Kölns letztes Heinzelmännchen
20 octobre 2019, Allemagne ⋅ 🌧 13 °C
Heute erzähle ich euch einmal etwas über eine Fortsetzung des Gedichtes von August Kopisch, die vom Kölner Heimatdichter Franz Peter Kürten "sagenhaft" überliefert wurde und im rechtsrheinisch gelegenen Höhenhaus zu finden ist.
Heinzelmännchen gehören zu Köln wie Echt Kölnisch Wasser. So gibt es ja auch jedes Jahr zur Weihnachtszeit den Heinzelmännchen Markt am Heumarkt und ich habe vor einigen Jahren an jedem Sonntag im Advent eine Heinzelmännchen Geschichte aus meiner Feder im Kölner Rundblick veröffentlicht. Nicht zu vergessen der Heinzelmännchen Brunnen in der Innenstadt.
Besonders erfreut hat mich darum heute mein Kölschgang, der mich zum Grinkenschmied führte.
Am Wupperplatz in Höhenhaus findet man das Lokal Grinkenschmied, welches dem Heinzelmännchen Denkmal vom Grinkenschmied gegenüber liegt.
"Was ist ein Grinkenschmied?" fragt ihr euch nun vielleicht. Ging mir auch so und so musste ich erst einmal nachfragen.
Grinken sind eiserne Reifen, die um die Holzräder, z. B. an alten Pferdefuhrwerken, Schubkarren usw. gespannt waren, die die Bauern früher benutzten. Dazu benötigte man einen Schmied, besser den Grinkenschmied.
Nach der "Vertreibung" aus der Stadt Köln, wegen der neugierigen Schneidersfrau, floh der Grinkenheinzel als einziger Heinzelmann nicht weit weg. Er querte zwar den Rhein, doch es verschlug ihn nach Höhenhaus. Dort lebte er fortan in der Nähe des Gutshofs Schönrath, in einer Erdhöhle am Emberg.
Nachts fertigte er dann die notwendigen Grinken, damit die Bauern ihre Arbeit verrichten konnten.
Eine schöne Sage, die den Höhenhausern sehr am Herzen liegt. Darum feiern sie ihren Heinzelmann regelmäßig zur Kirmes. So wird er im Festzug durchs Dorf geleitet, zu seinem Denkmal am Wupperplatz. Dieses errichteten die Höhenhauser ihrem Heinzelmann 1979. Dort wird dann auch die Kirmes gefeiert und auf sein Wohl ein Kölsch im Grinkenschmied getrunken. Diese Gaststätte war laut Anwohner früher mal die Polizeiwache von Höhenhaus, was aber schon sehr lange her ist.
Idyllisches Dorfleben am Rande der Großstadt. Angeblich konnte früher der Grinkenschmied Heinzelmann von dort am Oderweg/Embergweg seinen geliebten Dom sehen.
Nach der Kirmes verschwindet der Grinkenschmied wieder "Aan de sibbe Bäum", in seiner Erdhöhle.
Auf 2 Bronzetafeln liest man Erklärungen zum Denkmal, die etwas schwer zu entziffern sind. Sollten einmal dringend poliert werden, damit auch Nicht Höhenhauser die Hintergründe dazu lesen können.
So erfährt man dort z. B. das die damals 102 - jährige Anna Raspe den Grundstein zum Denkmal gelegt hat. Auch ein "Heinzelmann" war bei der Enthüllung im Oktober 1979 dabei.
Eine schöne Geschichte haben die Höhenhauser da. Oder?
Habt einen schönen Sonntag,
eure ElisabethEn savoir plus
Alt Sankt Heribert
19 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 13 °C
Alt Sankt Heribert ist die kleine Kirche, die man immer auf der anderen Seite, also auf der Schäl Sick, so verloren zwischen neuen Bauten stehen sieht. Sie wirkt auf mich recht bedroht, wie sie so klein zwischen den hohen Häusern steht. Und wir ich letzte Woche dort in Deutz herumgerannt bin und bei den Benediktinern die Heilige Elisabeth von Schönau gesucht habe, habe ich auf einem Täfelchen gelesen, das wir Kölner dieses Kirchlein mehrfach abgerissen haben, weil wir uns durch dieses bedroht fühlten. Da kam ich in Grübeln. Sie erklären aber auch nichts auf so einer Tafel der Stadt Köln. Immer lassen sie uns rätseln…
Die Kirche wird das erste Mal im Jahr 1002 fertig. Das ist die Zeit von Kaiser Otto III., der einen guten Freund hat – den Heiligen Heribert. Der Heilige Heribert, das kann man so sagen. Es einer von den guten Erzbischöfen von Köln. Im Herz ist er eigentlich ein Mönch und steht den Benediktinern nahe. Er ist fleißig und schlau und, so sagt man, dass er Köln den ersten große Aufschwung der Wirtschafte bringt und für die, die nichts haben, Hilfe organisiert und zudem ein Freund der Juden ist, die für unseren Handel wichtig sind. Er betreibt Aufwand und steckt viel Energie in das, was er tut. Klotzen, nicht kleckern, das kann er. Kein Wunder, dass hinterher schon seine Nachfolger vom Heiligen Heribert sprechen.
Weil er gut mit Otto III. kann, schenkt dieser ihm das Gebiet in Deutz, wo heute diese Kirche und das Altersheim stehen. Heribert selbst lässt die erste Kirche bauen, die im Jahr 1002 fertig ist und weiht sie zunächst „Christus-Salvator und Maria-Genetrix“. Er hat aber Pech – sie stürzt kurz danach ein.
Die zweite Kirche, die er im Jahr 1020 fertigstellt, ist dafür noch mächtiger und schöner. Es ist eine Basilika, die so aussieht wie Sankt Gereon, mit einem großen Kuppelbau, der acht Ecken hat, aber viel größer ist als Sankt Gereon und auch größer als zum Beispiel der Aachener Dom. – Auf der anderen Seite hatten wir zu der Zeit gerade noch den karolingischen Dom stehen – die Heiligen Drei Könige brauchen ja noch bald 150 Jahre, um nach Köln zu gelangen. Was ich sagen möchte: wir sprechen von einem Monumentalbau, den es nördlich der Alpen vielleicht nicht noch einmal gibt und in dem der Heilige Heribert schon im Jahr 1121 aufgebahrt wird, der arme Kerl. Kurz danach sprechen wir auch schon von Sankt Heribert.
Was wir nicht vergessen dürfen ist, dass Deutz ja nicht Köln ist. Ich meine, heute ja, das ist klar und es ist nicht der schlechteste Teil von Köln. Ich bin gern auch mal dort. Aber damals ist es kurkölnisch, das heißt, es gehört den Bischöfen von Köln und nicht der Stadt. Damit ist auch klar, dass wir Kölner dazu neigen, mit Verdruss nach drüben zu schielen, weil wir ja so viel Ärger mit den Erzbischöfen hatten (manch einer sagt „und haben“). Jetzt heißt es überall, dass wir die Kirche als Bedrohung empfinden, als wir im Jahr 1376 übersetzen und sie abreißen. Wie kann eine Kirche eine Bedrohung sein? Ich finde die Quelle nicht, aber ich glaube, sie meinen es anders.
Erzbischof zu der Zeit ist Friedrich III. von Saarweden. Und er befindet sich mitten im Streit zwischen Schöffen und dem Rat der Stadt, die um die Macht in der Gerichtsbarkeit kämpfen. Er versucht seine eigene Position zu festigen und wieder selbst mehr Macht zu bekommen. Dabei greift er Köln mit Brandpfeilen an… . Darf er sich wundern, dass wir herüberkommen und ihm Deutz zerstören und dabei seine Kirche direkt mit? Wenn es heißt, die Kirche sei eine Bedrohung, meinen sie doch garantiert nicht den Bau, oder? Für mich ist die Zerstörung das, was man heute einen „Kollateralschaden“ nennt.
Jetzt sagt uns aber der Papst, dass wir im Zorn zu weit gegangen sind und verlangt 1382, dass wir die Kriche wieder aufstellen. Das machen wir auch, genauso groß – um sie 1392 schon wieder einzureißen und wieder aufzustellen. Ist das verrückt? Wir wissen, wenn wir sie zerstören, dass einer kommt, der sagt, dass es so nicht geht und wir das wieder in Ordnung bringen müssen? Dabei kann der Grund nicht so wichtig gewesen sein. In das Jahr fällt nur der Machtgewinn von Friedrich III., der Zülpich bekommt und die Stadtmauer ausbaut. Was genau los war, ich weiß es – noch – nicht. Kann mir da jemand helfen?
Das nächste Mal ist Sankt Heribert im Jahr 1583 dran. Das machen wir aber nicht direkt selbst. Das schaffen die, die uns im Glauben führen sollen, allein.
Unser Erzbischof ist zu der Zeit Gebhard I. von Waldburg, der meint auf einmal Calvinist werden zu müssen. Ein katholischer Erzbischofssitz mit einem Calvinisten drauf? Wie soll das gehen? Ist doch klar, der Papst setzt ihn ab und wir wählen den Wittelsbacher Ernst von Bayern einstimmig zum Erzbischof und haben damit einen handfesten Glaubenskrieg vor unserer kurkölnischen Haustür. Diesmal bleibt Sankt Heribert zerstört.
Erst im Jahr 1659 bekommen wir einen Kopf daran, die Kirche wieder aufzubauen. Seitdem steht sie da, wie man sie heute sieht. Kleiner aber doch fein.
Als die Franzosen kommen, wird sie den Benediktinern abgenommen und Pfarrkirche. Und weil wir seit 1896 Neu Sankt Heribert haben, wo auch der Sarkophag vom Heiligen Heribert zu bestaunen ist, übergeben wir Alt Sankt Heribert in den neunziger Jahren unseren Freunden der griechisch-orthodoxen Gemeinde.
Ich will mich nicht beklagen, ich weiß nicht, wie es dort Usus ist, aber ich würde mich freuen, wenn man mehr Gelegenheit bekäme, mal herein zu gucken.
Michael
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Ald Zint Heribäät es die klein Kirch, die mer luuter op der andere Sigg, alsu op der Schäl Sick, esu verlore zwesche neue Baute stonn süht. Se wirk op mich rääch bedroht, wie se do su klein zwesche de huhe Hüüser steiht. Un wie ich letzte Woch do en Düx erömgerannt ben un bei de Benediktiner et Hellige Lis vun Schönau gesök han, han ich op nem Täfelche gelese, dat mir Kölsche dat Kirchelche mihfach avgeresse han, weil mer selvs uns durch et bedroht föhlte. Do kom ich en et Gribbele. Se verklöre ävver och nix op esu ener Tafel vun der Stadt Kölle. Luuter looße se uns rödsele…
Die Kirch weed et eesche Mol em Johr 1002 fäädig. Dat es die Zigg vum Kaiser Otto III., dä ene gode Fründ hät – der Hellige Heribäät. Der Hellige Heribäät, dat kann mer esu sage, es ene von de gode Ääzbischöff vun Kölle. Em Hätz es hä eigentlich ene Klusterbroder un steiht de Benediktiner noh. Hä es fließig un gerevve un, su säht mer, dat hä Kölle der eeschte große Opschwung för de Wirtschaff brängk un för die, die nix han, Hölp organeseet un zodäm ene Fründ vun de Jüdde es, die wichtig för der Handel sin. Hä bedriev Opwand und stich vill Energie en dat, wat hä deit. Klotze, nit knase, dat kann hä. Kei Wunder, dat hingerdren ald singe Nohfolger vum Hellige Heribäät spreche.
Weil hä et god mem Otto III. kann, schenk dä im dat Gebiet en Düx, wo hügg die Kirch un et Aldersheim stonn. Der Heribäät selvs lööt die eeschte Kirch baue, die em Johr 1002 fäädig es un weiht se zonöchs „Christus-Salvator un Maria-Genetrix“. Et hät im ävver de Pitterzillie verhagelt – se stürz koot donoh en.
De zweite Kirch, die hä em Johr 1020 fäädig hät, es doför noch mächtiger un schöner. Et es en Basilika, die esu ussüht wie Zint Gereon, met enem große Kuppelbau, dä aach Ecke hät ävver vill größer es wie Zint Gereon un och größer wie för e Beispill der Dom en Ooche. – Op der andere Sigg hatte mer zo dä Zigg grad noch der karolingische Dom stonn - de Hellige Drei Künninge bruche jo noch baal 150 Johr, öm noh Kölle ze kumme. Wat ich sage mööch, mer spreche vun enem Monumentalbau, dä et nördlich vun de Alpe villleich nit noch ens gitt un en däm der Hellige Heribäät üvvrigens ald em Johr 1121 opgebahrt weed, dä arme Kääl. Koot donoh spreche mer och ald von Zint Heribäät.
Wat mer jetz nit vergesse dürfe es, dat Düx jo nit Kölle es. Ich meine, hügg jo, dat es klor un et es nit der schläächste Deil vun Kölle. Ich ben gään och ens do. Ävver domols es et kurkölnisch, dat heiß, et gehürt de Bischöff vun Kölle un nit der Stadt. Domet es och klor, dat mir Kölsche dozo neige, met Verdross noh drüvve ze lunke, weil mer jo su vill Knies met de Ääzbischöff hatte (mänch einer säht „un han“). Jetz heiß et üvverall, dat mir die Kirch als Bedrohung föhle, wie mer em Johr 1376 üvversetze un se avrieße. Wie kann en Kirch en Bedrohung sin? Ich finge die Quell nit, ävver ich gläuv, se meine et anders.
Der Ääzbischoff zo dä Zigg es der Friedrich III. vun Saarweden. Un hä es medden em Strigg zwesche Schöffe un dem Rod vun der Stadt, die öm de Maach en der Gerichsbarkeit kämfe. Hä versök sing eige Position ze festige un widder selvs mih Maach ze krige. Dobei grief hä Kölle met Brandpiele aan… . Darf hä sich wundere, dat mer rüvver kumme un im Düx zerstüre un dobei sing Kirch tirek met? Wann et heiß, die Kirch es en Bedrohung, meine se doch garanteet nit dä Bau, oder? För mich es die Zerstörung dat, wat mer hügg ene „Kollateralschade“ nennt.
Jetz säht uns ävver der Paps, dat mer met der Hetz zo wigg gegange sin un verlangk 1382, dat mer die Kirch widder opstelle. Dat dun mer och, genau esu groß – öm se 1392 ald widder avzerieße un widder opzestelle. Es dat beklopp? Mer wesse, wann mer dat kapodd maache, dat einer kütt, dä säht, dat dat esu nit geiht un dat mer dat widder en Oodnung bränge müsse? Dobei kann der Grund nit esu ääns gewäs sin. En dat Johr fällt nor der Maachgewenn vum Friedrich III., dä Zülpich kritt un de Stadtmuur usbaut. Wat genau loss wor, ich weiß et – noch - nit. Kann mir do einer helfe?
Et nächste Mol es Zint Heribäät em Johr 1583 dran. Dat maache mer ävver nit tirek selvs. Dat schaffe die, die uns em Gläuve föhre solle, allein.
Unse Ääzbischoff zo dä Zigg der Gebhard I. vun Waldburg, dä meint op eins ene Calviniss weede zo müsse. Ene katholische Ääzbisschoffsetz met enem Calviniss drop? Wie soll dat gonn? Es doch klor, der Paps setz in av un mer wähle dä Wittelsbacher Ernst von Bayern einstemmig zom Ääzbischoff un han domet ene handfeste Religionskreeg vür unser kurkölnische Huusdür. Dismol bliev Zint Heribäät kapodd.
Eesch em Johr 1659 krige mer ene Kopp dran, die Kirch widder opzebaue. Zickdäm steiht se do, wie mer se hügg süht. Kleiner ävver och fein.
Wie die Franzuse kumme, weed se de Benediktiner avgenomme un Faarkirch. Un weil mer zick 1896 Neu Zint Heribäät han, wo och der Sarkophag vum Hellige Heribäät ze bestaune es, üvvergevve mer Ald Zint Heribäät en de nüngziger Johre unse Fründe vun der griechisch-orthodoxe Gemeinde.
Ich well nit küüme, ich weiß nit, wie et do Usus es, ävver ich dät mich freue, wann mer mih Gelägeheit hätt, ens eren ze luure.
MechelEn savoir plus
Sankt Severin
17 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 17 °C
…ich wache über euch, ich der heilige Severin, der dritte Bischof von Köln.
Warum ich so aufgebracht bin, wollt ihr wissen? Lasst euch erzählen, wie es dazu kam. Also, vor kurzem habe ich an einer Stadtführung teilgenommen. Ok, nicht wirklich teilgenommen, die Leute kamen zu mir, wie es sich ja auch gehört. Ich stehe oberhalb der Severinsbrücke, passe auf meine Südstadt auf, wie jeden Tag. Jedenfalls kam plötzlich ein Grüppchen anmarschiert, die waren drüben beim Berbuer, passiert ja schon mal, wir werden halt verehrt in unserer Stadt und die Menschen kommen uns besuchen.
Die Leute stellen sich um mich herum auf, ich gewähre ein paar Fotos und gut. So läuft es eigentlich immer ab. Doch heute hörte ich die Stadtführerin auf einmal etwas von Legende erzählen. Und kann nicht so gewesen sein und so. Unverschämtheit. Natürlich war alles so, wie es über mich erzählt wird. Ich muss es ja wissen, war schließlich dabei.
Es war ein Sonntag, ich erinnere mich genau. Wir, eine Gruppe von Klerikern, waren nach der Messe auf dem Weg zu unseren heiligen Stätten, so wie jeden Sonntag. Plötzlich vernahm ich Stimmen. Es war ein Engelschor, der da sang. Doch als ich in die Gesichter der anderen schaute, war mir eines schnell klar, außer mir hörte niemand den Engelsgesang. So wussten wir, dass ich ein Zeichen erhalten hatte. Also erklärte ich meinen Mitbrüdern, was ich vernommen hatte. Unser Herr, der Bischof Martin war von dieser Welt gegangen. Die Engel sangen und geleiteten ihn mit ihrem Gesang in die Höhe.
