• Kölschgänger
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CCAA - Köln

CCAA - Colonia Claudia Ara Agrippinensium - Köln - Kölle
Wie es war und wie es ist.
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  • Hänneschen-Brunnen in der Südstadt

    27 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 19 °C

    Ja, es gibt einen alten, fast vergessenen Hänneschenbrunnen in der Südstadt. Er wird kaum erwähnt, und als ich ihn besuchte, hatte ich das Gefühl, auch die Stadt hat ihn vergessen. Heruntergekommen und leider ungepflegt hegt er ein trauriges Dasein und es scheint, als ist er dem Verfall preisgegeben. Als Kölschgänger suche ich ja gerade die kleinen, nicht mehr so bekannten Schätze, die aber den Charme unserer Stadt und ganz besonders der Veedel, in denen sie zu finden sind, ausmachen. Deshalb tut es mir in der Seele weh, wenn ich sehe wie dieser Brunnen verfällt. Es ist ja schön, wenn überall neues aufgebaut wird, aber sollten wir nicht gerade unsere alten Schätze pflegen und lieben? Die tragen doch maßgeblich zum Flair eines Veedels bei und immer, wenn ich durch ein Veedel gehe, sind es gerade diese unverrückbaren Dinge, die schon immer da waren, die mir persönlich das Wohlfühlen, das Verbundensein, das Heimatgefühl geben. Vielleicht ist es ein Problem unserer schnellebigen Zeit, wir verlieren den Respekt, die Achtung vor den kleinen und alten Dingen.

    Wir Kölschgänger werden immer wieder versuchen, an diese Dinge zu erinnern, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Das ist uns wichtig und genau in dem Moment, wenn ich vor so einem alten, fast vergessenen Stückchen Heimat stehe, weiß ich, es lohnt sich immer und immer wieder darauf hinzuweisen.

    Aber zurück zum Star dieses kleinen Beitrags. Der Hänneschenbrunnen steht in der Straße "Im Dau", unweit des bekannten Narrenschiff- Brunnens Karl Berbuers. Er wurde 1914 vom Bildhauer Simon Kirschbaum aus Muschelkalk erbaut. Er soll an die Witwe Magdalena Klotz, die Enkelin des Gründers des Theaters erinnern. Er hat eine stolze Höhe von etwa 4 Metern. Der Brunnen besteht aus einem barockartigen Pfeiler mit einem Wasserbecken an einer Seite. Auf dem unteren Teil steht eine Eule, die als Wasserausguß fungiert. Sehr hübsch, übrigens. Am Brunnen, der eigentlich recht schlicht gehalten ist, finden wir Kränze, Füllhörner, und Muscheln als Pfeilerabschluß. Auf der Rückseite sollte über einen Pumpsschwengel das Wasser in den Brunnen gepumpt werden. Jedenfalls war das mal der Plan.

    Ganz oben sehen wir zwei Figuren, sitzend der Besteva im barocken Kostüm, einen Schirm haltend, mit der rechten Hand umfasst er den Zipfel eines Sackes den er sich über die Schulter geworfen hat. Neben ihm steht das Hänneschen, auf dem Kopf seine typische Mütze, die Hände locker in der Hosentasche.

    Diese beiden Figuren verkörpern zwei sehr bekannte und beliebte Stockpuppen und stellen für mich ein Stück kölschen Gefühls dar. Zum einen der Besteva, der gutmütige, angenehme Großvater mit der leichten Neigung zum kaate un suffe, gerne auch in der Rolle des Pantoffelhelden und oft auf der Flucht vor seiner Frau. Also, wie der Kölsche sagen würde, "ne griese Spetzbov". Zum anderen das Hänneschen, "ene kölsche Fetz", ein schlagfertiger, gewitzter und mutiger Bursche, hier mal ohne sein Bärbelchen. Ich mag diesen Brunnen, vielleicht besucht ihr die beiden ja auch mal beim nächsten Gang durch die schöne Südstadt.

    Und jetzt frage ich euch noch einmal, darf so ein Stück Köln in Vergessenheit geraten und untergehen?

    Ronald
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  • Loss jon - typisch kölsch

    25 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 20 °C

    Eine typische Aussage. Vielleicht als Aufforderung zu verstehen, in die Kneipe zu gehen...oder eben später auch wieder hinaus. Oder einfach, um etwas zu erledigen. Anwendungsmöglichkeiten gibt es genug. Es gibt allerdings eine Anwendung dieses Ausspruchs, wo ich dachte: typisch, das gibt es auch nur in Köln. Und tatsächlich nicht nur einmalig in Köln, sondern auf der ganzen Welt findet man so etwas kein zweites Mal.
    Was ich meine? Nun, stellt euch vor, ihr sitzt im Dom. Es ist kurz vor 10 Uhr, jeden Moment beginnt die feierliche Messe. Ich habe die Erfahrung gemacht, auf das jetzt gleich einsetzende Spiel der Kirchenorgel zu warten und wenn es dann beginnt, trotzdem das Gefühl zu haben, DAMIT nicht gerechnet zu haben.
    Dieser Klang der Orgel weit oben, der den Dom komplett ausfüllt, ist so berührend, einfach ein "Gänsehaut-Erlebnis". Ihr werdet wissen, wovon ich rede. Und um genau diese Orgel weit oben, die Schwalbennestorgel, geht es.
    Im Jahr des 750-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung des Domes, 1998 also, bekam der Kölner Dom eine neue Orgel. Diese gewaltige Orgel über dem Mittelschiff des Domes, bestehend aus 25.000 einzelnen Teilen und mit einem Gewicht von sage und schreibe 30 Tonnen, hängt in einer Höhe von 20 - 45 Metern, verankert im Dachstuhl des Domes. So weit, so gut. Bisher nichts ungewöhnliches.
    Aber auf eben dieser Orgel ganz rechts oben, neben den anderen Registern, welche Namen wie "Prinzipal" oder "Praestant" tragen, findet sich ein weiteres Register mit dem Namen "Loss jon".
    Zieht der Domorganist nun dieses Register, öffnet sich unter der Orgel eine Klappe und eine hölzerne Figur samt Narrenkappe auf dem Kopf fährt heraus. Dazu spielt die Orgel: "Mer losse d'r Dom in Kölle". Gibt es da noch mehr zu sagen, als: typisch kölsch?
    Ursprünglich trug dieser kleine Narr in den Entwürfen der Orgelbaufirma Klais eine Kappe in den Kölner Farben rot und weiß. Das allerdings ging für den damaligen Dompropst Bernard Henrichs so gar nicht. Die Orgelbauer schauten den Propst entsetzt an, da er bis kurz zuvor noch so begeistert von dem Vorhaben war. Der Propst, natürlich wissend um den Schrecken der Mitarbeiter der Firma Klais, führte nun an, dass er, in seiner Eigenschaft als Dompropst des Kölner Domes, Feldkaplan der 1902 gegründeten Ehrengarde sei und deren Farben seien schließlich grün und gelb. Nicht rot und weiß. Gesagt, getan, der Narr bekam eine Kappe in den "gebührenden" Farben verpasst.
    Seitdem wird das Register zweimal im Jahr gezogen, jeweils am Ende des Gottesdienstes. Einmal, vor der Proklamation des neuen Dreigestirns, bei einer ökumenischen Feier der Karnevalsgesellschaften Kölns und am Karnevalssonntag nach der 10-Uhr-Messe.
    Tja... Köln, du bist eben anders als alle anderen. In diesem Sinne: loss jon!

    Bis bald

    eure Ramona

    Köln, Dom, Impressionen des Innenraums
    Foto Copyright: Ramona Krippner
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  • Tempel

    24 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 18 °C

    Kunst im öffentlichen Raum

    Heute:
    Tempel (Brückenstr. 20)
    Tempel der Besinnung (Coloniaallee 10-20, Holweide)
    Tempel liegend in der Flora
    Künstler: Ulrich Rückriem

    Tempel

    Diese Tempel gibt es gleich dreimal in unserer Stadt, natürlich habe ich alle Punkte besucht und berichte euch heute darüber.
    Das erste Kunstwerk befindet sich mitten in der City, genauer in der Brückenstr. 20, also hinter dem Museum Kolumba.
    Als Künstler zeichnet Ulrich Rückriem verantwortlich. Sein Kunstwerk nennt sich „Tempel“ und wurde im Jahre 1988 von ihm geschaffen. Es handelt sich um einen großen Steinblock, das Material Granit Bleu de Vire, gespalten und geschnitten, poliert. Die Maße 270x110x110 cm. Der Clou an diesem „Stein-Tempel“ ist sicher die vorne etwas eingelassene Innenfläche. Diese ist poliert und so soll sich der Betrachter darin spiegeln können. Na ja, ganz leicht mit sehr viel Fantasie. Meinen Recherchen nach ist der WDR der Eigentümer des Kunstwerkes. Übrigens hat der Künstler an den Kölner Werkschulen studiert und sogar in der Kölner Dombauhütte gearbeitet.
    Nun, seine Arbeit an diesen eher groben Werken, er hat übrigens in vielen Städten solche oder ähnliche Blöcke aufgestellt, in Holweide steht auch einer, ist recht leicht zu erklären. Er besorgt sich einen großen Steinquader und dann wird dieser bearbeitet. Das ganze eher minimalistisch. Es wird gesägt, geschliffen, gespalten, poliert, gebohrt, gefräst und wieder zusammengesetzt. Hört sich erst einmal sehr grob an, aber dahinter steckt Überlegung, denn bevor Rückriem beginnt, setzt er sich natürlich erst mit dem bis dahin vorhandenen Rohmaterial auseinander. Hinterher hat das Objekt eine neue Form, es wird sich eh mit der Zeit ein wenig verändern, da seine Objekte ja den Witterungseinflüssen ausgesetzt sind. Wichtig ist dem Künstler ebenfalls der Bezug des Werkes zu seinem späteren Standort.
    Am besten beschreibt es aber natürlich immer der Künstler selbst.
    Hier deshalb ein Zitat des Künstlers Ulrich Rückriem über seine Arbeit:
    „Das Material, seine Form, seine Eigenschaften und Ausmaße beeinflussen und begrenzen meine bildnerische Tätigkeit. Arbeitsprozesse müssen ablesbar sein und dürfen nicht von nachfolgenden verwischt werden. Die von mir am Material vorgenommenen Bearbeitungen bestimmen das Objekt selbst und dessen Beziehung zum neuen Standort.“
    Die Journalistin Simone Reber bezeichnete den Bildhauer einmal als „Steinflüsterer“. Gar kein schlechter Name, wie ich finde. Denn, vielleicht ergeht es euch ja ähnlich wie mir beim Betrachten des Kunstwerkes. Mein erster Gedanke war „was soll das sein“, aber gebt der Kunst eine Chance. Und da kann der Name „Steinflüsterer“ hilfreich sein. Schaut euch den „Tempel“ einmal in Ruhe an, dann wechselt die Position und schaut ihn euch mit dem Gedanken an den ehemaligen „Tempel“ dahinter an. Madonna in den Trümmern.
    Und nun schaut euch das Kunstwerk noch einmal an. Vielleicht seht ihr es nun mit anderen Augen, mit den Augen eines Steinflüsterers.
    Auch im rechtsrheinischen gibt es ein, zumindest auf den ersten Blick fast identisches Kunstwerk. Hier nennt es sich „Tempel der Besinnung“. Die Maße sind mit 305x200x200 cm auch sehr ähnlich. Und so kann man die Beschreibung vom ersten „Tempel“ wirklich problemlos übernehmen. Eigentümer ist hier die AXA Versicherung. Eine kleine Tücke gibt es noch bei der Adresse. Coloniaallee 10-20 ist hier irreführend. Ihr müsst an der Adresse vorbeigehen, dann kommt ein kleiner Pfad, der in Richtung Felder führt. Diesem folgen, etwa 5 Minuten später seht ihr das Kunstwerk auf einem kleinen Hügel. Wesentlich schöner platziert und damit deutlich wirkungsvoller in Szene gesetzt. Hier hatte der Name „Tempel der Besinnung“ eine größere Strahlkraft und es war deutlich leichter, sich auf die Idee des Künstlers einzulassen.
    Auch in der Flora gibt es einen Tempel. Hier allerdings zur Abwechslung liegend. Dieser wurde 1990 erschaffen und ist eine Leihgabe.

