• Katharina Solala
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Schottland 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿

A 15-day adventure by Katharina Read more
  • Trip start
    August 1, 2026

    Tag 1 - Edinburgh

    August 1 in Scotland ⋅ ⛅ 16 °C

    Schottland here we are! Obwohl wir erst mitten in der Nacht im Hotel angekommen sind, waren wir ziemlich früh wach (die innere Uhr mal wieder) und waren voller Vorfreude in den Tag zu starten und Edinburgh kennenzulernen. Bei entspannten 15 Grad, Wind und einem Sonnen-Wolkenmix, starteten wir bei einem kleinen Bäcker in der Nähe unserer Unterkunft und stärkten uns mit einem belegten Baguette und einer Zimtschnecke. Die Möwen lauerten schon, machten sich bereit und ergatterten ein paar Stückchen Käse, die mir heruntergefallen waren. Wir fühlten uns etwas bedroht, aber am Ende war der Verlust überschaubar. Der erste Eindruck neben der hungrigen Möwen: herrlich frische Luft, wunderschöne alte Steinhäuser und eine Atmosphäre, die sich anfühlt wie eine völlig andere Welt – einfach total schön.
    Unser zweites Ziel war der Calton Hill. Dieser liegt im Herzen von Edinburgh und bietet einen tollen 360-Grad-Blick über die Stadt. Genau das richtige für den Start. Aber eigentlich fühlten wir uns auf dem Berg wie in Athen, Mini-Athen, denn es gibt einige markante, unvollendete Denkmäler im griechischen Stil. Wir waren verwundert, informierten uns aber auch nicht weiter. Radikale Akzeptanz an dieser Stelle. Der Blick war wirklich phänomenal und machte noch mehr Lust auf unsere heutige Erkundungstour. Das Wetter änderte sich alle paar Minuten: Kühl, warm, Sonnenbrille ja, Sonnenbrille nein, Jacke an, Jacke aus, Jacke zu, Jacke offen. Spoiler: So ging es den ganzen Tag.
    Der nächste Stopp war die wohl bekanntesten Gasse Edinburghs, die Circus Lane. Und ja, sie ist mit ihrem Kopfsteinpflaster, den rankenden Pflanzen und den niedlichen Häuschen wirklich wunderschön. Aber: Edinburgh ist einfach überall so fotogen! Die Circus Lane ist nett, aber ehrlich gesagt nicht unbedingt schöner als all die anderen historischen Straßen, an denen man in dieser Stadt ohnehin an jeder Ecke vorbeikommt. Und falls ich es vergesse: Edinburgh ist verdammt hügelig. Nach unserem Abstecher hieß es also erst einmal wieder: bergauf in Richtung Old Town. Für eine kurze, dringende Verschnaufpause steuerten wir die National Gallery an, die ohnehin auf dem Weg lag. Verschnaufpause = Toilettengang. Da wir tatsächlich nur die Toiletten nutzten, die sich dort kurioserweise direkt neben den kostbaren Gemälden befinden, schlich sich Touristen-Schuldgefühl ein. Naja, wir haben dann auch noch kurz ein Bild der Niagara-Fälle bestaunt. Das muss reichen. Umso mehr freuten wir uns auf die anschließende richtige Kaffeepause. In einem gemütlichen Café wollten wir einfach kurz durchatmen. Zugegeben, der Service ließ etwas auf sich warten. Nicht dramatisch lang, aber lang genug, dass Steve der Bedienung einen etwas zu deutlichen, vorwurfsvollen Blick zuwarf. Die Reaktion darauf hat uns völlig sprachlos gemacht: Als unser Espresso, Matcha Latte und traditionelles Shortbread kam, verbuchten sie fast alles als ‚Wiedergutmachung’ aufs Haus. Statt der erwarteten 12 Pfund zahlten wir am Ende lediglich 4 Pfund für den Espresso. Warum man uns wegen einer minimalen Verzögerung gleich so extrem großzügig entgegenkam, bleibt ein Rätsel. Es war uns schon ein bisschen unangenehm, aber fanden es natürlich auch unglaublich nett. Die Schotten eben. Was wäre wohl passiert, wenn wir uns beschwert hätten? Das wollen wir uns gar nicht erst ausmalen!
    Frisch gestärkt ging es schließlich weiter zur Royal Mile, die historische Hauptstraße mit unzähligen Geschäften und der beeindruckenden St. Giles' Cathedral, eine wunderschöne Kirche, die vor allem dadurch besonders war, weil sie tierisch laut war. Ungewöhnlich für eine Kirche. Nach der Kultur folgte die wohlverdiente Stärkung: Bei Bertie's gab es für uns den britischen Klassiker Fish and Chips. Steve bewies besonderen Mut und probierte das schottische Nationalgericht Haggis und war begeistert! Ich traute mich noch nicht. Grund: Es handelt sich hierbei um Herz, Leber und Lunge vom Schaf aus dem Mixer. Frisch gestärkt schlenderten wir an der lebhaften Kneipenmeile des Grassmarkets vorbei. Auch hier viele historische, bunte Häuserfassaden, die im Licht einfach großartig aussahen. Man wollte sofort in jedem Pub kurz verweilen, aber das ging natürlich nicht.
    Unser Weg führte uns schließlich weiter zur Johnnie Walker Princes Street Experience. Rein faktisch haben wir dort zwar nichts Neues gelernt, aber das Erlebnis wurde durch drei sehr leckere Whisky-Cocktails absolut aufgewertet.
    Auf dem Rückweg zur Unterkunft zeigte sich Edinburgh noch einmal von seiner besten Seite: Bei strahlendem Sonnenschein (trotzdem Jacke an) schlenderten wir durch die Straßen. Nach all den Höhenmetern waren wir am Abend ziemlich k.o., glücklich und etwas betüdelt.
    Unser Fazit nach Tag eins: Der erste Eindruck hat unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Edinburgh ist traumhaft schön, unglaublich lebendig, herausfordernd hügelig und versprüht ein besonderes Gefühl. Wie schön kann eine Stadt eigentlich sein?
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  • Tag 2 -Edinburgh

    August 2 in Scotland ⋅ ☁️ 16 °C

    Der Tag begann herrlich unkompliziert. Statt eines ausgiebigen Frühstücks gönnten wir uns wieder etwas auf die Hand aus einer kleinen türkischen Bäckerei in der Nähe unserer Unterkunft. Mit belegten Brötchen und Börek machten wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Mittlerweile fühlten wir uns schon fast wie Einheimische (wir gingen bereits souverän über rot), bis der Bus kam und wir kurz überlegen mussten, wie das mit dem Ticketkauf hier noch gleich funktioniert. Easy! Handy ran, fertig!
    Unser erstes Ziel war Leith, der Hafenstadtteil von Edinburgh. Früher war Leith ein eigenständiger Ort und vor allem als bedeutender Handelshafen bekannt. Heute ist das Viertel deutlich entspannter, modern und bekannt für seine Restaurants und Cafés direkt am Wasser. Unser Hauptziel dort war die berühmte Royal Yacht Britannia. Zugegeben: Von außen fanden wir sie…überraschend unspektakulär. Wir beließen es bei einem kurzen Blick und spazierten stattdessen gemütlich entlang des Wassers. Ganz nett, aber nach dem überwältigenden ersten Tag konnte uns Leith nicht ganz so begeistern. Anschließend ging es mit dem Bus weiter in Richtung Arthur’s Seat. Eigentlich wollten wir aber gar nicht auf den Berg, sondern den etwas versteckten Dr. Neil’s Garden besuchen, einen kleinen Garten direkt am Duddingston Loch. Natürlich wäre es zu einfach gewesen, wenn alles nach Plan gelaufen wäre. Wegen einer Sperrung mussten wir einen ordentlichen Umweg laufen und landeten dabei zufällig auf der Innocent Railway. Was zunächst nach einer gewöhnlichen Strecke aussah, entpuppte sich als ehemalige Eisenbahntrasse aus dem 19. Jahrhundert, auf der früher Kohle transportiert wurde. Heute ist sie ein wunderschöner Spazier- und Radweg mitten im Grünen. Unterwegs begegneten wir außerdem einer ganzen Schar fröhlicher Läuferinnen und Läufer. Tatsächlich handelte es sich um einen sogenannten “Bun Run”. Die Strecke endet traditionell mit Tee und einem süßen Bun, also einem kleinen Hefegebäck. Also quasi ein Prosecco-Run auf schottisch. Da haben wir fast Lust bekommen uns auch körperlich zu betätigen, wegen des Buns versteht sich. Es war heute ziemlich warm und die Sonne brannte. Durch den Umweg kamen wir etwas später als geplant im Dr. Neil’s Garden an und hatten deshalb nicht mehr allzu viel Zeit. Ehrlicherweise war der Garten auch kleiner als erwartet. Trotzdem war der Blick auf das Duddingston Loch wunderschön und strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Besonders amüsant war allerdings die Besuchergruppe. Gefühlt bestand der Garten an diesem Nachmittag ausschließlich aus Seniorinnen und Senioren. Während wir gemütlich durch die Beete schlenderten, beobachteten wir eine Gruppe beim Eierlauf. Wie witzig war das denn! Natürlich durfte auch die obligatorische Kuchenpause nicht fehlen. In einem kleinen Café stärkten wir uns mit Millionaire’s Shortbread, Schokoladenkuchen und Käsekuchen. Alles hausgemacht, alles unglaublich lecker.
    Danach wollten wir zurück in die Altstadt zum Edinburgh Castle. Das stellte sich allerdings schwieriger heraus als gedacht. Die Busse fuhren an diesem Tag nämlich nicht ganz so, wie Google Maps behauptete. Der Grund waren die Vorbereitungen für das berühmte Edinburgh Fringe Festival, das jedes Jahr im August die komplette Stadt in eine riesige Bühne verwandelt. Überall wurden Tribünen aufgebaut, Straßen gesperrt. Also hieß es mal wieder: improvisieren, äh beziehungsweise zu Fuß weiter.
    Am Castle angekommen folgte dann der nächste kleine Schreckmoment. Unsere Tickets waren gar nicht für 14:30 Uhr gebucht, wovon wir den ganzen Tag ausgegangen sind, sondern für 12:30 Uhr. Wir waren also ganz entspannte zwei Stunden zu spät. Während wir innerlich schon damit rechneten, neue Tickets kaufen zu müssen, interessierte das die Mitarbeiter vor Ort erstaunlich wenig. Ein kurzer Blick auf die Tickets, ein freundliches Lächeln und wir durften trotzdem hinein. Glück gehabt! Und das Castle hat sich absolut gelohnt. Fast drei Stunden verbrachten wir dort mit dem Audioguide und tauchten in die bewegte Geschichte Schottlands ein. Das Edinburgh Castle thront auf einem erloschenen Vulkanfelsen über der Stadt und war über Jahrhunderte hinweg königliche Residenz, Festung und Militärstützpunkt zugleich. Neben den historischen Gebäuden beeindruckte uns vor allem der fantastische Ausblick über Edinburgh. Dazu strahlender Sonnenschein – besser hätte das Timing kaum sein können. Nach so viel Kultur meldete sich der Hunger. Die Lösung lautete: Scotch Pie. Oder besser gesagt: mehrere Pies. Diese kleinen herzhaften Fleischpasteten gehören in Schottland fast schon zum Pflichtprogramm und wir verstanden sofort warum. Am frühen Abend schlenderten wir noch durch die Fußgängerzone, in der bereits zahlreiche Künstler ihr Shows dem begeisterten Publikum zeigten. Jongleure, Musiker, Straßenkünstler und Comedians sorgten überall für gute Stimmung - auch bei uns!
    Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein Ale im Pub, bevor wir den Tag auf der Dachterrasse der Johnnie Walker Experience ausklingen ließen. Von dort hatten wir einen wunderschönen Blick auf das Edinburgh Castle. Zugegeben: Es war ganz schön frisch, deswegen beließen wir es bei einem Cocktail.
    Den letzten Schlummertrunk gab es schließlich im Brunswick, bevor wir zufrieden ins Bett fielen. Denn am nächsten Morgen wartete schon das nächste Abenteuer auf uns und dafür klingelte der Wecker ausnahmsweise mal ziemlich früh.
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  • Tag 3 - Pitlochry

