Ich glaube bei der Beschneidung ging es mir eher um das machtlose Baby, dem ich nicht helfen konnte.

    Am gleichen Tag fuhren David und ich noch nach Accra und überraschten die anderen. Die Überraschung ist uns gelungen. Wir freuten uns alle, dass wir wieder zusammen waren. Wir verbrachten den Abend ganz entspannt, bis wir schlafen gingen. 
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  • Day25

    Europas größte Elektromüllhalde

    September 17, 2018 in Ghana ⋅ ⛅ 24 °C

    Agbogbloshie...eine der größten Verbrennungsanlagen der Welt und gleichzeitig der Wohnort von 400.000 Menschen. Für Menschen ist es lebensgefährlich sich dort länger als zwei Stunden aufzuhalten. Wir haben uns mit einem Guide dorthin gewagt und Dinge gesehen und erfahren, die nie zuvor in unserer Vorstellung waren. Menschen, die in einem selbstgebauten "Haus" aus kaputten Kühlschränken wohnen.

    Auf dem Boden findet man alles. Von Computertastaturen bis Autoheckscheiben, die als Weh genutzt werden, dass man beim Gehen auf den Müllbergen nicht versinkt. 5 Cedis (ca. 1€) verdienen die Menschen dort pro Tag, indem sie Elektro- und Plastikmüll ohne jegliche Schutzkleidung verbrennen. Davon haben sie u. a. 3 Cedis Steuern zu zahlen. Hier zeigen sich die Auswirkungen der Konsumgesellschaft - vor allem von Europa. Wir leben frei nach dem Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn." und da möchte ich mich auch nicht davon ausschließen, im Gegenteil.

    Wir tragen u. a. eine junge Mutter mit einem Baby auf dem Arm. Sie kam schwanger (!) auf diese Anlage, weil man ihr in ihrer Heimat in Nordafrika Arbeit versprochen wurde. Jetzt lebt sie dort ohne Geld mit ihrem Baby. Kinder, die dort groß werden, erkranken sehr früh an Krebs und sterben auch sehr schnell - im Schnitt mit 12 Jahren.

    Nach zwei Stunden mussten wir auch wieder gehen. Schreckliches Kratzen im Hals spürte man noch den ganzen Tag durch die schrecklichste Luft, die ich je geatmet habe. Die Haut war so dreckig als hätten wir seit Tagen nicht mehr geduscht.

    Wir alle in Deutschland, egal wie und mit wieviel Geld wir leben, sollten uns glücklich schätzen wie gut es uns doch geht. Vielleicht bewegt dieser Post einige von euch darüber nachzudenken - egal in welcher Hinsicht.

    by Tanja

    Für mich war es das erste Mal in Agbogbloshie und kein anderer Text hätte es besser zusammenfassen können, was wir heute sahen und erlebten. Die Intention für uns dorthin zu fahren, war es, die junge Mutter und ihr Baby zu treffen. Beim letzten Besuch in Agbogbloshie versuchten einige Interns den Kontakt zu 'West Africa Women Workers' herzustellen, um dafür zu sorgen, ihr den Weg aus der Hölle zu ermöglichen. Allerdings wirkte die NGO nach einigem Nachrichtenverkehr eher unseriös, nachdem sie eine sehr große Summe an Geld forderten. Also nahmen wir es selbst in die Hand, dem Baby die notwendige Medizin zu besorgen. Die Mutter kontaktierte uns zuvor und ließ uns wissen, dass es dem Baby nicht gut ginge. Die größte Qual für mich persönlich war es, das Baby dort zurücklassen und wissen zu müssen, dass es aus diesem Schattenreich nicht entkommt.

    https://youtu.be/UIlnmygnYvQ
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  • Day42

    Nachtrag: Good Bye Amanfrom, Hello Accra

    October 4, 2018 in Ghana ⋅ ⛅ 24 °C

    Ich bin nun seit einer Woche in Accra - um genau zu sein seit Sonntag, den 23.09.18. An diesem Tag entschied ich mich dazu, einen Tag vorher vom Dorf abzureisen als geplant. Eigentlich wollte ich nach unserem Wochenendtrip in Kumasi noch eine Nacht auf dem Dorf bleiben. Mir machten meine Schmerzen in der Nierenregion jedoch etwas Sorgen. Mein Plan war es deswegen den Montag in Accra direkt zum Arzt zu gehen. 

    Vormittags in Kumasi machten wir noch einen kleinen Abstecher zum 'Kejetia Market', dem wohl größten Markt in ganz Afrika. Ob das stimmt, weiß ich nicht genau. Da ich nur begrenztes Internet zur Verfügung habe, konnte ich noch keine Recherche betreiben oder aber eher: Ich hatte keine Lust zu recherchieren, weshalb ich das jetzt einfach mal so hinnehme, was man mir erzählt. :D Den Marktbesuch fand ich persönlich schrecklich. Da ich nur in Flip-Flops unterwegs war und es den Tag zuvor regnete, rutschte ich auf dem matschigen Boden ständig aus. In engen Gassen wurde es ziemlich eklig, da mein Fuß teilweise in irgendeiner Plörre versank. Außerdem kamen mir die komischsten & ungewöhnlichsten Gerüche entgegen, sodass ich mich dazu entschied aus diesem Markt zu gehen. Zum Glück kam Melissa mit mir mit. Ihr wurden vor allem die ganzen geschlachteten Tiere zu viel. Wir warteten auf einer Treppe am Wegesrand auf Tanja, Sophia und David und aßen gemütlich unser Brot und suchteten am Handy herum, wir kleinen Swombies. :D Ich war froh, als es dann irgendwann wieder Richtung Dorf ging. David, der bereits seine Sachen für Accra gepackt hatte, wartete nur noch auf mich. Ich packte ebenfalls meinen Koffer und musste unbedingt vor der nächsten Trotro-Fahrt duschen. Danach waren wir abfahrtbereit, sodass der Abschied von den Leuten immer näher rückte. Da ich aber wusste, dass ich auf jeden Fall wieder kommen werde, bevor ich nach Deutschland abreise, war es nicht ganz so schwer, Abschied zu nehmen. Wir machten noch einige Bilder zusammen, bevor es los ging. Ein kleiner Junge, der mir total ans Herz gewachsen ist, hing die ganze Zeit an mir. Er kam gefühlt jede fünf Minuten auf mich zu, um mich ein letztes Mal zu knuddeln. Das war süß! Als es für uns dann wirklich losging, schnappte er sich meinen großen Rucksack und trug ihn bis zum Trotro, wo wir einstiegen. 