    Bleibt aufmerksam und neugierig

    Euer Ronald
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  • Die Finnensiedlung

    23 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☀️ 20 °C

    Die Finnensiedlung

    Heute habe ich mir für euch einmal eine Siedlung angesehen, die nicht in das sonst so übliche Bild der Kölner Vorortsiedlungen passt.
    Die meisten Häuser findet man rund um den Lippeweg in Köln Höhenhaus. Äußerlich legte man Wert auf ein gleichbleibendes Aussehen. So sind die "Finnenhäuser" sehr stereotyp und alle aus Holz erbaut. Im Inneren sind sie nicht sonderlich groß. Knapp 86 qm für eine Familie erschienen damals genug. So wird heutzutage oftmals angebaut. Von dieser Möglichkeit machten wohl einige Anwohner Gebrauch.
    Doch was hat es auf sich mit diesen Holzhäusern? War es eine besondere Kunstrichtung in den 60er oder 70er Jahren? Unwillkürlich kam mir dieser Gedanke.
    Doch weit gefehlt, sind sie doch noch mal 30 Jahre älter.
    So schloss sich im Jahre 1940 in Finnland eine Genossenschaft der Holzindustrie , bestehend aus 21 Unternehmen zusammen. Die Puutalo Oy wurde gegründet. Seit 1942 mit an Bord, das Staatliche Technische Forschungsinstitut der Finnen. Gebaut wurde also zu Forschungszwecken? Man war zunächst nicht gewinnorientiert. So gibt es keine gesicherten Aussagen darüber, das Deutschland den Finnen die Häuser abkaufte, sondern es wird mehr über Tauschgeschäfte spekuliert. Dies dürfte sich ein Jahrzehnt später aber geändert haben, denn die Häuser entpuppten sich als sehr solide Fertighäuser. Jedenfalls nahm das Haus der Finnen, 1942, Kurs auf Deutschland und Österreich.
    In Köln entstand ca. 9 Kilometer vom Flughafen Ostheim entfernt, in Windeseile eine Holzhaussiedlung. Auftraggeber war die Reichsregierung und die Gesellschaft "Neue Heimat". Man wollte schnell und kostengünstig neuen Wohnraum schaffen, der jungen Familien zukommen sollte.
    Die Fassaden mussten alle dunkel gebeizt sein und sind es bis heute geblieben, da die komplette Siedlung seit 1989 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Geschichtlich spannend, jedoch auch bedauerlich. Wieviel schöner und bunter wäre eine freie Farbwahl. Ein maritimes blau, ein sonniges gelb, ein Schwedenrot....Aber gut, es ist wie es ist. Die Häuser bleiben braun, fast schwarz. Dafür mit weißen Fensterrahmen. Ebenso die Türrahmen. Diese erfuhren mittlerweile eine anpassende Modernisierung .
    Abgegrenzt wurden die meisten Häuser mit Hecken und Zäunen. Eine typische Vorort- oder Gartenzwergidylle wurde geschaffen. Hinter dem Haus entstand ein Nutzgarten. Heute oftmals als Grundfläche für Anbauten genutzt.
    Heutzutage sind die Häuser übrigens kein Gesellschaftseigentum mehr, sondern alle in Privatbesitz.
    Auch die Kölner TV Produktionsfirmen haben die Siedlung natürlich entdeckt. So sah man die "Finnenhäuser" u.a. im Tatort. In Deutschland und Österreich gibt es ca.50 Finnensiedlungen. Allerdings werden sie auch schon einmal verwechselt. So dürfte die Siedlung in Höhenhaus die einzige dieser Bauart in Köln sein, auch wenn man in Zündorf weitere Holzhäuser findet. Von den ehemals 158 Häusern, sind noch 156 erhalten.
    Wer also mal in dieser Ecke Kölns unterwegs ist, sollte unbedingt einmal durch die Siedlung fahren oder gehen. Man wähnt sich überall, nur nicht mehr in Köln.
    Vielleicht hat euch dieser kleine Abstecher in eine der vielen Kölner Siedlungen gefallen. Wenn ja, könnt ihr den Beitrag gerne weiterteilen.
    Habt einen schönen Sonntag, wo immer ihr auch seid.

    Bis bald, eure Elisabeth
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  • Sankt Nikolaus

    21 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 26 °C

    Es ist eindeutig Frühjahr. Die Sonne scheint oft warm und kräftig. Schwitzen ist angesagt beim Wandern. Was macht man da, wenn man an einem Ort ist, an dem kein Biergarten zu finden ist? Ja, man geht in eine Kirche, schaut sich ein wenig um und dampft dabei aus.
    Das ist natürlich jetzt nur halb im Ernst gemeint. Die Kirche St. Nikolaus in Dünnwald ist einer meiner Herzensorte. Ja klar, sie ist Teil meiner Kindheit. Meine ersten Beichten habe ich hier abgelegt, zur Erstkommunion bin hier unter Pastor Feldgen gegangen und auch zur Firmung in dieser Gemeinde. Pastor Feldgen ist ein Mensch mit Herz und Seele für mich zu dieser Zeit. Und wie ich heute so nachlese, wie es ihm ergangen ist, stelle ich fest, dass er dort aufgewachsen ist, wo ich heute lebe, in der Gemeinde St. Bruno in Klettenberg. Zufälle gibt es! Ist es Zufall? Damals war ich so klein, dass ich immer von unten in seine Nase gesehen habe. Sie kam mir viereckig vor. Ups, Entschuldigung.
    Klein kam ich mir auch immer in dieser Kirche vor, die zu den 13 kleinen romanischen Kirchen Kölns zählt. Für mich war sie riesig. Sie ist für eine katholische Kirche etwas nüchtern eingerichtet, aber ich betrete sie damals wie heute im Bewusstsein, an einen sehr ehrwürdigen Ort zu kommen.
    Die Gründung ist mit der kurzen Geschichte des Ritters Heidenricus (Heidenreich) eng verbunden. Dieser ist so einfältig und geht unbewaffnet auf Reise. Natürlich entdecken und verfolgen ihn Räuber. Heidenreich weiß sich nicht anders zu helfen, als in eine Kapelle zu flüchten, niederzuknieen und zu beten. Die Räuber kümmert es nicht. Einer erhebt sein Schwert und schlägt wuchtig zu. Doch der Schlag trifft das Bild unseres Herrn Jesus Christus, fährt in seine Hand, bricht am Heft ab und bleibt am Nagel hängen. Ein göttliches Wunder, da gibt es keine zwei Meinungen. Die Räuber fliehen und Heidenreich stiftet aus Dankbarkeit diese Kirche.
    Das ist jetzt 900 Jahre her. Die Stiftungsurkunde des Ritters Heidenreich ist aus dem Jahr 1117, der zustimmende Rechtsakt aus dem Jahr 1118 und somit wohl auch der Baubeginn. Im Jahr 1122 bekommt die Kirche vom Kölner Erzbischof bereits die vollen Pfarrechte.
    Wie es sich mit dem anschließenden Kloster verhält, ist für die Anfangsjahre nicht geklärt. Entweder sind es Benediktiner aus Brauweiler oder Augustinerchorherren, die hier leben. Sicher ist aber, dass ab 1143 der Prämonstratenserorden das Kloster übernimmt. Deswegen findet sich an der ersten Säule vor dem Altar neben der Figur des Heiligen Nikolaus auch die des Heiligen Norbert von Xanten, der diesen Orden gegründet hat.
    Das Kloster ist dem Abt des Klosters Steinfeld unterstellt und eben dieser bestimmt, dass es ein reiner Nonnenkonvent werden soll. Schnell wird das Kloster als Möglichkeit entdeckt, unverheiratete adelige Damen zu versorgen. Selbstverständlich sorgt dies für Vermögen und Einfluss. Im Mittelalter ist dies ein bekannter, wohlhabender Ort.
    Dieser Ort ist allerdings weit weg von den schützenden Mauern Kölns. Das hat den Nachtteil, dass wenn Kriegsvolk durch das Land zieht, das Kloster stets angegriffen wird. Es zieht sich durch die Jahrhunderte, dass das Kloster geplündert und die Nonnen misshandelt werden. Im Jahre 1643 wird das Nonnenkloster, dass nur noch mit drei Nonnen besetzt ist, aufgelöst und ihre männlichen Kollegen halten Einzug. Letztendlich aber wird St. Nikolaus zur Franzosenzeit reine Pfarrkirche, das Kloster wird 1803 aufgelöst.
    Die modernen Zeiten lassen es jetzt ruhig werden, um die romanische Kirche mit den barocken Elementen und der kleinen, gotischen Kapelle. In die darf man bestimmt einen Blick werfen, wenn man die Aufsicht freundlich fragt. Guckt nach den Öffnungszeiten, wenn ihr sie besucht.
    Jetzt, mehr als vierzig Jahre später, wirkt dieser Ort auf mich tatsächlich auch kleiner. Achtzehn mal meine eigene Lebensspanne hat sie heute erlebt und eigentlich ist das auch nicht wirklich viel, finde ich. Seltsam, wie sich Orte mit der Zeit verändern…
    Das Leben der Pfarre findet um die neue Kirche Sankt Hermann-Joseph satt. Diese liegt viel weiter östlich hinter der Bahnlinie, die den Ort trennt. Den Ortskern, wie es ihr gut anstünde, bildet sie nicht. Sei es drum, sie ist die Kirche meiner Jugend. Herzensort.
    Ihr habt sie auch, Eure Herzensorte. Welche sind es?

    Michael

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    Et es ganz klor Fröhjohr. Et Sönnche schingk off wärm und kräftig. Schweißte es aangesaht beim Wandere. Wat mäht mer do, wann mer an enem Oot es, an däm kein Biergaade ze finge es? Jo, mer geht en en Kirch, luurt sich jet öm un dämp dobei us.
    Dat es natörlich jetz nor halv em Äans gemeint. De Kirch Zinter Kloos en Dünnwald es eine vun minge Hätzensoote. Jo klor, se es en Deil vin minger Kindheit. Ming eeschte Bichte han ich hee avgelaht, noh der Eeschkommelion ben ich hee ungerm Pastur Feldgen gegange un och noh der Firmung en dä Gemeinde. Der Pastur Feldgen es en Minsch met Hätz und Siel för mich zo dä Zigg. Un wie ich hügg su nohlese, wie et im ergange es, stelle ich fass, dat hä do opgewahse es, wo ich hügg levve, en der Gemeinde Zint Bruno en Klettenberg. Zofälle gitt et! Es et Zofall? Domols war ich esu klein, dat ich luuter vun unge en sing Nas geluurt han. Se kom mer veereckig vür. Ups, deit mer leid.
    Klein kom ich mer och luuter en dä Kirch vür, die bei de 13 klein romanische Kirche vun Kölle gehürt. För mich wor die riesig. Se es för en katholische Kirch jet schlich engerich, ävver ich kumme domols wie hügg mem Bewosssin eren, an enem ärg ihrwürdige Oot ze sin.
    De Gründung es met däm koote Kreppche vum Ritter Heidenricus (Heidenrich) eng verbunge. Dä es esu duselig un geiht ohne Waffe op Reis. Natörlich entdecke un verfolge in Räuber. Dä Heidenrich weiß sich nit anders ze helfe, wie en en Kapell ze flüchte, nidderzeknee un ze bedde. De Räuber kömmert et nit. Einer erhivv si Schwäät un schleiht platschig zo. Doch der Schlag triff et Beld vun unsem Häär Jesus Christus, fährt en sing Hand, brich am Heff av un bliev am Nagel hänge. E göddlich Wunder, do gitt et kein zwei Meinunge. De Räuber gonn tirre un der Heidenrich stiff us Dankbarkeit die Kirch.
    Dat es jetz 900 Johr her. De Stiftungsurkund vum Ritter Heidenrich es usem Johr 1117, dä Rechtak, dä däm zostemmp, usem Johr 1118 un av dann hät mer wall och mem Baue aangefange. Em Johr 1122 kritt die Kirch vum Kölner Ääzbischoff ald de volle Faarräächte.
    Wie et sich met däm aanschleeßende Kluster verhäld, es för de Aanfangsjohre nit geklärt. Entweder sin et Benediktiner us Brauwieler ov Augustinerchorhääre, die hee levve. Secher es ävver, dat av 1143 der Prämonstratenserorden et Kluster üvvernimmp. Deswäge fingk sich an de eeschte Süüle vürm Altar nevven der Figur vum Zinter Kloos och die vum Zint Norbert vun Xante, dä dä Orde gegründt hät.
    Dat Kluster es dem Ab vum Kluster Steinfeld ungerstellt un evven dä bestemmp och, dat et ene reine Nonnekonvent weede soll. Flöck weed dat Kluster för en Mögelichkeit entdeck, unverhierodte, adelige Dame ze versorge. Selvsverständlich sorg dat för Vermöge un Enfluss. Em Meddelalder es dat ene renomeete, gesalvte Oot.
    Dä Oot es ävver wigg weg vun de Muure vun Kölle, die schötze. Dat hät dä Nohdeil, dat wann Kreegsvolk durch et Land trick, dat Kluster luuter aangegriffe weed. Et trick sich durch de Johrhunderte, dat dat Kluster geplündert un de Nonne trakteet weede. Em Johr 1643 weed dat Nonnekluster, dat nor noch met drei Schwestere besetz es, opgelüs un de männliche Kollege halde Enzog. Letzendlich ävver weed Zinter Kloos en der Franzusezigg en reine Faarkirch, dat Kluster weed 1803 opgelüs.
    De modern Zigge looße et jetz räuhig weede öm de romanische Kirch met dä barockke Elemente un der kleine, gotische Kapell. En die darf mer bestemmp ene Bleck werfe, wann mer de Aufsich fründlich frög. Luurt noh de Öffnungszigge, wann ehr se besökt.
    Jetz, mih wie veezig Johr späder, wirk dä Oot op mich wikrlich och kleiner. Achzehn mol ming eigene Levvensspann hät se hück erläv un eigentlich es dat och nit wirklich vill, finge ich. Gelunge, wie sich Oote met der Zigg verändere…
    Et Levve vun der Faar fingk hügg öm die neue Kirch Zinter Herrman-Joseph statt. Die litt vill wigger em Oste hinger der Bahnlinich, die dä Oot trennt. Der Ootskään, wie et ehr aastonn dät, es se nit. Egal, se es die Kirch vun minger Jugend. Hätzensoot.
    Ehr hat se och, Üür Hätzensoote. Wat sin dat eres för en?

