• Tag 2 -Edinburgh

    August 2 in Scotland ⋅ ☁️ 16 °C

    Der Tag begann herrlich unkompliziert. Statt eines ausgiebigen Frühstücks gönnten wir uns wieder etwas auf die Hand aus einer kleinen türkischen Bäckerei in der Nähe unserer Unterkunft. Mit belegten Brötchen und Börek machten wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Mittlerweile fühlten wir uns schon fast wie Einheimische (wir gingen bereits souverän über rot), bis der Bus kam und wir kurz überlegen mussten, wie das mit dem Ticketkauf hier noch gleich funktioniert. Easy! Handy ran, fertig!
    Unser erstes Ziel war Leith, der Hafenstadtteil von Edinburgh. Früher war Leith ein eigenständiger Ort und vor allem als bedeutender Handelshafen bekannt. Heute ist das Viertel deutlich entspannter, modern und bekannt für seine Restaurants und Cafés direkt am Wasser. Unser Hauptziel dort war die berühmte Royal Yacht Britannia. Zugegeben: Von außen fanden wir sie…überraschend unspektakulär. Wir beließen es bei einem kurzen Blick und spazierten stattdessen gemütlich entlang des Wassers. Ganz nett, aber nach dem überwältigenden ersten Tag konnte uns Leith nicht ganz so begeistern. Anschließend ging es mit dem Bus weiter in Richtung Arthur’s Seat. Eigentlich wollten wir aber gar nicht auf den Berg, sondern den etwas versteckten Dr. Neil’s Garden besuchen, einen kleinen Garten direkt am Duddingston Loch. Natürlich wäre es zu einfach gewesen, wenn alles nach Plan gelaufen wäre. Wegen einer Sperrung mussten wir einen ordentlichen Umweg laufen und landeten dabei zufällig auf der Innocent Railway. Was zunächst nach einer gewöhnlichen Strecke aussah, entpuppte sich als ehemalige Eisenbahntrasse aus dem 19. Jahrhundert, auf der früher Kohle transportiert wurde. Heute ist sie ein wunderschöner Spazier- und Radweg mitten im Grünen. Unterwegs begegneten wir außerdem einer ganzen Schar fröhlicher Läuferinnen und Läufer. Tatsächlich handelte es sich um einen sogenannten “Bun Run”. Die Strecke endet traditionell mit Tee und einem süßen Bun, also einem kleinen Hefegebäck. Also quasi ein Prosecco-Run auf schottisch. Da haben wir fast Lust bekommen uns auch körperlich zu betätigen, wegen des Buns versteht sich. Es war heute ziemlich warm und die Sonne brannte. Durch den Umweg kamen wir etwas später als geplant im Dr. Neil’s Garden an und hatten deshalb nicht mehr allzu viel Zeit. Ehrlicherweise war der Garten auch kleiner als erwartet. Trotzdem war der Blick auf das Duddingston Loch wunderschön und strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Besonders amüsant war allerdings die Besuchergruppe. Gefühlt bestand der Garten an diesem Nachmittag ausschließlich aus Seniorinnen und Senioren. Während wir gemütlich durch die Beete schlenderten, beobachteten wir eine Gruppe beim Eierlauf. Wie witzig war das denn! Natürlich durfte auch die obligatorische Kuchenpause nicht fehlen. In einem kleinen Café stärkten wir uns mit Millionaire’s Shortbread, Schokoladenkuchen und Käsekuchen. Alles hausgemacht, alles unglaublich lecker.
    Danach wollten wir zurück in die Altstadt zum Edinburgh Castle. Das stellte sich allerdings schwieriger heraus als gedacht. Die Busse fuhren an diesem Tag nämlich nicht ganz so, wie Google Maps behauptete. Der Grund waren die Vorbereitungen für das berühmte Edinburgh Fringe Festival, das jedes Jahr im August die komplette Stadt in eine riesige Bühne verwandelt. Überall wurden Tribünen aufgebaut, Straßen gesperrt. Also hieß es mal wieder: improvisieren, äh beziehungsweise zu Fuß weiter.
    Am Castle angekommen folgte dann der nächste kleine Schreckmoment. Unsere Tickets waren gar nicht für 14:30 Uhr gebucht, wovon wir den ganzen Tag ausgegangen sind, sondern für 12:30 Uhr. Wir waren also ganz entspannte zwei Stunden zu spät. Während wir innerlich schon damit rechneten, neue Tickets kaufen zu müssen, interessierte das die Mitarbeiter vor Ort erstaunlich wenig. Ein kurzer Blick auf die Tickets, ein freundliches Lächeln und wir durften trotzdem hinein. Glück gehabt! Und das Castle hat sich absolut gelohnt. Fast drei Stunden verbrachten wir dort mit dem Audioguide und tauchten in die bewegte Geschichte Schottlands ein. Das Edinburgh Castle thront auf einem erloschenen Vulkanfelsen über der Stadt und war über Jahrhunderte hinweg königliche Residenz, Festung und Militärstützpunkt zugleich. Neben den historischen Gebäuden beeindruckte uns vor allem der fantastische Ausblick über Edinburgh. Dazu strahlender Sonnenschein – besser hätte das Timing kaum sein können. Nach so viel Kultur meldete sich der Hunger. Die Lösung lautete: Scotch Pie. Oder besser gesagt: mehrere Pies. Diese kleinen herzhaften Fleischpasteten gehören in Schottland fast schon zum Pflichtprogramm und wir verstanden sofort warum. Am frühen Abend schlenderten wir noch durch die Fußgängerzone, in der bereits zahlreiche Künstler ihr Shows dem begeisterten Publikum zeigten. Jongleure, Musiker, Straßenkünstler und Comedians sorgten überall für gute Stimmung - auch bei uns!
    Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein Ale im Pub, bevor wir den Tag auf der Dachterrasse der Johnnie Walker Experience ausklingen ließen. Von dort hatten wir einen wunderschönen Blick auf das Edinburgh Castle. Zugegeben: Es war ganz schön frisch, deswegen beließen wir es bei einem Cocktail.
    Den letzten Schlummertrunk gab es schließlich im Brunswick, bevor wir zufrieden ins Bett fielen. Denn am nächsten Morgen wartete schon das nächste Abenteuer auf uns und dafür klingelte der Wecker ausnahmsweise mal ziemlich früh.
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