Was war passiert? Nun, der heilige Martin war an diesem Tage, dem 8. November 397 in Tours, also weit weg von hier gestorben und ich habe zeitgleich in Köln die Engel gehört und den Tod des heiligen Martin verkündet. Lasst euch also nichts anderes erzählen.
Und wenn ich gerade dabei bin, das Vringsveedel hat nichts mit Kardinal Frings zu tun, sondern mit mir. SEVERINSVIERTEL: Severin. Merkt ihr was? Nur, damit das auch mal geklärt ist.
Bis heute bin ich bin der Schutzpatron dieser Stadt und der Weber, werde bei anhaltender Trockenheit für Regen angerufen. Das ist aber eine andere Geschichte, erzähle ich euch auch demnächst mal.
Leider werde ich nicht mehr so oft angerufen, moderne Zeiten halt. Auch eine Bauernregel über mich gibt es. „Wenn's Severin gefällt, so bringt er mit die erste Kält“ (23. Oktober)
So, und wenn ihr das nächste mal über die Severinsbrücke rollt oder durch die Südstadt spaziert, dann schadet es nichts, wenn ihr kurz zu mir schaut und mich grüßt, schließlich bin ich euer Stadtpatron.
...ich wache über euch...
RonaldEn savoir plus
Letzte Ruhestätte - Kölner Dom
15 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 17 °C
Wie oft drehe ich meine Runden um den Dom... Von dem faszinierenden Anblick, der sich mir jedesmal bietet, werde ich wohl nie genug bekommen. Tagsüber, wenn man von den Fratzen der Wasserspeier angestarrt wird und doch weiß, dass sie einem guten Zweck dienen, zumindest die meisten von ihnen. Einige haben auch keine andere Funktion, als einfach da zu sein, sowie die Einblicke, die man in das filigrane Strebewerk, in jede einzelne Facette dieses außergewöhnlichen Bauwerks hat.
Dann nachts, wenn die Beleuchtung an ist und unseren gotischen Himmelsstürmer in ein mystisches Licht taucht. Dieser Anblick ist für mich bis heute unbeschreiblich.
Bei einem dieser Rundgänge ist mir etwas ins Auge gefallen, was ich...klar...des öfteren schon gesehen hatte, mir aber keine weiteren Gedanken darüber gemacht habe. An was es lag, dass es diesmal anders war, ob es ein besonderes Licht war, was gerade darauf fiel, oder meine Stimmung - ich kann es nicht mal sagen. Ich blieb gegenüber des Domchores stehen und blickte auf - zum Teil schon ziemlich alte - Grabsteine.
Ich stand vor dem Domherrenfriedhof, der Begräbnisstätte von Domkapitularen, Weihbischöfen und Dompröpsten, welche bereits 1925 entstanden war. Diese Gruftanlage beherbergt 88 Plätze, ist ca. 10 Meter lang und in der Mitte ca. 3 Meter breit. Sie erstreckt sich auf jeder Seite über je 11 Bestattungsräume in vier Ebenen. Vor dem Hochkreuz befinden sich abnehmbare Platten, über die man in die Gruft gelangt.
Ein schöner Ort für diejenigen, die hier gewirkt und ihren Dienst für Kirche und Menschen getan haben. Nah bei ihrem Dom. Nur die Erzbischöfe liegen noch näher bestattet. Sie fanden den ewigen Frieden in der Krypta des Doms, in der Gruft unter dem Hochchor.
Als wache sie über den Friedhof, befindet sich dort auch die sogenannte Domsäule. Der einzig erhaltene Rest einer Basilika, die einst östlich zwischen Dom und Rhein lag und sich an den Dom anschloss:
St. Maria ad gradus (Maria zu den Stufen), vollendet im Jahre 1062.
Nach der französischen Besatzung drohte vielen Stifts- und Klosterkirchen der Abbruch, oder eine Umnutzung. Nachdem St. Maria ad gradus zuerst als Lagerraum herhalten musste, wurde sie 1817 abgerissen. Als 1827 dann der Domhügel abgetragen wurde, gingen auch die Fundamente verloren.
Nur diese eine Säule blieb...
Wenn ihr das nächste Mal am Dom vorbeikommt, bleibt einen Moment stehen... und lasst diesen Ort auf euch wirken.
Bis bald, eure RamonaEn savoir plus
Rheinspaziergang
14 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 18 °C
Ein Gastbeitrag von Sonja Kleinrahm:
Heute frei, Rucksäckchen gepackt und 'raus!
Der Rhein ist meine Medizin gegen alles, da tut mir fast nichts mehr weh, wenn ich den glitzernden Fluss entlang wandere.
Es geht eine steife Brise, und ich kann regelrecht spüren, wie es mir das Hirn durchpustet, wie die schweren und traurigen Gedanken sich davonmachen. Einige klammern sich noch an die Synapsen, dann reißt der Wind sie fort.
Mein Atem geht ruhig, der Gang wird leicht, es geht mir besser!
Eine Bank am Rhein
Von Deutz Richtung Poll, über die olle Drehbrücke, gleich hinter dem Feuerwehrhäuschen steht die Bank von unserem verstorbenen Wirt des Café Kram.
Helmut. Die haben wir "Kramwaisen" mal gestiftet.
Leider, oder auch zum Glück, saßen da nette Leute, bin vorbei geschlichen, auf die nächste Bank, die war für "Ursula".
Die Ursula ist im März letzten Jahres verschieden, die Bank ist noch wie neu, und da kam mir der Gedanke, mal auf all die Schildchen zu schauen, auf all den Bänken, die für jemanden gestiftet wurden:
- "Ohne Reiner trinkt hier keiner, - für unseren Freund Reini",
- oder "Für Wolie",
oder sehr kryptisch:
"Gestiftet von der J.&S. Bande, 2.10.2017 RtMMSTSBSL",
wer das 'rauskriegt, dem spendiere ich ein Kölsch!
Dann war da noch eine für Bernhard und Gertrud zur Diamanthochzeit (!), von den Enkelkindern, und für Trude "Oma Musch" von Kindern, Enkeln und Familien (Mehrzahl!).
Ich dachte mir, das wünsche ich mir auch, wenn ich mal sterbe, dann will ich so 'ne Bank, mit Blick auf den Rhein und den Dom, und wer sich dort niederlässt, dem kaue ich als Geist ein Ohr ab!
Der Rhythmus meiner Schritte wird hinter der Südbrücke abgelöst: pock-pock-pock….. kommt es vom Tennisplatz, auf dem Fußballfeld lümmeln ein paar Jungs im Trikot, ein Papa bolzt mit seinen Kindern, und auf der Laufbahn dreht ein Mensch seine Runden.
Früher bin ich da auch mal im Kreis gerannt, ich hatte einen Ex-Freund, einen passionierten Läufer, der wollte mich zum Marathon triezen, aber als ich schon beim 5km-Lauf in Köln-Weiß weit hinter der lahmsten Ente ins Ziel wackelte, hatte er doch begriffen, dass das 'ne Schnapsidee war...
Bin halt ein Wandervogel und keine Rennmaus!
Wildgänse fliegen in perfekter Pfeilformation über meinen Kopf hinweg, nach Süden...., aber sie drehen immer wieder bei und fliegen ein Stückchen zurück, als wollten sie Köln nicht wirklich verlassen. Verstehe ich total!
Da steht mein Traumhaus, alt, mit spitzem Giebel, Holzveranda und hübschen Latten am Balkon, weiß zwar, aber ich würde es bunt streichen, wie Pippi Langstrumpf, eine Bank mit bunten Kissen und Blick in den Garten und in die Auen und auf den Fluss dahinter...., vielleicht sollte ich doch mal wieder einen Lottoschein ausfüllen?!
Ich komme zum Poller Fischerhaus, 115 Jahre alt, 1993 beim Hochwasser abgesoffen, aber da steht es!
Da sitze ich, die Oktobersonne flirrt durch die Bäume, ich schreibe und träume und mein Buch klemmt verwaist im Rucksack.
Und jetzt gerade ist alles in Ordnung, ich habe Arbeit und Wohnung, und die Zeit und das Geld für das hier, was rege ich mich eigentlich auf?
Die Welt geht manchmal aus den Angeln, privat, in Halle, in Syrien, überall, es macht mich fertig.
Manchmal reiße ich das Maul auf und schimpfe über Gott und die Welt, manchmal gehe ich demonstrieren.
Und manchmal nehme ich meinen Rucksack und gehe zum Rhein.En savoir plus
Ein Tropfen zuviel
13 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 18 °C
Ein Tropfen zuviel
Als ich es zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe, dachte ich an einen Lokschuppen. Ähnlich wie das Gebäude im Thielenbruch am Straßenbahnmuseum. Immerhin liegt das wohl schönste Gebäude Ostheims direkt an der KVB Linie.
Doch was ist dieses imposante Bauwerk wirklich?
Erbaut wurde es 1904, somit ist es heute bereits 115 Jahre alt.
Bis 1912 war es als Dampfkraftwerk in Betrieb und diente der Stromversorgung Ostheims. Später wurde es als Umspannwerk der Rhein Energie für die KVB genutzt. Auf der Rückseite befinden sich Wohneinheiten und auch ein Atelier.
Es diente bereits früh als Künstlertreff, wo sich u. a. der Documenta Künstler Michael Buthe angesiedelt hatte. Leider verstarb er bereits 1994, mit nur 50 Jahren. Sein Ausspruch: "Es gibt keine Kunst, es gibt nur Leben!", ist in Szenekreisen legendär.
Auch der Künstler Marcel Odenbach legt bis heute Spuren im alten Umspannwerk, lebt er doch immer noch dort. Bekannt ist er hauptsächlich durch seine Videoproduktionen.
Damit nicht genug, der international bekannte Kölner Schauspieler Udo Kier lebte ebenfalls viele Jahre in einer Wohneinheit des alten Umspannwerks.
Kunst ist ja bekanntlich etwas Prägendes, so drückt ein jeder Künstler der Umwelt seinen Stempel auf. Manche sind sogar abwaschbar, andere bleiben ewig.
Michael Buthe bemalte die Innenwände seines Ateliers in Rot und Gold. Farben, die er auch mit seiner Kleidung nach außen trug. Bekannt war vor allem sein goldener Schal. Damit brachte er seine Liebe zum Orientalischen zum Ausdruck.
Übrigens regte er sich damals schon über das Unsoziale dieser Welt auf und sammelte vermeintlichen Konsummüll ein, aus dem er dann Kunstwerke formte
Einige Künstler in unserer Kölner Region haben dies beibehalten, um nur mal H. A. Schult zu nennen, der den meisten Kölnern wohl bekannt sein dürfte. Oder seine freundliche bunte Muse Elke Koska. Aktuell macht auch wieder Rolf Ketan Tepel auf den Konsummüll aufmerksam und verarbeitet Kronkorken zu Kunst.
Manchen Menschen mag dies alles sehr unsinnig erscheinen. Stellt sich heute ja oftmals die Frage, "Ist das Kunst oder kann das weg?" Doch der bekannteste bildende Künstler, den das Umspannwerk beherbergt hat, sagte einst:
"Scheitern gehört dazu, das muss man können!" (Michael Buthe)
Viele dieser durchdachten Thesen, stellte er in langen Tagen und Nächten im ehemaligen Dampfkraftwerk auf. Zurzeit kann man etwas von seinem Schaffen, in der Villa Zanders in Bergisch Gladbach bewundern.
Doch zurück zum Gebäude, welches so gar nicht in diese neuzeitliche Ecke passen will und oft auch beim Vorbeifahren nicht einmal bemerkt wird. Dann nämlich, wenn die Busse der KVB davor parken und die spontane Sicht nehmen.
Zwei Kölner Stadtwappen aus der Zeit um 1900, zieren das Gebäude. Eines an der Vorder- das andere an der östlichen Rückfront. Das am vorderen Teil ist "Politisch Korrekt" mit 11 Tropfen dargestellt, während rückseitig das Stadtwappen 12 Tropfen aufweist und somit heraldisch falsch ist.
Also ein Tropfen zuviel!
Die Kölner nennen die Tropfen auch Tränen, manche sagen Flammen oder Zungen dazu. Eigentlich sind es aber wohl Hermelinschwänze, wie sie auch im Wappen der Bretagne vorkommen. Auch dort sind es 11!
Im Kölner Stadtwappen sollen die Tropfen an die Legende um die Hl. Ursula erinnern. Stehen die Tropfen, bzw. die Hermelinschwänze der Bretagne doch für absolute Reinheit, also Unschuld, was zu den Jungfrauen um Ursula passt.
Und manchmal ist es halt ein Tröpfchen zuviel.
Doch Köln ist tolerant, auch gegenüber seinen Fehlern. So bleibt alles wie es ist und im historischen Original Zustand.
Seit 1996 hält auch der Denkmalschutz den Daumen drauf und erklärte das Gebäude zum Industriedenkmal.
Wenn ihr also einmal in Ostheim seid, solltet ihr es "Eines Blickes würdigen"!
Allein schon wegen seines Jugendstil Baustils, aber erst recht als Hommage an die große Kunst, die dort produziert und gelehrt wurde. Denn dort versammelte sich zu Buthe Zeiten die Boheme der Bildenden Kunst, ließ sich inspirieren vom großen Meister und viele von den damals jungen Leuten wurden später Maler, Schauspieler, Puppenspieler usw.
Für heute habe ich nun genug erzählt, über Kunst und Historie, aus dem rechtsrheinischen Köln Ostheim. Ihr denkt vielleicht das war es dann auch schon? Weit gefehlt, denn Ostheim hatte dereinst den bedeutendsten Militärflughafen Kölns. Doch dies ist eine andere Geschichte.
Habt einen schönen Sonntag, genießt das Leben und die Kunst des Selbigen.
Eure ElisabethEn savoir plus
Heilige Elisabeth von Schönau
12 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 18 °C
Die Heilige Ursula verehren wir hier in Köln spätestens seit dem fünften Jahrhundert. Im zwölften Jahrhundert bauen wir Ihr eine große romanische Basilika und ja, dass das kölsche Wappen elf Flammen ziert oder im heraldischen Sinne richtiger elf Hermelinschwänze, ist auf ihre 11.000 Begleiterinnen zurückzuführen, die mit ihr von den Hunnen umgebracht wurden.
Muss ich die Legende wiederholen? Ich glaube nicht. Oder möchtet ihr sie auf Kölsch lesen?
Wir verehren die Heilige Ursula aus gutem Grund: sie und ihre Gefährtinnen haben Köln reich gemacht. Jeder wollte im Mittelalter eine Reliquie, ein Knöchelchen von diesen Frauen, haben.
Die ursprünglichen Bauten, die in früher Zeit zur Verehrung der bretonischen Königstochter und ihrer zehn Gefährtinnen dort stehen wo heute St. Ursula steht, befinden sich über einem römischen Gräberfeld. Das lässt sich heute einfach nicht mehr anders erzählen. Immer mehr Knochen werden zu Tage gefördert. Da ist es damals aber wohl auch recht, dass die Inschrift „XI.M.V.“, die es zu deuten gilt, nicht „11 martyres virgines“ heißt, sondern „11 milia virgines“. – Deswegen benutze ich so selten Abkürzungen…
Aber wie erklärt man sich Knochen, die zu Männern gehören, in einen Gräberfeld, in dem Frauen liegen sollen? Wenn man dieses Geschäft weiter betreiben möchte, muss da eine plausible Erklärung her, sonst ist es aus.
Hier kommt ein kölsches Mädchen ins Spiel, dass 1129 vielleicht auch in Bingen am Rhein geboren sein könnte. Man weiß es nicht genau. Für mich ist sie kölsch: die Heilige Elisabeth von Schönau.
Elisabeth wird mit 12 Jahren ins Benediktiner-Kloster nach Schönau im Taunus geschickt. Nonne wird sie im Jahr 1147 mit 18 Jahren. Sie lebt unter strenger Askese und wird darüber unter anderem auch depressiv. Aber als sie sich bis ins Delirium hungert, erscheint ihr die Heilige Maria, die Muttergottes, höchstpersönlich. Wer dies jetzt medizinisch aufgeklärt betrachten will, ist hier falsch. Im Mittelalter sind Visionen Teil des Lebens und Elisabeth teilt diese Visionen den Menschen ihrer Zeit mit.
Ihr Bruder Egbert tritt im Jahr 1155 oder 1156 dem Männerkonvent des Klosters bei. Dieser fertigt Schriften zu Ihren Visionen an. Darf ich es so sagen? Elisabeth wird dadurch als Visionärin zum Superstar dieser Zeit. Zum Vergleich: eine Freundin ist die Heilige Hildegard von Bingen, die ihr auch zur Besonnenheit bei der Askese mahnt. Hildegard kennen wohl die meisten Christen - zu dieser Zeit ist sie dagegen recht unbekannt.
Elisabeth hat direkten Kontakt zur Muttergottes! Einmal von der Kirche anerkannt, hört man genau zu, was sie sagt. Ihr Einfluss ist derart groß, dass sie es sogar wagen kann, Missstände in der Kirche aufzuzeigen. Dies in einer Zeit, in der andere für weniger auf dem Scheiterhaufen landen.