    Mechel
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  • Vom Geusenfriedhof zum Marienbild

    20 Agustus 2020, Jerman ⋅ ⛅ 26 °C

    Vom Geusenfriedhof zum Marienbild

    Wir starten am Geusenfriedhof, dem ältesten, evangelischen Friedhof des Rheinlandes. Nachdem wir einen Rundgang über den Friedhof gemacht haben, spazieren wir ein Stück stadteinwärts zum Rathenauplatz. Es ist schon erstaunlich, welche wunderbare Oase der Förderverein hier hat enstehen lassen. Kinderspielplatz und Biergarten sind echt klasse geworden. Sogar Boule kann hier gespielt werden und einen Bücherschrank gibt es auch.
    Gehen wir nun weiter. Unser nächstes Ziel ist der Aachener Weiher, den wir nach einem Stück durch die Grünanlagen erreichen. Wer möchte, kann ihn einmal umrunden und es gibt natürlich auch hier zwei Möglichkeiten, um einzukehren.
    Auf der anderen Straßenseite geht es dann gleich mit Wasser weiter, denn nun spazieren wir den Lindenthaler Kanal entlang. Hier entlang zu schlendern, ist einfach herrlich.
    Nach dem Lindenthaler Kanal geht es jetzt noch in den Lindenthaler Tierpark. Wir können kurzfristig festlegen, wir groß die Runde durch den Tierpark werden soll. Alternativ können wir uns auch gleich rechts halten und durch den Park in Richtung Aachener Straße gehen, um an unser heutiges letztes Etappenziel zu kommen, dem "Gaffel im Marienbild". Hier strecken wir jetzt die Füße aus und lassen es uns gut gehen.
    Der Geusenfriedhof, 1584 angelegt, ist damit die älteste evangelische Begräbnisstätte des Rheinlands. Heute befindet er sich inmitten des dicht besiedelten Wohngebiets Köln-Lindenthal. Damals jedoch lag er außerhalb der Stadttore und bot damit, nach geltendem Recht, die einzige Möglichkeit für die reformierte Gemeinde, ein Begräbnis zu erhalten. Seit 1981 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.
    Der Begriff Geusen (gueux) ist auf den französischsprachigen Raum zurückzuführen und bedeutet so viel wie Bettler. Bezeichnet wurden mit diesem Ausdruck die aus den Niederlanden kommenden protestantischen Freiheitskämpfer, die als Glaubensflüchtlinge während des Achtzigjährigen Krieges (1568 bis 1648) nach Köln kamen. Doch auch hier waren zur damaligen Zeit die Anhänger der Refomation wenig willkommen. In der freien Reichsstadt Köln, die Anfang des 16. Jahrhunderts definitiv im katholischen Lager verblieben war, wurden die „Artfremden“ verhört, verfolgt und verhaftet. Ein protestantischer Gottesdienst oder gar eine Bestattung auf einem katholischen Friedhof innerhalb der schützenden Stadtmauern? - nicht nur unvorstellbar, sondern streng verboten! Allenfalls eine Verbrennung auf dem Elendsfriedhof, neben Selbstmördern, Ehrlosen und Hingerichteten kam in Frage.
    Umso skurriler die Entstehung des Geusenfriedhofs. Denn 67 Jahre nach der Publizierung der 95 Luther-Thesen wurde das Grundstück vor dem Weyertor ausgerechnet von einer katholischen Adligen, Ursula von Gohr zu Kaldenbroek, gespendet. Sie schaffte damit die erste und einzige Möglichkeit für die reformierte und lutherische Gemeinde, ihre Angehörigen auf einem christlichen Friedhof beizusetzen.
    Offiziell genutzt wurde die Grabstätte bis 1829. Anschließend war es den protestantischen Toten gestattet, auch auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt zu werden, was dazu führte, dass 1875 die letzte Beerdigung auf dem Geusenfriedhof stattfinden sollte.
    Heute ist das kleine Areal mit den halbverfallenen, überwucherten Gräbern ein idealer Ort für neugierige Spurensucher, die die Vergangenheit der Stadt fernab von Museen entdecken wollen. Die zahlreichen Grabplatten erhalten dabei nicht nur Lebensdaten der Verstorbenen, sondern sind auch mit kunsthistorisch wertvollen Darstellungen verziert. Familienwappen, alte Berufsbezeichnungen, Bildmetaphern des Todes, sowie Bibelinschriften prägen diese Grabplatten, Stelen, Säulen und Obelisken. Sie erzählen ausführliche Geschichten.
    Wir gehen nun auf der Kerpener Straße weiter nach Osten in Richtung Gymnicher Straße und dann auf die Zülpicher Straße. Dort biegen wir links ab auf die Dasselstraße und dann rechts auf die Meister-Gerhard-Straße, wo wir wieder links abbiegen auf den Rathenauplatz, den wir nun erreichen.
    Das erste, was Besucher des Rathenauplatzes sehen, ist der Biergarten, der natürlich sofort ins Auge fällt. Und das zu Recht. Wer ein paar Meter entfernt auf den ewig hektischen Ringen unterwegs ist und dann hier ankommt, der glaubt im ersten Moment, die Zeit wäre stehengeblieben. Ein so herrlich gelegener Biergarten mitten in der Stadt. Gleichzeitig ist der Rathenauplatz der größte Platz in der Neustadt. Früher hieß er Königsplatz und eigentlich sollte hier der Volksgarten angelegt werden. Da es Probleme mit dem Ankauf der Grundstücke gab, wurde der Volksgarten an seinem jetzigen Platz angelegt und hier am Rathenauplatz ist eine andere kleine Oase entstanden.
    Wir bewegen uns in Richtung Görrestraße und biegen dann links in die Boisseréestraße ein. Nun kommen wir auf die Lindenstraße, der wir folgen, bis wir den Aachener Weiher erreichen.
    Diese Parkanlage wurde in den 1920er Jahren gebaut, damals war die Parkanlage noch flach. Hügelig wurde sie erst nach dem zweiten Weltkrieg, als hier Trümmer aufgeschüttet wurden. Es gab einmal einen sehr schönen Werbeslogan für das Gebiet um den Aachener Weiher. Er hieß „Zwischen Enten und Studenten“. Sehr passend. Direkt neben dem Weiher befindet sich das Museum für Ostasiatische Kunst. Sehr hübsch angelegt ist der Biergarten. Sogar einige große Schaukeln gibt es hier. Jedenfalls in „nicht-Corona-Zeiten“.
    Wir verlassen den Aachener Weiher und überqueren die B264, um auf die Clarenbachstraße zu kommen, der wir nun entlang des Kanals folgen. Am Ende biegen wir links in die Brucknerstraße ab und gelangen automatisch auf die Rautenstrauchstraße und damit an den zweiten Teil der Lindenthaler Kanäle, dem Rautenstrauchkanal.
    Die beiden kleinen Kanäle sind zusammen ungefähr 1,5 km lang. Clarenbach und Rautenstrauch wurden 1925 angelegt, um die beiden Grüngürtel zu verbinden. Besonders schön sind die beiden Kastanienalleen. Auf Höhe der Richard-Strauss-Straße überspannt eine kleine Brücke den Kanal. Hervorzuheben ist hier das Brückengitter, da es noch aus den zwanziger Jahren stammt. Hübsch sind auch die beiden Skulpturen rechts und links der Brücke.
    Nach dem Ende des Rautenstrauchkanals kommen wir an die Straße Stadtwaldgürtel. Hier biegen wir links ab und folgen ihr ein kleines Stück. Dann kommen wir an die Wüllnerstraße. Hier biegen wir rechts ab und folgen ihr in Richtung Lindenthaler Tierpark.
    Am Ende dieses Weihers kommen wir auf die Hermann-Pflaume-Straße. Dieser folgen wir bis zur Aachener Straße. Nun biegen wir links ab und erreichen nach wenigen Metern das „Gaffel im Marienbild“.
    Diese Lokalität war früher mal eine Postkutschenhaltestelle, dann eine Dorfschule und seit vielen Jahren ist es ein Brauhaus. In alten Zeiten war es üblich, in einer Gastwirtschaft ein Bild der Mutter Gottes zu haben. Diese Tradition ist heute größtenteils ausgestorben. Im „Gaffel im Marienbild“ findet sich sogar eine Statue in der Fassade integriert. Leckeres Gaffel Kölsch im Ausschank sorgt für ein angenehmes Verweilen und der Biergarten hinten raus lässt die Hektik der Aachener Straße vergessen.

    Viel Spaß beim Erkunden

    Euer Ronald
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  • Gehe nicht vorbei, ohne ein Ave zu beten

    18 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 22 °C

    Gehe nicht vorbei, ohne ein Ave zu beten

    Habt ihr diesen Satz schonmal irgendwo gehört oder gelesen? Kommt er euch bekannt vor? Er befindet sich auf einer Steintafel, die auch ich erst beim Verlassen einer kleinen Kirche wahrgenommen habe. Von außen fast schon unscheinbar, wandelt sich dieser Eindruck allerdings beim Eintreten. Ich befinde mich in St. Maria in der Kupfergasse. In der nördlichen Altstadt Kölns gelegen gibt es diese Kirche, die so anders ist, denn sie beherbergt etwas ganz Besonderes. Ein Gnadenbild, die schwarze Mutter Gottes. Das allein ist aber nur Teil des Besonderen.
    Im westeuropäischen, christlichen Glauben geht man eher davon aus, dass die Gottesmutter hellhäutig war. In anderen alten Religionen aber werden seit vielen tausend Jahren auch schwarze Göttinnen verehrt. Selbst im Alten Testament findet sich im Hohelied Salomons eine Textstelle, die lautet: "ich bin dunkel, aber schön".
    Und als ich diese Figur der Maria betrachte, sehe ich, wie wunderschön diese wirklich ist. Gefertigt aus Lindenholz steht sie in einer Laurentinischen Kapelle, die zwischen 1673 und 1675 errichtet wurde.
    Eine Laurentinische Kapelle, oder auch Loretokapelle ist der "Santa Casa" nachempfunden, was "Heiliges Haus" bedeutet, welches sich in der Basilika vom Heiligen Haus in Loreto befindet.
    Laut einer Legende aus dem 13. Jahrhundert sollen Engel das Haus der Heiligen Familie, also Jesus mit seinen Eltern Maria und Josef, nachdem das gelobte Land (heute Palästina) verloren war, von Nazareth nach Loreto in Italien gebracht haben. Ebenfalls heißt es in der Legende, dass die "Santa Casa" der Ort ist, an dem sich die Verkündigung an Maria ereignete. Und eine solche Kapelle ist Bestandteil von St. Maria in der Kupfergasse.
    Gehen wir einen Schritt zurück in der Geschichte dieser Kirche. Als es zu Beginn des 17. Jahrhunderts für Katholiken in den Niederlanden aufgrund ihres Glaubens gefährlich wurde, flüchteten viele, auch Ordensleute nach Köln. So auch nach den Brüdern der Unbeschuhten Karmeliten um 1614, im Jahre 1630 die Schwestern der Unbeschuhten Karmelitinnen, die sich auf dem "Neuenahrer Hof" niederließen, welcher nach einigen Jahren durch Schenkung an die Karmelitinnen zu einer Klosteranlage umgebaut wurde.
    Die Kapelle, mit dem Gnadenbild, von der ich eben schrieb, wurde 1675 geweiht und war für die vielen Pilger bald zu klein. So wurde im Jahre 1715 um die Kapelle herum die Kirche St. Maria in der Kupfergasse im niederländischen Barock erbaut und geweiht.
    Im Jahre 1801 wurden die Nonnen durch die Franzosen vertrieben, danach wurde die Klosterkirche zur Pfarrkirche.
    Auch dieses Kleinod inmitten einer Großstadt wurde, wie so viele andere, im zweiten Weltkrieg zerstört, aber von 1948 bis 1952 wieder aufgebaut. Von der ehemals reichen Ausstattung blieben nur das Gnadenbild und ein Pestkreuz erhalten.
    Wisst ihr, was ich gerade, wo ich das schreibe, faszinierend finde? Das Gnadenbild, die Mutter Gottes, wurde im Krieg verschont. Das gab es noch in einer anderen Kirche. Dort blieb auch inmitten von Trümmern die Marienfigur stehen. Spätestens seit dem Wort "Trümmern" wisst ihr sicher, was ich meine. Die "Madonna in den Trümmern" in St. Kolumba...
    So unscheinbar St. Maria in der Kupfergasse von außen vielleicht sein mag - für viele hat diese Kirche eine große Bedeutung. Solltet ihr sie noch nicht kennen, besucht sie. Sie wird euch faszinieren, so wie mich.

