Tag 3 - Lissabon
March 8 in Portugal ⋅ ☀️ 11 °C
Der große Tag begann früher als geplant. Um 5:10 Uhr wurden wir von einem tiefen Bass geweckt. Unser erster Gedanke: Irgendein Club in der Nähe, der noch geöffnet hat. Nach einer Stunde wurde aber klar – die Musik kam aus unserem Haus. „Party in da house“, allerdings ohne uns. Viel Schlaf gab es danach jedenfalls nicht mehr, also beschlossen wir: Aufstehen und fertig machen für den Halbmarathon. Der Weg zum Start war etwas länger, daher machten wir uns früh auf den Weg. Die S-Bahn war brechend voll – allerdings nicht mit normalen Pendlern, sondern mit Hunderten Läuferinnen und Läufern. Am Ausstieg wartete gleich die nächste Überraschung: Eine Big Band spielte am Ausgang und begrüßte die ankommenden Läufer. Eine richtig gute Stimmung, die sofort Lust auf den Lauf machte. Wir trafen wieder Claudia, Angel und die anderen aus der Gruppe. Vor dem Start wurde es dann noch einmal hektisch – vor allem die Suche nach einer Toilette gestaltete sich schwierig, vor allem für uns Mädls. Wie bei vielen großen Läufen: viele Läufer, zu wenige Toiletten, also musste der Busch herhalten. Kurz vor dem Start trennten sich unsere Wege, weil wir unterschiedliche Zielzeiten und Tempogruppen hatten. Noch ein paar letzte motivierende Worte – und dann ging es auch schon los. Das spektakulärste Highlight kam direkt am Anfang: Die ersten drei Kilometer führten über die berühmte Brücke des 25. April. Normalerweise fahren hier Autos – heute gehörte sie den Läufern. Der Blick über den Tejo und auf die Stadt war beeindruckend und definitiv einer der besonderen Momente des Laufs. Danach folgte der restliche Kurs entlang des Flusses und durch verschiedene Stadtteile. Insgesamt war die Strecke aber ziemlich öde. Es gab einige schöne Abschnitte, aber relativ wenig echtes Sightseeing. Auch die Stimmung an der Strecke war eher solide als spektakulär: hier und da Musik, ein paar Zuschauer, die anfeuerten – aber insgesamt auch hier öde. Ähnlich war es bei der Versorgung: Wasser gab es, Gels aber das war’s. Für einen großen Halbmarathon wäre hier definitiv noch mehr möglich gewesen, vor allem fehlten mir Bananen. Der wirkliche Endgegner wartete allerdings auf den letzten Kilometern. Etwa 7 Kilometer vor dem Ziel liefen wir direkt daran vorbei – also Ziel in Sichtweite! Man sah die Zielgerade und die glücklichen Läufer, die fast angekommen waren. Doch statt abzubiegen, mussten wir erst einmal noch 7 Kilometer weiterlaufen, Psychologisch ein kleiner Kampf – besonders, wenn man die fast fertigen Läufer auf der anderen Seite sehen kann. Horror! Aber irgendwann war es dann doch so weit: Zieleinlauf! Alle aus unserer Gruppe haben es geschafft, alle sind gesund im Ziel angekommen. Die Bilanz: etwas Muskelkater, ein paar Blasen an den Füßen – aber ansonsten alles gut.
Der Finisher-Bereich war ebenfalls eher funktional: Wasser, eine Medaille, eine Banane (endlich!) und ein Eis. Es soll noch mehr gegeben haben, etwas abseits vom Hauptbereich – aber ehrlich gesagt waren wir gedanklich schon bei etwas anderem: Pastéis de Nata. Das Wetter machte es nach dem Lauf nicht gerade gemütlicher. Wir waren komplett durchgeschwitzt, die Sonne war weg und ein kühler Wind zog vom Fluss herüber. Zum Glück hatten wir eine gute Idee gehabt: Da es keinen Gear-Check gab, hatten wir vorher bei einem Gewinnspiel Regenponchos gewonnen – die wurden jetzt kurzerhand zu improvisierten Windjacken. Der Heimweg gestaltete sich dann noch abenteuerlich. Für den Rücktransport waren zwar Shuttlebusse organisiert – allerdings waren die komplett überfüllt. Nach einigem Warten, Gedränge und Umplanen schafften wir es schließlich doch zurück Richtung Unterkunft, allerdings zu Fuß.
Dort wartete das, was nach einem Halbmarathon am besten hilft:
eine heiße Dusche. Da Angel und Claudia bereits heute abreisen mussten, gingen wir später noch einmal gemeinsam essen, um den Lauf zu feiern. Unsere Wahl fiel auf Madame Bo. Das Essen war okay.
Das Dessert dagegen war deutlich besser: Eis von Nivà und Pastéis de Nata – eine Kombination, die inzwischen fast schon zu unserem Lissabon-Ritual werden könnte.
Danach setzten wir uns noch kurz in den kleinen Park neben unserer Unterkunft und genossen ein bisschen Sonne, die sich wieder zeigte. Ein ruhiger Moment nach einem langen Tag. Am Abend wollten wir natürlich noch auf unsere Leistung anstoßen. Also gingen wir zu Pão de Canela, bestellten Sangria und ließen den Tag gemütlich ausklingen. Steve gönnte sich außerdem noch eine portugiesische Steak-Spezialität namens „Bitoque“. Danach stand nur noch eines auf dem Programm: Schlafen. Mehr ging an diesem Tag einfach nicht mehr.Read more






