• Tag 4 - Lissabon

    Yesterday in Portugal ⋅ ☁️ 12 °C

    Die Nacht nach dem Halbmarathon war sagen wir: nicht besonders erholsam. Jeder Muskel meldete sich zu Wort, und schon beim Aufstehen war klar: Heute wird kein sportlicher Tag. Eher ein „Wir versuchen uns möglichst wenig zu bewegen“-Tag. Der Fokus kann heute nur auf dem Essen liegen. Zum Start ging es zum Frühstück ins Seagull Method Café. Insgesamt lecker, aber nichts, was uns komplett vom Hocker gehauen hat. Der Kaffee sowie der Matcha Mango waren gut, aber der French Toast hat uns leider nicht überzeugt. Danach machten wir uns – etwas steif und mit sehr langsamen Schritten – auf den Weg ins Stadtzentrum. Unser Plan: eine Fahrt mit einer der berühmten historischen Straßenbahnen von Lissabon. Die laufen noch heute durch die engen und steilen Gassen der Altstadt. Als wir ankamen, sahen wir allerdings sofort das Problem:
    Eine riesige Schlange mit bestimmt 80 Leuten, alle warteten auf die legendäre Straßenbahnlinie 28. Zum Glück hatten wir kurz vorher gelesen, dass die Linie 12 fast dieselbe Strecke fährt – nur deutlich weniger bekannt ist. Also entschieden wir uns für die „smarte Touristenvariante“. Und tatsächlich: keine Schlange, leere Bahn. Die Fahrt selbst war trotzdem nostalgisch. Die kleine gelbe Bahn rumpelte und ruckelte durch enge Gassen, vorbei an Balkonen, kleinen Cafés und Häuserfassaden, die gefühlt nur wenige Zentimeter entfernt waren. Teilweise war es so eng, dass man sich kaum vorstellen konnte, wie hier überhaupt Verkehr funktioniert. Wir wurden selbst Teil der Sehenswürdigkeit. Immer wieder standen Leute draußen und filmten die vorbeifahrende Straßenbahn – und damit natürlich auch uns. Für einen Moment konnte man sich gut vorstellen, wie sich das Leben in der Stadt früher angefühlt haben muss. Nach der Fahrt brauchten wir erstmal eine Pause. Die fanden wir in einer kleinen Kaffeerösterei, wo wir bei Kaffee, Kombucha und – natürlich – einem weiteren Pastel de Nata versuchten, unseren Plan für den restlichen Tag zu schmieden. Das stellte sich allerdings als überraschend schwierig heraus. Innerhalb einer Stunde haben wir ungefähr zwölf verschiedene Ideen diskutiert und wieder verworfen:
    Hop-on-Hop-off-Bus, Free Walking Tour, Bootstour, Afternoon Tea… alles klang gut, aber nichts passte so richtig zu unserem aktuellen Zustand. Also entschieden wir uns für die vermutlich sinnvollste Option nach einem Halbmarathon: planlos durch die Stadt treiben lassen. Nach einem weiteren – für unsere Beine gefühlt endlosen – Spaziergang mit ungefähr „10.000 Höhenmetern“ landeten wir schließlich in einem weiteren Café, die laut New York Times einen „teuflisch guten Schokoladenkuchen“ haben soll. Natürlich mussten wir das testen. Unser Urteil: approved. Danach schlenderten wir durch verschiedene kleine Läden – besonders Keramik und die berühmten bunt verpackten portugiesischen Sardinen gibt es hier an jeder Ecke. Irgendwann meldete sich wieder der Hunger, naja eher die Lust. Also probierten wir eine kleine portugiesische Spezialität: Bacalhau-Käsebällchen mit Portwein. Eine absolute Touristenattraktion – aber tatsächlich ziemlich auch lecker. Unser eigentliches Tagesziel war allerdings ein anderes.
    Schon zwei Tage zuvor hatten wir einen Stand gesehen, an dem Piña Coladas direkt aus einer ausgehöhlten Ananas serviert wurden. Seitdem ließ uns dieser Gedanke nicht mehr los. Und tatsächlich: Nach einiger Suche fanden wir den Stand wieder. Die Piña Colada wurde bestellt, fotografiert und natürlich probiert – und ja, sie schon echt lecker, aber auch sehr alkoholhaltig. Direkt neben unserem Piña-Colada-Stand befand sich übrigens auch einer der berühmten Sandwichläden, für die sich regelmäßig riesige Schlangen bilden – hauptsächlich wegen Social Media, vermuteten wir. Wir beobachteten eine Weile das Geschehen und stoppten aus Neugier sogar die Zeit: Eine Person brauchte 35 Minuten, um ihr Sandwich zu bekommen. In dieser Zeit hatten wir unsere Ananas längst leer getrunken. Danach machten wir uns – erneut sehr langsam und sehr schmerzhaft – auf den Weg zurück zu unserer Unterkunft. Der Weg führte natürlich wieder bergauf, was nach einem Halbmarathon ungefähr so angenehm ist wie ein zusätzlicher Trainingslauf. Nach einer Pause ‚mussten’ wir allerdings noch einmal los, denn am Abend hatten wir eine Reservierung im Come Prima, einem italienischen Restaurant, das angeblich zu den Top 70 der Welt gehört. Unser Fazit: Das Essen war gut, aber nicht so spektakulär wie erwartet. Trotzdem hatten wir einen sehr schönen Abend – und der perfekte Abschluss kam danach:
    Für 2,95 € im Uber zurück nach Hause.
    Nach diesem Tag waren wir endgültig bereit für das, was unsere Beine schon lange wollten: nichts mehr tun.
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