    Bis bald, eure Ramona
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  • FIGUR

    17 Agustus 2020, Jerman ⋅ 🌧 21 °C

    Kunst im öffentlichen Raum

    FIGUR

    Heute bleiben wir mitten in der City. Keine 5 Minuten vom Dom direkt vor der Minoritenkirche und der Statue Kolpings steht unser heutiges Zielobjekt. Dieser Künstler hat zeitlebens mit Stahl gearbeitet, und immer stand der Mensch im Mittelpunkt.
    Hier hat der Künstler Adolph Kolping nachempfunden, den allseits geschätzten Priester, der sich sozial engagierte und das Kolpingwerk gründete. Diese Statue so…Moment, alles zurück, ich stehe falsch. Geht ja gar nicht um die Kolpingstatue, geht ja um…äh um…, ja, ehrlich gesagt, ich kann euch das nicht erklären. Hier bin ich als Laie mal total überfordert. Hier steht so ein Stahldings, keine Ahnung.
    Erschaffen von Michael Croissant (1928-2002), Künstler und Bildhauer. Und hier hat er uns ein Teil hingehauen, also, mir fehlen die Worte und jede Idee. Deshalb hier das Zitat eines Profis.
    „Alle Arbeiten von Michael Croissant, so abstrakt sie scheinen mögen, zeigen den Menschen. In seinen Körpersäulen, mehr noch in seinen Köpfen gelingt es dem Künstler, dem industriellen Material der geschweißten Stahlplatten zum Leben zu verhelfen. Dabei werden Gefühle nicht als expressionistische Geste aufgesetzt, visuell deutlich nachvollziehbar, sondern bleiben im Kopf-Körper eingeschlossen, begreifbar nur als verhaltene, innere, innerliche Spannung des leicht verwölbten Bleches als Spuren der Bearbeitung an den Kanten und an der Oberfläche des Stahls oder der Bronze. In der Reduktion auf den Kopf, auf den Teil des menschlichen Körpers, der gemeinhin als Träger des Verstandes, der Vernunft gesehen wird, in der Trennung vom Körper versucht er, das menschliche Antlitz neu in seiner Zeitgenossenschaft zu formulieren und dabei einen Blick dahinter zu werfen, in den Kopfraum, in den Menschen.“ (Zitat Galerie Scheffel, Bad Homburg)
    Der von mir sehr geschätzte Autor Helmut Fussbroich schrieb zu diesem Kunstwerk:
    Zitat „ Die `Figur´ ist auf eine ihr eigene Weise zugleich intim und in sich gekehrt, introvertiert und extrovertiert, auch monumental, stets aber präsent.“
    Ja, genau. Besser hätte ich es nicht erklären können. Also, ihr wisst Bescheid. Beim nächsten Einkaufsbummel kurzen Abstecher und das Kunstwerk anschauen.
    Tja, ich beschäftige mich ja noch nicht so lange mit diesem Thema. Und hier bin ich persönlich mal einfach überfordert. Aber wie sagt man doch…schön ist, was gefällt.
    Bleibt neugierig und aufmerksam

    Euer Ronald

    P.S: und bevor mich jetzt einige Kunstprofis in alle Bestandteile zerlegen und mordio schreien. Hey Leute, einfach mal nicht so bierernst nehmen.
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  • Engelssturz

    16 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☀️ 27 °C

    Engelssturz

    Bereits seit 61 Jahren steht es dort, das Mahnmal "Engelssturz" von Joseph Höntgesberg. Der gleiche Bildhauer, der auch das Flakhelfer-Denkmal in Neubrück erschaffen hat (ihr erinnert euch vielleicht an meinen Beitrag darüber). Engelssturz findet ihr im rechtsrheinischen Dellbrück, an der Otto-Kayser-Straße. Es soll an die Menschen erinnern,
    die im 2. Weltkrieg Opfer der Gewaltherrschaft wurden.
    Jahrelang bemerkten es die Menschen, die vorbei gingen oder fuhren. Doch plötzlich wucherten die Bäume alles zu. So musste eine Lösung her. Diese sah dann eine Art Miniparkanlage vor, mit Begrünung und Sitzbank.
    Begrünung war bereits vorhanden, es mussten nur noch Wege dort hinführen. Auch dies geschah, sehr zur Verwunderung des Künstlers. Es wird dort nun gerne eine Gassi-Runde gedreht, oder auch mal ein Bierchen getrunken. Trotzdem ist sie immer noch etwas abseits, denn oft fährt man daran vorbei, ohne sie zu bemerken. Doch wenn man einmal davor steht, sieht man die Details. (Fotos)
    Die ebenfalls steinerne Infotafel ist allerdings schon recht verwittert und braucht mal eine kleine Erneuerung. Der Dellbrücker Künstler wird sich nicht mehr dran stören, er ist 2019 verstorben.
    Die Skulptur "Engelssturz" ist ein sehr imposantes Werk, mit einem Gewicht von 10 Tonnen.
    Und eines wäre schon noch wünschenswert. Der Künstler hat viel geschaffen und es wäre eigentlich wichtig bzw. richtig, wenn man auch ihm in Dellbrück eine Gedenktafel errichtete. Höntgesberg war auf jeden Fall ein hohes Alter beschieden. Eine schöne Belohnung für sein
    unermüdliches Schaffen der Erinnerung. Er verstarb 97-jährig und wurde in Köln Merheim auf dem Kalker Friedhof zur letzten Ruhe gebettet.

    Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.
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  • Nikolaus Gülich

    15 Agustus 2020, Jerman ⋅ ⛅ 25 °C

    Die Tage stand ich ja vorm Ratsturm und habe nach Nikolaus von Verdun gesucht, weil ich „mein“ Bild für den Text über ihn haben wollte.
    Wie ich so den Ratsturm betrachte, springt mir durch den Sucher der Kamera ein anderer Nikolaus ins Auge: Nikolaus Gülich. Ach ja, denk ich mir, das war ja der mit dem Aufstand gegen den Rat der Stadt. Aufstand gegen den Rat der Stadt? Was macht der denn jetzt am Rathausturm?
    Die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 ist für die Stadt Köln sehr schwierig. Das umliegende Land gehört zum kurkölnischen Staat und somit den Kurfürsten, die die Stadt mit Handelsbeschränkungen stark unter Druck setzten. Verhältnismäßig gut geht es in dieser Zeit nur den Ratsmitgliedern der Stadt. Diese halten sich mit allem fiesen, was Behörden dir antun können, an den Bürgern schadlos: Amtsmissbrauch, Korruption, Vetternwirtschaft und Unterschlagung. Ja doch, wir haben ein eigenes Wort dafür: Klüngel. Es ist mir an der Stelle nur wirklich mal zu niedlich.
    Ende der 1670’er Jahre können die Bürger einfach nicht mehr. Der Unmut ist jetzt so groß, dass im Jahr 1680 der Kaufman Nikolaus Gülich den Rat der Stadt mit einer Klageschrift öffentlich kräftig unter Druck setzt. Die Auseinandersetzung der folgenden beiden Jahre gipfelt darin, dass der Rat ihn verhaften und einkerkern lässt. Klar, es fehlen ja die Argumente für eine sachliche Auseinandersetzung. Also muss er einfach mal weg. Die Gaffeln pressen ihn frei.
    Jetzt ist Gülich aber erst richtig sauer. Der Kaiser kümmert sich im Jahr 1683 um das türkische Heer, das Wien belagert. Köln hat er nicht im Blick und kann auch einfach nicht für Ordnung sorgen. So stürzen die Gaffeln unter der Führung von Gülich den Rat, setzen ihre eigenen Leute ein und nehmen jetzt ihrerseits die Gegner fest. Und es herrscht schon wieder Amtsmissbrauch, Korruption und Vetternwirtschaft. Ja, das können die Gaffeln auch – und es kommt zu Justizmorden.
    Die Türken vor Wien sind allerdings bereits im September besiegt, so dass Kaiser Leopold I. sich nun auch um Köln kümmern kann. Unter dem Druck der jetzt möglichen kaiserlichen Untersuchungskommission verliert die Bewegung ihre Anhänger. Nikolaus Gülich wird verhaftet und am 23. Februar 1686 hingerichtet.
    Sein Haus, das exakt am heutigen Gülichplatz beim Haus Neuerburg steht, wird niedergerissen und es wird verfügt, dass hier nie wieder ein Haus stehen soll. – Haben wir uns übrigens dran gehalten: zunächst wird dort ein Schandmal errichtet. Der schaurige, mit einem Schwert durchbohrte Kopf, der dort aufgestellt wird, ist heute noch im Stadtmuseum zu betrachten. Er steht dort, bis uns die neuen Eroberer aus Frankreich 1797 einen Freiheitsbaum dort einpflanzten. – Offensichtlich kann man das Treiben so oder so sehen. Jetzt steht dort seit 1913 der Fastnachtsbrunnen.
    Und natürlich ist Gülich zurecht umstritten. Das findet sich in der Figur wieder. Die Finger der rechten Hand, mit der er schwört, sind abgetrennt. Sie ist gar nicht kaputt! Es ist eine Mahnung an die politisch-ethische Integrität. Die Schlange, die die Beine umwickelt, und die Kröte zu seinen Füßen sagen, dass auch er gescheitert ist.
    Tja, und wisst ihr was? 1989 haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Köln diese Figur gestiftet. Vor dieser Geste habe ich großen Respekt und möchte mich an dieser Stelle bei diesen Menschen bedanken, deren Namen ich nicht kenne. Gleichzeitig fallen mir ganz aktuell Personen ein, denen ich gern eine kleine Geschichte von Amtsmissbrauch, Korruption und Vetternwirtschaft erzählen möchte.

    Michael

    -

    Dis Dag stundt ich jo vürm Rodsturm un han nohm Nikelaus vun Verdun gesök, weil ich „mi“ Beld för der Text üvver in han wollt.
    Wie ich su der Rodsturm beluure, springk mer durch der Sucher vum Fotoapparat ene andere Nikelaus en et Aug: Nikelaus Gülich. Ach jo, denk ich mer, dat wor jo dä met dem Opstand gäge der Rod vun der Stadt. Opstand gäge der Rod vun der Stadt? Wat mäht dä dann jetz am Turm vum Rodhuus?
    Die Zigg noh dem Dressigjöhrige Kreeg vun 1618 bes 1648 es för de Stadt Kölle ärg diffisill. Dat Land öm Kölle eröm hööt dem kurkölnische Staat und domet de Kurfööschte, die de Stadt met Handelsbeschränkunge ärg unger Drock setze. Verhäldnismäßig god geiht et zo dä Zigg nor de Rodsmetgleeder vun der Stadt. Die probeere alles Fiese, wat Ampslück dir aandun künne, an de Bürger us: Ampsmessbruch, Korruption, Vetternwirtschaft un Ungerschlagung. Jo ich weiß, mer han e eige Wood doför: Klüngel. Et es mer an der Stell nor ihrlich ens zo putzig.
    Am Engk vun de 1670’er Johre künne der Bürger einfach nit mih. Der Unmod es jetz esu groß, dat em Johr 1680 der Kaufmann Nikelaus Gülich der Rod vun der Stadt met ener Klageschrift öffentlich fies unger Drock setz. Dat Dänzche vun dä zwei Johr donoh hööt domet op, dat der Rod en verhafte un en et Kaschott werfe lööt. Klor, et fähle jo de Argumente för ene sachliche Disputier. Alsu muss hä einfach ens fott. De Gaffele presse in frei.
    Jetz es der Gülich ävver eesch richtig wödisch. Der Kaiser kömmert sich em Johr 1683 öm et türkische Heer, dat Wien belagert. Kölle hät hä nit em Bleck und kann och einfach nit för Oodnung sorge. Esu stürze de Gaffele unger der Föhrung vum Gülich der Rod, setze ehr Lück en un nemme jetz selvs ehr Gegner fass - Un et herrscht ald widder Ampsmessbruch, Korruption un Klüngel. Jo, dat künne de Gaffele och – un et kütt zo Justizmorde.
    De Türke vür Wien sin ävver ald em September beseeg, su dat der Kaiser Leopold I. sich no och öm Kölle kümmere kann. Unger dem Drock vun dä jetz mögliche kaiserliche Ungersuchungskommission verliert de Bewägung ehr Aanhänger. Der Nikelaus Gülich weed verhaff un am 23. Ferbruar 1686 hingereech.
    Si Huss, dat tirek om hüggige Gülichplatz beim Huus Neuerburg steiht, weed avgeresse un et weed verfög, dat an dä Stell nie widder e Huus stonn soll. – Han mer uns üvvrigens dran gehalde: zonöchs weed do e Schandmol opgestallt. Dä gruselig, met enem Schwäät durchbohrte Kopp, dä do opgestallt weed, es hügg noch em Stadtmuseum ze sinn. Hä steiht do, bes de neu Eroberer us Frankreich 1797 ene Freiheitsbaum do enflanze. – Schings kann mer dat Spillcher esu ov esu sinn. Hüggzedags steiht derr zick 1913 der Fastelovendspütz.
    Un natörlich es der Gülich zorääch ömstredde. Dat fingk sich en der Figur widder. De Fingere vun der räächte Hand, met dä hä schwört, sin avgetrennt. Se es gar nit kapodd! Et es en Mahnung an de politisch-ethische Ihr. De Schlang, die de Bein ömweckelt, un de Krad, die an singe Föß ze sinn es, sage, dat och hä gescheitert es.
    Tjo, un wesst ehr wat? 1989 han Metarbeider vun der Stadt Kölle de Figur gestiff. Vür dä Geste han ich große Respek un mööch mich an dä Stell bei dä Minsche bedanke, vun denne ich nit ens de Name kenne. Glichziggig falle mer ganz aktuell Persone en, denne ich gään e Kreppche vun Ampsmessbruch, Korruption un Klüngel verzälle mööch.

    Mechel
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  • Doch noch ein Heinzelmann in Köln

    13 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 26 °C

    Ja wat denn? Laut der Sage von den Heinzelmännchen sind sie doch alle weg. Jeder kennt doch die Geschichte des August Kopisch, als Gedicht verfasst und den schönen Brunnen in Domnähe. Demnach sind sie doch verärgert geflohen. Alle? Nein, einer ist noch da. Einer brachte es einfach nicht übers Herz, seiner Heimatstadt den Rücken zu kehren. Der Grinkenschmied.