    Ich hatte eine schöne Zeit mit den Leuten auf dem Dorf und hab' viele schöne Erinnerungen daran, vor allem mit den Kindern. Trotzdem freute ich mich sehr auf die Zeit in Accra, wo die Lebensumstände nicht ganz so hart waren. Außerdem freute ich mich ebenfalls total darauf, endlich was mit den Mädels und den Leuten in Accra was zu unternehmen. :) 
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  • Day8

    Montag, 27.08.: Good Bye Party

    August 31, 2018 in Ghana ⋅ ☁️ 25 °C

    Am Montag habe ich relativ lange geschlafen. Als ich ins Wohnzimmer kam, waren viele bereits wach. Netterweise hatte mir Stella eine geschnittene Ananas mitgebracht, sodass ich direkt etwas zum Frühstück hatte. :) Als wir fertig waren, machten wir uns zu dritt - Stella,  Diane & ich - auf den Weg zum Markt. Diane hatte eine große Einkaufsliste erstellt, da sie und einige Mädels aus der Elfenbeinküste uns für den Abend bekochen wollten. Im Haus war nämlich eine große Abschiedsfeier geplant. Ich musste ebenfalls einige Besorgungen machen. Da kam mir das ganz gelegen.

    Der Markt war so groß und wie üblich von Menschenmassen überflutet, sodass wir nach einigen Metern am liebsten wieder nach Hause gefahren wären. Die schwüle Hitze kommt noch dazu. Trotzdem lassen sich jegliche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch etc., die den ganzen Tag in der prallen Sonne rumliegen und von einem Fliegenschwarm umgeben sind, gut verkaufen. Kleidung, Schmuck, Elektrozeug und alles, was man sich vorstellen kann, sind dort vorhanden. Manche verkaufen in richtigen Ständen, manche sitzen auf dem Boden und viele Kinder & Frauen tragen ihren Kram in großen Blecheimern zum Verkauf auf ihren Köpfen. Meistens tragen sie noch jeweils ein kleines Baby auf dem Rücken mit sich herum. Wenn sie dir etwas anbieten und du freundlich mit einem Kopfschütteln verneinst, dann verstehen sie das und gehen weiter. Starrst du sie ein wenig zu lange an, weichen sie manchmal nicht mehr von deiner Seite. Man lernt aber ziemlich schnell wie man sich in welchen Situationen zu verhalten hat. Bis jetzt habe ich Ghana als ein sehr friedliches und herzliches Volk kennenlernen können. Die Hauptfragen, die sie einem stellen, sind "what's your name", "what's your mothers & fathers name", danach werden noch die Geschwister abgeklappert usw. Neben der Landessprache 'Englisch' wird nämlich noch 'Twi' gesprochen, weshalb manche vielleicht nicht mehr fragen können als das. Ich weiß es nicht.

    Wieder im Haus angekommen, habe ich erst mal entspannt. Da ich endlich eine SIM-Karte (die weit verbreitesten Telefonanbieter sind hier Airtel, MTN und Vodafone) mit Guthaben besitze, konnte ich mit Brother Marv, Hennning & Aenno 'Facetime' machen. Das war schön sie zu setzen. ♡ 

    Gegen 21 Uhr bekamen alle langsam Hunger und nach Party sah es noch gar nicht aus. Hier gibt es keine richtigen Zeitangaben, wie, wo, wann etwas losgeht. Man lässt sich einfach überraschen. Irgendwann geht es schon los. Manchmal kann es sich um Stunden handeln. Das Essen wurde nach einiger Zeit fertig. Alle versammelten sich im Gemeinschaftsraum, Ekow hielt eine schöne Rede und das Festmahl konnte beginnen. Es gab Reis, Plantain, richtig scharfe Soße, Salat und Gemüse. Wir feierten zusammen und hatten sehr viel Spaß. Alle haben getanzt. Teils lief ghanaische, teils spanische Musik. Ich legte mich irgendwann ins Bett, weil ich total müde war von den letzten Nächten, die ich nicht so gut schlafen konnte. Ich wurde jedoch wieder aus meinem Schlaf gerissen, da Raki mega laut im Zimmer weinte. Sie war traurig, dass die Spanierinnen gingen. Also stand ich wieder auf, war immer noch sehr müde, aber ging ein erneutes Mal raus, um die Spanierinnen zu verabschieden. Es müsste gegen gegen 2 oder 3 am gewesen sein, als sie auf das Taxi zum Flughafen warteten. Wir standen alle versammelt vor dem Tor bis es für die vier dann letztendlich wirklich losging. Dann musste ich unbedingt ins Bett, da der Wecker um sieben Uhr für mich klingelte.
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You might also know this place by the following names:

Hacho

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