    August 3 in Scotland ⋅ 🌧 13 °C

    Heute startete endlich unser Roadtrip durch Schottland und das standesgemäß mit typisch schottischem Wetter. Steve holte unser Mietauto ab: einen nagelneuen Hyundai Tucson. Komfortabler geht’s kaum! Nach den ersten Minuten auf der linken Straßenseite fühlte sich das Fahren überraschend schnell vertraut an - zumindest als Beifahrer. Steve sieht das sicher anders. Unser erster Stopp führte uns zum Aussichtspunkt auf die berühmten Forth Bridges. Selbst im Regen war der Blick ganz schön. Anschließend ging es auf die Fife Coastal Route Richtung St Andrews. Die Strecke gilt als eine der schönsten Küstenstraßen Schottlands und führt durch zahlreiche kleine Fischerdörfer. Was uns allerdings sofort auffiel: Die Straßen sind teilweise unglaublich schmal. Ein kleineres Auto wäre ggf. doch besser gewesen. Dazu parkten viele Autos „falsch herum“ bzw. wie sie wollten. Dadurch war es manchmal gar nicht so leicht zu erkennen, auf welcher Straßenseite man sich gerade orientieren sollte. Überraschend war auch der Verkehr. Wir hatten an einem Montagmittag mit deutlich weniger Autos gerechnet, stattdessen war richtig viel los. Unserer Theorie nach lag das aber vor allem an den einspurigen Straßen, die dazu führten, dass man kolonnenartig hintereinander herfuhr, obwohl man bis zu ca. 110 km/h fahren konnte. Aber wir sind doch nicht lebensmüde, selbst 60 km/h haben sich hier zu schnell angefühlt. Unterwegs fielen uns immer wieder riesige Golfanlagen und luxuriöse Häuser auf. Dazu kamen auffallend viele teure Autos. Also schlecht scheint es den Schotten nicht zu gehen.
    Einen ersten längeren Halt machten wir im kleinen Küstenort Elie. Das Wetter zeigte sich von seiner rauen Seite: starker Wind, Regen und gerade Ebbe. Trotzdem war der Strand beeindruckend. Direkt am Strand entdeckten wir außerdem eine kleine Sauna, eine typisch nordische Kombination aus Schwitzen und anschließendem Sprung ins kalte Meer.
    Zum Aufwärmen wählten wir allerdings nicht die Sauna, sondern kehrten anschließend im Ship Inn ein. Dort probierten wir zum ersten Mal Cullen Skink, eine traditionelle schottische Fischsuppe aus geräuchertem Schellfisch, Sellerie und Sahne. Ehrlich gesagt hatten wir nicht viel erwartet, aber sie war unglaublich lecker. Unser nächstes Ziel war St Andrews. Schon von Weitem beeindruckten die Ruinen der gewaltigen Kathedrale und des Castles, die beide spektakulär direkt an der Küste liegen. Die Kathedrale war im Mittelalter die größte Kirche Schottlands und einst das religiöse Zentrum des Landes. Besonders gespannt waren wir auf einen Besuch im Northpoint Café. Das kleine, bodenständige Café ist berühmt dafür, dass hier Prinz William und Prinzessin Kate während ihres Studiums regelmäßig frühstückten. Was wir vorher gar nicht wussten: Beide lernten sich tatsächlich an der University of St Andrews kennen, der ältesten Universität Schottlands und einer der renommiertesten Hochschulen Großbritanniens. Im Café wird das erstaunlich zurückhaltend vermarktet, lediglich der kleine Spruch „Where Kate met Wills“ erinnert daran. Natürlich durfte auch etwas Süßes nicht fehlen. Wir probierten einen Fudge Doughnut, unglaublich weich, herrlich saftig und extrem süß. Definitiv eine Spezialität, die man probieren sollte, aber noch besser zu zweit teilt. Zuckerschock vom Feinsten!
    Eigentlich standen auf unserer Route noch zwei weitere Stopps. Da wir uns unterwegs aber immer wieder Zeit gelassen hatten und einfach die Landschaft genießen wollten, ließen wir sie einfach aus.
    Am frühen Abend erreichten wir Pitlochry. Das kleine Highland-Städtchen mit rund 2.700 Einwohnern wirkte sofort unglaublich malerisch. Nach dem Einchecken erwartete uns ein liebevoll eingerichtetes Gästezimmer, inklusive einer kleinen Whiskyprobe als Willkommensgruß. Wenn das mal kein guter Start ist! Natürlich schauten wir auch noch kurz bei der Blair Athol Distillery vorbei, einer der ältesten noch betriebenen Whiskybrennereien Schottlands. Anschließend machten wir einen Spaziergang zur berühmten Fish Ladder. Der Weg führte über eine hübsche Hängebrücke, vorbei am Fluss bis zum Damm. Trotz des trüben Wetters war die Landschaft wunderschön und strahlte diese besondere Ruhe aus, für die die schottischen Highlands bekannt sind.
    Den Abschluss des Tages bildete ein leckerer Burger im Ort. Nach so vielen Eindrücken, Kilometern und Erlebnissen fielen wir anschließend müde, aber glücklich ins Bett.
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  • Tag 4 - Aberdeen

    August 4 in Scotland ⋅ 🌧 14 °C

    Nach einer erholsamen Nacht wachten wir voller Vorfreude auf. Draußen prasselte allerdings der Regen wie wild gegen die Fenster. Normalerweise hätte uns das vermutlich die Laune verdorben. Heute irgendwie überhaupt nicht. Im Gegenteil.
    Bevor unser Roadtrip richtig losging, packten wir unsere Sachen und deckten uns noch bei der Co-op mit Frühstück und Proviant ein. Während Steve ganz vernünftig auf den klassischen Lunch Deal setzte, überkam mich eine kleine Portion Nostalgie. Ich entdeckte tatsächlich Lunchables, bzw. sowas ähnliches, und musste sie einfach kaufen. Natürlich wusste ich, dass das ernährungstechnisch eher in die Kategorie “fragwürdig” gehört, aber manchmal gewinnt eben das innere Kind. Immerhin gab es dazu auch noch etwas Obst.
    Dann ging es endlich los: hinein in die Highlands. Schon nach wenigen Kilometern zeigte sich genau das Schottland, das man aus Filmen kennt. Unzählige Grüntöne, saftig grüne Hügel, Schafe auf den Weiden und überall diese leuchtend rosafarbenen Heideblüten, die der Landschaft noch einmal einen ganz besonderen Kontrast verliehen. Dazu Regen, Nebel und tiefe Wolken. Blauer Himmel und Sonne wären auch schön gewesen, aber diese unglaublich mystische Stimmung ist auch was ganz besonderes. Allerdings fühlte sich das Wetter an wie das perfekte Wetter, um mit einer Decke vor einem knisternden Kaminfeuer zu sitzen. Stattdessen saßen wir allerdings bestens gelaunt im Auto.
    Unser erster Stopp führte uns eher zufällig zu Drumturk Cheeses. Dort empfing uns eine unglaublich herzliche Dame, die ihren Ziegenkäse komplett selbst herstellt. Aus einem kurzen Einkauf wurde spontan eine kleine Käseverkostung. Wir probierten unter anderem einen cremigen Curd Cheese mit Rosmarin, einen gereiften Hartkäse und einen würzigen Blauschimmelkäse. Weiter ging es zum Aussichtspunkt Devil’s Elbow. Trotz Regen und eher mäßiger Sicht war die Landschaft trotzdem beeindruckend. Die Straßen schlängelten sich durch die Berge, überall grasten Schafe und die verschiedensten Grüntöne schienen überhaupt kein Ende zu nehmen. Selbst schlechtes Wetter schafft es hier irgendwie, alles noch dramatischer und schöner wirken zu lassen. Ein kurzer Abstecher führte uns anschließend nach Balmoral. Viel gesehen haben wir dort ehrlicherweise nicht, denn das Schloss versteckte sich größtenteils hinter Bäumen und dem Regen. Trotzdem nahmen wir etwas Interessantes mit: Balmoral Castle war über viele Generationen hinweg die Sommerresidenz der britischen Königsfamilie und hier verstarb auch Königin Elizabeth II. im September 2022. Zwischendurch gab es noch eine weitere schottische Premiere: Walker’s Shortbread. Ja, wir haben tatsächlich zum ersten Mal in unserem Leben dieses berühmte Buttergebäck probiert. Und was sollen wir sagen? Völlig zu Recht ist es weltweit bekannt. Eigentlich sollte es nur ein kleiner Snack für unterwegs sein. Sagen wir mal so: Die Packung wurde deutlich schneller leer als geplant. Bevor wir weiter in Richtung Küste fuhren, legten wir noch einen Zwischenstopp in Braemar ein. Das kleine Örtchen mitten im Cairngorms National Park wirkte trotz des Regens unglaublich gemütlich. Überall begegneten uns Wanderinnen und Wanderer in Regenjacken und mit Wanderschuhen, offenbar lässt sich hier niemand vom Wetter aufhalten. Wir beschlossen, es ihnen gleichzutun, allerdings nur beim Einkehren. Frisch gestärkt ging es anschließend weiter Richtung Küste. Unser eigentliches Tageshighlight sollte anschließend Dunnottar Castle werden. Die Burgruine liegt spektakulär auf einer schmalen Klippe direkt über der Nordsee und zählt zu den beeindruckendsten Burgen Schottlands. Leider hatte das Wetter andere Pläne. Der Regen wurde immer stärker, dichter Nebel zog auf und so sahen wir eigentlich gar nichts mehr. Wir warteten bestimmt eine halbe Stunde auf dem Parkplatz und hofften auf eine Wetterbesserung. Vergeblich. Schweren Herzens entschieden wir uns schließlich, weiterzufahren. Unser Ziel war nun Aberdeen. Doch auch dort blieb uns der Regen treu. Die gesamte Stadt lag im Nebel und wirkte fast ein wenig gespenstisch. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht auch daran, dass Aberdeen mit seinem Hafen und der Ölindustrie deutlich industrieller wirkt als Edinburgh. Trotzdem wollten wir uns den Ort nicht entgehen lassen. Besonders spannend fanden wir Footdee, ausgesprochen übrigens “Fittie”. Das kleine ehemalige Fischerdorf liegt direkt am Hafen und besteht aus winzigen, liebevoll gestalteten Cottages, deren Innenhöfe alle ganz individuell dekoriert sind. Verrückt, wie unterschiedlich Menschen wohnen können. Auf dem Weg dorthin fielen uns außerdem unzählige Graffitis auf, die dem ansonsten eher grauen Stadtbild überraschend viel Farbe verliehen. Zum Abschluss schauten wir uns noch das Marischal College an. Das riesige Gebäude gilt als eines der größten Granitgebäude der Welt und passt perfekt zu Aberdeens Beinamen “Granite City”. Irgendwann waren wir allerdings so durchnässt, dass wir beschlossen, den Rest des Abends lieber im Trockenen zu verbringen. Und ehrlich gesagt hätte es keinen passenderen Abschluss geben können: Mit den leckeren Käsesorten vom Morgen, etwas Crackern und dem Whisky von gestern machten wir es uns auf dem Hotelbett gemütlich und stellten unsere ganz persönliche schottische Käseplatte zusammen.
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  • Tag 5 - Craigellachie

