• Tag 5 - Lissabon

    March 10 in Portugal ⋅ ☁️ 13 °C

    Der Tag begann für mich etwas früher als geplant. Nach ungefähr fünf Stunden Schlaf war ich plötzlich wach – hellwach. Steve dagegen machte alles richtig und kam auf solide 8,5 Stunden Schlaf. Während ich also schon wach war, schlummerte er noch friedlich weiter.
    Nachdem wir beide startklar waren, wollten wir heute ganz lokal unterwegs sein und den Bus in die Stadt nehmen. Unser Ziel: der Praça do Comércio, einer der bekanntesten Plätze von Lissabon. Der Plan scheiterte allerdings schneller als gedacht. Der Bus kam – und fuhr einfach an uns vorbei. Wir hatten einen wichtigen kulturellen Unterschied noch nicht gelernt: In Lissabon hält der Bus oft nur, wenn man aktiv signalisiert, dass man einsteigen möchte. Sprich: Hand rausstrecken. Das hatten wir natürlich nicht gemacht. Ergebnis: Bus weg. Also Plan B – Uber.
    Am Praça do Comércio angekommen, wurde schnell klar, warum dieser Platz historisch so wichtig war. Früher war er einer der zentralen Handelsplätze der Stadt, direkt am Ufer des Tejo gelegen. Händler aus aller Welt kamen hier an, Waren wurden verladen und verteilt. Heute ist der riesige Platz mit seinen gelben Gebäuden und den Arkaden vor allem ein beeindruckender Treffpunkt für Besucher – und ein perfekter Ausgangspunkt für Spaziergänge entlang des Flusses. Genau das machten wir auch: Wir liefen die Promenade am Wasser entlang bis zum berühmten Time Out Market. Der Food Market ist eigentlich eine Art kulinarische Markthalle mit vielen verschiedenen Ständen bekannter Köche und Restaurants. Unsere Erwartungen waren entsprechend hoch – leider wurde es kulinarisch wieder nur „okay“. Nicht schlecht, aber auch nicht das große Geschmackserlebnis, auf das wir gehofft hatten. Also zogen wir weiter Richtung LX Factory. Die LX Factory ist ein ehemaliges Industrieareal unter der großen Brücke des 25. April, das heute zu einem kreativen Viertel umgebaut wurde. Früher standen hier Textil- und Druckereifabriken, heute findet man dort Designläden, kleine Boutiquen, Kunstgalerien, Restaurants und Cafés. Die Gebäude sind mit Street Art bemalt, überall gibt es kreative Ecken – eine Mischung aus Industriecharme und Kunstszene. Bevor wir losstöberten, machten wir erstmal eine Pause auf einer Rooftop-Bar und genossen die Sonne. Genau das Richtige nach den letzten Tagen voller Lauf, Muskelkater und Stadtspaziergängen. Danach bummelten wir durch die verschiedenen Läden. Viele verkauften lokale Produkte, Designartikel, Bücher oder Kunst – insgesamt eine richtig coole Atmosphäre, die sich deutlich vom restlichen Stadtzentrum unterscheidet. Zurück ging es diesmal tatsächlich mit dem Bus – diesmal wussten wir ja, dass man die Hand heben muss. Am Nachmittag wartete dann das eigentliche Highlight des Tages:
    Afternoon Tea im „Midnight Espresso“.
    Und was soll ich sagen – das war bisher das kulinarische Highlight unserer Reise.
    Das Café ist klein, ruhig und gemütlich eingerichtet, im Hintergrund lief entspannte Jazzmusik, und insgesamt hatte der Ort eine richtig angenehme Atmosphäre. Der Tee war hervorragend, und auch die kleinen Snacks dazu waren richtig lecker. Besonders überraschend: die Scones. Die sind außerhalb von Großbritannien ja oft eher trocken – aber diese hier waren wirklich richtig gut, weil sie frisch aufgebacken wurden und somit warm waren. Nach dem Tee blieben wir noch ein bisschen sitzen und gönnten uns zwei Cocktails, bevor wir später noch eine einfache, aber sehr gute Pizza für das Abendessen holten. Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen: Der kulinarische Teil unserer Reise nimmt endlich Fahrt auf.
    Und falls nicht – wissen wir jetzt zumindest, wo es den perfekten Afternoon Tea gibt.
    Read more