Örebro, der Geburtsort des Hauses Bernadotte
September 12 in Sweden ⋅ ☁️ 17 °C
Wir sind am Schloss Örebro angekommen, einer mächtigen Renaissance-Wasserburg mit vier markanten Rundtürmen, mitten im Zentrum der Stadt auf einer Insel im Fluss Svartån gelegen. Der Ursprung reicht ins 14. Jahrhundert zurück: ein schlichter Verteidigungsturm mit dicker Ringmauer zur Kontrolle der strategisch wichtigen Flussfurt und Handelswege, im Lauf der Jahrhunderte durch Belagerungen mehrfach beschädigt. Ab 1573 ließ Herzog Karl – später König Karl IX. – die mittelalterliche Wehrburg zu einem prachtvollen Renaissanceschloss nach französischem Vorbild umbauen, ein Projekt, das sein Sohn Gustav II. Adolf fortführte und das sich bis in die 1620er Jahre zog. In dieser Zeit fanden auf dem Schloss mehrere Reichstage statt. Nach einem Verfall im 17./18. Jahrhundert – zeitweise diente das Schloss als Gefängnis und Waffenlager – wurde es Mitte des 18. Jahrhunderts klassizistisch umgebaut, die Kuppeldächer der Türme wichen flachen Dächern. Sein heutiges, romantisch-historisierendes Erscheinungsbild mit den charakteristischen Turmhauben erhielt das Schloss erst bei einer Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts, im Geist der Nationalromantik.
Die bedeutendste Rolle spielte Örebro 1810: Beim Reichstag in der Stadt wählten die Stände den französischen Marschall Jean-Baptiste Bernadotte zum schwedischen Thronfolger. Die Sitzung fand in der Sankt-Nikolai-Kirche am Stortorget statt, König Karl XIII. residierte während dieser Zeit im Schloss und erhielt dort die Nachricht von der Wahl. Als König Karl XIV. Johann begründete Bernadotte das Haus Bernadotte – bis heute das regierende Königshaus Schwedens.
Ein Rundgang lohnt sich für den Innenhof mit seinen massiven Steinmauern, erreichbar über eine Brücke durchs Haupttor, und für den Spaziergang um den Wassergraben, in dem sich Türme und helle Fassaden im ruhigen Flusswasser spiegeln. Innen lassen sich historische Säle und königliche Gemächer besichtigen. Sehen kann man allerdings nur einen Teil des Schlosses: Große Bereiche dienen bis heute als Sitz der Provinzverwaltung (Landshövding) sowie als Büros und Konferenzräume und sind entsprechend nicht öffentlich zugänglich.
Besonders sehenswert war die Sonderausstellung „Wonderland" der britischen Künstlerin Kirsty Mitchell im Schloss – rund 40 großformatige Fotografien, einige über zwei Meter hoch. Mitchell, ursprünglich Modedesignerin, verarbeitete darin den Tod ihrer Mutter 2008 zu einer eigenen Bildwelt voller Märchenmotive aus ihrer Kindheit. Die über fünf Jahre entstandene Serie machte international Furore. Das Besondere sind die Bilder selbst: Kostüme, Requisiten und Kulissen fertigt Mitchell komplett von Hand – ein einziges Motiv kann Monate Arbeit kosten. Fotografiert wird anschließend draußen in englischen Wäldern, mit ihr selbst hinter der Kamera. Entstanden sind opulente, farbintensive Fantasiewelten zwischen Traum und Wirklichkeit, ergänzt um neuere Arbeiten zu ihrer eigenen Krebserkrankung. In Örebro sind neben den Fotografien auch einige Original-Kostüme, Requisiten und Filmmaterial zur Entstehung der Bilder zu sehen.Read more