    August 5 in Scotland ⋅ ⛅ 16 °C

    Der Wecker klingelte heute früher als sonst. Der Grund: Wir wollten Dunnottar Castle unbedingt noch eine zweite Chance geben. Als wir nach dem Aufstehen aus dem Fenster schauten, konnten wir unser Glück kaum fassen: Sonnenschein! Und plötzlich sah sogar Aberdeen ganz anders aus. Gestern wirkte die Stadt ein wenig gespenstisch und jetzt präsentierte sie sich freundlich, hell und irgendwie richtig süß. Schon verrückt, wie sehr das Wetter den Eindruck eines Ortes verändern kann. Also machten wir uns erneut auf den Weg zum Dunnottar Castle, auch wenn es hieß, dass wir nochmal zurückfahren mussten. Und diesmal wurden wir mehr als belohnt. Die Burgruine thront spektakulär auf einem Felsen direkt über der Nordsee. Schon der Weg dorthin ist beeindruckend (und anstrengend) und wir kamen aus dem Staunen kaum noch heraus. Die grünen Klippen, das tiefblaue Meer und die Ruinen ergeben zusammen eine Kulisse, die fast unwirklich wirkt. Steve und ich waren uns jedenfalls schnell einig: Hier könnte man eigentlich direkt einziehen (nach 1-2 handwerklichen Korrekturen) die Zimmer haben wir schon entsprechend aufgeteilt.
    Anschließend fuhren wir weiter zum Fowlsheugh Viewpoint. Die steilen Klippen dort sind Heimat von u.a. Papageitauchern. Den großartigen Blick über die Küste bekamen wir definitiv. Die Papageitaucher dagegen hatten heute wohl frei. Schade! Danach stand mit der Glen Garioch Distillery unsere nächste Whisky-Station auf dem Programm. Eine Führung machten wir zwar nicht, dafür schauten wir uns ausführlich das Visitor Centre an. Glen Garioch gehört zu den ältesten noch produzierenden Whiskybrennereien Schottlands und stellt bereits seit dem Jahr 1797 Single Malt Whisky her. Die historischen Gebäude ähneln eher einer Burg. Toll! Noch beeindruckender war allerdings die Mitarbeiterin im Shop. Freundlich, kompetent und offensichtlich eine hervorragende Verkäuferin. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenige Minuten später verließ ich den Laden mit einer Flasche Whisky für 100 Pfund unter dem Arm. Upsiiii. Auf dem Weg nach Fraserburgh wartete dann endlich ein weiteres persönliches Highlight auf uns: Highlandrinder! Darauf hatten wir die ganze Reise gewartet. Und tatsächlich standen sie plötzlich direkt neben der Straße. Eines schien sogar extra für uns zu posieren, ein richtiges Model. Mit ihrem langen zotteligen Fell sehen sie einfach unglaublich knuffig aus. In Fraserburgh legten wir zunächst eine kleine Mittagspause ein. Steve entschied sich für einen Slider, während ich einen Air-Fryer-Toastie probierte. Gut gestärkt schauten wir uns anschließend den Leuchtturm an. Der Leuchtturm wurde auf einem ehemaligen Burggebäude errichtet und gilt als der erste Leuchtturm Schottlands. Eine ziemlich spannende Kombination aus Burg und Leuchtturm, auch wenn wir ihn nur von außen betrachteten. Nur wenige Kilometer weiter erreichten wir den Strand. Kristallklares Wasser, feiner Sand und erstaunlich wenige Menschen. Zugegeben: Das Wasser lud eher zum kurzen Hineinhalten der Füße als zum Schwimmen ein, obwohl es doch einige Verrückte gab. Es hatte ungefähr Kältebecken-Niveau nach einem Saunagang. Für einen ausgedehnten Strandspaziergang war es aber perfekt.
    Eigentlich hatten wir für den Nachmittag noch weitere Pläne. Allerdings mussten wir feststellen, dass die Öffnungszeiten in Schottland oft deutlich früher enden, als wir es von zu Hause gewohnt sind. Also strichen wir kurzerhand den Rest des Programms und machten uns direkt auf den Weg nach Craigellachie. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir mit unseren Unterkünften übrigens wirklich zufrieden. Preis-Leistung ist in Schottland zwar ein eigenes Thema – günstig ist hier eigentlich nichts und richtig gut sowie nicht. Die Hotels haben oft schon ein paar Jahre auf dem Buckel und die Betten für zwei Personen fallen regelmäßig erstaunlich klein aus. Trotzdem hatten alle Unterkünfte ihren eigenen Charme. Und wenn es zur Begrüßung sogar noch einen kostenlosen Whisky gibt, sammelt das natürlich direkt Extrapunkte. Nach dem Check-in im Highlander Inn machten wir noch einen kleinen Spaziergang bis zur berühmten Brücke von Craigellachie. Lange hielt das trockene Wetter allerdings nicht durch und pünktlich zum Rückweg fing es wieder ordentlich an zu regnen. Also retteten wir uns kurzerhand in die Quaich Bar, vermutlich eine der besten Entscheidungen des Tages. Dort gönnten wir uns jeweils ein Drei-Whisky-Tasting und fanden überraschend schnell unseren persönlichen Favoriten. Höchste Zeit anschließend etwas Vernünftiges zu essen, denn noch mehr Whisky auf hungrigen Magen hätte vermutlich interessante Folgen gehabt. Also ging es zurück ins Highlander Inn zum Abendessen und so rundeten wir den Abend mit einem weiteren Whisky ab.
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  • Tag 6 - Iverness

