• Cuxhaven - Tag 2

    June 27 in Germany ⋅ ⛅ 26 °C

    Gönn Dir Watt! Und das reichlich. Heute war es endlich soweit und unsere erste Wattwanderung stand uns bevor. Dadurch, dass diese erst nachmittags starten sollte, schlenderten wir von Döse gemütlich Richtung Duhnen und schwitzen in der heute eher weniger frischen Nordseeluft. Duhnen hat ein anderes Flair als Döse mit seiner lebendigen Promenade, kleinen Cafés und den etwas mehr Menschen. Wir entdeckten Beachvolleyballfelder und bemitleideten die Jungs, die gerade mitten im Beachsoccertunier steckten. Die Sonne brannte doch sehr, daher machten wir eine ausgiebige Mittagspause. Danach hieß es: Wattschuhe an und los. Ute, unsere Wattführerin, führte uns 12 km und 4 Stunden lang durchs Watt. Watt soll ich sagen! Es war großartig und anstrengend.
    Das Wattenmeer gehört seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist mit rund 11.500 km² etwa viermal so groß wie Berlin. Zweimal täglich zieht sich das Meer zurück und hinterlässt eine faszinierende Landschaft. Schon nach wenigen Schritten entdeckten wir zahlreiche Wattschnecken, die über den Schlick kriechen und sich von den Kieselalgen ernähren. Besonders spannend waren die kleinen, wurstförmigen Sandhäufchen auf dem Boden – sie stammen von den Wattwürmern, die den Sand nach Nahrung durch ihren Körper filtern und die gereinigten Sandröllchen wieder ausscheiden. Außerdem fanden wir viele Muscheln, darunter die häufige Herzmuschel sowie sogenannte Pissmuscheln, die bei Berührung Wasser aus ihrem Inneren herausspritzen, daher ihr ungewöhnlicher Spitzname. Immer wieder mussten wir Priele überqueren. Diese natürlichen Wasserläufe füllen und entleeren sich mit den Gezeiten und können überraschend tief werden. Teilweise versanken wir dabei bis zu den Knien im Wasser. Unterwegs begegneten wir auch einigen Ohrenquallen. Unsere Wattführerin erklärte uns, dass Exemplare mit deutlich rosafarbenen Ringen schwanger sind. Auch die Insel Neuwerk, die mitten im Wattenmeer liegt, war die ganze Zeit in unser Blickfeld, sowie die weniger schöne Bohrinsel, die einzige im Wattenmeer, die 1% des deutschen Erdölbedarfs deckt. Natürlich hielten wir auch Ausschau nach Bernstein, der nach Stürmen gelegentlich angespült wird, und hofften, Seehunde auf den Sandbänken zu entdecken. Beides hat nicht geklappt. Trotzdem war die Wattwanderung ein beeindruckendes Erlebnis und hat uns gezeigt, wie vielfältig und einzigartig dieser scheinbar karge Lebensraum tatsächlich ist. Nach über 30000 Schritten schleppten wir uns noch zum Abendessen und vielen nach der wohlverdienten Dusche ins Bett.
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