    Seit jeher einer der bekanntesten dieser außergewöhnlichen Truppe, ist er mir heute eine kleine Geschichte wert.
    Aber erstmal zum Namen „Grinkenschmied“. Als „Grinken“ bezeichnete man früher den eisernen Reifen an den Holzrädern der Karren. Und genau diese Reifen schmiedet dieser kleine Zwerg auf Bestellung für die Menschen. Dazu muss man sich nach Höhenhaus zum Schönrather Hof begeben. Dort in einem kleinen Wäldchen lebt der Heinzelmann in seiner Höhle. Wenn man nun das Material dort ablegt und ihn per Zuruf um Hilfe bittet, kann man nachts das Hämmern vernehmen und tags darauf liegt das fertige Produkt fein säuberlich vor der Höhle.

    Zu verdanken haben wir diese schöne Geschichte übrigens dem Heimatforscher Franz-Peter Kürten. Er hat den kleinen lokalpatriotischen Schmied entdeckt, der es nicht übers Herz gebracht hat, seiner Heimatstadt den Rücken zu kehren. Kürten entdeckte ihn nach eigener Aussage „Aan de sibbe Bäum“.

    Eine feine kleine Geschichte, finde ich. Und wir Kölner lieben unsere Geschichten. Deshalb wird sie in Höhenhaus auch lebendig gehalten. Denn jedes Jahr zur Kirmes wird der Grinkenschmied mit einem Festzug durch Höhenhaus bis zum Kirmesplatz, dem Wupperplatz getragen und feiert mit den Bewohnern. Nach der Kirmes verschwindet er dann wieder in seiner Höhle.

    Aber seit Mai 1979 könnt ihr euch wenigstens sein Denkmal anschauen. In einer Nische des Wupperplatzes findet ihr eine bronzene Tafel auf der unser lustiger Geselle hammerschwingend seiner Arbeit nachgeht. Die Tafel ist sehr hübsch, und wer in die lustigen Augen des bärtigen Heinzel schaut, dem ist klar, einen haben wir noch. Unseren Grinkenschmied. Den Kölner Heinzelmann.

    Ich habe mir die Tafel an diesem hübschen Platz angesehen, und ja, ich bin mir ganz sicher, er hat mir zugezwinkert, der kleine kölsche Lokalpatriot.

    Übrigens findet auf diesem Platz mittwochs und samstags ein kleiner aber feiner Wochenmarkt statt und es gibt hier die Gaststätte „Zum Grinkenschmied“. Das sollten doch genug Argumente für einen kleinen Abstecher nach Höhenhaus sein
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  • Der Hildebold-Dom

    11 Agustus 2020, Jerman ⋅ ⛅ 29 °C

    Davon, dass unser Dom, so wie die meisten Kirchen Kölns, einen Vorgänger hat, den "Alten Dom" oder "Hildebold-Dom", habe ich euch bereits berichtet. Der Begriff "Alter Dom" erklärt sich ja von selbst, aber warum "Hildebold-Dom"? Wer war dieser Hildebold? Gehen wir zurück in das 8. Jahrhundert...

    Hildebold war ein einfacher Dorfpfarrer, der seine Gottesdienste in einer kleinen Kapelle (im heutigen Lindenthaler Krieler Dömchen) abhielt. Nun trug es sich laut einer Sage zu, dass Kaiser Karl der Große auf dem Weg nach Köln zur Wahl des Bischofs an eben dieser Kapelle vorbeikam. Erschöpft von der Jagd, an der er kurz zuvor noch teilgenommen hatte, gönnte er sich und seinem Pferd eine Pause, band dieses draußen an und betrat die kleine Kapelle, gerade als Pfarrer Hildebold seinen Gottesdienst hielt. Karl, vom Pfarrer unerkannt geblieben, war so berührt von dem eben erlebten Gottesdienst, dass er Hildebold ein Goldstück für die Kapelle spenden wollte, welches dieser aber ablehnte, in dem Glauben, einen normalen Jäger vor sich zu haben, der sich großtun wollte. Stattdessen wünschte er sich lediglich ein Stückchen Leder als Einband für sein Gebetbuch.
    Karl imponierte diese Bescheidenheit sehr. Er gab sich zu erkennen und war von diesem Tage an ein guter Freund Hildebolds.

    Aber er war nicht nur ein Freund, er förderte den Geistlichen auch, wo er nur konnte. So setzte er Hildebold im Jahre 787 als Bischof von Köln ein.
    Dieses Amt bekleidete dieser bis zum Jahre 795. Von 795 bis 818 dann war er der erste Erzbischof des Erzbistums Köln. Dieser Titel allerdings war ein Ehrentitel, das Pallium, ein Amtsabzeichen der römisch-katholischen Metropoliten erhielt erst Erzbischof Gunthar um das Jahr 850 von Papst Nikolaus.

    Aber zurück zu Hildebold. Bereits in seiner Amtszeit als Bischof von Köln wurde er im Jahr 791 von Karl dem Großen zum Erzkaplan der Hofkapelle und auch zum Reichskanzler ernannt.

    Welche Macht ein Herrscher hatte, zeigte sich beispielsweise darin, dass Karl Papst Hadrian I. bat, Hildebold von seiner Residenzpflicht in Köln zu entbinden und dieser Bitte auch nachgegeben wurde. Hildebold konnte so seinen weltlichen Pflichten am Hofe Karls des Großen nachkommen. Der Erzbischof war dort ein sehr richtungsweisender Mann, denn die Hofkapelle mit ihren Kaplänen bildeten das weltliche und kirchliche Zentrum, bzw. deren Verwaltung. Die Schriftenwicklung des christlichen Abendlandes fand hier ihren Ursprung.

    Nachdem das Bistum Köln im Jahre 794/795 zum Erzbistum erhoben worden war, welchem mehrere Bistümer, wie z. B. Bremen, Lüttich oder Minden als sogenannte Suffraganbistümer unterstellt waren, wurde die Vergrößerung des damaligen Kölner Domes von Erzbischof Hildebold veranlasst. Zur Erklärung: Suffragan hat nichts mit dem Suff zu tun, sondern kommt vom lateinischen Wort "Suffragium", einem Begriff aus dem Kirchenrecht, was soviel bedeutet wie: "dem Erzbischof unterstellt".

    Erzbischof Hildebold gründete während seiner Amtszeit die Kölner Domschule, ebenso stiftete er die Dombibliothek. Noch heute sind in Köln mehrere Handschriften erhalten, in denen Hildebold im "Codex sub Pio Patre Hildebaldo scriptus" erscheint, was besagt, dass die Schriften von ihm stammen und in seinem Besitz waren.

    Wir schreiben das Jahr 811...als erster Zeuge unterschreibt Hildebold das Testament seines Freundes Karl des Großen und drei Jahre später, als es auf dessen Ende zuging, erhielt dieser vom Erzbischof in Aachen die heilige Kommunion und die letzte Ölung.
    Seine Stellung behielt Hildebold auch nach dem Tode Karls, bis er selbst im Jahre 818 in Köln starb. Beigesetzt wurde er, nein, nicht im Kölner Dom, wie man jetzt vermuten könnte, sondern in St. Gereon.

    Ob der Bau zur Erweiterung des "Alten Domes" wirklich ihm, oder etwas weiter oben beschrieben, jenem Erzbischof Gunthar zugeschrieben werden soll, ist fraglich. Gunthar wurde exkommuniziert, verblieb jedoch für drei Jahre im Amt. Als Namensgeber kam er so aber nicht mehr in Frage und so schrieb man die Kirche dem bekannteren Hildebold zu.

    Es ist erstaunlich, wie verwoben alles miteinander ist. Im Kölner Dom "trifft" man ebenso auf Hildebold, wie ihr im Foto sehen könnt, ebenso wie in St. Gereon. Ich finde die Kölner Geschichte mehr als faszinierend. Und ihr?

    Bis bald
    eure Ramona
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  • Mühlsteinbrunnen im Forstbot. Garten

    10 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☀️ 30 °C

    Der Mühlsteinbrunnen im Forstbotanischen Garten
    Um diesen Brunnen sehen zu können, müssen wir ein wenig raus ins Grüne. Genauer, nach Rodenkirchen in den Forstbotanischen Garten. Dies ist aber gar nicht weiter schlimm, denn es lohnt sich absolut.
    Mitten im Garten auf einer ganz leichten Anhöhe unmittelbar am Wetterpilz finden wir den 1964 großzügig angelegten Brunnen dann auch. Kurt Schönbohm errichtete diese schöne Brunnenanlage, und das ist kein Zufall, entstammt er doch einer traditionsreichen Gartenbaufamilie. So war er maßgeblich an großen Projekten, wie dem Bau des Aachener Weihers und sogar des Rheinparks, beteiligt.
    Die Älteren erinnern sich vielleicht an die alte Brunnenanlage auf dem Neumarkt, auch diese war von ihm geschaffen worden. Leider wurde sie 1993 stillgelegt. Schönbohm starb 1997 und liegt auf Melaten begraben.
    Aber nun zum Brunnen selbst. Er liegt wunderbar auf einer kleinen Anhöhe, eingefasst von Kieselsteinen erheben sich drei große Mühlsteine, aus denen Wasser erst auf die Mühlsteine fließt, um dann über den Rand zu laufen und sich in der Naturanlage zu sammeln. Am Rand der Anlage läuft das Wasser dann einen kleinen Minibach herab. Ab und zu gibt es noch ein kleines „Extra“ zu bestaunen, denn hier sind einige Pfauen heimisch, die sich hier erfrischen und sich gerne in unmittelbarer Nähe aufhalten.
    Alles in allem ist dies sicher keine Sensation aber als Spaziergang eine absolut feine Abwechslung. Mir jedenfalls hat es hier sehr gut gefallen. Und nach diesem Spaziergang evtl. noch nach Rodenkirchen, um ein Eis zu essen oder ein leckeres Kölsch? Gastronomie gibt es hier genug.

    Bleibt neugierig und aufmerksam
    Euer Ronald
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  • Der Nepomuk in Zündorf

    9 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 29 °C

    Der Nepomuk in Zündorf

    An vielen Gewässern steht der Hl. Nepomuk, ob als Säulenheiliger oder Brückenheiliger, er ist überall zu finden. Auf Kölschgänger habe ich ihn schon einmal in einem Beitrag erwähnt. Ihr erinnert euch an meinen Artikel über die älteste Wasserburg Kölns? Dort an der Burg Herl steht eine Nepomuk Statue. Heute kommt er mir wieder entgegen. Nein, er springt mir förmlich ins Sichtfeld, als ich vom Rhein kommend, die kleine Brücke Richtung Zündorf überquere. Am Rhein scheint er mir öfter vorzukommen, am Schokoladenmuseum und auch in Beuel, bei Bonn oder am Niehler Dömchen. Letzteren hat Ronald ebenfalls einmal erwähnt, in einem seiner Artikel. Ihr merkt es schon - Nepomuk rocks!
    Doch warum ist das so?
    Der Nepomuk war doch eigentlich ein sehr gequälter Mann, wurde er doch der Geschichte nach ertränkt. Und doch ist er nun Schutzpatron der Schiffer, Flößer und Müller. Aber auch der Priester. Das hängt mit seiner Verschwiegenheit zusammen. Er hat nämlich das Beichtgeheimnis gewahrt und genau deswegen wurde er ertränkt.
    In der Legende um ihn sollen 5 Flammen um seinen Kopf erschienen sein. Diese findet man bei den Nepomuk Statuen ebenfalls, oftmals als Heiligenschein mit Sternen. So auch an der Säule in Köln Porz-Zündorf.
    Er blickt vom Marktplatz über die Brücke Richtung Groov und Rhein.
    Passt schon! So als Brückenheiliger und er soll ja auch Schutzpatron gegen die Hochwasser- Gefahr sein.
    So kamen im Jahre 1775 ein paar Zündorfer Schiffer auf die Idee, auch in ihrem Heimatort eine Nepomukstatue aufzustellen.
    Heute ist sie immer noch ein Blickfang und steht natürlich unter Denkmalschutz.
    Doch wer war eigentlich dieser Nepomuk?
    Sein Name war Johannes von Pomuk, aus diesem bildete sich der Name Nepomuk heraus. Pomuk ist ein Ort in Böhmen. Er hatte eine glänzende Kirchenkarriere vor sich, wäre da nicht die Neugier König Wenzels gewesen. Der ließ ihn wegen der Wahrung des Beichtgeheimnisses in der Moldau ertränken. Sagt die Legende. Aber andere Quellen behaupten auch schon einmal anderes.
    Den Zündorfern ist es schlussendlich egal, für sie soll er nur Schutzpatron sein und das bekommt er wohl sehr gut hin. Auch wenn er bei einem Pegel über 8,70 Meter schon im Wasser steht, da Zündorf einer der doch sehr nah am Rhein gelegenen Orte ist. Dank dem alten Nepomuk und der modernen Hochwasserschutzwand sagt der Zündorfer: "Et hät noch emme jood jejange!"

    Habt einen schönen Sonntag
    Eure Elisabeth
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  • Der Rodhuusturm / Der Rathausturm

    8 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☀️ 32 °C

    Wä hät et Regalt en Kölle? Wann dat esu klor wör, wör die Historie vun Kölle flöck geschrevve un ich mööt mer e neu Hobby söke.

