Varnhem - Wiege des schwedischen Reiches
September 14 in Sweden
☁️ 16 °C
Die Klosterkirche von Varnhem ist eine der bedeutendsten historischen Stätten Schwedens. Sie liegt am Westhang des Billingen-Höhenzugs in der Provinz Västergötland und gilt als eine der wichtigsten Wiegen des schwedischen Königreichs. Das Kloster wurde 1150 von Zisterziensermönchen unter Abt Henrik gegründet, die aus dem Kloster Alvastra in Östergötland kamen – selbst eine Tochtergründung des französischen Mutterklosters Clairvaux. Sie brachten fortschrittliche Steinmetzkunst und landwirtschaftliche Techniken in die Region. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1234 wurde die Kirche im gotischen Stil wiederaufgebaut; Birger Jarl, der später als Reichsjarl faktisch die Regierungsgeschäfte Schwedens führte, gilt als treibende Kraft dieses Wiederaufbaus. Varnhem war über Jahrhunderte das spirituelle Zentrum des mittelalterlichen Schwedens.
Die Kirche ist Ruhestätte von vier schwedischen Königen: Knut Eriksson (†1195/96), Erik Knutsson (†1216) und Erik Eriksson (†1250) aus dem Geschlecht der Eriker, sowie Inge der Ältere (†um 1100) aus der älteren Stenkil-Dynastie, dessen Gebeine später hierher überführt wurden. Ihre Grabmäler mit den Königskronen stehen im Kapellkranz hinter dem Chor. In den vier Kammern sind aber nur Kentographje, also Scheingräber von etwa 1654. Die echten Gebeine der mittelalterlichen Könige Knut I., Erik X. und Erik XI. ruhen seit dem 12. und 13. Jahrhundert tief im Erdboden der Kirche. Die im Foto gezeigte originale mittelalterliche Steinplatte liegt direkt über oder ganz nah bei der echten Grabstätte
Das historisch bedeutendste Grab der Kirche ist jedoch das von Birger Jarl (†1266) – dem historisch verbürgten Gründer der heutigen schwedischen Hauptstadt Stockholm. Seine Grabplatte liegt im westlichen Kirchenschiff vor dem Altar des Heiligen Kreuzes und zieht bis heute historisch Interessierte aus aller Welt an.
Wer die Klosterkirche besichtigt, sollte unbedingt auch die wenigen Schritte auf den Hügel direkt dahinter gehen: Bei archäologischen Ausgrabungen wurden hier die Fundamente von Kata Gård freigelegt, einem privaten Gutshof aus der Wikingerzeit mit eigener Gutsherrenkirche. Zunächst stand hier bereits im 10. Jahrhundert eine kleine Holzkirche, die um das Jahr 1000 bis spätestens in den 1040er-Jahren durch eine Steinkirche ersetzt wurde – nach heutigem Kenntnisstand eine der ältesten Steinkirchen Schwedens außerhalb Schonens.
Die um die Kirche gefundenen christlichen Gräber (rund 3000 an der Zahl) reichen bis in die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts zurück – rund hundert Jahre vor der offiziell angenommenen Christianisierung Schwedens um das Jahr 1000. Benannt ist der Ort nach der Frau Kata, die den Hof am Ende der Wikingerzeit führte. Eine Runeninschrift auf einem der Grabsteine erinnert an sie: "Kättil errichtete diesen Stein zum Gedenken an Kata, seine Frau, Schwester des Torgils." Ihr Grab liegt heute unter einer modernen Holzschutzkonstruktion mit Glasboden und kann direkt von oben besichtigt werden.
Die Ausgrabungen von Kata Gård haben das bisherige Bild der schwedischen Frühgeschichte verändert: Sie belegen, dass Västergötland bereits deutlich früher christianisiert wurde als der Rest Schwedens.Read more



