    August 6 in Scotland ⋅ ☁️ 11 °C

    Der Tag begann endlich mit einem lang ersehnten schottischen Frühstück in unserem Hotel. Aber irgendwie fehlten die obligatorischen Baked Beans und Steve war ein kleines bisschen enttäuscht, dass es keine Black Pudding, also schottische Blutwurst, gab. Bevor wir uns endgültig der Whiskyregion Speyside widmeten, machten wir noch einen Pflichtstopp im Walker’s Shortbread Factory Shop. Nach unserer ersten Begegnung mit den berühmten Butterkeksen war ohnehin klar, dass wir nicht ohne Vorrat nach Hause fahren würden. Also deckten wir uns großzügig ein. Ob wirklich alle Packungen Deutschland erreichen, können wir allerdings nicht garantieren. Nur wenige Minuten später hielten wir bei der Speyside Cooperage, einer Fassbinderei, in der Whiskyfässer gebaut und repariert werden. Eine Führung hatten wir zwar nicht gebucht, trotzdem war schon der Blick von außen beeindruckend. Überall stapelten sich Fässer, soweit das Auge reichte. Erst hier wurde uns richtig bewusst, welche riesige Rolle die Fässer für den Whisky spielen. Schließlich reift der Whisky über Jahre oder sogar Jahrzehnte darin und ein großer Teil seines Geschmacks entsteht überhaupt erst durch das Holz.
    Und dann startete unser Whisky-Tag mit dem ersten Stopp: Strathisla Distillery. Schon beim Betreten des Geländes hatten wir das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen. Strathisla ist die älteste durchgehend produzierende Brennerei der Speyside und produziert seit über 240 Jahren Whisky. Die historischen Gebäude sind wunderschön erhalten und verleihen der gesamten Anlage unglaublich viel Charme. Besonders spannend fanden wir, dass hier vieles noch so funktioniert wie früher. Statt die Produktion möglichst effizient an moderne Gebäude anzupassen, wurde die Technik den historischen Gebäuden untergeordnet. Praktisch ist das nicht immer, dafür unglaublich authentisch. Rund 2,4 Millionen Liter Whisky entstehen hier jedes Jahr. Außerdem erfuhren wir, wie nachhaltig in der Whiskyproduktion gearbeitet wird. Eigentlich wird fast alles mehrfach genutzt oder weiterverarbeitet. Besonders faszinierend war auch das Lagerhaus. Dort lagern unzählige Fässer übereinandergestapelt. Auch die Produktion selbst hielt einige kuriose Geschichten bereit. So ging beispielsweise der Hersteller der alten Mühle irgendwann insolvent, schlicht weil die Maschinen so hochwertig gebaut waren, dass kaum Ersatz benötigt wurde. Außerdem gab es wohl früher keinen sogenannten De-Stoner, der kleine Steine aus dem Malz entfernt. Nach einer Explosion wurde dieser dann doch angeschafft. Man lernt wirklich nie aus. Zum Abschluss durften wir vier verschiedene Whiskys probieren. Überraschenderweise schmeckten uns tatsächlich alle. Und obwohl die Versuchung groß war, blieb ich diesmal stark. Ja, wirklich. Ich habe keinen Whisky gekauft. Ich bin selbst ein bisschen stolz auf mich. Als Nächstes schauten wir noch bei Glenfiddich vorbei. Eine spontane Führung war, wenig überraschend, nicht möglich. Damit hatten wir allerdings schon gerechnet. Also spazierten wir einfach ein wenig über das Gelände. Im Vergleich zu Strathisla wirkt Glenfiddich deutlich moderner und kommerzieller. Danach versuchten wir unser Glück noch bei Glenfarclas. Auch dort waren eigentlich alle Führungen ausgebucht. Trotzdem fragten wir einfach freundlich nach. Und manchmal lohnt sich das eben. Glenfarclas wird bis heute von derselben Familie geführt und gehört zu den wenigen großen unabhängigen Destillerien Schottlands. Genau das spürt man auch. Die Atmosphäre war unglaublich familiär und gleichzeitig wirkte die Produktion deutlich industrieller als bei Strathisla. Besonders beeindruckend waren die riesigen Washbacks mit einem Fassungsvermögen von rund 44.000 Litern. Fast der gesamte Whisky reift hier in ehemaligen Sherryfässern, rund 99 Prozent. Das verleiht den Whiskys ihren typisch fruchtigen und kräftigen Charakter. Auch das Warehouse durften wir besichtigen. Interessanterweise roch es dort völlig anders als am Vormittag. Während das Lager bei Strathisla angenehm nach Holz duftete, erinnerte uns der Geruch hier erstaunlich stark an Blauschimmelkäse. Warum genau, konnten wir uns nicht erklären. Das älteste Fass im Lager stammt übrigens aus dem Jahr 1953. Würde dieser Whisky heute abgefüllt werden, könnte eine einzelne Flasche rund 20.000 Euro kosten. Und das nicht, weil er so gut schmeckt, sondern weil er einfach so limitiert ist. Verrückt.
    Genau solche Vergleiche machten den Tag für uns so spannend. Obwohl beide Brennereien Single Malt Whisky herstellen und nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Jede hat ihren ganz eigenen Charakter und genau das macht die Whiskywelt irgendwie so faszinierend. Wir freuen uns auf mehr!
    Am Abend erreichten wir schließlich Inverness. Ehrlicherweise hatten wir vorher gar nicht so große Erwartungen. Mit knapp 80.000 Einwohnern wirkt die Stadt auf dem Papier eher überschaubar. Tatsächlich überraschte sie uns aber komplett. Direkt am Fluss herrschte eine unglaublich lebendige Atmosphäre. Überall saßen Menschen in den Pubs, aus fast jeder Tür erklang Livemusik und die Promenade war voller Leben. Zum Abendessen gingen wir in eine Pizzeria, die uns ein Mitarbeiter bei Glenfiddich empfohlen hatte. Eine richtig gute Empfehlung. Das Essen war hervorragend und die Atmosphäre genauso gemütlich wie versprochen. Anschließend schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt, warfen einen kurzen Blick auf das Inverness Castle und besichtigten die Kathedrale von außen. Gefühlt läuteten die Glocken alle zwanzig Minuten und zwar so schrecklich, dass sich diese Erinnerung langfristig einprägen wird.
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  • Tag 7 - Invershiel

    August 7 in Scotland ⋅ 🌧 15 °C

    Der Tag begann mit Regen und ordentlich Wind. Ein kleiner Spoiler vorweg: Das sollte sich auch den Rest des Tages kaum ändern (die Bilder täuschen). Perfekte Voraussetzungen für unser heutiges Highlight, eine zweistündige Bootstour über den Loch Ness auf der Suche nach Nessie. Gestern hatte uns übrigens jemand den gut gemeinten Tipp gegeben, dass sich Nessie mit ein oder zwei Gläsern Whisky deutlich leichter entdecken ließe. Diesem Ratschlag sind wir natürlich nicht gefolgt. Bevor es aufs Wasser ging, stärkten wir uns erst einmal in unserem kleinen Gästehaus. Das hatte gerade einmal drei Zimmer und versprühte genau den Charme, den man sich von einem schottischen Bed & Breakfast erhofft. Der Frühstückstisch war liebevoll gedeckt und obwohl das Buffet überschaubar war, fehlte es an nichts. Frisches Obst, Beeren, regionaler Käse, selbstgemachte Marmelade, Croissants und viele weitere Kleinigkeiten machten das Frühstück zu einem kleinen Highlight.
    Anschließend fuhren wir nach Dochgarroch, wo unsere Bootstour startete. Schon beim Einsteigen wurde klar: Heute wird es kalt. Der Wind pfiff uns so heftig um die Ohren, dass wir teilweise Mühe hatten, überhaupt etwas vom Guide zu verstehen. Trotzdem hielten wir tapfer die kompletten zwei Stunden auf dem Außendeck durch. Zum Glück hatte Steve deutlich mehr vom Vortrag verstanden als ich und konnte mir später die wichtigsten Fakten erzählen. Loch Ness ist gemessen am Wasservolumen der größte See Großbritanniens und enthält sogar mehr Wasser als alle Seen in England und Wales zusammen. Außerdem erzählte der Guide von einem Flugzeug, das nach einem Absturz ganze 45 Jahre auf dem Grund des Sees lag. Aufgrund der konstanten Bedingungen im kalten Wasser war es erstaunlich gut erhalten und nach dem Tausch der Batterie sogar wieder flugfähig. Natürlich durfte auch Nessie nicht fehlen. Die berühmteste Bewohnerin Schottlands wurde ausführlich thematisiert. Gesehen haben wir sie allerdings nicht. Wahrscheinlich hätten wir den Whisky-Tipp doch ernster nehmen sollen. Trotz Regen und Nebel war die Landschaft rund um den Loch Ness einfach wunderschön. Kaum Bebauung, sattes Grün und steile Hänge, die direkt bis ans Wasser reichen. Zwischendurch wurden wir sogar noch mit einem beeindruckenden Regenbogen belohnt.
    Während der Tour konnten wir außerdem einen Blick auf Urquhart Castle werfen. Die Burgruine liegt direkt am Ufer des Loch Ness und zählt zu den bekanntesten Fotomotiven Schottlands. Wenig später standen wir dann selbst dort.
    Vorher war allerdings erst einmal Aufwärmen angesagt. Nach zwei Stunden Wind und Regen schmeckten Tee, eine heiße Suppe und Toasties wahrscheinlich doppelt so gut wie sonst. Frisch aufgewärmt machten wir uns an die Besichtigung von Urquhart Castle. Zugegeben: Ich musste mich bei diesem Wetter ein wenig überwinden. Regen und vor allem der kräftige Wind machten den Rundgang nicht gerade gemütlich. Trotzdem zogen wir den Audioguide konsequent durch. Die Burgruine blickt auf eine bewegte Geschichte mit zahlreichen Belagerungen und Zerstörungen zurück und liegt an einem wirklich spektakulären Ort. Selbst bei schlechtem Wetter waren die Ausblicke über den Loch Ness und die umliegende Natur einfach atemberaubend. Anschließend ging es weiter nach Fort Augustus. Inzwischen waren wir ehrlich gesagt ziemlich froh, unsere Regenponchos eingepackt zu haben. Sie waren heute wirklich im Dauereinsatz. Deshalb blieb es in Fort Augustus auch nur bei einem kurzen Blick auf die Schleusen des Caledonian Canals, auf denen sich normalerweise zahlreiche Boote begegnen. Unser letzter größerer Zwischenstopp war der Suidhe Viewpoint. Eigentlich ist das einer der Aussichtspunkte, von denen man einen fantastischen Blick über die Highlands hat. Eigentlich. Denn auch hier meinte es das Wetter nicht besonders gut mit uns. Statt einer endlosen Fernsicht gab es dichte Wolken, Regen, Nebel und starken Wind. Trotzdem war die Landschaft natürlich beeindruckend.
    Und dann kam etwas ganz unerwartetes: Der Weg nach Invershiel! Das war einfach unglaublich und schwer zu beschreiben. Unzählige Wasserfälle, unberührte Natur, wir konnten es gar nicht fassen. Kaum auszumalen wie die ganze Landschaft bei Sonnenschein wirkt. Wir machten bereits Pläne, wann und wie wir das nächste Mal nach Schottland reisen. Denn das war einfach nur unbeschreiblich schön.
    Am Abend erreichten wir schließlich Invershiel. Unsere Unterkunft lag direkt an einem See, phänomenal. Wäre da nur nicht dieser Wind, der den Regen waagerecht zu Boden brachte. Auch wenn das Wetter heute alles andere als auf unserer Seite war, würden wir den Tag nicht missen wollen. Schottland zeigt eben nicht nur seine sonnige Seite. Und irgendwie gehören Regen, Wind und mystische Nebelschwaden hier genauso dazu wie Whisky, Burgen und Highlandrinder.
    Nach unserem leckeren Abendessen im Hotel, wiederholten wir unser Whiskytasting.
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  • Tag 8 - Isle of Skye