    Hüggzedags es die Antwood jo noch rääch einfach: der Rod – wä ov wat och immer Enfloss op die Entscheidunge nimmp – ov et Dreigesteen. Em Meddelalder wor dat nit esu klor. E Dreigesteen gov et domols och. Et soh jet anders us, ävver mehr süht et hügg luuter noch em Panorama: Der Dom steiht för der Ääzbischoff, dä de geisliche Maach hatt. Groß Sank Martin steiht för de Patrizier. Vermöge un Weetschaffskraff han de Stefte vun Kölle jo vür allem och durch großzögige Spende vun de Patrizier erlange künne. Zoletz kom em 15. Johrhundert der Rodhuusturm dobei. Dä steiht för der Rod, dä de weltliche Maach hatt. Un weil die all sich nie einig wore, han mer esu schön Verzällcher wie bei „Don Camillo un Peppone“, nor, dat et hee Ääns wor un am Engk bei dä Kämf vill Kölsche en et Gras gebesse han.

    Wichtig och, dat mer do zeig, wat mer hät, domet mer nit ald vun usse klein wirk. Am Dom trick mer em 15. Johrhundert der Südturm huh. De Hellige Drei Künninge sorge doför, dat Spende ze baschte fleeße. Der Ääzbischoff hät si Symbol. Groß Sank Martin, der Benedektiner-Steff, hät gewetzte Äb, die dä Steff rich maache. Die staatse Kirch es och ald fäädig, wie et em Rod ene ganz besondere Momang gitt: ene grundlägende Wähßel vun der Maach. De riche Patrizier weede 1396 vun denne avgelös, die et durch Handel un Arbeid och jet us sich gemaht han: Gaffele un Zünf. Ene „Verbundbreef“ regelt jetz die neue Oodnung en der Stadt.

    Wie sich die Grupp zoteet hät, kütt baal die Frog op, wie mer die neue Verhäldnisse dann och zeig. Un bei dä ville Türm vun de Kirche wor klor, dat do en Turm an et Rodhuus kütt, dä mer vun Wiggem süht un klor mäht, dat hee och der Bürger jet ze sage hät.

    Der Rodshäär Köbes vum Aldenmart, dä och Steinmetz es, entwirf un baut dä Turm en dä sibbe Johr vun 1407 bes 1414. - Wann hä gewoss hät, wievill Köbesse et hügg esu am Alder Maat gitt… Hä nimmp sich wall die „Belfriede“ als Vürbeld, wie se im belgische Flame unzällig stonn. Dat sin huh Türm, die miets schlank em gotische Stil gebaut sin un zo dä Zigg einfach die schönste Profanbaute darstelle, die mer finge kann. Do sin wall die Endröck dran schuld, die de kölsche Händler us dä Zigg vun dä Gägend metgebraht han.

    Der Köbes vum Aldemart trick op en Grundfläch, die quadratisch es un en Siggeläng vun 13,20 Meter hät (wat em domolige Maß genau 40 Foß sin) ene 61 Meter lange Turm en de Hüh. Fünf Etage hät dä Praachbau, drei veereckige un drop noch zwei aacheckige. Un e bessche, muss mer sage, süht hä em gotische Stil och wie ene Kirchturm us. Ganz bovve, op der Brüstung vun der fünfte Etage, hät hä och ene Kranz Fiale (klein spetze Türmcher), wie se och am Dom ze sinn sin un dä deftige Bau jet filigran usklinge looße. Un ganz klor, wann mer sich der Haupengang op der Südsigg aanluurt, meint mer, mer hätt en klein Variante vum Petersportal am Dom vür sich. Esu ganz ohne der Dom geiht et en Kölle zo dä Zigg och dann nit, wann mer sich vum Ääzbischoff avhevve mööch.

    Üvvrigens hät mer ald zo dä Zigg der Turm met Persönlichkeite us der Historie vun Kölle geschmück. 150 wore et domols. Nä, nä, dat hät mer nit en der Neuzigg erfunge. Mer hät ald domols Wäät drop gelaht, die Vürväter ze ihre.

    Ganz bovve en der Spetz, dä Daachreiter, zeig die praktische Funktion, die dä Turm zo dä Zigg och hät: en Brandwaach sitz do un pass op un es als Trötemann luuter parat, de Kölsche zo warne, wann Gefahr droht.

    Un ich gläuve, et es klor, dat mer der Ääzbischoff och sage wollt: „Hee! Mer passe hee en Kölle op uns op!“

    Mechel

    -

    Un ich gläuve, dat wor och als Warnung för der Ääzbischoff gedaach: Mer passe hee en Kölle op uns op!

    Wer ist in Kölle an der Macht? Wenn das so einfach wäre, wäre die Geschichte von Köln schnell geschrieben und ich müsste mir ein neues Hobby suchen.

    Heutzutage ist die Antwort ja noch recht einfach: der Rat – wer oder was auch immer Einfluss auf die Entscheidungen nimmt – oder das Dreigestirn. Im Mittelalter war das nicht so klar. Ein Dreigestirn gab es damals auch. Es sah etwas anders aus, aber man sieht es heute noch im Panorama: Der Dom steht für den Erzbischof, der die geistlichen Macht inne hatte. Groß Sankt Martin steht für die Patrizier. Vermögen und Wirtschaftskraft haben die Stifte von Köln ja vor allem auch durch großzügige Spenden der Patrizier erlangen können. Zuletzt der Rathausturm, der für den Rat steht, der die weltliche Macht hatte. Und weil die alle sich nie einig waren, haben wir so schöne Erzählungen wie bei „Don Camillo und Peppone“, nur, dass es hier Ernst war und bei diesen Kämpfen viele Kölsche umkamen.

    Wichtig auch, dass man da zeigt, was man hat, damit man nicht schon von außen klein wirkt. Am Dom zieht man im 15. Jahrhundert den Südturm hoch. Die Heiligen Drei Könige sorgen dafür, dass Spenden reichlich fließen. Der Erzbischof hat sein Symbol. Groß Sankt Martin, der Benediktiner- Stift, hat schlaue Äbte, die den Stift reich machen. Die mächtige Kirche ist auch schon fertig, als es im Rat einen ganz besonderen Moment gibt: ein grundlegender Wechsel der Macht. Die reichen Patrizier werden 1396 von denen abgelöst, die durch Handel und Arbeit auch etwas aus sich gemacht haben: Gaffeln und Zünfte. Ein „Verbundbrief“ regelt jetzt die neue Ordnung in der Stadt.
    Als sich die Gruppe sortiert hat, kommt bald die Frage auf, wie man diese neuen Verhältnisse denn auch zeigt. Und bei den viele Türme der Kirchen war klar, dass da ein Turm an das Rathaus kommt, den man von Weitem sieht und klar macht, dass hier auch der Bürger etwas zu sagen hat.

    Der Ratsherr Jakob vom Aldenmart, der auch Steinmetz ist, entwirft und baut einen Turm in den sieben Jahren von 1407 bis 1417. Er nimmt sich wohl die „Belfriede“ als Vorbild, wie sie im belgischen Flandern zahlreich stehen. Das sind hohe, meist schlanke Türme, die im gotischen Stil gebaut sind und zu dieser Zeit einfach die schönsten Profanbauten darstellen, die man finden kann. Daran sind wohl die Eindrücke schuld, die die kölschen Händler aus dieser Zeit von dieser Gegend mitgebracht haben.

    Jakob vom Aldenmart zieht auf einer quadratischen Grundfläche mit einer Seitenlänge von 13,20 Metern (was em damaligen Maß genau 40 Fuß sind) einen 61 Metern langen Turm in die Höhe. Fünf Etagen hat dieser Prachtbau, drei viereckige und darauf zwei achteckige. Und ein wenig, muss man sagen, sieht er im gotischen Stil auch wie ein Kirchturm aus. Ganz oben, auf der Brüstung der fünften Etage, hat er auch einen Kranz Fialen (kleine spitze Türmchen), wie sie auch am Dom zu sehen sind und den kräftigen Bau etwas filigran ausklingen lassen. Und ganz klar, wenn man sich den Haupteingang auf der Südseite ansieht, meint man, man hätte eine kleine Variante des Petersportals am Dom vor sich. So ganz ohne Dom geht es in Köln zu dieser Zeit auch dann nicht, wenn man sich vom Erzbischof abheben möchte.

    Übrigens hat man schon zu dieser Zeit den Turm mit Persönlichkeiten aus der Historie Kölns geschmückt. 150 waren es damals. Nein, nein, das hat man nicht in der Neuzeit erfunden. Man hat damals schon Wert darauf gelegt, die Vorväter zu ehren.

    Ganz oben in der Spitze, der Dachreiter, zeigt die praktische Funktion, die der Turm zu dieser Zeit auch hat: eine Brandwache sitzt dort und passt auf und ist als Hornbläser immer bereit, die Kölner zu warnen, falls Gefahr droht.

    Ich glaube, es ist auch klar, dass man dem Erzbischof sagen wollte. „Hier! Wir passen in Köln auf uns auf!“

    Michael
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  • Arnold-von-Siegen-Brunnen

    6 Agustus 2020, Jerman ⋅ ⛅ 29 °C

    Der Arnold-von-Siegen-Brunnen

    Dieser Brunnen mit seinen sehr ungewöhnlichen Kippungen des Wasserlaufs wurde 1962 errichtet. Er erinnert an Arnold von Siegen, einem Kölner Bürgermeister des 16. Jahrhunderts. Frau Elisabeth Baumeister-Bühler war die Künstlerin, welche diesen Brunnen baute. Übrigens die erste Frau, die 1958 in die Dombauhütte aufgenommen wurde. Dieser Brunnen steht unmittelbar neben einer der ältesten Kirchen Kölns, der Johann-Baptist Kirche oder „Zint Jan“, wie der Kölner sie eher nennt. Hier in der Kirche befindet sich auch sein Grab.
    Das war die Kurzform, aber nun etwas genauer.
    Arnold von Siegen war Ratsherr, einer der einflussreichsten Bürgermeister des 16. Jahrhunderts, kaiserlicher Rat, zudem wurde er in den Ritterstand erhoben. Sein Werdegang war schon sehr beachtlich, an der alten Universität zu Köln war er als Provisor bestellt, auch als Rentmeister war er längere Zeit tätig, ebenso war er lange Bürgermeister und wohl sehr beliebt. So ist es wohl nicht verwunderlich, dass ihm ein Brunnen gewidmet wurde. Auch der Standort ist kein Zufall, St. Baptist war „seine“ Pfarrkirche und Arnold von Siegen hat diese finanziell stark unterstützt.
    Der Brunnen wurde von der Künstlerin Elisabeth Baumeister-Bühler geschaffen. Diese Frau hat in dieser Stadt ihre Spuren hinterlassen, so war sie die erste Dombildhauerin in der Dombauhütte Köln, mehrere Plastiken an der West- und Südseite wurden von ihr geschaffen. Auch am Rathausturm finden wir zwei Skulpturen, die aus ihrer Hand stammen, nämlich Theophanu und Agilolf von Köln. Dies sind nur einige Beispiele, wir werden ihr sicher in absehbarer Zeit einen eigenen Beitrag widmen. Sie liegt auf dem Kölner Südfriedhof begraben.
    Nun zum Brunnen selbst. Geschaffen wurde der abstrakte Brunnen 1966, als Hauptmaterial wurde Bronze verwendet. Den Mittelpunkt dieses Brunnens stellen zweifellos die schräg gekippten Schalen, die stark an Schiffchen erinnern. Durch diese schönen in zick-zack-Linie angeordneten Schalen wird das Wasser sachte Stück für Stück auf eine Schale und von dort in das runde Becken geleitet. Durch die Schalen zieht sich mittig ein Brunnenstock.
    Auf der zweistufigen Beckenumrandung finden wir folgende Inschrift. „Arnold von Siegen, Bürgermeister zu Köln von 1529-1562“. Ebenfalls ist eine Plakette angebracht mit dem Text: Entwurf und Ausführung Elisabeth Baumeister-Bühler.
    Da es hier auch eine Sitzgelegenheit gibt, bietet es sich geradezu an, einen Augenblick zu verweilen und die hübsche Optik des Brunnens zu genießen.

    Bleibt neugierig und aufmerksam

    Euer Ronald
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  • Ein Märtyrer vor dem Herrn

    4 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☀️ 19 °C

    So. Jetzt aber. Nachdem ich in meinem letzten Beitrag eine andere Heilige vorgezogen hatte, geht es diesmal aber wirklich um den heiligen Gereon.

    Es war auf einem Feld bei Köln, später Mechtern (abgeleitet aus dem lateinischen "ad martyres", woraus schon das Wort Märtyrer herauszulesen ist), heutiges Gebiet zwischen Thebäer- und Mechternstraße in Köln-Ehrenfeld, wo Hauptmann Gereon, zusammen mit seinen Mitstreitern sein Leben verloren haben soll. Eine andere Version der Legende besagt, dass Gereon am Gereonsdriesch gestorben ist. Welche nun stimmt, vermag ich leider aufgrund meiner damaligen Abwesenheit (Spass) nicht zu sagen. Das aber nur nebenbei.

    Was passiert war? Nun, er hatte sich seinen Glauben an Gott nicht nehmen lassen. Aber zum Anfang...

    Gegen Ende des 3. Jahrhunderts gab es zwei große Kaiser, die sich die Herrschaft über das römische Reich teilten. Diokletian im Osten, Maximian im Westen. Durch ein strenges Regiment gelang es ihnen, dem Weltreich, welches längst nicht mehr auf festem Fundament gebaut war, wieder zu Reichtum und Glanz zu verhelfen. Strenges Regiment bedeutete, daß mit Waffengewalt dafür gesorgt wurde, dass die geschaffenen Gesetze auch eingehalten wurden. Dann aber geschah etwas, was die Menschheit auch heute noch kennt. All der Reichtum genügte den beiden Kaisern nicht mehr. Sie strebten nach mehr.
    Und so ernannten sie sich selbst zu Göttern, die von ihren Untergebenen von nun an angebetet werden wollten. Und zwar nur noch sie und den gläubigen Christen drohte bei Zuwiderhandlung, sprich bei Glauben an den einen eigenen Gott, die Hinrichtung. Kirchen wurden verschlossen oder sogar zerstört.

