Tag 1 - Edinburgh
August 1 in Scotland ⋅ ⛅ 16 °C
Schottland here we are! Obwohl wir erst mitten in der Nacht im Hotel angekommen sind, waren wir ziemlich früh wach (die innere Uhr mal wieder) und waren voller Vorfreude in den Tag zu starten und Edinburgh kennenzulernen. Bei entspannten 15 Grad, Wind und einem Sonnen-Wolkenmix, starteten wir bei einem kleinen Bäcker in der Nähe unserer Unterkunft und stärkten uns mit einem belegten Baguette und einer Zimtschnecke. Die Möwen lauerten schon, machten sich bereit und ergatterten ein paar Stückchen Käse, die mir heruntergefallen waren. Wir fühlten uns etwas bedroht, aber am Ende war der Verlust überschaubar. Der erste Eindruck neben der hungrigen Möwen: herrlich frische Luft, wunderschöne alte Steinhäuser und eine Atmosphäre, die sich anfühlt wie eine völlig andere Welt – einfach total schön.
Unser zweites Ziel war der Calton Hill. Dieser liegt im Herzen von Edinburgh und bietet einen tollen 360-Grad-Blick über die Stadt. Genau das richtige für den Start. Aber eigentlich fühlten wir uns auf dem Berg wie in Athen, Mini-Athen, denn es gibt einige markante, unvollendete Denkmäler im griechischen Stil. Wir waren verwundert, informierten uns aber auch nicht weiter. Radikale Akzeptanz an dieser Stelle. Der Blick war wirklich phänomenal und machte noch mehr Lust auf unsere heutige Erkundungstour. Das Wetter änderte sich alle paar Minuten: Kühl, warm, Sonnenbrille ja, Sonnenbrille nein, Jacke an, Jacke aus, Jacke zu, Jacke offen. Spoiler: So ging es den ganzen Tag.
Der nächste Stopp war die wohl bekanntesten Gasse Edinburghs, die Circus Lane. Und ja, sie ist mit ihrem Kopfsteinpflaster, den rankenden Pflanzen und den niedlichen Häuschen wirklich wunderschön. Aber: Edinburgh ist einfach überall so fotogen! Die Circus Lane ist nett, aber ehrlich gesagt nicht unbedingt schöner als all die anderen historischen Straßen, an denen man in dieser Stadt ohnehin an jeder Ecke vorbeikommt. Und falls ich es vergesse: Edinburgh ist verdammt hügelig. Nach unserem Abstecher hieß es also erst einmal wieder: bergauf in Richtung Old Town. Für eine kurze, dringende Verschnaufpause steuerten wir die National Gallery an, die ohnehin auf dem Weg lag. Verschnaufpause = Toilettengang. Da wir tatsächlich nur die Toiletten nutzten, die sich dort kurioserweise direkt neben den kostbaren Gemälden befinden, schlich sich Touristen-Schuldgefühl ein. Naja, wir haben dann auch noch kurz ein Bild der Niagara-Fälle bestaunt. Das muss reichen. Umso mehr freuten wir uns auf die anschließende richtige Kaffeepause. In einem gemütlichen Café wollten wir einfach kurz durchatmen. Zugegeben, der Service ließ etwas auf sich warten. Nicht dramatisch lang, aber lang genug, dass Steve der Bedienung einen etwas zu deutlichen, vorwurfsvollen Blick zuwarf. Die Reaktion darauf hat uns völlig sprachlos gemacht: Als unser Espresso, Matcha Latte und traditionelles Shortbread kam, verbuchten sie fast alles als ‚Wiedergutmachung’ aufs Haus. Statt der erwarteten 12 Pfund zahlten wir am Ende lediglich 4 Pfund für den Espresso. Warum man uns wegen einer minimalen Verzögerung gleich so extrem großzügig entgegenkam, bleibt ein Rätsel. Es war uns schon ein bisschen unangenehm, aber fanden es natürlich auch unglaublich nett. Die Schotten eben. Was wäre wohl passiert, wenn wir uns beschwert hätten? Das wollen wir uns gar nicht erst ausmalen!
Frisch gestärkt ging es schließlich weiter zur Royal Mile, die historische Hauptstraße mit unzähligen Geschäften und der beeindruckenden St. Giles' Cathedral, eine wunderschöne Kirche, die vor allem dadurch besonders war, weil sie tierisch laut war. Ungewöhnlich für eine Kirche. Nach der Kultur folgte die wohlverdiente Stärkung: Bei Bertie's gab es für uns den britischen Klassiker Fish and Chips. Steve bewies besonderen Mut und probierte das schottische Nationalgericht Haggis und war begeistert! Ich traute mich noch nicht. Grund: Es handelt sich hierbei um Herz, Leber und Lunge vom Schaf aus dem Mixer. Frisch gestärkt schlenderten wir an der lebhaften Kneipenmeile des Grassmarkets vorbei. Auch hier viele historische, bunte Häuserfassaden, die im Licht einfach großartig aussahen. Man wollte sofort in jedem Pub kurz verweilen, aber das ging natürlich nicht.
Unser Weg führte uns schließlich weiter zur Johnnie Walker Princes Street Experience. Rein faktisch haben wir dort zwar nichts Neues gelernt, aber das Erlebnis wurde durch drei sehr leckere Whisky-Cocktails absolut aufgewertet.
Auf dem Rückweg zur Unterkunft zeigte sich Edinburgh noch einmal von seiner besten Seite: Bei strahlendem Sonnenschein (trotzdem Jacke an) schlenderten wir durch die Straßen. Nach all den Höhenmetern waren wir am Abend ziemlich k.o., glücklich und etwas betüdelt.
Unser Fazit nach Tag eins: Der erste Eindruck hat unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Edinburgh ist traumhaft schön, unglaublich lebendig, herausfordernd hügelig und versprüht ein besonderes Gefühl. Wie schön kann eine Stadt eigentlich sein?Read more

