    August 8 in Scotland ⋅ 🌧 15 °C

    Der Tag begann heute tatsächlich mit einem Frühstück with a view. Zumindest theoretisch, denn ausnahmsweise war der Blick beim Frühstück noch frei und wir konnten ein bisschen von der Landschaft genießen. Steve probierte sich heute noch einmal am schottischen Frühstück und bekam endlich das, was ihm die letzten Tage gefehlt hatte: seine heiß ersehnte Blutwurst. Glücklich sah er aus. Bei mir gab es etwas weniger schottisch, dafür sehr lecker: Lachs mit Rührei. Allerdings herrschte beim Frühstück insgesamt ein bisschen Chaos. Das Personal wirkte auch hier komplett überfordert.
    Unser erster Stopp des Tages war Eilean Donan Castle, eines der wohl bekanntesten Schlösser Schottlands. Die Burg liegt auf einer kleinen Gezeiteninsel, die dort liegt, wo gleich drei Lochs zusammentreffen. Allein die Lage ist spektakulär. Das Castle wirkt, als wäre es direkt aus einem Film entsprungen. Und obwohl es natürlich wieder regnete, war die Kulisse atemberaubend. Irgendwann akzeptiert man das schottische Wetter einfach als festen Bestandteil der Landschaft. Danach ging es weiter auf die Isle of Skye. Mit gerade einmal rund 13.000 Einwohnern ist die Insel erstaunlich dünn besiedelt und gleichzeitig für einige der spektakulärsten Landschaften Schottlands bekannt. Von dieser spektakulären Landschaft sahen wir allerdings nicht besonders viel. Heavy Rain war angesagt. Statt beeindruckender Bergpanoramen sahen wir vor allem unzählige weiße Punkte, die sich über die grünen Hänge bewegten. Schafe. Sehr viele Schafe und Ziegen. Dafür hatten wir unterwegs wieder Glück mit den Highlandrindern. Und diesmal sogar mit Nachwuchs! Wir entdeckten mehrere kleine Highland-Kälbchen und waren sofort komplett hin und weg. So unfassbar süß! Die Freude hielt allerdings nicht besonders lange an, denn kurz darauf waren wir selbst ziemlich nass. Unser nächster Stopp war die Sligachan Old Bridge. Die kleine Steinbrücke stammt aus dem 19. Jahrhundert und bietet normalerweise einen ikonischen Blick auf die Cuillin Hills. Normalerweise. Heute lagen dichte Wolken und Regenschleier über den Bergen und machten aus der spektakulären Aussicht eher eine mystische Andeutung. Die Brücke hat allerdings eine besondere Legende: Wer sein Gesicht in das Wasser unter der Brücke hält, soll ewige Jugend erhalten. Na, wenn man schon einmal hier ist, muss man solche Angebote natürlich nutzen und nass waren wir eh schon. Also gingen wir beide runter zum Wasser und hielten unsere Gesichter hinein. Das Wasser war zum Glück weniger kalt als erwartet. Dafür waren wir anschließend einfach nur nass. Der Weg hinunter zum Wasser war durch den Dauerregen komplett matschig und teilweise überflutet. Nach unserer kleinen Schönheitskur sahen wir entsprechend aus: klatschnass, dreckig und vermutlich trotzdem nicht jünger. Wir hoffen einfach, dass sich unser Einsatz irgendwann auszahlt. Die Brücke selbst ist wirklich wunderschön und mit etwas besserem Wetter muss der Blick auf die Cuillins fantastisch sein. Heute konnten wir davon leider nur erahnen, was sich hinter dem dichten Schleier aus Wolken und Regen verbarg. Weiter ging es nach Portree, dem Hauptort der Isle of Skye. Und auch hier: Regen. Wir waren inzwischen so nass, dass es eigentlich auch egal war. Was uns allerdings überraschte, war, wie voll die kleine Stadt war. Die Parkplatzsuche wurde zur Herausforderung und selbst für einen Platz in einem Café mussten wir anstehen. So klein Portree auch ist, offensichtlich wissen sehr viele Menschen, dass es hier schön ist. Im Café Arriba ergatterten wir schließlich einen Platz und bestellten einen Scone. Die Bedienung erklärte uns freundlicherweise sehr genau, wie man diesen korrekt zu essen hat. Die Butter müsse auf eine bestimmte Art gestrichen und der Scone auf eine bestimmte Weise geteilt werden. Sollten wir davon abweichen, würden wir rausgeschmissen werden. Natürlich war das nur ein Spaß. Wir hielten uns trotzdem lieber exakt an die Anweisungen. Sicher ist sicher. Dazu gab es eine heiße Schokolade und ein bisschen Zeit zum Aufwärmen. Draußen war es einfach viel zu ungemütlich. Anschließend schauten wir uns noch die berühmten bunten Häuser am Hafen an. Und wir müssen sagen: Auf den Fotos bei Google sieht Portree bei Sonnenschein wirklich traumhaft aus. Gerne mal googeln!
    Unser nächstes Ziel war Dunvegan Castle. Das Schloss befindet sich seit Jahrhunderten im Besitz des Clan MacLeod und ist damit das älteste durchgehend bewohnte Schloss Schottlands, das sich noch in Familienbesitz befindet. Besonders schön fanden wir die weitläufigen Gärten rund um das Schloss. Clan Chief müsste man sein. Danach ging es endlich zu unserer Unterkunft. Wir übernachten diesmal in einem kleinen Pod mit traumhaftem Blick auf den See. Direkt vor unserer Tür grasten außerdem wieder Schafe, quasi Grundausstattung der Insel.
    Nach diesem wirklich komplett verregneten Tag machten wir es uns gemütlich. Selbstgekochtes Abendessen, zwei Folgen unserer Serie und der schöne Blick aus unserem Pod. Eigentlich war der Tag damit für uns beendet. Und dann passierte um kurz nach 21 Uhr etwas völlig Unerwartetes. Der Regen hörte auf. Einfach so. Die Wolken zogen langsam auseinander und plötzlich kam tatsächlich blauer Himmel zum Vorschein. Wir schauten uns an und wussten sofort: Das können wir nicht einfach ignorieren. Also sprangen wir noch einmal ins Auto und fuhren los, der Sonne entgegen.
    Und plötzlich konnten wir endlich sehen, warum alle von der Isle of Skye schwärmen. Die Wolken gaben die Berge frei, die Landschaft wurde in goldenes Abendlicht getaucht und zum ersten Mal an diesem Tag konnten wir die Konturen der Landschaft richtig erkennen. Es war traumhaft schön. Nach diesem Tag voller Regen, Wind, Matsch und nassen Klamotten war dieser Moment irgendwie noch viel besonderer. Wir hatten wirklich schon fast aufgegeben, Skye von seiner schönen Seite zu sehen und dann schenkte uns die Insel doch noch diesen perfekten Abend. Jetzt drücken wir uns ganz fest die Daumen, dass der morgige Tag genauso startet, wie der heutige aufgehört hat: mit Sonne, klarer Sicht und ganz viel Skye.
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  • Tag 9 - Mòrar

    August 9 in Scotland ⋅ ⛅ 13 °C

    Oh mein Gott. Die Sonne scheint. Mehr gibt es zum Start dieses Tages eigentlich gar nicht zu sagen. Nach dem gestrigen Dauerregen wachten wir auf und konnten unser Glück kaum fassen. Blauer Himmel, Sonnenschein und tatsächlich Sicht! Die Isle of Skye zeigte sich plötzlich von einer komplett anderen Seite. Auch das Frühstück passte perfekt dazu: Breakfast with a View. Bei Tee und Toast saßen wir mit Blick ins Grüne, während vor uns die Schafe friedlich grasten. Es war einfach idyllisch. So viel besser als im Hotel.
    Und dann ging es auch schon los! Unser Versuch, die Treaselane Bridge zu finden, scheiterte allerdings kläglich. Wir suchten, fanden sie nicht und beschlossen irgendwann, dass es auch noch andere Brücken auf dieser Insel gibt. Also weiter. Unser nächstes Ziel war der Fairy Glen, eine der ungewöhnlichsten Ecken der Isle of Skye. Die Landschaft wirkt tatsächlich ein bisschen wie aus einem Märchen: kleine, grasbewachsene Hügel, Teiche, verschlungene Pfade und überall diese ungewöhnlichen Formen, sogar eine kleine Tür zur Feenwelt haben wir entdeckt. Die Landschaft entstand nach der letzten Eiszeit durch Gletscherbewegungen und wirkt dadurch fast surreal. Natürlich konnten wir es nicht einfach beim Spazieren belassen. Eine kleine Kletterpartie musste sein. Oben angekommen wurden wir mit einem tollen Blick über die Umgebung belohnt, ganz viel Grün, Wasserfälle und die mittlerweile vertrauten weißen Punkte in der Landschaft. Schafe. Ein kleiner Regenschauer zwischendurch durfte natürlich trotzdem nicht fehlen. Wir wollten ja nicht gleich übermütig werden.
    Überhaupt schienen die Schafe heute besonders abenteuerlustig zu sein. Sie standen nicht nur am Wegesrand, sondern liefen teilweise mitten auf der Straße herum und versperrten völlig unbeeindruckt unsere Spur. Lebensmüde trifft es wahrscheinlich ganz gut. Wir wurden jedenfalls mehrfach zu Schaf-Pausen gezwungen.
    Unterwegs machten wir spontan einen Zwischenstopp bei den Ruinen von Duntulm Castle. Die Überreste liegen spektakulär auf einer Klippe direkt über dem Meer. Der Kontrast aus tiefblauem Wasser, sattem Grün und den alten Ruinen war einfach großartig. Auf den Fotos wirkt der Ort allerdings deutlich sonniger, als er tatsächlich war. Wir hatten nämlich nur ein kleines Zeitfenster erwischt, bevor sich wieder ein paar Wolken davorschoben und windig war es sowieso.
    Zeit für eine kleine Pippi-Pause im Café Burr. Und was für ein Glücksgriff! Ein unglaublich süßes kleines Café mit tollem Ausblick und einem der besten Karottenkuchen, die ich bisher gegessen habe. Dazu gab es Kaffee und Whisky Tea (Schwarztee im Whiskyfass gelagert). Wir saßen in der Sonne, genossen Kuchen und Getränke und waren einfach nur glücklich, dass wir heute tatsächlich draußen sitzen konnten. Danach ging es weiter zum Kilt Rock. Die markante Felsformation erinnert mit ihren senkrechten Basaltsäulen tatsächlich ein bisschen an einen schottischen Kilt. Direkt daneben stürzt ein Wasserfall über die Klippen ins Meer. Bei Sonnenschein und blauem Himmel war das heute einfach wunderschön, auch wenn ganz schön überlaufen. Allgemein war der Verkehr heute enorm. Nur wenige Minuten später erreichten wir die Lealt Falls. Auch hier erwartete uns wieder eine beeindruckende Mischung aus Landschaft: eine gewaltige Felswand, der Wasserfall, der Blick hinunter zum Strand und alte Ruinen. Und natürlich durften auch hier zwei Schafe nicht fehlen, die es sich auf einem Felsvorsprung gemütlich gemacht hatten. Wie kamen die da nur hin? Weiter ging es die Küste entlang. Links das Meer, rechts die Berge und immer wieder spektakuläre Ausblicke. Wir konnten sogar den Old Man of Storr sehen. EineAnhöhe ließen wir allerdings aus. Der Weg war nach dem vielen Regen einfach komplett matschig. An dieser Stelle eine wichtige Reiseerkenntnis: Weiße Turnschuhe sind in Schottland wirklich nicht das optimale Schuhwerk. Unsere Mittagspause machten wir anschließend ganz pragmatisch an einem See. Im Auto sitzend verspeisten wir die Reste unserer Nudeln vom Vorabend. Nicht das glamouröseste Mittagessen der Reise, aber mit Blick auf die Landschaft schmeckt eben auch kalte Pasta ziemlich gut. Danach ging es langsam die Küste hinunter in Richtung Armadale und zum Fährhafen. Einen kurzen Zwischenstopp legten wir noch einmal in Portree ein, heute glücklicherweise (fast) ohne Regen.
    Um 18:28 Uhr kamen wir schließlich am Fährhafen an. Die Fähre sollte um 18:50 Uhr ablegen. Und dann lernten wir eine wichtige Lektion fürs nächste Mal: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wir hatten nämlich irgendwie verstanden, dass der Check-in 20 Minuten vor Abfahrt beginnt. Tatsächlich endet er aber 20 Minuten vor Abfahrt. Das bedeutet: Wir waren gerade noch rechtzeitig. Uns wurde direkt gesagt, dass wir zwei Minuten später nicht mehr auf die Fähre gekommen wären. Upsi.
    Wir waren jedenfalls sehr froh, als wir mit unserem Auto auf der Fähre standen.
    Die Überfahrt nach Mallaig verlief problemlos und war richtig schön. Und als wäre dieser Tag nicht ohnehin schon perfekt genug gewesen, konnten wir vom Schiff aus sogar noch kurz Delfine beobachten. Schottland meinte es heute wirklich gut mit uns. In Mallaig angekommen, erledigten wir noch schnell einen kleinen Einkauf und fuhren anschließend weiter nach Morar. Dort gab es ein einfaches Abendessen with a View. Mehr brauchten wir nach diesem Tag eigentlich auch nicht. Was für ein Unterschied zu gestern. Gestern Regen, Nebel, Wind und kaum Sicht, heute Sonnenschein, türkisblaues Wasser, grüne Berge, Wasserfälle, Delfine und traumhafte Küstenstraßen.
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  • Tag 10 - Oban