Die Menschen reden zu der Zeit wegen der Knochen, die zu Männern gehören, schon offen darüber, dass an der Legende etwas nicht stimmt. Was liegt da näher als die große Visionärin zu fragen? Elisabeth antwortet mit der „Liber revelationum de sacro exercitu verginim coloniesium“, dem „Buch der Offenbarung der Heiligen Schar der Kölnischen Jungfrauen“. Diese Männer waren Edle, Kleriker und Kinder, die sich den Jungfrauen angeschlossen haben, um mit ihnen das Martyrium zu erleiden. Ihre Angaben sind so genau, dass ihre Ordensbrüder des Benedikt, die in Deutz sitzen, die einzelnen Knochen den Namen einer Person zuordnen können und Zettelchen an die Knochen hängen.
Die Heilige Elisabeth von Schönau, die ihr Leben als echtes kölschen Mädchen beginnt, sorgt dafür, dass die Ursula-Sage über jeden Zweifel erhaben ist. Damit macht sie Köln im Mittelalter unermesslich reich und gibt aber auch den Menschen dieser Zeit Hoffnung. Ja, und wer weiß? Nur weil uns das heute fremd ist, heißt das doch nicht, dass Elisabeth vielleicht nicht recht hat.
Sie stirbt am 18. Juni 1164 mit 35 Jahren, durch die asketische Lebensweise ausgezehrt. Sie findet in Schönau auch ihre letzte Ruhe. Ihre Gebeine werden im Dreißigjährigen Krieg zerstört – bis auf die Schädeldecke, die nun selbst eine Reliquie in Schönau ist, die ihr eindeutig zugeordnet wird…
Hier in Köln aber, hier bei Sankt Heribert in Deutz und auch in Sankt Ursula oder gar am Rathausturm, finde ich keine Spur von ihr. Kein Bild und keine Statue vor der man ihrer gedenkt. Die Menschen, die ich gefragt habe, konnten mir nicht sagen, ob es eine öffentlich zugängliche Darstellung gibt. Darum muss ich Euch hier ein Bild von der Heiligen Ursula zeigen. Sind wir nicht echt undankbar? Müssen wir das nicht echt ändern?
Michael
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Et Hellige Ööschel halde mer hee en Kölle spädstens zick dem fünfte Johrhundert en Ihre. Em zwölfte Johrhundert baue mer im en große romansiche Basilika un jo, dat et kölsche Wappe elf Flamme hät ov em heraldische Senn villmih elf Hermelinstätzcher, es op die 11.000 Juffere zoröckzeföhre, die met im gekumme sin un vun de Hunne öm ehr Levve gebraht woodte.
Muss ich die Legend noch ens verzälle? Ich gläuv nit. Ov mögt ehr se op Kölsch lese?
Mer verihre et Hellige Ööschel us godem Grund: it und sing Gefährtinne han Kölle rich gemaht. All wollte se em Meddelalder en Reliquie, e Knöchelche vun dä Fraulück, han.
Die Baute, die zoeesch do stundte, wo hügg Zint Ööschel steiht, för die bretonische Künningsdoochter un ehr zehn Gefährtinne ze verihre, stonn op enem Feld vun römische Gräver. Dat lööt sich hügg einfach nit mih anders verzälle. Luuter mih Knoche weede an et Dagesleech gebraht. Do es et domols ävver wall och rääch, dat die Enschreff „XI.M.V.“, die et zo dügge gild, nit „11 martyres virgines“ heiß, sondern „11 milia virgines“. – Deswäge gebruch ich su selde Avkürzunge.
Ävver wie verklört mer sich Knoche, die bei Kääls gehüre, en enem Gräberfeld, en däm Fraulück lige solle? Wann mer em Geschäff blieve mööch, muss do ene schlüssige Enfall her, söns es hät mer sich nevve der Emmer gesatz.
Hee kütt en kölsch Mädche en et Spill, dat 1129 villleich och en Binge am Rhing gebore sin künnt. Mer weiß et nit genau. För mich es et kölsch: et Hellige Lis vun Schönau.
Et Lis weed met 12 Johr nohm Benediktiner-Kluster en Schönau em Taunus gescheck. Nonn weed et em Johr 1147 met 18 Johr. Et läv en äänster Askes un kritt dodrüvver unger anderem och et ärme Dier. Ävver wie et sich bes en et Delirium hungere deit, kütt et Hellige Marie, de Muttergoddes, hüchspersönlich. Wä dat jetz medizinisch opgeklärt sinn well, es hee verkeht. Em Meddelalder sin Visione Deil vum Levve un et Lis deilt die Visione de Minsche us singer Zigg met.
Singe Broder, der Egbert, weed em Johr 1155 ov 1156 Klusterbroder em Käälskonvent vun däm Kluster. Hä schriev de Visione vum Lis op. Darf ich et esu sage? Et Lis weed dodurch ene Superstar en dä Zigg. För ene Verglich: sing Fründin es et Hellige Hildegard vun Binge, dat et och mahnt, en der Askes bedaach ze sin. Et Hildegard kenne wall de mieste Chreste - zo dä Zigg es et dogäge rääch fremb.
Et Lis hät tirekte Kontak zor Muttergoddes! Eimol vun der Kirch aanerkannt, hürt mer genau zo, wat et säht. Singe Enfluss es esu groß, dat et sugar wage kann, Messständ en der Kirch opzezeige. Dat en ener Zigg, en dä andere för winniger op der Scheiterhaufe kumme.
De Minsche schwaade zo dä Zigg üvver die Knoche, die bei Kääls gehüre, ald offe dodrüvver, dat an dä Legend jet nit stemmp. Wat litt do nöher wie die große Visionärin ze froge? Et Lis antwood met der „Liber revelationum de sacro exercitu verginim coloniesium“, dem „Buch der Offenbarung der Heiligen Schar der Kölnischen Jungfrauen“. Die Kääls wore noble Lück, Kleriker un Pänz, die sich de Juffere aangeschlosse han, för met inne et Martyrium zo erligge. Wat et säht es esu genau, dat sing Klusterbröder vum Benedik, die en Düx setze, die einzelne Knöchelcher ener Person zoordne künne un Namenszeddelcher an die Knoche hänge.
Et hellige Lis vun Schönau, dat si Levve als ech kölsch Mädche aanfängk, sorg doför, dat mer an der Ööschel-Sag keine Zwiefel mih han kunnt. Domet mäht et Kölle em Meddelalder unermesslich rich un gitt ävver och de Minsche zo dä Zigg Hoffnung. Jo, un wä weiß? Nor weil uns dat hügg fremb es, heiß dat doch nit, dat et Lis villleich nit rääch hät.
Et stirv am 18. Juni 1164 met 35 Johre, durch de asketische Levvenswies usgezehrt. Et fingk en Schönau och sing letzte Rauh. Sing Knöchelcher weede em Dreißigjöhrige Kreeg zerstürt – bes op de Schädeldeck, die no selvs en Reliquie es, die im eindeutig zogeordnet weed…
Hee en Kölle, hee bei Zint Heribäät en Düx un och en Zint Ööschel ov gar am Rodhuusturm, finge ich kein Spor vun im. Kei Beld un kein Statue vür dä mer im gedenk. Die Minsche, die ich gefrog han, kunnte mer nit sage, ov et en Darstellung gitt, die öffentlich es. Dröm muss ich Üch hee e Beld vum Hellige Ööschel zeige. Sin mir nit ech undankbar? Müsse mir dat nit ech ändere?
MechelEn savoir plus
Unser Niehler Dömchen
10 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 13 °C
Nun, seit kurzer Zeit wohne ich ja jetzt in Niehl, und ich darf sagen, ich fühle mich hier sehr wohl. Und zum Wohlfühlen in einem Veedel gehören ja auch immer ein paar „besondere“ Orte. Die Wohnung, klar, der Nordpark, mein zweites Wohnzimmer das Gaffel im Linkewitz mit seinen wunderbaren Menschen dort, der Rhein. Und dann gibt es noch einen Platz, an den es mich immer wieder zieht, der mich fasziniert, egal ob morgens, oder abends wenn er so wunderbar beleuchtet ist. Der kleine Niehler Dom, die kleinste der kleinen romanischen Kirchen, oder besser Alt-St. Katharina, wie die Kirche ja eigentlich heißt.
Ich mag es, den Niehler Kirchweg entlangzugehen. Er heißt übrigens so, weil das Niehler Dömchen lange Zeit die einzige Pfarrkirche in der näheren Umgebung war und die Leute sogar aus Nippes hierher „pilgerten“. Dies wiederum zeigt die Bedeutung des damaligen kleinen Fischerdorfes. Es gibt hier ganz wunderbare alte Geschichten, unter anderem von einem Fährbetrieb, den es hier mal gab. Ich werde garantiert noch darüber berichten.
Gerne gehe ich am Niehler Damm spazieren, dann kurz vor dem Kreisel taucht Alt-Katharina auf der linken Seite in meinem Sichtfeld auf. Direkt, etwas erhöht, am Rhein gelegen. Es wird behauptet, hier hätte früher ein römischer Wachtturm gestanden, deshalb diese Erhöhung. Bewiesen ist das allerdings nicht. Aber zurück zur Kirche. Herrlich sieht sie aus. Die Mauer wurde gebaut, nachdem es 1780 und 1784 heftige Hochwasser gab und unser Dömchen besser geschützt werden musste. Auf dieser Mauer wacht der hl. Johannes von Nepomuk. Dieser wurde natürlich restauriert, stammt er doch aus dem Jahr 1747. Damals gab es einen Eisbrecher an der südöstlichen Ecke, und auf diesem wachte er.
Hinter dieser Mauer befand sich der Niehler Kirchhof, hier wurden bis 1868 die Verstorbenen der Gemeinde beigesetzt. Die Familiengrabstätte des Bürgermeisters Denhoven ist bis heute erhalten und erinnert daran. Links daneben an der Kirchenwand sehen wir eine Tafel, die Franz Carl Joseph von Hillesheim gewidmet ist. Über ihn werde ich demnächst einen eigenen Artikel veröffentlichen.
Alt St. Katharina gehört zu den kleinen romanischen Kölner Kirchen, ist die kleine Schwester unseres Domes. Damals, zur Zeit ihrer Errichtung im 12. Jahrhundert gehörte sie zum Kunibertsstift, dies ist schriftlich belegt. In einer Urkunde des Propstes Kuno von St. Kunibert aus dem Jahre 1236 steht es niedergeschrieben. 1260 wurde sie der hl. Katharina geweiht. Es gibt aber auch ein Schriftstück aus dem Jahre 1080, in dem das Stift St. Kunibert berechtigt wurde, aus Niehl Abgaben einzuziehen. So ist es sehr wahrscheinlich, dass also bereits zu dieser Zeit Kirchenmänner in Niehl waren.
Im Laufe der Zeit gab es einige bauliche Veränderungen, damals als dreischiffige Kirche mit Westturm erbaut, wurde im 13. Jahrhundert das südliche Seitenschiff abgerissen, dafür im östlichen Bereich ein gotisches Mittelschiff mit Chorhaus gebaut. Dann 1894 wieder ein Umbau. An der Nordseite wurde ein Seitenschiff aufgebaut, dazu wurden die alten Fundamente der Kirche genutzt. 1977 wurden zwei Glocken eingebaut, obwohl die Kirche keine Pfarrkirche mehr war.
Wenn wir einen Blick in diese herrliche kleine Kirche werfen, können wir einiges entdecken. So sehen wir die gekrönte Madonna, entstanden im 16. Jahrhundert. Sehr hübsch ist auch die Kanzel mit dem Bild der hl. Katharina und der Jahreszahl 1622.
Schauen wir uns die Fenster an, stellen wir fest, dass sie neueren Datums sind. Die Chorfenster wurden 1978 von Professor Pieper entworfen. Die Heiligendarstellungen, die das Fenster zeigt, sind sehr gut gelungen und schön anzusehen.
Die Orgel wurde 1982 gebaut und befindet sich im linken Teil der Kirche. Einige sehr alte Gegenstände aus Alt St. Katharina zieren heute die neuere Kirche, den Nachfolger.
Neu St. Katharina steht etwas weiter südlich mitten in Niehl, einfach die Sebastianstraße, die übrigens, mit leicht veränderter Wegeführung ein Teil der alten Römerstraße ist, die nach Neuss führte, entlanggehen, dann stößt man automatisch auf Neu St. Katharina. Der hl. Sebastian ist der zweite Patron Alt St. Katharinas und Namensgeber der Sebastianstraße. Überhaupt lohnt sich ein Spaziergang, gerade durch den älteren Teil des Veedels, denn es ist sehr schön hier.
Wer Neu-St. Katharina besucht, kann dort den Taufstein sehen, der früher einmal hier im Dömchen stand. Auch das Abendmahlsrelief aus dem Jahre 1430 und die Holzskulptur des hl. Sebastian aus dem 17 Jahrhundert stammen aus Alt St. Katharina.
Überhaupt, Neu St. Katharina, nach und nach wuchs Köln immer weiter und irgendwann war das Niehler Dömchen einfach zu klein, so wurde 1892 der Grundstein für diese neue, größere Kirche gelegt. Zwei Jahre später konnte Neu St. Katharina seiner Bestimmung übergeben werden.
Da Alt St. Katharina nicht mehr durchgehend betreten werden kann, empfehle ich vor dem Besuch einen Blick auf die Seite: https://gemeinden.erzbistum-koeln.de/…/k…
Ich kann euch einen Besuch hier nur ans Herz legen. Es lohnt sich.
Euer RonaldEn savoir plus
Em ahle Kohberg
6 octobre 2019, Allemagne ⋅ 🌧 8 °C
Em ahle Kohberg
Im rechtsrheinischen Merheim liegt ein altes Gasthaus, dessen Ursprung bis 1665 zurückgeht. Gesichert ist, es ist das älteste Gasthaus im rechtsrheinischen Köln. Die Rede ist vom Restaurant "Em Ahle Kohberg".
Die Einen sagen, es wurde benannt nach einer Textzeile in einem Willy Ostermann Lied: "Wenn der Franz mit dem Nies nohm ahle Kohberg ging". Gemeint war damit aber ursprünglich ein Tanzschuppen auf der anderen Rheinseite. Und um die Verwirrung perfekt zu machen, es gab ja früher auch ein Merheim auf der linksrheinischen Seite. Dieses wurde 1952 in Weidenpesch umbenannt.
Die Anderen sagen, dem Namen verdankt es dem am Merheimer Dorfanger stattfindenden großen und überregional bekanntem Viehmarkt. Die Dorfweide war wohl etwas erhöht, was den Namen Kohberg kreierte.
Nun, vielleicht ist es ja eine gelungene Mischung von beidem. Köln braucht halt seine Geschichten, ob nun links-oder rechts vom Rhein.
Jedenfalls war der damalige Wirt clever und so wurde dieses Lokal eine Legende, die in den letzten Jahren immer mal wieder seine Besitzer wechselte. Teilweise nicht immer zur Freude der Bevölkerung, denn je gehobener die Lokalität wurde, desto uninteressanter wurde sie für die Ortsvereine.
Mittlerweile ist nach mehreren Jahren Stillstand ein neuer Wirt am Zapfhahn und die Mischung wird wieder stimmiger. Vor allem die Oktoberfest Wochen sind preislich wieder auf dem Niveau für "Otto Normal Bürger".
Übersetzt bedeutet "Em ahle Kohberg" "I'm alten Kuhberg". Die Kuh befindet sich als Hingucker im Schild über dem Eingang. (Foto) Auch im Lokal befinden sich Kuhzeichnungen, schmunzelnderweise auch im Toilettenbereich, wo man den kleinen aber feinen Unterschied erkennen sollte.
Erbaut wurde das unter Denkmalschutz stehende Gasthaus,
in der Fachwerkbauweise, die damals im Bergischen Land gebräuchlich war. Daran erkennt man wie nah dieser Teil Kölns am Bergischen liegt. Vor mehr als 340 Jahren gehörte Merheim auch nicht zu Köln, so wie viele andere Stadtteile, die alle erst viel später ein Großes Ganzes bildeten. Es wurde erst am 1.4.1914 in Köln eingemeindet
Merheim war früher recht dörflich und ist es in der Ecke, wo sozusagen "Alt Merheim" liegt, immer noch. Ich denke jedesmal ich bin in Urlaub, wenn ich mich in diesem Teil Merheims befinde.
So ist eine Einkehr im Biergarten des Ahle Kohberg mehr mit Urlaubsfeeling verbunden, als mit dem Gefühl in einer Kölner Traditionsgaststätte zu sein.
Vor allem wenn dem noch ein Spaziergang rund um St. Gereon vorangegangenen ist. Historisch gesehen ist es nämlich genau dieses Veedel, welches einen großen Teil der ehemaligen Merheimer Geschichte beheimatet. So findet man in unmittelbarer Nähe viele unter Denkmalschutz stehende Bauten, alte Grabkreuze, Wegkreuze, Ehrenmal, Fronhof usw... (Bitte werfen Sie doch mal einen Blick in die Denkmalliste der Stadt Köln, unter dem Stichwort: Merheim)
Der Ahle Kohberg wurde in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts restauriert und bekam dafür 1980 unter dem Architekten Christian Schaller sogar den Kölner Architekturpreis.
Früher war er der zentrale Punkt dörflichen Lebens. Vor allem im Winter, wenn sich das Merheimer Bruch in eine Freilauffläche für Eisläufer wandelte. So manch einer kehrte dann zum Kaffee in den "Ahle Kohberg "ein. Innen bleiben die 2 Gasträume im dunklen Holz, wie schon Jahrhunderte vorher.
Die Blütezeit hat er heute leider hinter sich, dennoch lohnt sich der Besuch in dieser historischen Ecke Merheims und wenn man schon mal dort ist, sollte man auch das älteste Lokal rechts vom Rhein besuchen. Genauso wie die barocken und klassizistischen Bauten im historischen Kern, die in dieser Kombination einmalig im Kölner Stadtgebiet sind.
