Tag 9 - Mòrar
August 9 in Scotland ⋅ ⛅ 13 °C
Oh mein Gott. Die Sonne scheint. Mehr gibt es zum Start dieses Tages eigentlich gar nicht zu sagen. Nach dem gestrigen Dauerregen wachten wir auf und konnten unser Glück kaum fassen. Blauer Himmel, Sonnenschein und tatsächlich Sicht! Die Isle of Skye zeigte sich plötzlich von einer komplett anderen Seite. Auch das Frühstück passte perfekt dazu: Breakfast with a View. Bei Tee und Toast saßen wir mit Blick ins Grüne, während vor uns die Schafe friedlich grasten. Es war einfach idyllisch. So viel besser als im Hotel.
Und dann ging es auch schon los! Unser Versuch, die Treaselane Bridge zu finden, scheiterte allerdings kläglich. Wir suchten, fanden sie nicht und beschlossen irgendwann, dass es auch noch andere Brücken auf dieser Insel gibt. Also weiter. Unser nächstes Ziel war der Fairy Glen, eine der ungewöhnlichsten Ecken der Isle of Skye. Die Landschaft wirkt tatsächlich ein bisschen wie aus einem Märchen: kleine, grasbewachsene Hügel, Teiche, verschlungene Pfade und überall diese ungewöhnlichen Formen, sogar eine kleine Tür zur Feenwelt haben wir entdeckt. Die Landschaft entstand nach der letzten Eiszeit durch Gletscherbewegungen und wirkt dadurch fast surreal. Natürlich konnten wir es nicht einfach beim Spazieren belassen. Eine kleine Kletterpartie musste sein. Oben angekommen wurden wir mit einem tollen Blick über die Umgebung belohnt, ganz viel Grün, Wasserfälle und die mittlerweile vertrauten weißen Punkte in der Landschaft. Schafe. Ein kleiner Regenschauer zwischendurch durfte natürlich trotzdem nicht fehlen. Wir wollten ja nicht gleich übermütig werden.
Überhaupt schienen die Schafe heute besonders abenteuerlustig zu sein. Sie standen nicht nur am Wegesrand, sondern liefen teilweise mitten auf der Straße herum und versperrten völlig unbeeindruckt unsere Spur. Lebensmüde trifft es wahrscheinlich ganz gut. Wir wurden jedenfalls mehrfach zu Schaf-Pausen gezwungen.
Unterwegs machten wir spontan einen Zwischenstopp bei den Ruinen von Duntulm Castle. Die Überreste liegen spektakulär auf einer Klippe direkt über dem Meer. Der Kontrast aus tiefblauem Wasser, sattem Grün und den alten Ruinen war einfach großartig. Auf den Fotos wirkt der Ort allerdings deutlich sonniger, als er tatsächlich war. Wir hatten nämlich nur ein kleines Zeitfenster erwischt, bevor sich wieder ein paar Wolken davorschoben und windig war es sowieso.
Zeit für eine kleine Pippi-Pause im Café Burr. Und was für ein Glücksgriff! Ein unglaublich süßes kleines Café mit tollem Ausblick und einem der besten Karottenkuchen, die ich bisher gegessen habe. Dazu gab es Kaffee und Whisky Tea (Schwarztee im Whiskyfass gelagert). Wir saßen in der Sonne, genossen Kuchen und Getränke und waren einfach nur glücklich, dass wir heute tatsächlich draußen sitzen konnten. Danach ging es weiter zum Kilt Rock. Die markante Felsformation erinnert mit ihren senkrechten Basaltsäulen tatsächlich ein bisschen an einen schottischen Kilt. Direkt daneben stürzt ein Wasserfall über die Klippen ins Meer. Bei Sonnenschein und blauem Himmel war das heute einfach wunderschön, auch wenn ganz schön überlaufen. Allgemein war der Verkehr heute enorm. Nur wenige Minuten später erreichten wir die Lealt Falls. Auch hier erwartete uns wieder eine beeindruckende Mischung aus Landschaft: eine gewaltige Felswand, der Wasserfall, der Blick hinunter zum Strand und alte Ruinen. Und natürlich durften auch hier zwei Schafe nicht fehlen, die es sich auf einem Felsvorsprung gemütlich gemacht hatten. Wie kamen die da nur hin? Weiter ging es die Küste entlang. Links das Meer, rechts die Berge und immer wieder spektakuläre Ausblicke. Wir konnten sogar den Old Man of Storr sehen. EineAnhöhe ließen wir allerdings aus. Der Weg war nach dem vielen Regen einfach komplett matschig. An dieser Stelle eine wichtige Reiseerkenntnis: Weiße Turnschuhe sind in Schottland wirklich nicht das optimale Schuhwerk. Unsere Mittagspause machten wir anschließend ganz pragmatisch an einem See. Im Auto sitzend verspeisten wir die Reste unserer Nudeln vom Vorabend. Nicht das glamouröseste Mittagessen der Reise, aber mit Blick auf die Landschaft schmeckt eben auch kalte Pasta ziemlich gut. Danach ging es langsam die Küste hinunter in Richtung Armadale und zum Fährhafen. Einen kurzen Zwischenstopp legten wir noch einmal in Portree ein, heute glücklicherweise (fast) ohne Regen.
Um 18:28 Uhr kamen wir schließlich am Fährhafen an. Die Fähre sollte um 18:50 Uhr ablegen. Und dann lernten wir eine wichtige Lektion fürs nächste Mal: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wir hatten nämlich irgendwie verstanden, dass der Check-in 20 Minuten vor Abfahrt beginnt. Tatsächlich endet er aber 20 Minuten vor Abfahrt. Das bedeutet: Wir waren gerade noch rechtzeitig. Uns wurde direkt gesagt, dass wir zwei Minuten später nicht mehr auf die Fähre gekommen wären. Upsi.
Wir waren jedenfalls sehr froh, als wir mit unserem Auto auf der Fähre standen.
Die Überfahrt nach Mallaig verlief problemlos und war richtig schön. Und als wäre dieser Tag nicht ohnehin schon perfekt genug gewesen, konnten wir vom Schiff aus sogar noch kurz Delfine beobachten. Schottland meinte es heute wirklich gut mit uns. In Mallaig angekommen, erledigten wir noch schnell einen kleinen Einkauf und fuhren anschließend weiter nach Morar. Dort gab es ein einfaches Abendessen with a View. Mehr brauchten wir nach diesem Tag eigentlich auch nicht. Was für ein Unterschied zu gestern. Gestern Regen, Nebel, Wind und kaum Sicht, heute Sonnenschein, türkisblaues Wasser, grüne Berge, Wasserfälle, Delfine und traumhafte Küstenstraßen.Read more



