    August 10 in Scotland ⋅ ⛅ 13 °C

    Heute stand unser Tag ganz im Zeichen von Harry Potter. Zugegeben: Schottland liefert dafür auch einfach die perfekte Kulisse. Viele der Landschaften hier wirken ohnehin so, als wären sie direkt für einen Fantasyfilm gebaut worden. Dass tatsächlich so viele Harry-Potter-Szenen hier gedreht wurden, macht die ganze Sache natürlich noch ein bisschen besonderer und war mir auch gar nicht so bewusst. Unser erster Stopp war Eilean na Moine, eine kleine Insel im Loch Eilt. Für Harry-Potter-Fans ist der Ort ziemlich besonders, denn hier wurden Szenen rund um Dumbledores Grab gedreht. Auch Hagrid war hier unterwegs und warf in einer Szene Steine ins Wasser. Wir standen also tatsächlich an einem Ort, an dem ein kleiner Teil der Zauberwelt zum Leben erweckt wurde. Schon irgendwie cool. Danach ging es weiter nach Glenfinnan. Um 10:45 Uhr sollte dort die berühmte Dampflok über das Glenfinnan Viaduct fahren, besser bekannt als die Hogwarts-Express-Brücke. Uns war vorher schon empfohlen worden (von Google), früh da zu sein. Also standen wir pünktlich um 9 Uhr auf dem Parkplatz.
    Und siehe da: Die Empfehlung war absolut richtig. Bereits gegen 9:20 Uhr waren die Parkplätze komplett voll. Wir hatten also alles richtig gemacht. Während wir noch gemütlich den Blick über den Loch Shiel genossen und uns einen Kaffee holten, füllte sich der Ort immer weiter. Irgendwann machten auch wir uns auf den Weg zum Aussichtspunkt. Der Weg war durch den Regen der letzten Tage natürlich schön matschig. Unsere Schuhe hatten mittlerweile sowieso längst aufgegeben, sauber zu bleiben. Oben angekommen, war allerdings schon ordentlich was los. Unzählige Menschen hatten sich bereits die besten Plätze gesichert und immer mehr kamen den Weg hinauf. Wir fanden schließlich einen Platz mit gutem Blick und warteten. Und warteten. Und warteten. Gut 50 Minuten lang. Es ist schon irgendwie verrückt, dass man freiwillig 50 Minuten auf einen Zug wartet. Einen Zug. Aber andererseits: Wir waren hier, um den Hogwarts-Express zu sehen und gedanklich nach Hogwarts zu fahren. Und dann war es endlich so weit.
    Plötzlich tauchte die Dampflok auf und fuhr langsam über das Viadukt. Die Menschen jubelten, überall wurden Handys gezückt und sogar der Lokführer winkte und jubelte der wartenden Menschenmenge zu. Die Stimmung war wirklich abstrus. Wir hatten unseren Hogwarts-Express gesehen. Und dafür waren die 50 Minuten Warten plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Weiter ging es in Richtung Fort William. Unterwegs legten wir noch einen kurzen Stopp bei der Ben Nevis Distillery ein. Dort entdeckten wir eine ganz besondere Flasche: eine 200-Jahre-Edition mit 32 Jahre altem Whisky für schlappe 795 Pfund. Natürlich haben wir den nicht probiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass er uns nicht schmeckt, war ziemlich groß. Stattdessen probierten wir einen anderen Whisky, der allerdings nicht so ganz unser Ding war. Also verließen wir die Distillery ohne eine Flasche mitzunehmen. Richtig gut!
    Anschließend ging es nach Fort William. Die kleine Stadt liegt direkt am Fuße des Ben Nevis, dem höchsten Berg Großbritanniens. Bei strahlendem Sonnenschein schlenderten wir tatsächlich im T-Shirt durch die Straßen. Nach all den Regentagen fühlte sich die Sonne so ungewohnt gut an, dass wir offenbar ein bisschen übermütig wurden.
    Spoiler: Wir haben uns leicht verbrannt.
    Von Fort William aus ging es anschließend durch das Glen Coe Tal. Und was soll ich sagen? Schottland schafft es wirklich jedes Mal, noch eine neue Landschaft aus dem Hut zu zaubern. Nach den Küsten, den Highlands, Loch Ness und der Isle of Skye sah Glen Coe wieder komplett anders aus. Gewaltige Berge, weite Täler und diese dramatische Landschaft, bei der man eigentlich permanent das Gefühl hat, durch eine Filmkulisse zu fahren. Unser Ziel für heute war Oban, eine kleine, unglaublich süße Hafenstadt an der Westküste. Nach der langen Fahrt brauchten wir erst einmal eine kurze Verschnaufpause, bevor wir zum drittbesten Fish & Chips Laden Großbritanniens schlenderten, laut National Geographic. Und er schmeckte definitiv so. Wir saßen direkt am Hafen, hatten unser Fish & Chips vor uns und genossen die Aussicht. Sehr simpel, sehr britisch und einfach richtig lecker. Danach wollten wir den Abend eigentlich ganz entspannt in einem Pub ausklingen lassen. Das stellte sich allerdings als Fehlentscheidung heraus. Im Pub war absolut nichts los und im Hintergrund lief irgendeine Fernsehsendung. Nicht gerade die Atmosphäre, die wir uns vorgestellt hatten. Also zogen wir weiter. Und landeten in einer Whiskybar. Dort war die Stimmung deutlich besser. Wir probierten noch ein paar Whiskys, kamen mit neuen Erkenntnissen über die schottische Whiskywelt heraus und stellten einmal mehr fest, dass es unglaublich viele Unterschiede gibt, obwohl am Ende überall Whisky im Glas ist.
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  • Tag 11 - Inveraray