Euch allen einen schönen Sonntag,
Eure ElisabethEn savoir plus
Fisimatenten / Fisimatente
5 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 11 °C
Das Schreiben für Kölschgänger, es macht ja schon Spaß.
Klar, ich muss mir dafür die Zeit richtig abknapsen. Ein Beitrag in der Woche regelmäßig, das will organisiert sein. Das ist ab und an knapp, große Wissenschaft ist da auch nicht zu erwarten.
Aber mich mit Köln beschäftigen, immer neue Geschichten finden, das macht mir Freude. Erst recht, seitdem ich festgestellt habe, dass es Menschen gibt, die das dann auch gern lesen.
Ich freue mich gerade auch über kritische Kommentare, aus denen ich lernen kann. Manchmal baue ich ja auch Fehler ein. Die Leute, die das bemerken und geraderücken, sind ein Geschenk. Dann denke ich ab und an „Mach doch keine Fisimatenten. Da warst Du doch mit dem Kopf nicht bei der Sache.“...
„Fisimatenten“ ist übrigens einer meiner Lieblingsausdrücke. Der Begriff ist so kölsch, dass es keine direkte Übersetzung ins Deutsche gibt. Ich habe ihn auch schon in sonst hochdeutschen Sätzen bemerkt. Er steht für mich irgendwo zwischen „Unfug“, „Mätzchen“ oder „Unsinn machen“, „auf Abwege geraten“. Das muss man dann im Hochdeutschen je nach Aussage anpassen. Warum sollte man es sich da nicht gelegentlich mal aus dem Rheinischen leihen?
Der Ursprung ist ja bestimmt fast allen klar: Am 6. Oktober 1794 hört man in Köln schon zwei Tage lang den Donner der französischen Kanonen. General Jean-Étienne Championnet marschiert mit 12.000 Soldaten auf unsere Stadt zu. Unser tapferer Bürgermeister Reiner Joseph Anton von Klespé weiß, dass die mittelalterliche Mauer der modernen Waffentechnik nicht trotzen kann und ruft ihnen zu „Hört auf zu schießen, hier stehen doch Leute!“ - Die genaue Sprache ist übrigens unklar, Französisch wäre sinnig, ich höre aber immer nur die kölsche Übersetzung. – Anschließend geht er vor die Stadt und übergibt die Schlüssel an eben diesen General.
Die Franzosen werden in der Stadt oder vor den Toren in Zelten untergebracht. Nachdem die halbverhungerten Kerle einigermaßen satt sind, versuchen sie natürlich ein wenig Zeitvertreib mit den kölschen Mädchen zu finden. Sie sprechen dazu die Aufforderung aus „Visite ma tente“ (Besuch mein Zelt). Natürlich halten die Eltern dagegen und sagten „Du machst uns keine Fisimatenten“. – Das dachte ich bis Sonntag, als ich merkte, dass diese Geschichte an sich eine Fisimatente ist, wenn ich es so sagen darf.
Am Sonntag habe ich im neuen Buch von Georg Cornelissen „Kölsch, Porträt einer Sprache“, Greven Verlag, geblättert. Er findet doch glatt den Ausdruck „visimetent“ in der „Koelhoff’schen Chronik“ von 1499. Dieser wird dort in der Form von „Unsinn“ gebraucht. Dies ist jetzt aber lange bevor die Franzosen ins Rheinland kamen. Er sagt, unsere Geschichte kann nicht stimmen, gibt aber auch zu, dass sich die Wortherkunft nicht eindeutig erklären lässt.
Lieber Herr Cornelissen, es ist richtig, dass es vermutlich nicht sein kann, wie wir Kölschen uns dieses Wort erklären. Die Geschichte gefällt mir aber besser als der sachliches Hinweis auf das 15. Jahrhundert, mit dem Ergebnis, dass Sie es auch nicht genau wissen. Können wir verhandeln? Der Ausdruck hat doch bestimmt aus dem Lateinischen Einzug in die höhere deutsche Sprache gehalten, die aber doch auf der Straße keiner gesprochen hat? Und er ist doch vom Klang ganz nah am Französischen, oder? Die Erklärung liegt doch nahe, dass die Kölner, die damals Französisch beherrschten, absichtlich einen kleinen Fehler gemacht haben. Sie erinnerten sich bestimmt der doppelten Auslegung des Klanges und haben ein wenig frei übersetzt, um die Mädchen zu warnen…
So passt doch die Wissenschaft mit dem Volksmund zusammen und am Ende kann es stimmen.
Michael
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Et Schrieve för der Kölschgänger, et mäht jo ald Spass.
Klor, ich muss mer de Zigg dozo ech avknapse. Eine Beidrag en der Woch regelmäßg, dat well organiseet sin. Dat es av un aan spack met der Zigg, große Wesseschaff es do och nit ze erwaade.
Ävver mich met Kölle beschäftige, luuter neue Verzällcher finge, dat mäht mer Freud. Eets rääch, zickdäm ich fassgestallt han, dat et Minsche gitt, die dat dann och gään lese.
Ich freu mich grad och üvver kritische Kommentare, us denne ich liere kann. Mänchmol baue ich jo och Mankementcher en. Die Lück, die dat bemerke un gradröcke, sin e Geschenk. Dann denke ich av un aan „Maach doch kein Fisimatente. Do wors do doch men Kopp nit bei der Sach.“…
„Fisimatente“ es üvvrigens eine vun minge Usdröck, die ich am leevste gebruche. Dä Begreff es esu kölsch, dat et kein tirekte Üvversetzung en et Deutsche gitt. Ich han in ävver och ald en söns huhdeutsche Sätz bemerk. Hä steiht för mich irgendwo zwesche „Undaug“, „Mätzcher“ ov „Blödsenn maache“, „op Avwäge gerode“. Dat muss mer dann em Huhdeutsche je noh Senn aanpasse. Woröm sollt mer et sich do nit gelägentlich usem Rheinische lihne?
Der Ursprung es jo bestemmp alle klor: Am 6. Oktober 1794 hürt mer en Kölle ald zwei Dage lang der Donner vun de französische Kanone. Dä General Jean-Étienne Championnet marscheet met 12.000 Zaldate op uns Stadt aan. Unse courageete Bürgermeister, der Neres Jupp vun Klespé weiß, dat uns Muur usem Meddelalder dä moderne Waffetechnik nit trotze kann un röf inne zo „Hürt op zo scheeße, hee stonn doch Lück!“ – De genaue Sproch es üvvrigens nit klor, Französisch dät Senn gevve, ich hüre ävver luuter nor de kölsche Üvversetzung. – Donoh geiht hä vür de Stadt un üvvergitt de Schlössel an evvens dä General.
De Franzuse weede en der Stadt ov vür de Pooze en Zelte ungergebraht. Nohdäm die halvverhungerte Kääls jet ze Käue gekräge han, versöke se natörlich jet Spass met de kölsche Weechter ze han. Alle naslang hürt mer se „Visite ma tente“ (Besök mi Zelt) sage. Natörlich halde de Eldere dogäge un sage „Do mähs mer kein Fisimatente“. – Das daach ich bes Sonndag, wie ich merkte, dat dat Kreppche an sich en Fisimatent es, wann ich et su sage darf.
Am Sonndag han ich em neue Boch vum Schorsch Cornelissen „Kölsch, Porträt einer Sprache“, Greven Verlag, gebläddert. Hä fingk doch glatt dä Usdrock „visimetent“ en der „Koelhoff’schen Chronik“ vun 1499. Dä Usdrock weed do em Senn vun „Blödsenn“ gebruch. Dat es jetz ävver lang bevür de Franzuse en et Rheinland kome. Hä säht, uns Kreppche kann nit stemme, gitt ävver och zo, dat sich die Herkunf vun däm Wood nit ganz kläre lööt.
Leeven Herr Cornelissen, et es rääch, dat et vermodlich nicht sin kann, wie mir Kölsche uns dat Wöödche verklöre. Dat Kreppche gefällt mer ävver besser wie dä drü2ge Hinwies op et 15. Johrhundert, mem Ergebnis, dat Ehr et och nit genau wesst. Künne mer verhandele? Dä Usdrock hät doch bestemmp usem Lating Enzog en de hühere deutsche Sproch gehalde, die ävver op der Stroß keiner gesproche hät? Un hä es doch vum Klang noh am Französische, oder? Die Erklärung litt doch noh, dat die Kölsche, die domols Französisch kunnte, expré ene kleine Fähler gemaht han. Se erennerte sich bestemmp an die dubbelte Uslägung vun däm Klang un han e winnig frei üvversatz, öm de Weechter ze warne…
Esu pass doch de Wesseschaff mem Voksmund zesamme un am Engk kann et stemme.
MechelEn savoir plus
Aachener Weiher - Oase im Grüngürtel
3 octobre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 12 °C
Aachener Weiher - Eine schöne Oase im Kölner Grüngürtel
Der Bereich um den Aachener Weiher gehört zu meinen beliebten Anlaufstellen. Und zwar das ganze Jahr hindurch.
Den Namen hat der Weiher von der nur wenige Meter entfernten Aachener Straße. Citynah und gut erreichbar kann ich hier ganz wunderbar spazieren gehen, mich irgendwo auf den Wiesen niederlassen (und Entenfreundschaften schliessen), es darf gegrillt werden, es gibt Bänke und zwei gastronomische Angebote. Sogar ein Museumsbesuch kann eingebunden werden.
Außerdem gibt es hier einen Japanischen Garten. Eltern können ihre Kleinen hier von der Hand lassen, auch einen Spielplatz gibt es hier im Grüngürtel. Manche Kölner kennen den Park auch unter anderen inoffiziellen Namen. Einige nennen den Bereich "Aachener Berg", oder was vertrauter klingt auch "Mont Klamott". Nach dem zweiten Weltkrieg wurde hier allerhand Schutt verbuddelt und so entstand diese sanfte Hügellandschaft, wie in anderen Gebieten auch. Viele der Kölner "Berge" sind Schuttberge.
Und wem haben wir das zu verdanken? Wie immer, wenn es um den Grüngürtel geht, unserem ehemaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer, der damals schon voraussagte, dass Köln sich entsprechend entwickeln werde und daher Grünflächen braucht. So ließ er den Weiher Anfang der 1920er Jahre anlegen. Recht hatte er. Er beauftragte sein Gespann Fritz Schumacher/ Fritz Encke mit der Planung. Diese Namen tauchen übrigens in Sachen Stadtbegrünung immer wieder auf.
Der 4 Hektar große See, kann gemütlich umrundet werden. Ungewöhnlicherweise hat dieser Weiher einen Betonboden. Klar, er ist künstlich angelegt und der Boden soll das Versickern des Wassers verhindern. Das Wasser wiederum wird vom Lindenthaler Kanal eingespeist. Es ist einfach schön hier.
Wenn man sich dann dem Ostasiatischen Museum nähert, kommt man an eine hölzerne Brücke, die übrigens keinen Namen, dafür aber eine typische Geschichte in Sachen "kölschen Klüngel" zu erzählen hat. Damals, genauer gesagt im Jahre 1998 kam raus, dass ein Sachbearbeiter jedes Jahr eine Firma mit der Ausbesserung eben dieser Brücke beauftragte. Und zwar immer mit derselben Anzahl Bohlen, die ausgetauscht werden mussten. Dies war genau ausgerechnet und blieb ganz knapp unter dem Betrag der eine Ausschreibung nötig machte. So konnte er den Auftrag einer "bestimmten" Firma "zuschustern". Der Klüngel ist einfach überall.
Ja, unser Grüngürtel ist schon etwas feines und der Bereich am Aachener Weiher sowieso. Genießt also das Leben nicht nur in der City, sondern auch in unserer grünen Lunge.
Viel Spaß wünscht euch RonaldEn savoir plus
Ein Apfel für das Jesuskind
1 octobre 2019, Allemagne ⋅ 🌧 16 °C
Ein Apfel für das Jesuskind
Wenn ich an Köln denke, denke ich zuerst - natürlich - an "meinen" Dom. Köln und der Dom sind einfach untrennbar miteinander verbunden und beide haben mich schon bei meinem ersten Besuch in ihren Bann gezogen...und nie wieder losgelassen...
Und doch stehen in seinem Schatten zwölf romanische Kirchen innerhalb der ehemaligen Stadtmauer Kölns, die ebenfalls ihre Geschichten zu erzählen haben. So wie St. Maria im Kapitol. Kapitol deshalb, weil sie, zumindest zum Teil, auf Steinblöcken des römischen Haupttempels errichtet wurde.
Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie mehrfach zerstört durch Brand und Krieg und doch immer wieder aufgebaut. Sie war lange Zeit die bedeutendste Kirche Kölns (also nach dem Dom natürlich), zelebrierte doch der Erzbischof die erste Weihnachtsmesse immer in St. Maria im Kapitol, die zweite in St. Caecilien und die dritte schließlich im Dom. Auch der Rat zog am Dreikönigstag in der Prozession, in der die heiligen drei Könige geehrt wurden, von St. Maria im Kapitol zum Dom.
Gab es Sturm oder Feuer in der Stadt...hier wurde die Glocke, auch Bramglocke genannt, geläutet.
Es ranken sich einige Legenden um diese Kirche, und von einer möchte ich euch erzählen.
Wenn man sich wundert, dass man bei der Marienstatue, die sich in der Kirche befindet, immer wieder frische Äpfel vorfindet, so hat das nicht seinen Grund darin, dass die Besucher der Gottesdienste stets gut versorgt sein sollen, sondern diese Tradition geht auf die sogenannte "Apfellegende" des heiligen Herman Joseph zurück, der vor ca. 900 Jahren als Kind jeden Tag in diese Kirche kam. Man sagt, er hatte schon von klein auf eine besondere Verbindung zu Maria und ihrem Kind. So bot er ihr eines Tages einen Apfel für das Kind an. Die Gottesmutter beugte sich zu ihm herunter und nahm sein Geschenk an.
Es kam die Zeit, da Hermann Joseph's Eltern das nötige Schulgeld für ihn nicht mehr aufbringen konnten. Als er wieder zur Kirche kam, wurde ihm von Maria zum Dank für sein Geschenk eine Stelle offenbart, an dem er wertvolle Münzen fand. So konnte er weiter zur Schule gehen und auch seine Eltern hatten keine Sorgen mehr...
Diese Legende hält sich bis heute, denn nach wie vor werden noch heute an dieser Stelle Äpfel abgelegt.
Neben den Legenden gibt es aber noch mehr, was heute fasziniert.
Sehenswert neben der heute noch aus dem
elften Jahrhundert erhaltenen, ca. fünf Meter hohen, mit Reliefs verzierten Holztür, die es so im gesamten mitteleuropäischen Raum nicht mehr zu finden gibt, sind die Knochen eines eiszeitlichen Grönlandwals, der sich vermutlich in einem Rheinarm verirrte und dort verendete. Ein Wal im Rhein? Groß und breit ist der Fluss ja, aber...und doch...tatsächlich ereignete sich ein solcher Vorfall im Jahre 1966 noch einmal. Bereits vor Jahrhunderten gefunden, hängen die Knochen an einer Kette über einem Beichtstuhl. Bekannt sind sie in Köln als "Zint Märjensrepp" (Rippe der heiligen Maria).
Auch wenn für mich mein "Bahnhofskapellchen" nach wie vor das schönste, mystischste und bedeutendste Bauwerk ist und immer bleiben wird...die romanischen Kirchen Kölns sind es wert, auch ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.
Lasst euch auf eine Reise in die Vergangenheit entführen, wenn ihr sie besucht...
Eure RamonaEn savoir plus
Alter Flughafen Butzweilerhof
29 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 16 °C
Heute führte mich mein Weg nach Ossendorf. Genauer gesagt, an den Butzweilerhof. Doch nicht, um dort etwa in einem skandinavischen Möbelhaus zu verweilen, sondern um dort den 1. Kölner Flughafen zu besichtigen. Persönlich finde ich die Auseinandersetzung mit Historie sowieso viel interessanter als jedes Kaufhaus.
Spannendes tat sich vor mir auf, denn dort wird zwar nicht mehr geflogen, aber die historische Kulisse des Flughafens ist erhalten geblieben.
Denkmalschutz und Restaurierung sei Dank!
Statt alter Flugzeuge findet man hier alte und neuere Autos, in der Motorworld, die einen Großteil des Geländes und der alten Hangars nutzen. Für Autofreunde ist es das Paradies auf Erden. Sogar eine Michael Schumacher - Ausstellung findet man dort, mit zahlreicher seiner Rennwagen, Kappen, Trophäen usw.
Ein alter Kaufladen, historische Flugzeugsitze, alte Zapfsäulen und vieles mehr gibt es zu entdecken. Und dies alles bei freiem Eintritt. Einige Lokale und ein Hotel runden das besondere Erlebnis "Alter Flughafen Butzweilerhof" ab.
Die Nähe zu den großen Film- und Fernsehproduktionen merkt man natürlich. So sieht man hier und da auch schon einmal alte Produktionswagen und Filmautos.
Vom Flughafenzeitalter des Butzweilerhofs, welches von 1911 bis 1995 gedauert hat, sind neben den historischen Gebäuden wie die Empfangshalle und die Gaststätte, noch ein Denkmal und einige andere Relikte, die ich hier jetzt nicht verraten möchte, vorhanden.
Allerdings war die Nutzung des Flughafens nicht immer nur ziviler Natur, sondern sehr, sehr lange Zeit wurde er auch militärisch genutzt und wurde erst 1995 von der Bundeswehr geschlossen.
Eine sehr wechselvolle Geschichte hat der Butzweilerhof zu verzeichnen. Unter anderem hat dort einmal Manfred von Richthofen, der Rote Baron, Station gemacht.