    Was folgte, war eine erbarmungslose Hetzjagd auf die Christen im ganzen Reich. Es wurde so schlimm, dass Kaiser Diokletian Speziallegionen zu Kaiser Maximian schickte, um auch die Gläubigen jenseits der Alpen zu eliminieren. Die Männer dieser Legionen stammten aus dem ägyptischen Theben, und sie waren gefürchtet...denn sie hatten den Ruf, keine Scheu vor dem Töten zu haben.

    Maximian entsandte Teile der Truppen aus der Schweiz nun nach Trier, Xanten, Bonn - und jetzt kommen wir zu unserem Protagonisten - nach Köln. Hauptmann Gereon zog mit 318 Mann in Köln ein, wo er sich gleich nach Ankunft seiner Truppe beim Unterfeldherrn Rictius zu melden hatte.
    Während er auf seinen Befehl wartete, welchen er zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, schauten sich er und einige seiner Männer ein wenig in der Gegend um und sie waren verwundert, warum alle Menschen dort große Angst zu haben schienen und teilweise sogar vor ihnen fortliefen. Die kleine Gruppe um Gereon suchte ein Gotteshaus, um zu beten, und als sie endlich eines gefunden hatten, welches aber verschlossen war, knieten sie kurzerhand vor dem Eingang nieder und beteten dort. Aus einiger Entfernung rief jemand das Wort "Heuchler". Gereon verstand wieder nicht und auf seine Nachfrage bekam er zu hören: "heute betet ihr und morgen tötet ihr uns". Gereon wies dies zurück, garantiert würden sie keine Christen umbringen und er konnte selbst einen kleinen ängstlichen Jungen, der ihn mit einem Stein bewerfen wollte, davon überzeugen, selbst Christ zu sein und an Gott zu glauben.

    Dann kam der nächste Tag...

    Unterfeldherr Rictius erteilte Hauptmann Gereon den Auftrag, alle gläubigen Christen Kölns zu vernichten. Die Menschen, die das hörten, weinten und waren der Verzweiflung nahe, aber es geschah etwas unerwartetes. Hauptmann Gereon, sowie sämtliche Legionäre seiner Truppe verweigerten den Gehorsam. Er würde keine Menschen anbeten, denn nichts anderes als das waren die selbsternannten "Götter" Diokletian und Maximian, ebenso würde er keine Gläubigen töten. Der erzürnte Unterfeldherr ließ daraufhin einen nach dem anderen der Gefolgsleute Gereons enthaupten, während die noch Lebenden laut und provokativ das "Vater unser" beteten.
    Gereon starb als letzter.

    Der Legende nach erlitt er sein Martyrium an der sich heute im Inneren der Kirche St. Gereon befindlichen Blutsäule, welcher daraufhin bis zum heutigen Tage die Fähigkeit zugesprochen wird, zwischen Gut und böse unterscheiden zu können.

    Rictius stellte lautstark klar, dass so wie Gereon alle Christen sterben würden, doch seine Legionäre fanden keinen einzigen Gläubigen mehr in der ganzen Stadt. Gereon hatte ihnen die Angst genommen und so blieben sie, anstatt zu fliehen. Bis die Herrschaft der beiden mächtigen Kaiser zu Ende ging, lebten sie, gegenseitig geschützt und heimlich weiter glaubend, in der Stadt und unter dem neuen Kaiser Konstantin durften Christen endlich wieder Christen sein.

    Der heilige Gereon ist der Patron von Köln, der Soldaten und, ja ich weiß, es klingt seltsam, der gegen Kopfschmerzen. Aber was wir von Gereon lernen dürfen, ist, uns nicht von anderen von dem abbringen zu lassen, woran wir glauben.

    Nächstes Mal, wenn ich in Köln bin, werde ich wieder St. Gereon besuchen, die für mich persönlich schönste romanische Kirche Kölns, aber sicherlich nicht, ohne meine Gedanken zu dieser Legende schweifen zu lassen. Ich bin sicher, euch wird es genauso gehen.

    Eure Ramona
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  • Tor mit dem Goldenen Stein

    3 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 21 °C

    Kunst im öffentlichen Raum

    Tor mit dem Goldenen Stein

    Heute möchte ich auf ein Kunstobjekt zum Thema „Ehrenfelder U-Bahn-Kunst“, diesmal an der U-Bahn-Haltestelle „Akazienweg“ aufmerksam machen. Gestaltet hat es der Künstler Heinz Brummack. Bereits unten am Bahnsteig sehen wir ein angedeutetes Tor mit einem großen, goldfarbenen Stein, der auf dieses Kunstwerk hindeutet.
    Das eigentliche Kunstwerk steht dann am Eingang zur Haltestelle. Wir sehen ein großes Tor mit zwei verschiedenen Texten. Wenn wir vom Bahnsteig kommen, ist folgender Text zu lesen. „IANVA IVDICII“, was übersetzt „Tor der Gesetzmäßigkeit“ bedeutet. Auf der anderen Seite, von der Straße kommend ist „VIATORI ILLEGALI“ zu lesen, übersetzt bedeutet es „dem unrechtmäßig Reisenden“.
    So soll der locker sitzende Findling auf den Reisenden im übertragenen Sinn „bedrohlich“ wirken, ihm das Gefühl vermitteln, der Stein könne ihm jeden Augenblick auf den Kopf fallen. Dies soll das ungute Gefühl oder schlechte Gewissen darstellen, ihn vor der Straftat des Schwarzfahrens warnen.
    Das Tor ist hübsch und die farbige Gestaltung gefällt mir. Dies ist als Ort der Gewissensprüfung zu verstehen. Irgendwie ziemlich cool umgesetzt. Eine absolut gelungene Torinstallation mit moralischem Fingerzeig, den man sogar verstehen kann.
    Zusätzlich hat Walter Kremp, ehemals Schulleiter der katholischen Grundschule Erlenweg an einem Haus unmittelbar neben dem Tor mit einer Schulklasse in einer schönen Aktion eine Tafel angebracht, die den Sinn zumindest ein Stück weit erklärt.
    Auf der Tafel steht folgendes:
    Bedeutung der U-Bahn-Kunst Akazienweg
    TOR MIT DEM GOLDENEN STEIN
    (Findling)
    1989
    Entwurf: Bildhauer Heinrich Brummack Köln
    Inschrift: Professor Michael Sievernich SJ Frankfurt
    VIATORI ILLEGALI
    Übersetzung: dem unrechtmäßigen Reisenden
    Bedeutung: Eine Mahnung an die „Schwarzfahrer“
    IANVA IVDICII
    Übersetzung: Tor des Gerichtes
    Bedeutung: Hinweis auf ein drohendes Bußgeld für die „Schwarzfahrer“
    und auf ein belastendes Gewissen
    BÜRGERVEREIN KÖLN-BICKENDORF
    GAG IMMOBILIEN AG Köln
    2003
    Es lohnt sich, einmal einen kleinen Abstecher hier zur Venloer Straße 728 zu unternehmen.
    bleibt neugierig und wachsam

    euer Ronald
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  • Jüdischer Friedhof Bocklemünd

    2 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 22 °C

    Der Jüdische Friedhof in Vogelsang
    Wenn man männlichen Geschlechts ist, muss man dort eine Kopfbedeckung tragen. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt derjenige ist.

    Für die, die einfach nur mal zu Besuch kommen, sind am Eingang meist Kopfbedeckungen vorhanden.

    So beginnt mein Rundgang über den Jüdischen Friedhof Bocklemünd auch gleich mit der Frage, ob meine Begleitung schlicht und einfach seine Wollmütze aufbehalten kann.
    Kann er, die Hauptsache ist, er geht nicht "oben ohne".
    Der Friedhof liegt heute geographisch gesehen auf dem Gebiet von Köln-Vogelsang. Ursprünglich lag er in Köln-Bocklemünd, wo er 1918 eröffnet wurde. Er ist der größte der Jüdischen Friedhöfe in Köln. Weitere gibt es in Deutz, Ehrenfeld und Mülheim.
    Seinen Eingang ziert ein hebräischer Spruch aus dem Alten Testament, aus dem Buch Habakuk. In der Übersetzung bedeutet er soviel wie "Der Gerechte lebt in seinem Glauben."
    Das stimmt mich etwas nachdenklich, denn leben nicht die meisten Menschen in ihrem Glauben? Sind demnach alle gerecht? Natürlich diskutiere ich dies mit mit meiner Begleitung.
    Wir hatten uns vorgenommen, das ganze Areal anzuschauen. So viele Grabstellen auf 50.000 Quadratmeter wollten besichtigt werden. An einer Stelle kamen sie uns sehr identisch vor. Aber auch sehr alt. Ein wenig erinnerte mich das an eine Filmszene. Bei genauem Hinsehen stellt man fest, dies müssen die Reste der Gräber vom Judenbüchel Friedhof (Bonntor) sein.
    Besonders interessant waren dann auch die verschiedenen Denkmäler und das Lapidarium. Dort befinden sich 58 Steinfragmente des früheren mittelalterlichen jüdischen Friedhofs Bonntor. Dieser wurde 1936 aufgelassen und ein Großteil wurde nach Bocklemünd umgebettet. Heute ist dort, wo einst der Friedhof Judenbüchel/Bonntor war, die Großmarkthalle. Ich bin doch immer wieder erstaunt, was wir auf unseren Kölschgänger Touren so herausfinden.
    Der Jüdische Friedhof liegt übrigens unmittelbar beim Kölner Westfriedhof.
    Für Liebhaber der Steinmetzarbeiten ist der Jüdische Friedhof sehr empfehlenswert, denn es finden sich dort großartige Arbeiten von künstlerischem Wert.
    In einer dieser Grabstellen ruht Leonhard Tietz, der "ursprüngliche Gründer" des späteren Kaufhof.
    Neugierig geworden? Auf ein Stück anderer Geschichte Kölns? Mit den Straßenbahnlinien 3 und 4 ist der Friedhof bequem zu erreichen.

    Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.
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  • Griet, die Magd

    1 Agustus 2020, Jerman ⋅ ☁️ 25 °C

    Das Hochdeutsche steht am Ende...

    „Dat Kreppche vum Griet zo hüre, wör och schön.“ – Leev Bärbelche, dat uns folg un esu ene Henwies gitt, do häs Do mir jet aangedon. E Kreppche vum Griet gitt et nit. Hügg müsse mer hee jet kreativ sin un uns einfach e paar Gedanke maache.
    Wat mer üvver et Griet wesse, es eigentlich: nix. Wie soll dat och aangonn? Mer wesse jo nit ens secher, wo dä bekannte Jan vun Wääth genau gebore woodt. Nor et Johr wesse mer: 1591. Un ich gläuve, dat och nor, weil hä ene Held es. Wat solle mer do vun einem vun dä ville dausend Mähde wesse, die zo dä Zigg keiner intresseet?
    Wat mer meine zo wesse, es, dat et Griet en Mähd om „Kümpchenshoff“ wor. Mer han noch en Stroß, die esu heiß. Dä Hoff log zick 1395 benne vun der Stadtmuur. Die Stroß „Am Kümpchenhoff“ verbingk op der Hüh vum „Mediapark“ der Hansaring un der Gereonswall. Dat Stöckelche litt ävver grad usserhalv vun der aale Stadt. Die Stroß münd en de „Kyotostroß“. Dä Hoff weed domet wall ihter an der hüggige Kyotostroß geläge han. Dat wör tirek benne vun der Stadtmuur. – Wann et dä Kümpchenshoff es, dä en der Sag gemeint es.
    Do es et Griet alsu dagen dagus am Schufte wie dä Jan im üvver der Wäg läuf, weil hä datselve mäht: schufte, för sing Famillich durchzebränge. Mer entsenne uns, dat der Papp en et Gras gebesse hät. Et Griet es esu schön, dat Kääls dotzendwies wesse wolle, wat mer met im aanstelle kann. Dat et do en fröhe Johr ald oppass, met wäm et sich enlööt, es en dä äänse katholische Welt zo verstonn. Do hange Ihr un Verdeens dran. Wie ald mag et wall gewäs sin, wie der Jan et gefrog hät, ov et in hierodt un met im ene Hoff föht? Villleich 16 ov 18? Et dräump vun enem riche Häär, dä e schön Wiev han well, dat mer och präsenteere kann. Es doch klor, dat et esu enem Kääl, dä jo zo dä Zigg kaum de eige Famillich am Kacke halde kann, „am Aasch er Trötche“ säht. Dat muss sich öm 1609 ov 1610 zogedrage han, weil der Jan met 19 nohm Kommis gegange es, öm im zo zeige dat hä doch jet wäät es.
    Aach Johr donoh brich der Dressigjöhrige Kreeg us un der Jan es ald vürher Offizier. Dat de Kölsche in god ligge künne, es och klor. Gäge de Franzuse gewennt hä mih wie zwei Dotzend Schlaachte, die dozo beidrage, dat zwor dä Kreeg öm Kölle eröm tob, ävver de Kölsche rich blieve, weil se mih ov winniger ungestürt handele künne. Weiß et Griet, wä dä Jan es, dä us der Fään jo och daför sorg, dat en secher arbeide kann? Koot bevür hä 1638 en Kölle enrigg, hät hä als Feldmarschall, dä hä zo dä Zigg es, de Festung Ehrenbreitstein erobert. De Franzuse hatte domet kein Maach mih üvver der Rhing un Scheff kunnte widder erav noh Kölle kumme. Un en däm Jubel triff hä op et Griet.
    Et Griet setz do un verkäuf Äppel un Nöss, wie der Jan om Pääd vürbei kütt. Der Jan hät 1637 em Kreeg noch Zigg gefunge, de Gräfin Isabella vun Spaur zo hierode. Die Ih es alsu rääch fresch. Ich kann mir vürstelle, dat hä e bessche et ärme Dier kritt, wie hä et Griet, sing Jugendliebe, do unge setze süht. Villleich denk hä sich „Et deit mer esu leid. Dir han ich dat doch zo verdanke, dat ich nit met dir op enem Höhnerhoff em Ömland vun Protestante avgeschlaach woode ben. Dä Erfolg hät ich gään met dir an minger Sigg gehatt. Ävver jetz kann ich nit mih.“ un säht „Wä et hätt gedon.“.
    Tja, un et Griet muss jo öm 45 Johr ald sin, wie et do op der Ääd sitz un Äppel un Nöss aanbeed, weil et nie ene Kääl met jet an de Föß gefunge hät. Setz mer sich op die Ääd un verkäuf Obs un Nöss, wann mer weiß, wä do glich vürbei kütt? Villleich versteiht et esugar en däm Momang och, dat der Jan ohne dä Korv, dä it im gegovve hät, nie esu wigg gekumme wör. Ävver et üvverläg sich och, dat et dat däm Nackaasch vun domols niemols em Ääns hätt zotraue künne un säht dodröm met e bessche Frack „Wä et hätt gewoss“. Et es esu klein geblevve, dat et av do nit mih zo finge es.
    Em Johr 2003, nohdäm uns Reiterkorps „Jan von Werth“ dat Kreppespill am Engk hatt, reef der „Jan“. Mike Blosse, sing „Griet“, et Gabi Schaaf, un trok et bei sich op et Pääd. Ich mööch gläuve, dat der Jan vun Wääth dat och gään gedon hätt, wann hä nor gekunnt hätt. Ich gläuve, dann wösste mer och, wat usem Griet gewoode es.
    Kumm mer jetz keiner met däm Verzällche, dat sich dat Kreppche jo och üvverhaup nit beläge leet...
    Wat denkt Ehr dann üvver et Griet?

