Tag 10 - Oban
August 10 in Scotland ⋅ ⛅ 13 °C
Heute stand unser Tag ganz im Zeichen von Harry Potter. Zugegeben: Schottland liefert dafür auch einfach die perfekte Kulisse. Viele der Landschaften hier wirken ohnehin so, als wären sie direkt für einen Fantasyfilm gebaut worden. Dass tatsächlich so viele Harry-Potter-Szenen hier gedreht wurden, macht die ganze Sache natürlich noch ein bisschen besonderer und war mir auch gar nicht so bewusst. Unser erster Stopp war Eilean na Moine, eine kleine Insel im Loch Eilt. Für Harry-Potter-Fans ist der Ort ziemlich besonders, denn hier wurden Szenen rund um Dumbledores Grab gedreht. Auch Hagrid war hier unterwegs und warf in einer Szene Steine ins Wasser. Wir standen also tatsächlich an einem Ort, an dem ein kleiner Teil der Zauberwelt zum Leben erweckt wurde. Schon irgendwie cool. Danach ging es weiter nach Glenfinnan. Um 10:45 Uhr sollte dort die berühmte Dampflok über das Glenfinnan Viaduct fahren, besser bekannt als die Hogwarts-Express-Brücke. Uns war vorher schon empfohlen worden (von Google), früh da zu sein. Also standen wir pünktlich um 9 Uhr auf dem Parkplatz.
Und siehe da: Die Empfehlung war absolut richtig. Bereits gegen 9:20 Uhr waren die Parkplätze komplett voll. Wir hatten also alles richtig gemacht. Während wir noch gemütlich den Blick über den Loch Shiel genossen und uns einen Kaffee holten, füllte sich der Ort immer weiter. Irgendwann machten auch wir uns auf den Weg zum Aussichtspunkt. Der Weg war durch den Regen der letzten Tage natürlich schön matschig. Unsere Schuhe hatten mittlerweile sowieso längst aufgegeben, sauber zu bleiben. Oben angekommen, war allerdings schon ordentlich was los. Unzählige Menschen hatten sich bereits die besten Plätze gesichert und immer mehr kamen den Weg hinauf. Wir fanden schließlich einen Platz mit gutem Blick und warteten. Und warteten. Und warteten. Gut 50 Minuten lang. Es ist schon irgendwie verrückt, dass man freiwillig 50 Minuten auf einen Zug wartet. Einen Zug. Aber andererseits: Wir waren hier, um den Hogwarts-Express zu sehen und gedanklich nach Hogwarts zu fahren. Und dann war es endlich so weit.
Plötzlich tauchte die Dampflok auf und fuhr langsam über das Viadukt. Die Menschen jubelten, überall wurden Handys gezückt und sogar der Lokführer winkte und jubelte der wartenden Menschenmenge zu. Die Stimmung war wirklich abstrus. Wir hatten unseren Hogwarts-Express gesehen. Und dafür waren die 50 Minuten Warten plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Weiter ging es in Richtung Fort William. Unterwegs legten wir noch einen kurzen Stopp bei der Ben Nevis Distillery ein. Dort entdeckten wir eine ganz besondere Flasche: eine 200-Jahre-Edition mit 32 Jahre altem Whisky für schlappe 795 Pfund. Natürlich haben wir den nicht probiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass er uns nicht schmeckt, war ziemlich groß. Stattdessen probierten wir einen anderen Whisky, der allerdings nicht so ganz unser Ding war. Also verließen wir die Distillery ohne eine Flasche mitzunehmen. Richtig gut!
Anschließend ging es nach Fort William. Die kleine Stadt liegt direkt am Fuße des Ben Nevis, dem höchsten Berg Großbritanniens. Bei strahlendem Sonnenschein schlenderten wir tatsächlich im T-Shirt durch die Straßen. Nach all den Regentagen fühlte sich die Sonne so ungewohnt gut an, dass wir offenbar ein bisschen übermütig wurden.
Spoiler: Wir haben uns leicht verbrannt.
Von Fort William aus ging es anschließend durch das Glen Coe Tal. Und was soll ich sagen? Schottland schafft es wirklich jedes Mal, noch eine neue Landschaft aus dem Hut zu zaubern. Nach den Küsten, den Highlands, Loch Ness und der Isle of Skye sah Glen Coe wieder komplett anders aus. Gewaltige Berge, weite Täler und diese dramatische Landschaft, bei der man eigentlich permanent das Gefühl hat, durch eine Filmkulisse zu fahren. Unser Ziel für heute war Oban, eine kleine, unglaublich süße Hafenstadt an der Westküste. Nach der langen Fahrt brauchten wir erst einmal eine kurze Verschnaufpause, bevor wir zum drittbesten Fish & Chips Laden Großbritanniens schlenderten, laut National Geographic. Und er schmeckte definitiv so. Wir saßen direkt am Hafen, hatten unser Fish & Chips vor uns und genossen die Aussicht. Sehr simpel, sehr britisch und einfach richtig lecker. Danach wollten wir den Abend eigentlich ganz entspannt in einem Pub ausklingen lassen. Das stellte sich allerdings als Fehlentscheidung heraus. Im Pub war absolut nichts los und im Hintergrund lief irgendeine Fernsehsendung. Nicht gerade die Atmosphäre, die wir uns vorgestellt hatten. Also zogen wir weiter. Und landeten in einer Whiskybar. Dort war die Stimmung deutlich besser. Wir probierten noch ein paar Whiskys, kamen mit neuen Erkenntnissen über die schottische Whiskywelt heraus und stellten einmal mehr fest, dass es unglaublich viele Unterschiede gibt, obwohl am Ende überall Whisky im Glas ist.Read more


