Das legendäre Luftschiff Hindenburg hat ebenfalls über dem Flughafen geschwebt.Ein Luftschiffanker befindet sich heute noch auf dem Gelände. Doch dies ist eine andere Geschichte.
Ob nun australische Flugeinheiten, die Royal Air Force, die Lufthansa oder Belgische Fliegerstaffeln, der Butzweilerhof lernte sie alle kennen.
Nachdem 1926 der Butzweilerhof als ziviler Flughafen eingerichtet wurde, war er in den 30er Jahren als Luftkreuz des Westens in aller Munde.
Für die damalige Zeit war das Verkehrsaufkommen von 30 bis 50 Fliegern täglich, natürlich schon sehr viel. Kein Vergleich zu heute und deshalb auch unvorstellbar, dass dort heutzutage noch ein Flugbetrieb in Gang gehalten werden könnte.
Doch allein geschichtlich und architektonisch gesehen, ist die Anlage ein Muss für jeden Flughafenliebhaber. Leider, dies muss ich der Vollständigkeit halber erwähnen, wurden auch Gebäude aus den 50 er Jahren abgerissen. Schade drum!
Gegenüber der historischen Anlage liegt mittlerweile ein Wohnviertel, mit einem Spielplatz, auf dem man natürlich ein großes Holzflugzeug findet. So echt was für unseren Jüngsten. Und irgendwie zieht es mich bald wieder hin, zu Oldtimer und Co Vor allem aber auch um das Flair der Historie zu spüren. . Und pssst.... auch zu der genialen Currywurst, vor den Toren der Motorworld.
Vielleicht trifft man sich ja mal dort, denn es ist täglich geöffnet, auch an Sonntagen. Nur nicht rund um die Uhr.
Habt einen schönen Sonntag
Eure Elisabeth, die heute mal linksrheinisch rüberkam.En savoir plus
Dreifensterhäuser
28 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 16 °C
Meistens erzählen wir ja von dem Besonderen in Köln. Schöne, große Gebäude mit Repräsentationszweck. Lasst mich heute ganz kurz vom Herkömmlichen erzählen.
Unsere mittelalterliche Mauer steht am 6. Oktober 1794 noch. Die Franzosen überwinden sie als erste - nach 1000 Jahren. Was heißt überwinden? Die Kölner wissen, dass sie den Kanonen der Franzosen nicht widerstehen können und übergeben die Stadt direkt an die neuen Herren.
Köln hat zur dieser Zeit etwas weniger als 45.000 Einwohner. Das hört sich wenig an, aber es ist eng innerhalb der Mauer. Seit Jahrhunderten hat sich die Stadt nicht über diese Wohlfühlgrenze bewegt.
Mit den Franzosen und kurz darauf mit den Preußen kommt die Veränderung. Die Industrialisierung bringt plötzliches Wachstum. In den nächsten 50 Jahren verdoppelt sich die Einwohnerzahl. Das ist nicht nur für diese Zeit rasant. 90.000 Einwohner auf annähernd gleicher Fläche bis 1845!
Eine Patentlösung muss her. Vorwiegend zunächst die Mittelschicht greift auf das Erfolgsmodell des „Rheinischen Dreifensterhauses“ zurück. Dies ist tatsächlich die damalige Form des Reihenhauses. Und dieses, in die Fläche gebaut, bevorzugt die Mittelschicht ja oft heute noch.
Die Außenansicht ist ewig gleich. Im Erdgeschoss die Haustür und zwei Fenster. Darüber noch eineinhalb bis drei Stockwerke, je nach Geldbeutel mit je drei Fenstern. Klar, sagt ja schon der Name Dreifensterhaus. Die Höhe der Stockwerke ist genormt bei 3,14 Metern. (Das entspricht zehn Fuß.) Die Breite schwankt auch nur leicht zwischen sieben bis neun Metern. Auch der Innenaufbau ist gleich, Treppenhaus auf der einen Seite, Zimmer auf der anderen. Gut, Zwischenwände werden natürlich individuell gestaltet sowie die Einrichtung und die Fassadengestaltung. Eigentlich auch wie heute in den Reihenhaussiedlungen. Und genauso sind die Dreifensterhäuser zunächst auch als Einfamilienhäuser gedacht.
Aus dieser frühen Zeit gibt es nur noch wenige Gebäude. Natürlich der Krieg, aber auch der Wunsch umzubauen, hat viele zerstört. Auf den Bildern habe ich ein paar der ältesten Beispiele festgehalten. Diese sind natürlich auch nicht mehr im Originalzustand: Pfeilstraße 17-21, das kleine Fachwerkhaus, Kettengasse 6, das für mich besonders heimelige, Benesisstraße 53 und das höchste, viergeschossige Haus, Apostelnstraße 20.
Was wir heute in Ehrenfeld, Mülheim, Deutz, in der Neustadt und auch im Severinsviertel in großer Zahl sehen, ist die noch weit verbreitete, neuere Variante im Gründerzeitstil. Rechnen wir von 1845 nämlich nochmal 50 Jahre drauf, hat Köln anstatt der 90.000 nämlich jetzt 320.000 Einwohner. Diese Zahl hat sich Ende der 1930’er Jahre dann noch einmal mehr als verdoppelt, 770.000 Einwohner!
Das bedeutet für unsere Dreifensterhäuser neben neu- auch aus-, um- und anbauen. Manchmal ist im Hinterhof Platz, so dass ein länglicher Anbau nach hinten gezogen wird. Das Innenleben wird umgebaut; die Einfamilienhäuser werden Mehrfamilienhäuser. Natürlich auf Kosten des persönlichen Freiraums und der Hygiene. Keine Frage. Ja und meistens wird das Dach ausgebaut. Ich erkenne sogar als Laie oft, dass der Dachausbau nicht ganz stimmig zum Rest des Hauses ist.
Wisst Ihr warum wir permanent von der „guten alten Zeit“ reden und singen? Jede Generation erlebt ja einen Wandel in der Stadt und findet sich im Alter in einem Umfeld wieder, dass sie sich in der Jugend nicht vorstellen konnte. Seit jetzt mindestens 200 Jahren.
Michael
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Das haben wir längst ins Grundgesetz übernommen. § 5 lautet: „Nix bliev wie et wor“.
Miets verzälle mer jo vum Besondere en Kölle. Schöne, große Baute för ze Repräsenteere. Losst mich hügg ganz koot vum Gewönliche verzälle.
Uns medelalderliche Muur steiht am 6. Oktober 1794 noch. De Franzuse üvverwinde se als eeschte - noh 1000 Johr. Wat heiß üvverwinde? Die Kölsche wesse, dat se de Kanone vun de Franzuse nit widderstonn künne un üvvergevve de Stadt tirek an die neue Hääre.
Kölle hät zu dä Zigg jet winniger wie 45.000 Enwonner. Dat hürt sich winnig aan, ävver et es eng benne vun der Muur. Zick Johrhunderten hät sich de Stadt nit üvver die Grenz bewäg, wo mer sich wohl fohlt.
Met de Franzuse und koot drop met de Preuße kütt die Veränderung. Die Industrialiseerug kritt et Wachstum plötzlich Aki. En da nöchste 50 Johre verdubbelt sich die Enwonnerzahl. Dat es nit nor zo dä Zigg verdammp vill. 90.000 Enwonner op quasi derselve Fläch bes 1845!
En Patentlösung muss her. Vürwiegend grief zoeesch de Meddelschich op dat Erfolgsmodell vum „Rheinische Dreifinsterhuus“ zoröck. Dat es wirklich die domolige Form vum Reihehuus. Und dat, en de Fläch gebaut, trick die Meddelschich jo off hügg noch vür.
Die Usseaanseech es luuter deselve. Em Parterre die Huusdür un zwei Finstere. Dodrüvver noch anderthalv bes drei Etage, je noh Portmanee met je drei Finstere. Klor, säht jo ald der Name Dreifinsterhuus. Die Hüh vun dä Etage es genormp bei drei Meter veezehn. (Dat ensprich 10 Foß.) Die Breid schwank och nor leich zwesche sibbe un nüng Meter. Selvs der Innenopbau es glich, Trappehuus op dä ein Sigg, Zemmere op dä andere. God, Zweschewäng weede natörlich individuell aangelaht su wie de Enrichtung un de Fassadegestaltung. Eigentlich och wie hügg en de Reihehuussiedlunge. Un genausu sin die Dreifinsterhüüser zonöchs jo och als Einfamilliehüüser gedaach.
Us dä fröhe Zigg gitt et nor noch winnige Baute. Natörlich hät der Kreeg, ävver och der Wunsch ömzebaue, vill kapodd gemaht. Op dä Belder han ich e paar vun dä äldeste Beispille fassgehalde. Die sin natörlich och nit mih em Orgenalzostand: Feilstroß 17-21, dat klein Fachwerkhuus, Kettegass 6, dat für mich besonders heimelige, Benesisstroß 53 un dat hühste, veergeschossige Huus, Apostelstroß 20.
Wat mer hügg om Ihrefeld, Müllem, Düx, en der Neustadt un och em Vringsveedel zo basch finge, es die neuere Variante em Gründerziggstil. Rechne mer vun 1845 nömlich noch ens 50 Johr drop, hät Kölle statt dä 90.000 nämlich jetz 320.000 Enwonner. Die Zahl hät sich Engk vun de 1930’er Johre dann noch ens mih wie verdubbeld, 770.000 Enwonner!
Dat bedügg för uns Dreifinsterhüüscher nevven neu- och us-, öm un aanbaue. Mänchmol es em Hingerhoff Plaatz, su dat ene länglicher Aanbau noh hinge getrocke weed. Dat Ennelevve weed ömgebaut; de Einfamilliehüüser weede Mihfamillijehüüser. Natörlich op Koste vum persönliche Freiraum un der Hygiene. Kein Frog. Jo un miestens weed et Daach usgebaut. Ich erkenn esugar als Laie off, dat der Usbau nit ganz bei der Ress vom Huus pass.
Wesst ehr woröm mer luuter vun dä „god aal Zigg“ schwaade und singe? En jeder Generation erlevve de Minsche jo ene Wandel en der Stadt un finge sich em Alder en enem Ömfeld widder, dat se sich en der Jugend nit han vürstelle künne. Zick jetz mindestens 200 Johre.
MechelEn savoir plus
Der Wasserturm der CFK
26 septembre 2019, Allemagne ⋅ 🌧 17 °C
Der Wasserturm der CFK und etwas mehr
Mitten in Kalk, neben dem schönen Einkaufszentrum direkt am Parkhaus steht er. Der alte Wasserturm, 1904 gebaut und mit 43,6 Metern eh nicht zu übersehen. 270 Kubikmeter Wasser fasste er und garantierte damit die Wasserversorgung bei eventuellen Engpässen der Fabrik.
Überhaupt hat sich das ganze Viertel total verändert. Heute Einkaufszentrum und Parkhäuser. Früher war es hier nicht so heimelig. Schlote qualmten, es roch auch etwas anders. Über 2.000 Menschen fanden hier Arbeit, da bekommt man eine ungefähre Vorstellung über die Größe und Bedeutung der CFK damals für Kalk. Hier stand die "Chemische". Ein Soda produzierender Betrieb. Dieses Salzmineral ist schon seit dem Altertum bekannt und wurde sogar zur Trocknung der Leichen verwendet, um die Mumifizierung vorzubereiten und zu beschleunigen. Heute wird das Mineral als Rohstoff für Waschmittel und Farben genutzt.
Im Jahre 1858 wurde der Vorläufer der CFK von Julius Vorster und dem Chemiker Hermann Grüneberg gegründet. Dafür nutzten die beiden das Gelände einer stillgelegten Eisengießerei. So wurde nach und nach aus einem Betrieb mit 10 Mitarbeitern, mehr brauchte man nicht, um die Holzbottiche, Fässer und Pferdewagen zu bedienen, eine Riesen-Firma.
Anfangs wurde Kalisalpeter hergestellt, dies war Bestandteil von Schießpulver und Sprengpulver. Dann nach Ende des ersten Weltkrieges stiegen die beiden in die Düngemittelproduktion ein. Vorster und Grüneberg wurde zum Aushängeschild und zu einem Vorreiter in der Düngemittelindustrie. Sie schafften es, Kaliumchlorid als Düngerzusatz am Markt fest zu etablieren. Nachdem dies gelungen war und die Geschäfte immer besser liefen, wurde weiter geforscht und ausprobiert, und tatsächlich stellten sich weitere bahnbrechende Erfolge ein. So konnte man dann auch Stickstoffdünger und Phosphatdünger anbieten, und zwar mit großem Erfolg. In den Jahren um 1870 dominierten sie den deutschen Markt.
1892 dann wurde die Firma in „Chemische Fabrik Kalk GmbH“ umbenannt, kurz CFK. Ihren Hauptumsatz aber erzielten sie trotz allem mit ihrem Bereich Schwerchemikalien. Die Firma wuchs beständig und so fanden hier viele Menschen Arbeit. Waren es 1914 immerhin schon 800 Mitarbeiter, zogen sie immer weiter an und bereits 1939 arbeiteten hier 1.500 Menschen. In den 60ern waren es sogar über 2.000 Menschen, die hier in Lohn und Arbeit standen. Später ging die Firma an K & S, dem größten Salzproduzenten. Ihr Verfahren, um aus Kalisalzen Kaliumchlorid zu gewinnen, wird im Grunde genommen bis heute angewendet. 1988 wurde die Produktion von Düngemittel eingestellt. Dann, 1993 das traurige Ende. Die letzte Schicht, bevor sich die Tore für immer schlossen.
Später wurde auf dem Gelände neu gebaut, die Zeit bleibt auch in Kalk nicht stehen. So entstand hier das „Odysseum“, die Köln Arcaden und das Kölner Polizeipräsidium.
Einzig der Wasserturm blieb stehen und ist in das Parkhaus des Einkaufszentrums mit integriert. Neben dem Turm steht eine alte Turbine und am Parkhaus ist ein CFK- Firmenschild angebracht. Alles sehr schön gemacht, am meisten gefreut habe ich mich allerdings, als ich sah, dass im Turm eine Zweigstelle der Stadtbibliothek untergebracht ist.
Aber auch heute finden wir einige Hinweise auf die Fabrik, im Odysseum und einigen anderen Handelshäusern treffen wir auf „Reste“ der CFK. So wurden eine Stromturbine und ein Schaltpult wieder aufgebaut. Auch Straßennamen erinnern an die Fabrik. So die Julius-Vorster-Str., benannt nach dem CFK Gründer. Auch wurde hier ein Krankenhaus durch CFK-Gelder finanziert. Eine Zeitlang war im Gespräch, im Wasserturm ein Museum einzurichten. Dies wäre zweifellos eine tolle Sache geworden. Leider ist dies bis heute nicht geschehen und wohl auch nicht mehr aktuell. Sehr schade, finde ich.
Viel los ist hier in der Umgebung des ehrwürdigen Wasserturmes immer noch, nur halt anders. Schaut ihn euch ruhig mal näher an, wenn ihr mal hier in der Gegend seid. Der Wasserturm der CFK, ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, aber ein wichtiges Stück Kalker Geschichte.
Viel Spaß beim Entdecken wünscht euch Ronald
Übrigens, viel zu entdecken gibt es auch auf unserer Homepage. Neben unseren Beiträgen findet ihr dort Interviews mit Künstlern, Buchempfehlungen und einiges mehr. Wir arbeiten beständig an der Erweiterung unserer Homepage, so wird in Kürze auch eine Seite entstehen, in der wir euch die Kölner Museumslandschaft näher bringen.Schaut doch mal rein.En savoir plus
Aureum thalamum
24 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 18 °C
Aureum thalamum
Legenden und Kirchen, Heilige und Stadtpatrone. Wenn es in Köln vielleicht auch an einigem mangelt, an diesen sicher nicht und auch das ist ein großer Teil dessen, was diese Stadt so einzigartig macht.
Ich möchte euch heute an einen Ort mitnehmen, der, von außen, eher unspektakulär wirkt und auch von Touristen wohl nicht so viel frequentiert wird. Ich vermute die Lage als Grund dessen. Dabei könnte dieser Ort und besonders das, was mich dort erwartet, nicht geschichtsträchtiger sein.
Nun könnte ich mit "es war einmal" beginnen. Fangen so nicht alle Märchen an? Und schließlich geht es ja hier um eine Prinzessin. Aber um dieser nun einen Namen zu geben: Ursula. Ich denke, spätestens jetzt wißt ihr, wo ich mich befinde...St. Ursula. Im Jahre 1135 als Emporenbasilika erbaut, der Chor wurde aber erst 1287 in gotischer Form vollendet.
Nach der Legende aus dem Mittelalter, denn wirkliche historisch belegbare Quellen scheint es nicht zu geben, die die Existenz der Königstochter aus der Bretagne beweisen, lebte Ursula im vierten Jahrhundert nach Christus. Sie sollte Aetherius heiraten, dessen Vater, König von England, aber dem Heidentum zugetan war. Sie war keineswegs abgeneigt und willigte ein, allerdings musste der Prinz drei Bedingungen erfüllen. Da Ursula strenggläubige Christin war, sollte Aetherius sich taufen lassen. Ihr sollten weitere Jungfrauen zur Seite gestellt werden, zehn, um genau zu sein, denn die Legende spricht vorerst von elf Jungfrauen und ihnen sollten Schiffe zur Verfügung gestellt werden um dann eine gemeinsame Wallfahrt nach Rom unternehmen zu können. Für all das verlangte sie drei Jahre Zeit. Nur dann, wenn all dies erfüllt war, wollte sie den Prinzen zum Mann nehmen.
Die Zeit verging...und als Ursula und ihre Gefährtinnen auf der Heimreise von ihrer Pilgerfahrt in Köln anlegten, wurden sie, von den gerade die Stadt belagernden Hunnen getötet. Im Traum soll Ursula kurz zuvor von ihrem bevorstehenden Martyrium erfahren haben. Die Jungfrauen starben für ihren Glauben...