    August 11 in Scotland ⋅ ☁️ 16 °C

    Nach mittlerweile zehn Tagen Schottland müssen wir eines einmal festhalten: Das bequemste Bett der gesamten Reise hatten wir ausgerechnet in unserer bisher zweitgünstigsten Unterkunft. Oban kann offenbar nicht nur Whiskys, sondern auch gute Betten. Für gerade einmal fünf Pfund konnten wir außerdem noch Frühstück dazubuchen. Und auch hier wurden wir positiv überrascht. Es war zwar sehr einfach gehalten, aber trotzdem erstaunlich vielfältig und absolut ausreichend. Nach zehn Tagen unterwegs sind unsere Ansprüche an Essen allerdings auch merklich gesunken. Nach dem Check-out wollten wir uns Oban noch ein bisschen genauer anschauen. Und weil wir mittlerweile gelernt haben, dass man eine Stadt am besten von oben kennenlernt, ging es zunächst zum Pulpit Hill. Von dort hatten wir einen schönen Blick über die Stadt, den Hafen und die umliegenden Inseln. Danach ging es weiter zum McCaig’s Tower, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen Obans. Der monumentale Bau wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem wohlhabenden Bankier in Auftrag gegeben und sollte ursprünglich nicht nur ein Denkmal für seine Familie, sondern auch eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für lokale Steinmetze sein. Fertiggestellt wurde das geplante Monument allerdings nie. Wir hatten dafür definitiv ein paar Höhenmeter gesammelt. Danach ging es zur Oban Distillery. Und der war für mich natürlich Pflichtprogramm. Der Oban 14 ist aktuell mein Lieblingswhisky, also mussten wir natürlich genau dort hin. Die Destillerie liegt mitten im Zentrum der Stadt und ist im Vergleich zu den riesigen Anlagen, die wir in den vergangenen Tagen gesehen hatten, geradezu winzig. Während Glenfarclas teilweise schon fast industriell wirkte, ist Oban eine kleine, kompakte Stadt-Destillerie. Interessanterweise produziert Oban seit Januar nicht mehr. Grund: Unklar. Die Führung selbst war trotzdem spannend. Der komplette Herstellungsprozess wurde uns noch einmal erklärt, allerdings ziemlich schnell. Gut, dass wir inzwischen schon zwei Destillerieführungen hinter uns hatten. Sonst wären vermutlich einige Informationen an uns vorbeigerauscht.
    Besonders cool war, dass wir zum ersten Mal richtigen Torf in der Hand halten durften. Und obwohl Oban gar nicht besonders torfig schmeckt, spielt Torf beziehungsweise Rauch in der Whiskywelt natürlich eine wichtige Rolle. Während der Führung gab es drei Drams zur Verkostung. Drei Whiskys am Vormittag sind schon eine Ansage, aber alle waren lecker. Dann kam allerdings noch eine Geschichte, mit der wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Als man im 19. Jahrhundert darüber nachdachte, die Destillerie zu erweitern, wurde eine Felswand gesprengt. Dabei stieß man auf eine Höhle mit menschlichen Überresten. Die Untersuchungen ergaben später, dass diese Menschen ungefähr 7.000 Jahre vor Christus dort gelebt hatten. Besonders spannend: Die DNA konnte mit Menschen aus der heutigen Normandie in Verbindung gebracht werden. Die geplante Erweiterung der Destillerie wurde daraufhin natürlich nicht weiterverfolgt. Für die Archäologie war der Fund allerdings ein echter Glücksfall. Die Überreste gehören zu den ältesten menschlichen Funden, die in Großbritannien entdeckt wurden.Es ist schon ziemlich verrückt, sich vorzustellen, dass an genau diesem Ort Menschen vor rund 9.000 Jahren gelebt haben. Und mit ein paar Whiskys intus wirkt die Vorstellung irgendwie noch surrealer.
    Danach hieß es Abschied nehmen von Oban und weiter in Richtung Inveraray am Loch Fyne. Dort angekommen, starteten wir erst einmal ganz stilvoll mit Afternoon Tea. Zumindest war die Hälfte davon richtig lecker. Die andere Hälfte war eher Kategorie “kann man lassen”.
    Unsere Unterkunft war diesmal mit Abstand die schönste der gesamten Reise, allerdings auch die teuerste. Dafür gab es einen kleinen Wellnessbereich. Also schnappten wir uns die Bademäntel und machten es uns in der Sauna gemütlich. Wir lagen entspannt auf den Liegen und schauten über den Loch Fyne. Nach all den Tagen mit Regen, Autofahrten, Wanderungen und Destillerien fühlte sich das schon ziemlich luxuriös an. Am Abend machten wir noch einen kleinen Spaziergang zum Inveraray Castle. Und obwohl wir das Schloss leider nicht von innen besichtigen konnten, dienstags und mittwochs ist es geschlossen, war der Anblick von außen wirklich traumhaft. Das hellgraue Schloss mit seinen Türmchen und der wunderschönen Gartenanlage sah aus wie aus einem Märchenbuch.
    Schade, dass wir nicht hineinkonnten.
    Zurück im Hotel ließen wir den Abend ganz entspannt ausklingen. Keine großen Pläne mehr, kein weiterer Programmpunkt.
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  • Tag 12 - Glasgow

    August 13 in Scotland ⋅ ☁️ 25 °C

    Wir haben heute tatsächlich richtig gut geschlafen. Und wir wissen auch genau, woran es lag: Das Bett hatte endlich einmal eine vernünftige Größe für zwei Menschen. Keine akrobatischen Verrenkungen, kein gegenseitiges Wegschubsen, einfach Platz. Ein völlig unterschätzter Luxus. Auch das Frühstück konnte sich sehen lassen. Endlich gab es einmal richtig leckeres Rührei und zwar aus echten Eiern und nicht aus irgendeiner ominösen Frühstücksmischung. Steve probierte außerdem zum ersten Mal schottisches Porridge und war überraschend positiv angetan.
    Dann hieß es leider Abschied nehmen. Und tatsächlich war es das erste Mal auf unserer Reise, dass wir es schade fanden ein Hotel zu verlassen. Die Unterkunft war unglaublich gemütlich und die Lage am Loch Fyne einfach wunderschön. Einziger Haken: Das Ganze war leider auch entsprechend teuer. Man kann eben nicht alles haben. Unser erster Stopp des Tages war Luss am Loch Lomond. Das kleine Dorf liegt direkt am Ufer des berühmten Sees und ist entsprechend touristisch gut erschlossen. Viele hübsche kleine Häuser, Cafés und jede Menge Touristen. Ein bisschen erinnerte uns das Ganze an den Starnberger See. Luss ist außerdem bekannt für seine kleinen Häuser mit Schieferdächern. Der Stein wurde früher in der Umgebung abgebaut und prägt bis heute das typische Erscheinungsbild des Ortes.
    Wir machten einen gemütlichen Spaziergang von etwa einer Stunde, vorbei am Wasser und durch ein kleines Waldstück. Dabei entdeckten wir auch einen Fairy Trail. Eigentlich ist der vor allem für Kinder gedacht, aber wir fühlten uns davon natürlich ebenfalls angesprochen. Kleine Feentüren, versteckte Figuren und allerlei liebevolle Details machten den Spaziergang überraschend aufregend. Und das Wichtigste: Keiner von uns wurde vom Troll gefressen. Glück gehabt. Anschließend ging es weiter zum Doune Castle. Die mittelalterliche Burg ist unter anderem als Drehort für Monty Python, Outlander und Game of Thrones bekannt. Wir hatten allerdings nur ungefähr 20 Minuten Zeit, weshalb es eher ein Quick Visit wurde. Kurz ausgestiegen, einmal umgeschaut, ein paar Fotos gemacht und weiter. Danach wartete unser letzter großer Whisky-Stopp der Reise: die Deanston Distillery. Deanston ist schon aufgrund seiner Geschichte ziemlich ungewöhnlich. Die Destillerie befindet sich in einer ehemaligen Baumwollfabrik aus dem 18. Jahrhundert und nutzt die alten Gebäude bis heute. Dadurch wirkt die Anlage ganz anders als die großen, speziell für Whisky gebauten Destillerien, die wir in den letzten Tagen gesehen hatten. Wir hatten ein Warehouse Tasting gebucht und waren mit gerade zwei weiteren Personen eine angenehm kleine Gruppe. Unser Guide Thomas machte einen richtig guten Job. Sehr sympathisch, unglaublich informativ und mit genau der richtigen Portion Humor. Das Highlight: Wir durften unseren Dram tatsächlich selbst direkt aus dem Fass ziehen. Mit einem Whisky-Sampler wurde der Whisky direkt aus dem Fass geholt und ins Glas gegeben. Und dann ging es ans Probieren: Als erstes gab es einen 17 Jahre alten Canaster Cask, danach einen 14 Jahre alten Sherry Cask, einen 19 Jahre alten Armagnac Cask und zum Abschluss einen 22 Jahre alten Palo Cortado. Vier komplett unterschiedliche Whiskys und trotzdem alle richtig lecker. Nach all den Destillerien, Tastings und Gesprächen über Fässer konnten wir inzwischen tatsächlich Unterschiede erkennen und ein bisschen besser einordnen, was wir eigentlich da trinken.
    Und natürlich konnten wir die Destillerie nicht verlassen, ohne etwas aus dem Shop mitzunehmen. Danach hieß es endgültig: auf nach Glasgow. Vor der Stadt waren wir ehrlich gesagt ein bisschen gewarnt worden. Glasgow soll dreckig sein, nicht besonders schön und insgesamt eher weniger sehenswert als Edinburgh. Unser erster Eindruck war allerdings komplett anders. Glasgow wirkte auf uns jung, lebendig und überraschend schön. Viele beeindruckende historische Gebäude, eine tolle Atmosphäre und jede Menge Leben auf den Straßen. Ja, es lag tatsächlich Müll herum. Aber nachdem wir genauer hinschauten, entdeckten wir auch den Grund dafür: Die Möwen reißen hier offenbar mit großer Begeisterung die Müllsäcke auf und verteilen deren Inhalt großzügig über die Straßen. Nicht gerade elegant. Aber irgendwie gehört das wohl dazu. Zum Abendessen gab es noch eine richtig leckere Pizza auf Empfehlung. Anschließend gönnten wir uns einen Absacker im Pub und ließen den Abend gemütlich ausklingen.
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  • Tag 13 - Glasgow

