• Nora – Trästadt mit Ecken und Kanten

    September 11 in Sweden ⋅ ☁️ 16 °C

    Nora bildet zusammen mit Eksjö und Hjo die „Tre Trästäder" und wurde mehrfach mit der Europa-Nostra-Medaille für die Erhaltung seiner historischen Holzbebauung ausgezeichnet. Vom Eisenbergbau der Region geprägt, erhielt die Stadt 1643 ihre Stadtrechte; ein Großbrand vernichtete sie 1731 fast vollständig, nur die – dabei beschädigte – Kirche blieb stehen. Der Wiederaufbau in den folgenden Jahrzehnten schuf das bis heute erhaltene, geschlossene Stadtbild aus Holzhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts.
    Ehrlich gesagt waren wir etwas enttäuscht, denn nach allem, was man über die Trästäder liest, hatten wir uns mehr vorgestellt. Statt einer ruhigen Altstadt zum Schlendern fährt überall Verkehr durch die Gassen, eine Fußgängerzone gibt es nicht, und auch das Ladenangebot ist überschaubar, mit kaum Kunsthandwerk und wenig, das zum Bummeln einlädt. Was bleibt, ist vor allem Ambiente: pastellfarbene Holzhäuser mit begrünten Innenhöfen rund um einen Marktplatz, den die neugotische Backsteinkirche von 1880 als Kontrastpunkt dominiert.
    Am alten Bahnhof warten die Züge und Wagen der Nora Bergslags Veteranjärnväg – die Strecke Nora–Ervalla von 1856 gilt als Schwedens erste normalspurige Eisenbahn für den öffentlichen Verkehr. Das Eisenbahnmuseum selbst hat im September geschlossen, doch das ist kein Beinbruch: Auf dem Freigelände stehen alte Loks und Waggons unrestauriert genau so herum, wie sie eben abgestellt wurden – für alle, die rostiges, unpoliertes altes Eisen einer aufgehübschten Museumsversion vorziehen, ein eigener kleiner Reiz.
    Einen schönen Tagesausklang bietet Nora Glass: Seit 1923 wird hier täglich frisches Speiseeis nach Familienrezept hergestellt, ein reines Naturprodukt ohne Konservierungsstoffe, immer in drei Sorten – Vanille und Haselnuss fest, dazu eine täglich wechselnde dritte. Erhältlich am Kiosk auf dem Glasstorget sowie im Café Strandstugan an der Uferpromenade. Nur war alles leider schon geschlossen. Krimi-Fans finden in Nora zudem die Heimat von Maria Lang, bürgerlich Dagmar Lange, die ihre fiktive Stadt Skoga in über 40 Kriminalromanen eins zu eins nach Nora modellierte.
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