Verlassen wir diese Szene und gehen ein paar Jahrhunderte weiter, denn erst im zehnten Jahrhundert tauchte dann der Name Ursula überhaupt zum ersten Mal in den Erzählungen auf. In der Nähe des damaligen Gotteshauses, welches den Märtyrerinnen geweiht war, fand man einen, ursprünglich im fünften Jahrhundert dort aufgestellten Grabstein, welcher eine Inschrift aufwies, dass dort ein knapp über acht Jahre altes Mädchen namens Ursula läge. Hier stellt sich mir allerdings die Frage, wie ein achtjähriges Kind in der Lage gewesen sein soll, per Schiff auf Pilgerreise zu gehen. Dennoch scheint die Legendenerzählung hier ihren Anfang zu nehmen.
Im zwölften Jahrhundert wurde neben der Kirche, nun St. Ursula, ein großes Gräberfeld entdeckt, während an einer neuen Stadtmauer gearbeitet wurde. Den Menschen dort kam damals nur eine einzige Erklärung in den Sinn. Dort müssen die heiligen Jungfrauen begraben sein. Mit all jenen, die zu dieser Zeit von den Hunnen niedergemetzelt wurden.
Nun war es so, dass sich mit solchen Reliquien, oder wie es ja gerne ausgedrückt wird, Knöchelchen, viel Geld verdienen ließ, und so wurden aus den ursprünglich elf Jungfrauen mal eben elftausend. Eine andere Überlieferung besagt jedoch, dass die Zahl elftausend schlicht ein Lesefehler war. Wandalbert von Prüm, seines Zeichens Benediktinermönch und Dichter, berichtete bereits im neunten Jahrhundert über mehrere tausende getötete Heilige. Wie es wirklich war...ich vermute, das wird auf ewig ein Geheimnis bleiben.
Was allerdings kein Geheimnis ist, wird mir in der "Aureum thalamum" offenbart. In der goldenen Kammer der Basilika St. Ursula. Hier drin umgibt mich die schaurig-schöne Geschichte des Mittelalters. Eben erwähntes Gräberfeld begegnet mir hier wieder. In Regalschränken finden sich zahlreiche Totenschädel. Die Wände sind übersäht mit Gebeinen, aus denen zum Teil sogar Worte geformt wurden. Und die Echtheit dieser Gebeine ist, so wie ich gelesen habe, belegt.
Die Stimmung, die hier herrscht, kann ich nicht beschreiben und auch Bilder geben diese nicht wieder. Die Frage, ob Legende oder Wahrheit, stellt sich mir hier nicht, viel zu faszinierend und gleichzeitig erschreckend ist der Anblick.
Auf die Kirche an sich möchte ich jetzt an dieser Stelle nur kurz eingehen. In der Chorhalle befinden sich unter den elf (!) Fenstern Hohlräume, die ebenfalls mit Reliquien gefüllt sind. Und falls ihr euch, wenn ihr schon einmal diese Basilika besucht habt, fragen solltet, warum dort in den Wänden reihum Gitter angebracht sind...dahinter befinden sich Nischen, die Reliquienschädel beherbergen. Auf den darunter angebrachten Bildern ist das Leben der heiligen Ursula, die ja auch Stadtpatronin der Stadt Köln ist, in Zyklusform dargestellt. Auf dem Altar befinden sich der Ursulaschrein und der Aetheriusschrein. Und jetzt mal an die Romantiker unter uns...kann ich mit dem Menschen, den ich liebe, nach dem Tod auf schönere Weise vereint sein?
Mit diesem Gedanken schließe ich nun. Ich habe für mich wieder ein Stück Kölner Stadtgeschichte erschließen können und hoffe, euch hat mein kleiner Ausflug mit euch in die Vergangenheit gefallen.
Bis bald, eure RamonaEn savoir plus
Fort X
22 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 21 °C
Fort X
Heute möchte ich euch mitnehmen zu einem Spaziergang durch und um das Fort X.
Einige werden nun denken, es geht an den Neusser Wall, den Rosengarten,
im linksrheinischen Köln. Doch dem wird nicht so sein, denn Köln hat ein weiteres Fort X.
Dieses liegt, ihr ahnt es schon, rechtsrheinisch.
Genauer gesagt, befindet es sich am Nohlenweg.
Jenem Viereck zwischen Merheim, Höhenberg, Vingst und Ostheim. Dort ist es etwas versteckt, in einer kleinen Parkanlage, die die Umrisse der ehemaligen Festungsanlage aus der Kaiserzeit darstellt.
Das rechtsrheinische Fort X liegt unweit der Merheimer Heide, die den kaiserlichen Truppen als Exerzierplatz gedient hat. Vom Fort ist noch die eingeschossige Kehlkaserne vorhanden.
(Das Gebäude ist nicht, wie andernorts behauptet wird, zweigeschossig.)
Diese bietet einigen Vereinen nun Heimat
Eine ausgewogene Nutzung ist vorhanden. (siehe Foto)
Erbaut wurde es in den Jahren 1877 bis 1879. Es diente den Soldaten als Unterkunft.
Ich konnte heute einiges über wehrhaftes Mauerwerk erlernen und frage mich, ob es nicht generell für alle gemauerten Bauten sinnvoll ist, sie auf diese Art zu mauern. Man benötigt zwar die doppelte Anzahl an Steinen, baut aber isolierender und haltbarer.
Draußen im Park stolpert man hier und da noch auf Mauerreste, musste der Großteil der Anlage doch auf alliierten Befehl hin, gesprengt werden. So wie alle anderen Forts der Kölner Kaiserzeit unterm Preußenadler ebenfalls.
Konrad Adenauer verdanken wir, dass die Kehlkasernen als Gemeinschaftsräume erhalten blieben.
Im 2.Weltkrieg hat man dort übrigens teilweise sogar Schutz gesucht, obwohl auch die Luftwaffe, vom naheliegenden Stützpunkt Ostheim eine Stellung errichtet hatte. Nach dem Krieg fanden dort Ausgebombte und Flüchtlinge eine Notunterkunft.
Wenn man es von Außen betrachtet, was hier wunderbar funktioniert, denn man kann sowohl die gesamte Anlage einsehen, als auch den Dachbereich umwandern, dann ist man Innen noch mehr erstaunt. Zahlreiche Treppen, Gewölbebauten und reichlich Platz. Die Vereine pflegen es für ihr kölsches Brauchtum, aber auch für Theater, Musik und Sport. Fast bin ich versucht, auch dort ansässig zu werden, denn es hat einen interessanten Hof, den ich mir persönlich für allerlei Events vorstellen kann. Was aber, so der Vorsitzende Bernd Pullem, von der Stadt Köln nicht erlaubt ist, da es auf dem Hof keinen zweiten Ausgang gibt. Er erzählte mir auch von vergangenen Aktionen, wo z. B., ganz im Sinne des heimatkundlichen Gedankens, durch den Kölner Club Höhenberg e. V., eine Ausstellung mit historischen Köln- Büchern dort stattgefunden hat. Man besitzt private Archive mit 500 Köln-Büchern. Viele nicht mehr im Handel erhältlich und voller Historie. Als Kölschgänger war ich natürlich sofort begeistert.
So wurde mir dann auch gleich eine Einladung zu noch mehr Geschichte erteilt. Diese hab ich gerne angenommen und werde euch, liebe "Kölschgänger-Leser", von dem alten Wissen gerne profitieren lassen.
Im Gespräch zum Fort X kamen wir auch auf die Dachkonstruktion zu sprechen. Absolut stabil und 1887 wegen der damals eingesetzten neuen zerstörenden Brisanzgranaten raffiniert verstärkt mit Sand und Beton. Innen Rundbögen, die eine zusätzlich stützende Funktion hatten. Wenn man oben auf das Dach sieht, hat man sich immer gefragt, warum es aussieht wie eine Kraterlandschaft. Nun, heute bekam ich die Antwort.
Eine weitere gab es auf meine Frage nach der Kennzeichnung des Forts. Warum Fort X und nicht eine andere Nummerierung, was doch logischer gewesen wäre, in Anbetracht des Forts X am Neusser Wall. Das Fort X auf der linken Rheinseite, wurde auch "Prinz Wilhelm von Preußen" genannt und ist bereits in den Jahren zwischen 1819 und 1825 errichtet worden. Somit also über 50 Jahre vorher. Verwirrend!
So verwirrt, wie die Verwaltung damals wohl gewesen ist, denn es ist laut Bernd Pullem, schlicht und einfach ein Fehler beim Eintrag passiert. Und einmal eingetragenes, amtlich Beurkundetes wieder zu ändern, war damals um ein vielfaches schwieriger als heute. Man hat einfach nur gedacht, für den neu entstehenden äußeren Befestigungsring ebenfalls die römische Nummerierung zu wählen. Dabei wurde an Verwechslungen nicht gedacht. Vielleicht war es auch damals jedem klar. Inneres oder äußeres Fort? Heutzutage, so Pullem, sind schon Leute zum Fort X am Nohlenweg gekommen, die völlig irritiert nach dem vermeintlichen Rosengarten gefragt haben.
Auf seine Antwort: "Dann bitte einmal über den Rhein!", war die Irritation noch größer.
Ein wenig gegrinst hab ich dabei ja schon, denn die Verwaltung schien schon damals gern für Verwirrung zu sorgen.
Ich sag mal: GELUNGEN!
Nun gab es also den inneren und äußeren Befestigungsring mit mehreren Forts, plus ein paar sogenannter Zwischenwerken.
Einige noch erhaltene Anlagen werde ich mir in nächster Zeit für euch anschauen und freue mich, wenn euch meine Exkursion gefallen hat.
Besichtigen kann man das Fort X am Tag der Forts und am Tag des Offenen Denkmals, ansonsten nach Vereinbarung.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.En savoir plus
Die Legende von St. Kunibert
17 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 15 °C
Die Legende von St. Kunibert
Mit Geschwistern ist das ja so eine Sache. Ich selbst habe keine, aber man bekommt ja das ein oder andere so mit. Die einen lieben sie, die anderen würden am liebsten regelmäßig den Klapperstorch mit Steinen bewerfen. Im übertragenen Sinne natürlich. Obwohl - klar, wo die Kinder herkommen, ist hinreichend erklärt und jedem bekannt, aber es gibt in Köln, was das Kinderkriegen betrifft, einen ganz besonderen Ort, von dem ich euch erzählen möchte, nämlich den Kunibertspütz.
Aber was hat es nun damit auf sich?
Wir wissen ja...in Köln ist so einiges anders... Und entgegen den Erzählungen, der Storch würde die Kinder bringen, ist selbst das hier anders. Hier kommen diese nämlich nicht von oben per Luftfracht, sondern von unten. Um genau zu sein, aus 17 Metern Tiefe. Der Legende nach spielen die ungeborenen Kinder dort im Brunnen (Kunibertspütz) schon monatelang mit der Mutter Gottes. Dort ist es wunderschön... nicht dunkel oder feucht, wie ein Brunnen nun vermuten lassen würde. Die Kinder werden gefüttert und umsorgt, bis ihre Mütter, also die zukünftigen, zu eben diesem Brunnen kommen und sie "abholen". Auch unfruchtbare Frauen haben hier, nach dem Genuss eines Bechers des Brunnenwassers in einer Vollmondnacht, bald Nachwuchs zu erwarten. Paaren, die bislang kinderlos geblieben sind, wird noch heute von wissenden Kölnern geraten, einmal im Kunibertspütz nachzusehen.
Wo aber finden wir diesen sagenumwobenen Ort? In der Krypta von St. Kunibert, unter dem Chorraum (in diesem, vor dem Hochaltar findet sich übrigens eine Schieferplatte mit der Darstellung des Kindersegens).
Diese Kirche ist die jüngste der 12 großen romanischen Kirchen in Köln. Vollendet wurde sie 1247, im Jahr vor der Grundsteinlegung unseres Domes. Jung ist also hier relativ zu verstehen, es ist schlicht die zuletzt gebaute nach St. Aposteln und St. Gereon.
Die Legende vom Kunibertspütz aber geht laut Historikern auf eine viel frühere Zeit, als die der Geschichte von St. Kunibert zurück. Es wird davon ausgegangen, dass der Vorgängerbau der heutigen Kirche dem heiligen Clemens (1. Jahrhundert n. Chr.) gewidmet war, der als Schutzpatron der Seeleute und gegen Wassergefahren gilt und eben aus diesem Grund über dem Brunnen mit dem besonderen, kindersegenbringenden Wasser errichtet wurde.
Wann mit dem Bau der heutigen Basilika begonnen wurde, weiß man nicht genau. Die Anfänge reichen bis ins 7. Jahrhundert, als der Kölner Bischof Kunibert eine Grabkapelle über einem Brunnen errichten ließ, welche dem Papst Clemens geweiht war. In der Geschichte wird im 9. Jahrhundert erstmals ein Stift erwähnt, welches den Namen des heiligen Kuniberts trug.
Erzbischof Theoderich von Trier, ehemaliger Propst dieses Stifts, legte dann den Grundstein. Die ersten Reliquien wurden 1222 im fertiggestellten Chor untergebracht und nach der Vollendung 1247 wurde St. Kunibert geweiht.
Aber auch diese Kirche wurde, wie viele andere auch, nicht von Katastrophen verschont. Das Jahrtausendhochwasser im Februar 1784 richtete große Schäden an, der Einsturz des Westturms folgte am 28. April 1830, wobei große Teile der Kirche zerstört wurden und dann wurde 1945 im 2. Weltkrieg wieder alles vernichtet. Erst seit 1992 sieht St. Kunibert wieder aus, wie ursprünglich erbaut.
Ihr seht, Köln ist voller Legenden, Geschichten und Geheimnissen.
Und wie beim Kunibertspütz auch: es lohnt sich, etwas tiefer zu schauen. Aber Vorsicht beim Brunnen...ihr wisst ja...
Bis bald
eure RamonaEn savoir plus
Museumsstellwerk Dünnwald
15 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 19 °C
Im rechtsrheinischen Köln Dünnwald gibt es viel zu sehen. Der Hornpott, den ich erst kürzlich beschrieben habe, ist nur eine der vielen Sehenswürdigkeiten Dünnwalds.
Heute widme ich mich einer weiteren, nämlich dem Stellwerk Df auf der Rönsahler Straße. Eine sehr gut erhaltene alte Bahnanlage, in der ein Museumsstellwerk errichtet wurde und dies von sehr jungen Leuten, die sich intensiv mit der Materie Bahn auseinandersetzen. So sorgt auf Nachfrage ein junges Team für eine Führung durch das Stellwerk. Nähere Infos gibt es auf der Homepage des Museumsstellwerks Dünnwald.
Erbaut wurde das Stellwerk 1929. Es liegt an der Güterzugstrecke Deutz, Düsseldorf, Duisburg. Bis 1970 war es ein mechanisch betriebenes Stellwerk. Dann errichtete man fortschrittlich eine Drucktasten-Relaisstellwerk- anlage, die bis 2010 betrieben wurde. In dem Jahr wurde das Stellwerk stillgelegt und konnte bereits 2011 zum Museum umfunktioniert werden, indem man einen ambitionierten Stellwerksverein gründete. Besonderheit ist u. a. die elektronische Stellwerksanlage, die aus Essen Kupferdreh stammt. Diese ist neben der Drucktastenanlage aus Dünnwald als 2. Anlage aufgebaut. Sogar ein Fahrsimulator ist vorhanden. Ein Museum zum Anfassen, in dem auch Techniker geschult wurden. Man hat die Möglichkeit, den Bahnbetrieb selbsttätig zu realisieren. Dort bekommen Eisenbahnfreunde die Gelegenheit, selber einmal Fahrdienstleiter zu sein.
Nur der Termin sollte gefunden werden, da viele der jungen Leute des Vereins studieren oder arbeiten.
Einmal drin, knarren die hölzernen Treppenstufen wie früher. Eine andere, fremde Welt, tut sich auf. Für Bahnfreunde ein Paradies.
Als ich dort war, waren rundherum Arbeiten der Strabag. Dadurch hatte man ein wenig den Eindruck, da geht nichts mehr. Doch die sehr schön aufgebaute Homepage des Vereins teilt mit, man soll über das Kontaktformular oder die Telefonnummer des Vereins eine Anfrage stellen. Also auf jeden Fall machen.
Für mich war es ein weiterer interessanter Kölschgänger-Tag durch das rechtsrheinische Dünnwald.
Nach Hornpott und Stellwerk wird noch einiges aus diesem Ort folgen, denn er ist "reich" an Sehenswürdigkeiten.
Euch einen schönen Sonntag und lasst uns teilhaben an euren Erfahrungen mit unseren Kölschgängen.
Eure ElisabethEn savoir plus
Hermann Gryn
14 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 18 °C
Wer kennt sie nicht, die Leute zu denen man höflich und freundlich ist, die einen aber ankotzen? Die feine Diplomatie ist ja keine ureigene kölsche Eigenschaft. Wir rühmen uns eher dafür, zu sagen, was wir denken. Das ist vielleicht nicht immer die beste Tugend, aber was dem Hermann Gryn passiert ist, wäre uns damit nicht passiert.
1262 ist der Rat der Stadt Köln durch Patrizierfamilien besetzt und Hermann Gryn ist ihr Bürgermeister. Erzbischof von Köln ist seit 1261 Engelbert II. von Falkenburg. Und wenn ihr meint, Don Camillo und Peppone seien unterhaltsam, dann hört Euch das an:
Engelbert II. geht gegen die Patrizier vor, um seine eigene Macht zu festigen. Im Verlauf des Jahres 1262 bricht der Konflikt noch offen aus, aber vorher begegnet man sich mit distanzierter Höflichkeit.
