• Von Hügelgräbern und Schiffssetzungen

    September 10 in Sweden ⋅ 🌧 13 °C

    Anundshög, ein Grabfeld der Wikingerzeit bei Västerås war unser nächster Halt, etwa 40 Kilometer entfernt. Wenig los war auch hier: Da es noch leicht regnete, marschierten wir erst mal wieder ins Café. Anundshög gilt als eines der bedeutendsten Gräberfelder der Wikingerzeit in Schweden – genutzt von der Völkerwanderungs- bis in die Wikingerzeit, etwa 500 bis 1050 n. Chr. Namensgebend ist der mächtige Anundshög selbst: mit rund 68 Metern Durchmesser und 9 Metern Höhe der größte Grabhügel Schwedens. Der Name wird mit dem legendären König Bröt-Anund aus der Ynglingasaga in Verbindung gebracht, geht aber wohl eher auf einen Runenstein aus dem 11. Jahrhundert am Fuß des Hügels zurück, der einen Anund erwähnt.
    Wer darin bestattet wurde, ist bis heute unbekannt. 1788 versuchten Brennerei-Knechte aus Västerås, den Hügel zu plündern, gruben sich aber nicht bis zum Grab durch. Eine echte archäologische Untersuchung fand erst 1998 statt – allerdings nur in Form von Probebohrungen und einzelnen Suchschnitten am Rand, keine vollständige Ausgrabung. Direkt daneben liegen mehrere Schiffssetzungen: zwei große, 54 und 51 Meter lange Steinreihen in Schiffsform, ausgerichtet auf den Anundshög, dazu drei kleinere. Kein anderer Fundort in Schweden vereint so viele große Schiffssetzungen an einem Platz.
    Das Areal diente bis ins 13. Jahrhundert zusätzlich als Thingplatz, also als Versammlungsort für Rechtsprechung und politische Entscheidungen – ein weiterer Beleg dafür, dass Anundshög über Jahrhunderte ein Zentrum von Macht und Gemeinschaft war.
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