• Gränna - die Stadt des Polkagries

    September 3 in Sweden ⋅ 🌧 15 °C

    Anschließend sind wir eine längere Strecke durch die dichten schwedischen Wälder, teils kilometerlang auf Schotterpisten nach Gränna gefahren. Gränna ist bekannt für den Polkagris, die die roten-weiß gestreiften Zuckerstangen. Erfunden hat sie Amalia Eriksson. Als Kind verlor sie durch eine Choleraepidemie beide Eltern und ihre Geschwister und arbeitete danach als Dienstmagd. 1855 kam sie nach Gränna, heiratete 1857 den Schneider Anders Eriksson – der aber schon kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Ida starb. Mit 35 Jahren mittellose Witwe, begann sie zuhause Süßigkeiten zu kochen, um sich und ihre Tochter zu ernähren.
    1859 erhielt sie vom Magistrat die Erlaubnis für eine eigene Bäckerei – zu dieser Zeit für eine Frau keine Selbstverständlichkeit. Sie gilt damit als erste Polkagris-Herstellerin Schwedens. Ein Teil des Teigs wurde rot gefärbt und mit Pfefferminzöl aromatisiert, der Rest hell gelassen, beide Stränge dann verdreht – das bis heute typische Muster. Der Name „Polka" bezieht sich vermutlich auf den damals populären Tanz.
    Ihre Tochter Ida führte das Geschäft bis 1945 weiter. Amalia starb 99-jährig als eine der wohlhabendsten und einflussreichsten Frauen Grännas. Heute stellen rund ein Dutzend Betriebe in Gränna Polkagris her, die Stadt zieht dafür jährlich über eine Million Touristen an. So viele waren es um diese Zeit nicht mehr, im Gegenteil. Nahezu alle Polkagries-Läden hatten zu.
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