Die Sage erzählt, dass Engelbert in einem Hof des Domklosters, der von hohen Mauern umgeben ist, einen Löwen hält. Im Jahre 1262 ist dieses Tier eine Sensation. Jeder, der irgendwie kann, möchte diese Bestie sehen, die mit ihren Fängen das Fleisch von Männern spielend vom Knochen reißt und diese zermalmt, wie wir Hühnerknochen brechen.
Zwei Pfaffen denken sich, das sei die Gelegenheit, unseren Bürgermeister, Hermann Gryn, elegant los zu werden. Neugierig auf dieses Untier ist er selbstverständlich auch, keine Frage. So laden sie ihn zum gemeinsamen Abendessen ins Domkloster und Hermann Gryn nimmt an.
Als die drei speisen, brüllte der Löwe bereits laut in seinem Hof. Kein Wunder, hat er doch seit Tagen nichts in zu fressen bekommen. Gryn platzt bald vor Neugierde und fragt, ob er das Untier denn auch betrachten dürfe. Natürlich. Die beiden Pfaffen geleiten ihn zu einer Tür mit schweren Eisenbeschlägen und mächtigen Riegeln. Ganz wohl ist dem Bürgermeister nicht, als der eine die Riegel löst und die Tür aufzieht. Zurecht, denn als sich die Tür öffnet, schmeißt sich der zweite Pfaffe mit Schwung gegen seinen Rücken, so dass Gryn in den Hof stolpert. – Rums! Die Tür ist zu!
So sieht er den zähnebleckenden, zum Sprung bereiten Löwen aus nächster Nähe. Näher als ihm lieb ist und er weiß, er hat nur eine Chance. Schnell nimmt er seinen Mantel und wickelt ihn um die Linke. Als Hermann Gryn sein Kurzschwert zieht, springt ihn der Löwe bereits an un verbeißt sich im Mantel. Vermutlich setzt Hermann jetzt den einen wichtigen Stich, der das Tier so schwächt, dass er den folgenden, kurzen aber heftigen Kampf für sich entscheidet. Hermann Gryn ist schwer verletzt, der Löwe aber tot. So wie die beiden Pfaffen, die am nächsten Tag an dem Querbalken der Pfaffenpforte baumeln.
Und genau diese Sage ist an unserem Rathaus abgebildet. Direkt vorne an der Rathauslaube. Gibt es eine schönere Sage, die die Wehrhaftigkeit des Rates beschreibt?
Ich werde sie weiter so erzählen, weil sie so schön spannend ist. Aber ob sie sich im Jahr 1262 so zugetragen hat? In einer Chronik findet sich der Name „Hermannus Greyn“, der zu dieser Zeit Bürgermeister war. Und dazu muss man wissen, dass Engelbert II. von Falkenburg einen Löwen in seinem Wappen führte. Er hatte zu dieser Zeit den nördlichen Kunibertsturm und den südlichen Bayenturm zu Zwingburgen ausgebaut und mit seinen Truppen besetzt.
Am 8. Juni 1262 vereinen sich Patrizier und Bürger und nehmen die Türme ein, werfen die ungeliebte Besetzung aus der Stadt und Engelbert II. muss sich ihrem Willen beugen.
Haben wir nicht seit Jahrhunderten tolle Ideen, kölsche Geschichte lebendig zu halten?
Michael
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Wä kennt se nit, die Lück för die mer höflich un fründlich es, die eine ävver aankotze? De fing Diplomatie es jo kein ureige kölsche Eigeaat. Mer rühme uns ihter doför, dat mer uns Hätz op der Zung drage. Dat es vielleich nit de beste Tugend, ävver wat dem Manes Gryn passeet es, dat wör uns domet nit passeet.
1262 es der Rod vun der Stadt Kölle durch Patrizierfamillie besetz un der Manes Gryn es ehre Bürgermeister. Ääzbischoff vun Kölle es zick 1261 der Engelbäät II. vun Falkeburg. Un wann Ehr meint, der Don Camillo un der Peppone hätte för god Ungerhaldung gesorg, dann hürt Üch dat aan:
Der Engelbäät II. geiht gäge de Patrizier vür, öm singe Maach ze festige. Em Verlauf vum Johr 1262 brich der Strigg noch offe us, ävver vürher deit mer sech met distanzeeter Höflichkeit begähne.
Die Sag verzällt, dat der Engelbäät en enem Hoff vum Domkluster, der von huh Muure ömgevve es, ene Löw häld. Em Johr 1262 es dat Dierche en Sensation. Jeder, dä irgendwie kann, mööch dat Bies sinn, dat met singe Fäng et Fleisch vun Kääls em Rüppche vum Knoche rieß un die zermalmp, wie mir Höhnerknoche breche.
Zwei Paafe denke sich, dat sei die Gelägeheit, unse Bürgermeister, der Manes Gryn, elegant loss ze weede. Neugeerig op dat Undier es hä selverständlich och, kei Frog. Esu lade se en för e gemeinsam Ovendesse nohm Domkluster en un Manes Gryn nimmp aan.
Wie die drei am Esse sin, bröllt dä Löw ald laut en singem Hoff. Kei Wunder, hät hä doch zick Dage nix ze fresse kräge. Der Gryn platz baal för Neugier un frög, ov hä dat Undier dann och beluure dörf. Natörlich. De beidse Paafe bränge en noh ener Pooz met schwere Ieserbeschläg un mächtige Rämmele. Ganz wall es dem Bürgermeister nit, wie der ein de Rämmele lüs un de Pooz optrick. Zorääch, dann wie die Pooz opgeiht, schmieß sich dä zweite Paaf met Schmackes gäge singe Rögge, su dat der Gryn en dä Hoff stolpert. – Paaf! De Pooz es zo!
Esu süht he dä Löw, dä de Zäng bleck un för de Sprung parat es, us nöchster Nöh. Nöher, wie im leev es un hä weiß, dat he nor ein Chance hät. Flöck nimmp hä singe Üvverworf un weckelt in öm de linke Hand. Wie der Hermann Gryn sing koot Schwäät trick, springk in der Löw ald aan un verbieß sich em Mantel. Wie et ussüht, setz der Hermann jetz dä eine wichtige Stech, dä dat Dier esu schwäch, dat hä dä koote ävver rösige Kamf, dä jetz folg, gewennt. Der Hermann Gryn deit sich ärg wih, der Löw ävver es dud. Esu wie die zwei Pasture, die am nächste Dag am Querbalke vum Paafepöözche baumele.
Un präzis die Sag es an unems Rodhuus avgebeldt. Tirek vürre an der Rodhuuslaub. Gitt et en schönere Sag, die de Wehrhaftigkeit von unsem Rod beschriev?
Ich weede se wigger esu verzälle, weil se su schön spannend es. Ävver ov se sich em Johr 1262 su zogedrage hät? En ener Chronik fingk sich dä Name „Hermanus Greyn“, der för dä Zigg Bürgermeister wor. Un dobei muss mer wisse, dat Engelbäät II. vun Falkeburg ene Löw en singem Wappe foht. Hä hatt zo dä Zigg dä nördliche Kunibäätsturm un dä südliche Bayeturm zo Zwingburge usgebaut un met singe Truppe besatz.
Am 8. Juni 1262 dun sich de Patrizier un de Bürger zosamme, nemme de Türm en, werfe de verhasste Besatzer us der Stadt un der Engelbäät II. mus sich ehrem Welle beuge.
Han mer nit zick Johrhunderte dolle Enfälle, kölsche Geschichte am Levve ze halde?
MechelEn savoir plus
Die Mülheimia
12 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 19 °C
Die Mülheimia - stolze Wächterin über Mülheim
Einst war sie die Wächterin ihrer Stadt, lange her, längst gehört Mülheim zu Köln. Und es hat sich wohl viel verändert seitdem. Als ich am Wiener Platz aus der Bahn steige und auf eben diesen Platz komme, ist für mich erstmal nicht viel Hübsches zu entdecken, laut, geschäftig, teils auch etwas schmuddelig ist es hier. Einer von vielen Plätzen in Köln, die keinerlei Ausstrahlung auf mich ausüben. Aber dies ist meine Meinung. Veedelsbewohner mögen das anders sehen, und das ist auch gut so.
Ich will heute aber ein wenig „altes“ Mülheim schnuppern. Ich werde mir einen Brunnen anschauen, wie schon so oft, aber heute freue ich mich ganz besonders darauf. Denn dieser Brunnen soll nicht nur hübsch sein, nein, er hat auch eine lange Geschichte. Und sowas liebe ich ja, die alten Geschichten unserer Stadt.
Also, auf geht’s. Ich bewege mich weg vom Lärm des „modernen“ Mülheims, gehe in Richtung Rhein. Schon nach kurzer Zeit wird es deutlich ruhiger, ich nähere mich dem ursprünglichen Mülheim. Die Straßen werden schmaler, alles wird etwas enger, je näher ich dem Rhein komme. Hier ist es auch beschaulicher und es gefällt mir hier gut. Dann biege ich rechts ab und auf einmal sehe ich sie, die Mülheimia. An der Mülheimer Freiheit steht sie und schaut auf ihr Mülheim herab, und das bereits seit 1884, denn in dem Jahr wurde sie geschaffen. Aus Sandstein.
Lange vor dem Bau des Brunnens war Mülheim nach dem schlimmsten Rheinhochwasser im Jahre 1784 fast komplett ausgelöscht worden. Aber die Bewohner bauten es wieder auf und binnen eines Jahrhunderts war Mülheim wieder ein florierender Handelsstandort, wie auch das auf der anderen Rheinseite liegende Köln. Und eben genau einhundert Jahre nach der schlimmen Katastrophe kam der Mülheimer Bernhard Clostermann, übrigens der letzte Bürgermeister der Stadt Mülheim am Rhein, auf die Idee, einen Stadtbrunnen bauen zu lassen. Die Menschen waren begeistert von der Idee und so wurde der Bildhauer Wilhelm Albermann mit der Planung des Brunnens beauftragt. Übrigens stammt auch der ebenfalls 1884 geschaffene Jan-van-Werth Brunnen von ihm.
Ich stelle mich in den Schatten eines Hauses und betrachte den Brunnen eine ganze Weile. Hübsch ist er, würdevoll, überraschend groß, etwa 10 Meter hoch. Mülheimia, das hört sich schon so erhaben und prachtvoll an. Er gefällt mir sofort, ja, er begeistert mich, genau die Art von Brunnen, die ich so mag. Und hier plätschert sogar Wasser, erlebe ich auch noch lange nicht bei jedem Brunnen. Aber schauen wir ihn doch einmal genauer an.
Unten wurde ein dreipassförmiges Becken angelegt. In der Mitte erhebt sich der recht schlank gehaltene Brunnenstock. Um den Brunnenstock sind drei halbrunde Schalen angelegt, die auf verzierten Säulen platziert sind. Aber zurück zur Hauptsäule, da gibt es nämlich einiges zu bewundern. So sehen wir mittig drei Jungen, in mittelalterliche Gewänder gekleidet, aber da stehen nicht nur einfach drei Burschen, sondern diese Figuren sagen etwas aus. Sie stellen die zur damaligen Zeit wichtigsten Erwerbsquellen der Stadt Mülheim dar, denn zur Zeit der Entstehung dieses Brunnens war Mülheim noch eine freie Stadt.
Wir sehen eine Sense und Korn, dies steht für die Landwirtschaft, beim zweiten Burschen entdecken wir Zahnrad und Kabelrolle für die Industrie und der dritte zeigt ein Paket und ein Buch und steht damit für den Handel. All das war damals sehr wichtig für die Stadt und damit für das Überleben der Mülheimer.
Über den Figuren sehen wir drei Muscheln, und darauf einen Sockel, der dann die Hauptfigur des Brunnens, die Stadtgöttin in ganzer Pracht trägt. Es gibt an diesem Brunnen so viele hübsche Details und funktionierende Wasserspeier zu entdecken, ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Nehmt euch die Zeit und schaut euch diesen herrlichen Brunnen selbst an. Es lohnt sich absolut.
Mülheimia, stolz steht sie da, ebenfalls in mittelalterliches Gewand gehüllt, in der linken Hand ein Schild mit dem Mülheimer Wappen. Auf dem Kopf trägt sie eine Krone. Sie verkörpert den Stolz der Stadt Mülheim. Sie ist die Stadtbeschützerin wie auch am Schild bereits gezeigt wird. Die rechte Hand der Mülheimia ist beruhigend oder segnend, je nach eigener Empfindung herausgestellt.
Als ich weiter in Richtung Rhein hinunter gehe, drehe ich mich noch einmal um.
Die Mülheimia wacht über Mülheim, sie hat alles überstanden, Krieg, viele weitere, wenn auch nicht mehr so furchtbare Hochwasser, die Eingemeindung zu Köln und Autofahrer, die hier direkt vor dem Brunnen nicht die Kurve kriegen und „nähere Bekanntschaft“ mit der Mülheimer Stadtgöttin machten.
Mülheimia, für mich bist du einer der schönsten Brunnen in unserer Stadt.
Habt eine gute Zeit und viel Spaß beim Entdecken der vielen kleinen und großen Dinge, die unsere Stadt zu bieten hat.
Euer RonaldEn savoir plus
Der Erzbischof in der Tiefgarage
10 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 16 °C
Zumindest würde Anno sich in einer solchen befinden, hätte seine Flucht aus einem Loch in der Stadtmauer fast tausend Jahre später stattgefunden...denn dort, wo früher freies Land war, befindet sich heute die Tiefgarage unter der Domplatte des Kölner Domes. Aber nicht nur die. Auch eben genannte Stadtmauer mit dem sogenannten "Annoloch" befindet sich ebenfalls dort. Oder vielmehr das, was an dieser Stelle davon übrig ist.
Ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man die Treppe des Parkhauses (beim U-Bahn-Abgang) hinunter geht und auf der einen Seite die Reste dieser römischen Stadtmauer vorfindet und auf der anderen Seite die modernen Fahrzeuge. Ich wage mal zu behaupten: sowas gibts auch nur in Köln. Aber diese Stadt ist an Kuriositäten ohnehin kaum zu übertreffen.
Ich bin aber nicht wegen der Autos hier, sondern um ein "Spektakulum" vergangener Zeit auf mich wirken zu lassen. Denn durch dieses Loch in der Mauer flüchtete damals Erzbischof Anno, dessen Geschichte ich euch heute erzählen möchte...
Anno II. von Köln, weitere Namen Hanno von Köln, oder Hanno II. und vermutlich gibt es noch einige weitere, wurde um das Jahr 1010 in Schwaben geboren und stammte aus einer Familie mit eher niederem Adelsstand. Etwas werden konnte er also nur über eine kirchliche "Karriere". Am Bamberger Dom besuchte er sodann die Domschule, an der er später selbst auch unterrichtete. Nachdem ihn Heinrich III. als Kaplan an den kaiserlichen Hof geholt hatte und ihn um 1054 zum Dompropst von Goslar ernannte, wurde er ebenfalls durch Heinrich III. zum Erzbischof von Köln.
Vom Wesen her wird er als diszipliniert und beherrscht in seinem Denken und Handeln beschrieben, des Weiteren allerdings auch als oft skrupellos. Dazu später mehr...
Veränderungen innerhalb der katholischen Kirche gegenüber war er zwar offen, aber viel wichtiger war es ihm, der Kölner Diözese zu mehr Reichtum zu verhelfen.
Insgesamt war Anno den Kölnern nicht sehr sympathisch, denn obwohl er auch Gutes tat, wie zum Beispiel den Bau der Kirche Maria ad Gradus oder mehrerer Klöster und Stifte, so war er auf der Gegenseite ein Mann, der von Macht besessen war. So vereinnahmte er den Siegberg (neuzeitlich Siegburg) und entmachtete die rheinische Pfalzgrafenfamilie. Und bei Kaiserswerth lockte er den 11-jährigen König Heinrich, auf ein Schiff und entführte ihn. Dieser versuchte zwar, sich mit einem Sprung über Bord zu retten, aber vergebens, er wurde aus dem Wasser gezogen und wieder auf das Schiff gebracht. So konnte Anno im Namen des kindlichen Königs zusammen mit einigen anderen Fürsten die Herrschaft im Reich ausüben.
Was er noch alles von Amts wegen gutes oder schlechtes getan hat, lässt sich hier gar nicht alles aufzählen. Den größten Fauxpas aber leistete er sich im Jahre 1074, welcher die Kölner völlig erbost in einen Aufstand gegen ihn trieb. Der Erzbischof ließ nämlich an jenem Abend das Schiff eines Kaufmanns beschlagnahmen, um seinem Gast, Friedrich I., Bischof von Münster, eine Gelegenheit zur Heimfahrt zu beschaffen. Der Kaufmann jedoch ließ sich das nicht gefallen und widersetzte sich. Innerhalb kürzester Zeit war die ganze Stadt in Aufruhr und wollte dem ungeliebten Erzbischof, den die Bewohner der Stadt aufgrund verschiedener Dinge, wie zu hohe Steuern oder seiner Strenge und Rücksichtslosigkeit, sowieso schon ablehnten, an den Kragen.
Anno flüchtete mit seinen Männern vor der Meute und schaffte es schließlich, durch die, heute Annoloch genannte, Lücke in der Stadtmauer aus der Stadt zu entkommen. Trotz seiner Flucht vermochte es der Erzbischof, bewaffnete Untergebene um sich zu versammeln und nur vier Tage später kehrte er zurück, um Köln zu belagern. Aufgrund der drohenden Gewalt ergaben sich die Aufrührer und öffneten Anno die Stadttore...die Strafen, die der Erzbischof erließ, waren teilweise sehr brutal, zumindest für die, die sich weigerten, Buße zu tun.