    August 13 in Scotland ⋅ ☁️ 24 °C

    Der Tag begann heute irgendwie etwas komisch. Wir mussten früh aufstehen, um unser Auto noch einmal umzuparken. Eine Aufgabe, die Steve freundlicherweise übernahm, während ich mich noch ein bisschen im Bett herumdrückte. Als er wieder zurück war, legten wir uns einfach noch einmal hin. Und schliefen wieder ein. So viel zum frühen Start in den Tag. Irgendwann schafften wir es dann doch aufzustehen und machten uns auf den Weg. Ganz spontan landeten wir in der Hidden Lane, einer kleinen, versteckten Gasse mitten in Glasgow, die sich bunt und kreativ präsentiert. Zwischen kleinen Läden, Ateliers und Cafés entdeckten wir ein unglaublich süßes Teehaus. Genau unser Ding. Eigentlich wollten wir anschließend noch eine Free Walking Tour machen. Eigentlich. Leider hatten die Busse offenbar andere Pläne. Sie kamen nicht so, wie sie sollten, und irgendwann war klar: Wir würden es nicht mehr rechtzeitig zum Treffpunkt schaffen. Super. Also Plan B. Nach längerem Überlegen entschieden wir uns schließlich für den Hop-on-Hop-off-Bus. Und ehrlich gesagt war das gar keine schlechte Idee. Nach mittlerweile fast zwei Wochen Urlaub waren unsere Beine doch etwas müde und wir hatten keine Lust mehr, jeden Hügel selbst hochzulaufen. Also ließen wir uns einfach 90 Minuten durch Glasgow kutschieren. Und wir waren überrascht, wie gut uns die Stadt dabei gefiel. Glasgow ist wirklich eine ziemlich coole Stadt. Viel größer und abwechslungsreicher, als wir zunächst erwartet hatten. Die Stadt hat unglaublich viele Aufs und Abs, nicht nur geografisch, sondern auch historisch. Glasgow hat sich im Laufe der Jahrhunderte ständig verändert: von der Handels- und Industriestadt über den Niedergang vieler Industriezweige bis hin zur heutigen jungen, kreativen und lebendigen Stadt.
    Unser Guide meinte auch, dass die Glasgower im Gegensatz zu den Edinburghern Persönlichkeit hätte. Der Konflikt wurde deutlich. Besonders witzig war, dass sich die Stadt gerade auf die bevorstehende Dudelsack-Weltmeisterschaft vorbereitete. Die World Pipe Band Championships fanden am nächsten Tag statt und in den Parks wurde deshalb fleißig geübt. Überall hörten wir Dudelsäcke und Trommeln. Nach der Tour meldete sich dann allerdings der Hunger. Wir gönnten uns bei einem Italiener einen Lunch Deal mit leckerer Lasagne. Da wir sowieso keine Lust mehr hatten, irgendwo lange zu sitzen, nahmen wir das Essen mit ins Hotel und machten es uns dort gemütlich. Leider ging es Steve danach nicht mehr ganz so gut. Die vielen Kilometer, das ständige Unterwegssein und die letzten Tage voller Programm hatten offenbar ihren Tribut gefordert. Also machten wir etwas, das wir auf dieser Reise bisher erstaunlich selten getan hatten: Wir ruhten uns aus. Und zwar richtig. Am Abend machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Kelvingrove Park. Der Park liegt direkt bei der University of Glasgow und dem Kelvingrove Art Gallery and Museum, das zu den meistbesuchten Museen Schottlands gehört. Eine wirklich schöne Ecke der Stadt (und zufälligerweise direkt neben unserem Hotel) und ein perfekter Ort, um den Tag etwas ruhiger ausklingen zu lassen. Und natürlich waren auch hier wieder die Dudelsackspieler unterwegs.
    Wir schlenderten durch den Park, lauschten den Dudelsäcken und ließen Glasgow einfach ein bisschen auf uns wirken.
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  • Tag 14 - Edinburgh

    August 14 in Scotland ⋅ ☁️ 20 °C

    Gute Neuigkeiten gleich zu Beginn: Steve ist wieder fit! Nach dem gestrigen Ruhetag fühlte er sich heute wieder deutlich besser und wir konnten unseren letzten halben Tag in Glasgow noch einmal gemeinsam genießen. Da uns die Hop-on-Hop-off-Tour am Vortag erzählt hatte, dass Dennistoun laut dem Time Out Magazine zu den coolsten Vierteln der Welt gehört, mussten wir natürlich noch selbst nachschauen. Unser erster Stopp war somit der Alexandra Park. Ganz nett. Auch Dennistoun selbst fanden wir okay. Hübsch, mit einigen netten Ecken, aber hätten wir es nicht gesehen, hätten wir vermutlich auch nichts vermisst. Was allerdings wirklich gut war, war unser Frühstück. Yummy!
    Danach ging es weiter zum Barras Market, einem der bekanntesten Markt- und Veranstaltungsorte Glasgows. Dort machten wir zunächst einen kleinen Zwischenstopp in einem winzigen Süßigkeitenladen, der gleichzeitig als der älteste Süßigkeitenladen Glasgows gilt. Winzig war wirklich nicht übertrieben. Viel Platz gab es nicht, dafür umso mehr Süßigkeiten. Wir wären natürlich nicht wir, wenn wir den Laden einfach wieder verlassen hätten. Also deckten wir uns mit ein paar Kleinigkeiten ein. Direkt nebenan bekamen wir außerdem schon einen kleinen Vorgeschmack auf das große Ereignis des Tages: die Dudelsack-Weltmeisterschaften. Wir hörten überall Dudelsäcke und Trommeln, konnten von den eigentlichen Wettbewerben aber leider nichts sehen. Schade! Anschließend ging es weiter zur Glasgow Cathedral und zur angrenzenden Necropolis. Die Kathedrale ist eine der wenigen mittelalterlichen Kirchen Schottlands, die die Reformation weitgehend unbeschadet überstanden haben. Direkt dahinter liegt die Necropolis, ein riesiger viktorianischer Friedhof auf einem Hügel. Von dort oben hat man einen richtig schönen Blick über Glasgow. Danach hieß es endgültig: Glasgow, wir kommen bestimmt wieder. Wir holten unser Auto und machten uns auf den Weg zurück nach Edinburgh. Dort wartete noch einmal ein anderes Gästehaus auf uns. Nachdem Steve das Auto zurückgebracht hatte und ich schon einmal mit dem Packen angefangen hatte, meldete sich bei mir ein sehr konkretes Bedürfnis: Ich wollte indisch essen. Also suchten wir uns ein indisches Restaurant und wurden nicht enttäuscht. Das Essen war fantastisch und damit genau das Richtige für unseren letzten Abend. Dazu stießen wir erst einmal auf unseren wunderschönen Urlaub an. Wir gingen noch weiter in die Stadt. Unser Gastgeber hatte uns bei der Ankunft bereits gewarnt: “Absolutely madness!” Wir seien schließlich mitten im Edinburgh Fringe Festival angekommen. Und ja, er hatte nicht übertrieben. Die Straßen waren voller Menschen, überall standen Künstler, Musik erklang und an jeder Ecke passierte irgendetwas. Wir stießen noch zweimal auf unseren Urlaub an. Und dann kam das große Highlight unseres letzten Abends: das Royal Edinburgh Military Tattoo. Vor der beeindruckenden Kulisse von Edinburgh Castle erlebten wir Militärbands und Formationen aus der ganzen Welt. Mit dabei waren unter anderem Gruppen aus den USA, Neuseeland, Deutschland, Katar und natürlich Großbritannien. Musik, Dudelsäcke, Trommeln, Uniformen, Choreografien und dazu das beleuchtete Castle im Hintergrund, eine ziemlich spektakuläre Kombination. Und wir müssen natürlich besonders hervorheben: Die Deutschen waren super, wir haben uns nicht geschämt. Die gesamte Show war einfach großartig und ein wirklich würdiger Abschluss unserer Reise.
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  • Tag 15 - Edinburgh

    August 15 in Scotland ⋅ ☀️ 15 °C

    Unser letzter Tag in Schottland begann noch einmal ganz standesgemäß: mit einem Full Scottish Breakfast für Steve und Rührei für mich. Wir hatten noch ein paar Stunden in Edinburgh und beschlossen, heute gar keinen großen Plan mehr zu machen. Einfach spazieren gehen, ein bisschen durch die Stadt treiben lassen und Edinburgh noch einmal auf uns wirken lassen. Dabei erkundeten wir einen kleinen Handwerksmarkt, der in einer alten Kirche zu finden war und stöberten. Danach holten wir uns noch ein bisschen Glück bei Greyfriars Bobby ab. Die kleine Hundefigur steht vor dem berühmten Greyfriars Kirkyard und erinnert an eine der bekanntesten Geschichten Edinburghs. Bobby war ein kleiner Skye Terrier, der seinem Herrchen John Gray so treu gewesen sein soll, dass er nach dessen Tod ganze 14 Jahre lang jeden Tag an dessen Grab zurückkehrte und dort wachte. Die Geschichte machte ihn in Edinburgh berühmt und bis heute gilt seine Statue als Glücksbringer. Also mussten wir natürlich auch seine Nase rubbeln. Wir drängelten uns anschließend durch die mittlerweile völlig überfüllte Innenstadt. Das Fringe Festival hatte Edinburgh weiterhin fest im Griff und gefühlt waren einfach überall Menschen. Nach dem ganzen Trubel flüchteten wir in eine kleine, süße Gasse und gönnten uns noch einmal Tee und Kaffee. Und für mich durfte zum Abschluss natürlich ein Scone nicht fehlen. Als wir anschließend wieder auf der Hauptstraße waren, passierte etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Plötzlich sprach mich eine Frau an und zeigte mir ein Foto auf ihrem Handy. Sie hatte uns fotografiert.
    Einfach so. Offenbar waren wir ihr zufällig vor die Kamera gelaufen und sie fand das Bild so schön, dass sie meinte, wenn jemand ein solches Foto von ihr gemacht hätte, würde sie es unbedingt selbst haben wollen. Also schickte sie mir das Foto kurzerhand per AirDrop. Und tatsächlich: Es war richtig schön. Wir waren völlig überrascht und natürlich auch ein bisschen geschmeichelt. Ich meine, offenbar sind wir ein ziemlich fotogenes Paar, wenn uns schon wildfremde Menschen fotografieren.
    Das Foto ist nicht geplant und nicht gestellt, einfach ein zufälliger Moment, den jemand so schön fand, dass er ihn festhalten wollte. Großartig, oder?
    Zum Abschluss gönnten wir uns noch eine kleine Acai Bowl, bevor es dann tatsächlich hieß: Ciao, Schottland! Zwei Wochen voller Regen, Sonne, Wind, Nebel, Highlands, Burgen, Schafen, Highlandrindern, Fähren, Harry Potter, Dudelsäcken und natürlich sehr, sehr viel Whisky liegen hinter uns. Und was sollen wir sagen? Es war wunderschön. Wir haben unglaublich viel gesehen, sind unfassbar viele Kilometer gefahren, haben wahrscheinlich mehr Whisky probiert, als ursprünglich geplant war, und wurden gefühlt jeden zweiten Tag von einem Regenschauer überrascht.
    Schottland hat uns landschaftlich komplett umgehauen und immer wieder aufs Neue überrascht. Und obwohl wir uns inzwischen fast an das schottische Wetter, die kleinen Betten und die ständige Frage „Jacke an oder aus?“ gewöhnt hatten, gibt es eine Sache, auf die wir uns jetzt wirklich ganz besonders freuen: unser 1,80-Meter-Bett. Nach zwei Wochen zu zweit in schottischen Hotelbetten ist das nämlich wahrer Luxus. Schottland, mach’s gut.
    Wir kommen bestimmt wieder.
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    Trip end
    August 15, 2026