• London - Tag 2

    October 31, 2025 in England ⋅ ☁️ 14 °C

    Der zweite Tag begann, wie könnte es anders sein, mit einem Bagel. Dieses Mal in einem anderen Laden, aber die Begeisterung hielt sich bei uns beiden in Grenzen. Kein Vergleich zu gestern, aber immerhin eine solide Stärkung für den Tag. Unser erstes Ziel: King’s Cross Station. Natürlich mussten wir zu Gleis 9¾, das berühmte Tor in die Zaubererwelt. Leider war die Muggelwelt heute deutlich überfüllt: Über eine Stunde Wartezeit für ein Foto mit dem Gepäckwagen in der Wand. Wir entschieden uns dagegen. London ist einfach zu schön, um so lange in einer Schlange zu stehen. Direkt dahinter liegt das Coal Drops Yard, ein modernes Einkaufs- und Kulturviertel in einem ehemaligen Kohlenlager aus dem 19. Jahrhundert. Früher wurden hier die Züge mit Kohle für ganz London beladen, heute ist es ein stylischer Mix aus Boutiquen, Restaurants und Designläden mit viel Stahl, Glas und industriellem Charme. Zwischen alten Backsteinbögen und modernen Pavillons genossen wir die entspannte Atmosphäre. Ich gönnte mir einen Iced Matcha Latte mit Mango, eine ziemlich gute Kombination. Am Kanal lag sogar ein kleiner Bootsladen, eine Art schwimmender Bauchladen, aber leider war er noch geschlossen. Schade!
    Mit der U-Bahn ging es weiter zum Borough Market, einem der ältesten und bekanntesten Lebensmittelmärkte Londons. Er existiert in seiner heutigen Form schon ewig und ist ein Paradies für Feinschmecker, also perfekt für uns: frisches Obst, Käse, Käse, Käse, Streetfood aus aller Welt. Kaum angekommen, begann es zu regnen, aber der Markt ist überdacht, also kein Problem. Abgesehen vom vielen Käse, gab es auch viele Menschen. Wie schlenderten durch die Gänge und am liebsten hätten wir alles probiert, aber irgendwann stößt selbst der beste Appetit an seine Grenzen. Wir teilten uns einen unglaublich guten Brownie, außen fest, innen weich, einfach perfekt. Von dort liefen wir über die London Bridge, überquerten die Themse und tauchten ein in das moderne London: Glasfassaden, glänzende Autos, Banker in Maßanzügen, und viele Rolls Royce. Ein Kontrastprogramm zu gestern.
    Unser Ziel war die St. Paul’s Cathedral, eine der größten Kirchen Europas. Natürlich zahlten wir wieder nichts.
    Drinnen ist die Kathedrale beeindruckend: die gewaltige Kuppel, die kunstvolle Decke, das Licht, das durch die hohen Fenster fällt. Ich war allerdings nicht darauf vorbereitet, 528 Stufen bis zur Kuppel hinaufzusteigen. Es war anstrengend, schweißtreibend und ehrlich gesagt ziemlich unerwartet. Aber der Ausblick entschädigte für alles. In der Whispering Gallery, die sich rund um die Innenseite der Kuppel zieht, der ersten Ebene, probierten wir das berühmte akustische Phänomen aus: Wenn man an der Wand flüstert, hört man die Worte auf der gegenüberliegenden Seite klar und deutlich, über 30 Meter entfernt. Wir testeten es natürlich. Es funktionierte perfekt, und wir waren, und sind, beide begeistert. Nach so vielen Stufen brauchte ich erstmal eine Pause. Beim Bummeln durch die Innenstadt kamen wir an diversen Luxusboutiquen vorbei, nicht ganz unsere Preisklasse. Stattdessen führte der Weg uns ins Hamleys, das legendäre Spielwarengeschäft in der Regent Street. Ich wollte es Josie unbedingt zeigen. Auf sieben Etagen gibt es dort alles, was Kinderaugen zum Leuchten bringt – und ehrlich gesagt, auch meine. Danach machten wir eine Teepause bei Maison Assouline, einem eleganten Buch- und Designhaus mit Café. Eigentlich eher ein Ort für Champagner als für Tee, aber die Pause war wunderbar ruhig. Langsam wurde es dunkel, der Regen kehrte zurück, und der Hunger meldete sich. Gestern hatten wir in Soho einen Mochi-Laden entdeckt, den wir uns heute vorgenommen hatten. Die Mochis werden dort frisch und direkt vor den Augen der Gäste hergestellt, zart, weich, gefüllt mit frischer Creme. Und sie waren wirklich köstlich. Nach dem süßen Teil musste natürlich etwas Herzhaftes folgen: also noch einmal einen gedämpften Bun – genau wie am Vortag, weil er einfach zu gut war. Wir schlenderten weiter durch Soho, vorbei an Bars, kleinen Buchläden und belebten Straßen, und landeten schließlich in einer schönen Buchhandlung. Ziemlich spannend war folgendes: Es gab einige kleine Kostümläden, vor denen wirklich ellenlange Schlangen zu sehen waren. Die Leute sind hier wohl super spontan und kaufen sich 1 Stunde vor der Halloweenparty noch ein Kostum. Verrück!
    Nach rund 25.000 Schritten war der Hunger wieder groß, also gönnten wir uns noch Pasta, schlicht, aber sehr lecker. Zum Abschluss machten wir einen kurzen Abstecher in eine zweite Buchhandlung, wo Josie sich Poesie-Bände kaufte. Und dann reichte es uns auch. Wir gingen satt & völlig k.o. zurück ins Hotel.
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