Am 4. Dezember 1075 starb Anno in Siegburg. Drei Tage lang wurde sein Leichnam in einer Prozession in alle Klöster und Stiftskirchen in Köln gebracht und aufgebahrt. In Siegburg schließlich wurde er beigesetzt.
Als Erzbischof Anno im Jahre 1183 heiliggesprochen wurde, grub man seine Gebeine aus und bestattete sie in einem Schrein, der, so vermutet man zumindest, ebenso wie der Schrein der Heiligen drei Könige, von Nikolaus von Verdun erschaffen wurde. Bis 2016 stand der Anno-Schrein in einer Seitenkapelle der Siegburger Abtei, bevor diese aufgelöst wurde. Seitdem befindet er sich in der Schatzkammer der nahegelegenen Kirche St. Servatius.
Wenn ihr das nächste Mal in die Tiefgarage unter der Domplatte kommt, verweilt doch mal für einen Augenblick beim Annoloch...und lasst euch in die Zeit von vor fast eintausend Jahren entführen...
Bis bald, eure RamonaEn savoir plus
Der Grenzstein
8 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 16 °C
Schnurgeradeaus Richtung Westhoven wollte ich fahren, doch etwas zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein Schild, welches ich nun schon öfter flüchtig wahrgenommen hatte. Kurzentschlossen bog ich ab und das "Abenteuer Kölschgang" konnte beginnen.
In Poll gibt es für Sportler nämlich eine Adresse, wo man vielerlei Sportarten betreiben kann. So findet man am Poller Weg den Sportspark Cologne, mit Outdoor und Indoor Bereichen. Ob Beach Volleyball, Tennis oder Hallenfußball, oder einfach gemütlich ein Bier trinken und Sky schauen, in Poll geht das.
Doch damit nicht genug, es befindet sich dort auch das Poller Heimatmuseum, dessen knapp 700 Fotos u Schriften, auf Schautafeln in zwei Hallen verteilt sind. Gegründet wurde es von Hans Burgwinkel aus Poll. Im Jahr 2015 stellte er seine Schautafeln dort auf. Der Inhaber des Sportspark Cologne, Savas Berktas, ermöglicht ihm dies.
Ich hab mir die Tafeln angeschaut, der Eintritt ist gratis und ich fand sehr interessante Beschreibungen über historische Begebenheiten aus Poll. So richtig was für uns Kölschgänger.
Ein wenig vermisste ich allerdings echte Exponate. Doch draußen vor den Toren des Sportparks Cologne, wurde ich dank des Grenzsteins entschädigt für den Lesewillen, den man bei den vielen Tafeln braucht.
Der Grenzstein ist einer der Steine, die die Stadt Porz an ihren Stadtgrenzen stehen hatte, als sie noch nicht zu Köln gehörte. Der Stein vom Sportspark wurde vor einigen Jahren von seinem Ursprungsstandort, der Kölner Straße, an den Poller Weg 1 versetzt.
So sieht man ihn imposant, direkt neben dem Schaukasten des Poller Heimatmuseums stehen. Es wird einem an dieser Stelle bewusst, daß Porz ja von 1951 bis 1975 Stadtrechte besaß. Am 1.Januar 75 wurde es dann durch Eingemeindung zum größten Stadtteil Kölns. Der alte Grenzstein zeugt von der Zeit als Stadt Porz.
Für mich war der Besuch des Sportparks Cologne gleich auf 3 Arten spannend, denn mich interessieren viele Dinge.
Sport - Museum. - Grenzstein
Ein rundum gelungener Kölschgang. Der mit leckeren Hamburgern und Pommes abgerundet wurde. Ein wenig ließ ich noch all das Gesehene und Gelesene auf mich nachwirken. Gut, dass ich mal abgebogen bin, vom geraden Weg, denn Kleinode liegen oft ein wenig versteckt.
Habt einen schönen Sonntag, genießt die Fotos und bis nächste Woche.
Eure ElisabethEn savoir plus
Oberländer Brot
7 septembre 2019, Allemagne ⋅ 🌧 15 °C
Das Oberländer-Brot – eine kleine Geschichte einer Migration
Das Oberländer-Brot kennen alle. Mir fällte keine Bäckerei in Köln ein, die es nicht im Regal hat. Euch? Heute schreibe einfach mal darüber, weil ich mal wieder einen kleinen Laib gekauft habe.
Mich hat das Oberländer schon das ganze Leben begleitet. Zuerst habe ich es häufig mit zur Schule als Pausenbrot bekommen. Später war einer meiner ersten Jobs der als Fahrer für die „Stadtbäckerei Otten“. Vormittags Brötchen, Teilchen und Brot in die Filialen liefern, das war meine Arbeit. Die Bäckerei gibt es nicht mehr, sie wurde in der Phase des schnellen Wachstums von Kamps übernommen.
Eine Erinnerung an diese Zeit, ist das Bild der Wand aus Brotkörben, die mich samstags am frühen Morgen gegen 4.00 Uhr empfing. Diese unglaublichen Mengen Brot, mit denen ich die Filialen von Mülheim oder am Wupperplatz beliefert habe, aber auch das Einkaufszentrum in Chorweiler oder auf der Marzellenstraße. Das Oberländer war mit großem Abstand am stärksten vertreten, überall.
Was mich betrifft, kann man auch sagen, dass das Oberländer ein Brot für alle Fälle ist. Wurst und Käse schmecken darauf genauso wie Honig oder Marmelade. Eintopf, Gulaschsuppe, strammer Max oder Salat gehen immer mit dem Brot.
Aber wie kamen wir zu ihm? Es heißt ja nicht „Kölner Brot“.
Das Oberländer kommt 1829 nach Köln. Das ist die frühe Zeit der preußischen Herrschaft. Köln ist zur der Zeit noch recht klein. Von den lange Zeit um die 40.000 Einwohnern, wächst es seit ungefähr 1810 bis 1830 auf 65.000 Einwohner an. Köln ist kurz vor dem Sprung zu einer großen Industriestadt.
Es ist eng – auch zu dieser Zeit. Die Arbeit ist das, was man Ausbeutung nennt. Die Löhne am Existenzminimum, Kinderarbeit die Regel - Kinderarbeit für Kinder ab vier Jahren, wohlgemerkt. Die Arbeitszeiten genauso lang wie die der Erwachsen, die im Extrem an die 17 Stunden heranreichen. Gut, die Pausen für Kinder waren länger – sie wurden für die Schule genutzt. Dafür war der Lohn auch halb so hoch. Aber was will man machen, wenn der Vater allein es nicht schafft, das Brot für die ganze Familie zu verdienen?
Diese Zustände gefallen dem preußischen Staat nicht. Dieser braucht kräftige Soldaten, die gesund sind. Eine Maßnahme des Jahres 1829 ist daher, den Brotpreis in Köln vorzuschreiben. Selbstverständlich gefällt das den Bäckern nicht. Sie brauchen einen höheren Preis - und streiken. Der Stadtrat ist aber pfiffig. Er muss sich ja überlegen, wie er mit dem teuren Brot, das er jetzt gegen gar kein Brot getauscht hat, die Bäuche voll bekommt und guckt ins Umland.
Fündig wird er in der Gegend um Neuwied, Andernach und Koblenz, eben dem Rheinischen Oberland. Zwar stellen die nicht das gewohnte Weizenbrot her, weil durch die Witterung die Bedingungen für den Anbau von Weizen nicht so gut sind. Aber sie mischen eben einen hohen Roggenanteil bei. Dieses Mischbrot hat eine harte Kruste und durch eine dünne Tinktur aus Stärke und Wasser glänzt es schick. Das beste aber ist, dass es dadurch nicht so schnell austrocknet und deswegen auch gut transportiert werden kann.
So legen im Jahr 1829 aus dem Oberland Schiffe mit diesem neuen Brot an. Es ist von Anfang an ein voller Erfolg, billig und die Kölner schmeckt es ungemein gut. Der Streik der Bäcker verpufft so erfolglos. Sie backen lieber dieses Brot, das so begeistert aufgenommen wird, nach. Und sie tun es bis heute. Sie backen unser täglich Brot, das Oberländer. Guckt mal in die Regale.
Michael
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Et Oberländer-Brud – e klei Kreppche vun ener Migration
Et Oberländer-Brud kenne mer all. Mer fällt kei Backes en Kölle en, dat et nit em Regal hät. Üch? Hügg schrieve ich einfach ens dodrüvver, weil ich ens widder e Brud gekauf han.
Et Oberländer es met mir ald durch et ganze Levve gegange. Zoeesch han ich et alle naslang met en de Schull kräge. Hingerdren wor ei vun minge eeschte Pösscher dat vun enem Fahrer för de „Stadtbäckerei Otten“. Vörmeddags Brüdcher, Deilcher un Brud en de Filiale livvere, dat wor ming Arbeid. Dat Backes gitt et nit mih, et woodt en dä Zigg, wo der Kamps flöck expandeere dät, vun im üvvernomme.
Ich han noch dat Beld vun dä Wand voll Brudkörv vör Auge, die mich samsdags am fröhe Morge gäge 4.00 Uhr emfing. Su unwahrscheinlich vill Brud, met däm ich de Filiale vun Müllem ov am Wupperplatz belivvert han, ävver och et Enkaufszentrum en Chorwieler ov et Backes op der Marzellestroß. Et Oberländer wor met großem Avstand am stärkste vertrodde, üvverall.
Wat mich aangeiht, kann mer och sage, dat et Oberländer e Brud för jede Gelägeheit es. Woosch un Kis schmecke dodrop genausu wie Hunnig ov Marmelad. Deftige Zupp, Gulaschzupp, stramme Max ov Schlot gonn immer met däm Brud.
Ävver wie kome mer drann? Et heiß jo nit „Kölsch Brud“.
Et Oberländer kütt 1829 noh Kölle. Et es de fröhe Zigg vun der preußische Herrschaff. Kölle es zö dä Zigg noch rääch klein. Vun dä lange Zigg öm de 40.000 Minsche, wähß et zick ungefähr 1810 bes 1830 op 65.000 Minsche aan. Kölle es koot dovör en große Industriestadt zo weede.
Et es eng – och zo dä Zigg. De Arbeid es dat, wat mer Usbeutung nennt. De Lühn recke grad för et Brudnüdige, Kinderarbeid de Regel – Kinderarbeid för Pänz av veer Johr, wohlgemerk. De Arbeidszigge genausu lang wie die vun de Große, die bes an de 17 Stunde eraanrecke. God, de Pause för Pänz wore länger – se woodte för de Schull genotz. Doför wor der Luhn och halv esu huh. Ävver wat well mer maache, wann der Papp et nit schaff, et Brud för de ganze Famillich ze verdeene?
Die Zoständ gefalle dem preußische Staat nit. Dä bruch kräftige Zaldate, die gesund sin. Eine Maßnahme usem Johr 1829 es et dröm, der Brudpries en Kölle vürzeschrieve. Selvsverständlich gefällt dat de Bäcker nit. Se bruche ene hühere Pries – un streike. Der Stadtrod es ävver op Zack. Hä muss sich jo üvverläge, wie hä met däm düüre Brud, dat hä jetz gäge gar kei Brud getuusch hät, de Büch voll kritt un luurt en et Ömland.
Finge deit hä jet en der Gägend öm Neuwied, Andernach un Kovvelenz, evvens dem Rheinische Oberland. Zwor stelle die nit et gewennte Weizebrud her, weil et Wetter do kein gode Bedingunge för der Aanbau vun Weize schaff. Ävver se mische evvens ene huhe Aandeil Rogge bei. Dat Mischbrud hät en hadde Koosch un durch en dönn Tinktur us Stärk un Wasser blänk et aadig. Et beste ävver es, dat et dodurch nit esu flöck drüg es un deswäge och god transporteet weede kann.
Su läge em Johr 1829 usem Oberland Scheff met däm neue Brud aan. Et es vun Aanfang an ene volle Erfolg, bellig un de Kölsche schmeck et ärg god. Dä Streik vun de Bäcker verpuff esu ohne Erfolg. Se backe leever dat Brud, dat esu begeistert opgenomme weed, noh. Un se dun et bes hügg. Se backe uns däglich Brud, et Oberländer. Luurt ens en de Regale.
MechelEn savoir plus
Kardinal Frings
5 septembre 2019, Allemagne ⋅ ⛅ 16 °C
Kardinal Frings - Der rheinische Kardinal
Es gibt ja Beiträge, die machen richtig viel Arbeit, man tut sich schwer mit dem Thema und irgendwie bleibt die ganze Zeit das Gefühl, der Beitrag wird irgendwie nicht "rund", wie wir immer sagen. Und dann gibt es Themen, da läuft es wie von selbst, man ist sofort im Thema und das einzige Problem ist die Länge des Beitrages, denn man könnte schreiben, schreiben, schreiben...
Dies ist so ein Beitrag, der mir selbst unwahrscheinlich viel Freude gemacht hat, die Recherchearbeit war ein einziges Vergnügen und nach der Fertigstellung des Beitrages konnte ich mich gar nicht mehr von diesem Thema lösen. Er hatte mich längst in den Bann gezogen, der Frings. Und vielleicht geht es euch ja auch so.
Josef Frings empfing am 10. August 1910 in Köln durch Weihbischof Joseph Müller das Sakrament der Priesterweihe. Er war zunächst bis 1913 als Kaplan in Köln-Zollstock tätig. Von 1915 bis 1922 war er Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien in Köln-Fühlingen und von 1924 bis 1937 Pfarrer an St. Joseph in Köln-Braunsfeld.
Das Amt des Erzbischofs von Köln, in das er am 1. Mai 1942 überraschend berufen wurde, bekleidete Josef Frings von 1942 bis 1969. Sein Wappenspruch lautete: Pro hominibus constitutus (lat.: „Für die Menschen bestellt“).
1958 war er Initiator und Mitbegründer des Hilfswerks Misereor. Auch das Hilfswerk Adveniat geht 1961 auf seine öffentliche Anregung zurück.
Im Jahre 1967 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt.
Berühmt wurde Kardinal Frings durch seine Silvesterpredigt, die er am 31.12.1946 in der Kirche St. Engelbert in Köln - Riehl hielt. Zu dieser Zeit war die Versorgungslage in der Domstadt katastrophal und die durchfahrenden Kohlenzüge wurden regelmäßig geplündert. In seiner Predigt sagte er folgenden Satz, der in die Geschichte eingehen sollte:
„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“
Damit war für das "Beschaffen" von Lebensmitteln und Heizmitteln für den Eigenbedarf in größter Not durch Stehlen oder Unterschlagen ein Wort geboren, das man hier im Rheinland bis heute kennt, das
"fringsen".
Die große Popularität des stets in rheinischer Dialektfärbung sprechenden Kardinals schlug sich in zahlreichen Anekdoten nieder. Beispiele gefällig?
Zusammen mit dem Bischof von Münster, Graf von Galen, reiste Frings im Winter 1946 nach Rom zur Kardinalserhebung. Das englische Militärflugzeug konnte wegen widrigen Wetters nicht starten, deshalb wurden sie zunächst von britischen Soldaten im Auto gefahren, bevor es dann mit dem Zug weiterging. Nachdem man mehrfach im Schlamm der schlechten Straßen steckengeblieben war, zwischendurch im Auto übernachtet hatte und dann der geplante Zug ab Karlsruhe ausfiel, sagte Frings entnervt zu dem begleitenden Offizier: „Herr General, ich kann leben, ohne Kardinal zu sein. Ich bitte Sie, bringen Sie mich nach Köln zurück.“ Das machte Eindruck, plötzlich ging alles besser.
Einmal auf sein schlechtes Augenlicht angesprochen, soll Frings in Kölsch geantwortet haben: „Jot lure kann isch schläch, ävver schläch hüre, dat kann isch jot.“ („Gut sehen kann ich schlecht, aber schlecht hören, das kann ich gut“).
Ein andermal zog er als Kardinal ins Essener Münster ein und flüsterte dem jungen Bischof süffisant zu "was für ein nettes Kathedrälchen!", vielleicht dachte er da gerade an "seinen" Dom.
1961, es war Gründonnerstag und innerhalb der Liturgie hatte er gerade 12 alten Männern die Füße gewaschen, seufzte der Kardinal: "Im Himmel haben wir es gut. Dort brauchen wir uns nicht mehr zu waschen!"
Eigentlich war es üblich, dass die Gläubigen niederknieten, wenn der Kardinal den Dom verließ, außer an Karfreitag. Da viele trotzdem niederknieten, winkte Kardinal Frings ab: "Heute gibts nichts. Ich darf nicht."
Auf ein Lob, er habe zu Ehren der englischen Königin eine sehr gute Rede in perfektem Englisch gehalten, sagte der Kardinal: "Das will ich meinen, schließlich hat ein Professor die Rede aufgesetzt und der englische Botschafter hat sie mir danach auf Band gesprochen. Ich habe sie dann nur noch auswendig gelernt."
Es gibt noch viele Anekdoten dieses äußerst beliebten Kardinals, der schon sehr früh den Wunsch hegte, ein einfacher "Leutepriester" zu werden. Eben ein Priester für die Menschen.
Dies ist ihm zweifellos gelungen, denn er lebt bis heute in den Herzen der Menschen weiter.
Frings starb am 17. Dezember 1978 mit 91 Jahren. Er wurde in der erzbischöflichen Gruft im Kölner Dom beigesetzt.
Der "rheinische Kardinal". Unvergessen.
Habt einen schönen Tag,
euer RonaldEn savoir plus





















































