    Mechel

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    „Die Geschichte von Griet zu hören, wäre auch schön“. – Liebe Barbara, die Du uns folgst und solche Hinweise gibst, da hast Du mir etwas angetan. Eine Geschichte von Griet, auf Deutsch Greta oder Margarete, gibt es nicht. Heute müssen wir hier etwas improvisieren und uns ein paar Gedanken machen.
    Was wir über Griet wissen, ist eigentlich: nichts. Wie soll das auch angehen? Wir wissen ja nicht mal sicher, wo der berühmte Jan von Werth genau geboren wurde. Nur das Jahr wissen wir: 1591. Und das auch nur, weil er ein Held ist. Was sollen wir da von einer der vielen tausend Mägde wissen, die zu der Zeit keiner interessiert?
    Was wir meinen zu wissen ist, dass Griet eine Magd auf dem „Kümpchenshof“ war. Wir haben noch eine Straße, die so heißt. Der Hof liegt seit 1395 innerhalb der Stadtmauer. Die Straße „Am Kümpchenshof“ verbindet auf der Höhe des „Mediapark“ den Hansaring und den Gereonswall. Das Stück liegt aber gerade außerhalb der alten Stadt. Die Straße mündet in die „Kyotostraße“. Der Hof wird damit wohl eher an der heutigen Kyotostraße gelegen haben. Dat wäre direkt innerhalb der Stadtmauer. – Wenn es der Kümpchenshof ist, der in Sage gemeint ist.
    Dort schufte Griet also tagein tagaus als ihr Jan über den Weg läuft, weil er dasselbe macht: schuften, um seine Familie durchzubringen. Wir erinnern uns, dass der Vater verstorben ist. Griet ist so schön, dass Männer dutzendweise wissen wollen, was man mit ihr anstellen kann. Dass sie da in frühen Jahren schon aufpasst, mit wem sie sich einlässt, ist in dieser ernsten katholischen Welt zu verstehen. Da hängen Ansehen und Verdienst dran. Wie alt mag sie wohl gewesen sein, als Jan sie gefragt hat, ob sie ihn heiratet und einen mit ihm einen Hof führt? Vielleicht 16 oder 18? Sie träumt von einem reichen Herren, der eine schöne Frau haben will, die man auch präsentieren kann. Es ist doch klar, dass sie so einem Kerl, der zu dieser Zeit seine Familie kaum ernähren kann, „denkst du wohl“ sagt. Dies muss sich um 1609 oder 1610 zugetragen habe, weil Jan mit 19 Söldner wird, um ihr zu zeigen, dass er doch etwas wert ist.
    Acht Jahre danach bricht der Dreißigjährige Krieg aus und Jan ist schon vorher Offizier. Dass die Kölschen ihn gut leiden können, ist auch klar. Gegen die Franzosen gewinnt er mehr als zwei Dutzend Schlachten, die dazu beitragen, dass zwar der Krieg um Köln tobt, aber die Kölschen reich bleiben, weil sie mehr oder weniger ungestört handeln können. Weiß Griet, wer dieser Jan ist, der aus der Ferne ja auch dafür sorgt, dass sie sicher arbeiten kann? Kurz bevor er 1638 in Köln einreitet, hat er als Feldmarschall, der er zu der Zeit ist, die Festung Ehrenbreitstein erobert. Die Franzosen hatten damit keine Macht mehr über den Rhein und Schiffe konnten wieder herab nach Köln fahren. Und in diesem Jubel trifft er auf Griet.
    Griet sitzt da und verkauft Äpfel und Nüsse, als Jan vorbei kommt. Jan hat 1637 im Kriegsgeschehen noch Zeit gefunden, die Gräfin Isabella von Spaur zu heiraten. Diese Ehe ist also recht frisch. Ich kann mir vorstellen, dass er betrübt reagiert, als er Griet, seine Jugendliebe, dort unten sitzen sieht. Vielleicht denkt er sich „Es tut mir so leid. Dir habe ich das doch zu verdanken, dass ich nicht mit dir auf einem Hühnerhof im Umland von Protestanten abgeschlachtet wurde. Den Erfolg hätte ich gern mit dir an meiner Seite gehabt. Aber jetzt kann ich nicht mehr.“ und sagt „Wer es getan hätte.“.
    Tja, und Griet muss ja um 45 Jahre alt sein, wie da auf der Erde sitzt und Äpfel und Nüsse anbietet, weil sie nie einen reichen Mann gefunden hat. Setzt man sich auf die Erde und verkauf Obs und Nüsse, wenn man weiß, wer da gleich vorbei kommt? Vielleicht versteht sie sogar in diesem Moment auch, dass Jan ohne den Korb, den sie ihm gegeben hat, nie so weit gekommen wäre. Aber sie überlegt sich auch, dass sie das diesem Habenichts von damals niemals im Ernst hätte zutrauen können und sagt darum mit ein wenig Trotz „Wer es gewusst hätte“. Sie ist so unbedeutend geblieben, dass sich ihre Spur danach wieder verliert.
    Im Jahr 2003 nachdem unser Reiterkorps „Jan von Werth“ diese Geschichte wieder zu Ende gespielt hatte, rief „Jan“, Mike Blosse, seine „Griet“, Gabi Schaaf, und zog sie zu sich auf das Pferd. Ich möchte glauben, dass Jan von Werth das auch gern getan hätte, wenn er nur gekonnt hätte. Ich glaube, dann wüssten wir auch, was aus Griet geworden ist.
    Komm mir jetzt keiner mit der Behauptung, dass sich diese Geschichte ja auch gar nicht belegen ließe...
    Was denkt Ihr denn über Griet?

    Michael
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  • Sappho , eine griechische Dichterin

    30 Juli 2020, Jerman ⋅ ☀️ 23 °C

    Sappho , eine griechische Dichterin auf dem Offenbachplatz

    Dienstag Mittag, Offenbachplatz. Ich kam gerade die Brüderstraße entlang spaziert und entdeckte auf dem Offenbachplatz eine Skulptur, die mir noch nie so richtig aufgefallen ist. Seit ich Beiträge über die schönen und manchmal auch etwas verborgenen Sachen hier in der Stadt schreibe, gehe ich mit einem anderen Bewusstsein und mit offenen Augen durch Köln. Und so passiert es, dass ich auf einmal etwas entdecke, an dem ich seit Jahren vorbei latsche und mir auf einmal die Frage stelle "wasn dat?" So auch an diesem Dienstag. Steht doch da eine Dame, äh als Skulptur meine ich, die ich gar nicht kenne. Sogar ein Schildchen mit Namen ist angebracht. In Köln beileibe keine Selbstverständlichkeit.
    Ich schaue mir natürlich die Person genauer an, lese was auf dem Schild steht und ...tja, nix und. Sagt mir nichts, nie gehört, ich oute mich also wieder mal als Kunstbanause. Peinlich. Also, ab nach Hause, googeln, Bücher raus und suchen, lesen, Notizen machen.
    Das habe ich jetzt getan, und so kann ich euch auch über dieses Mädel ein paar Sachen erzählen, denn bestimmt geht es einigen genauso wie mir. Also, lehnt euch zurück und ich erzähle euch ein wenig über die Geschichte der Sappho, denn so heißt sie.
    Dafür gehts in der Geschichte richtig weit zurück, bis ins 6. Jahrhundert v. Chr.
    Sappho galt als Lyrikerin, als älteste Dichterin des Altertums, hielt sich im Kreis junger Frauen auf, die genau wie sie den Tanz und Gesang liebten. Gelebt hat sie auf Lesbos. Bei uns wurde sie eigentlich erst Ende des 19. Jahrhunderts bekannt und gewürdigt. Zu dieser Zeit wurden immer mehr "griechische Papyri" gefunden und es wurde deutlicher, in welch kunstvoller Sprache die Dichterin aus weiblicher Sicht ihre Lebenswelt in lyrischen Versen zum Ausdruck zu bringen vermochte.
    So wurden unter anderem Götterhymnen, Hochzeits- und Liebeslieder wurden von ihr gefunden. Sie wurde wohl auch wegen der Erotik und eigentlich schlichten Sprache in ihren Werken sehr verehrt. Es wird vermutet, dass sie zwischendurch aus ihrer Heimat verbannt wurde, später aber zurückkehrte, eine Schule für junge Damen im heiratsfähigen Alter aufbaute und wohl auch intime Verhältnisse zu den Schülerinnen "pflegte". So soll das Leben der "Sappho" maßgeblich zu dem Wort "Lesbisch" beigetragen haben, wie auch der Name ihrer Heimat "Lesbos" aussagt.
    Die Kölner Universität erwarb 2002 eine Sammlung von 25 Papyri aus privater Hand und konnte nach aufwendiger Arbeit zwei Fragmente wieder herstellen, die 2004 veröffentlicht wurden. Hierbei handelt es sich um die ältesten Zeugnisse ihres Schaffens und die Dichterin erklärt ihre Sicht auf das Alter. So beklagt sie den Verlust der Schönheit, den ihr das Alter zugefügt hat und ihre Unattraktivität für ihre jüngeren Gefährtinnen.
    1963 kaufte die Stadt Köln das Werk des Bildhauers Emile-Antoine Bourdelle und stellte es vor dem Schauspielhaus auf. Übrigens wiegt die Dame rund 600 kg und hat angeblich einen Wert von 1,4 Millionen Euro, so sagt man.
    Die Kölner verniedlichten natürlich wieder alles. So erklärten sie die Lyra einfachhalber zur Harfe und nannten die Sappho schlicht "Harfelisje". So einfach geht das hier. Schon ist sie eine von uns.
    Bleibt neugierig und aufmerksam
    Euer Ronald
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  • Garten der Religionen

    28 Juli 2020, Jerman ⋅ ☁️ 21 °C

    Hallo ihr Lieben, heute präsentieren wir einen Gastbeitrag von ULI KIEVERNAGEL, dem KÖLN-LOTSEN. Er hat den Garten der Religionen besucht und berichtet euch darüber.
    Unbekannte Oase in der Großstadt: Der Garten der Religionen

    Es sind gerade mal 400 Meter Luftlinie vom Barbarossaplatz, Kölns hässlichstem Platz, zu einem der schönsten und zugleich unbekanntesten Plätze der Domstadt: Dem „Garten der Religionen“.
    Versteckt, nur durch einen Durchgang zwischen den Häusern zu erreichen, liegt diese Oase der Ruhe. Noch bis 1999 haben hier Jesuiten ihren Klostergarten gepflegt – abgeschieden von der Welt außerhalb des Klosters. Heute lädt der Garten jeden ein und hat trotzdem die klösterliche Ruhe behalten.
    Der Verein IN VIA Köln - Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit - hat den Anstoß zu diesem außergewöhnlichen Ort gegeben. Auf knapp 1.800 Quadratmetern und somit immerhin halb so groß wie ein Fußballfeld, wurden jeder der fünf Weltreligionen (Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus) eine spezielle Fläche zugeordnet. Der Besucher entdeckt bei seinem Rundgang diese nacheinander. „Hier hat jede Glaubensrichtung ihren Platz“, so die Geschäftsführerin des Vereins, Sybille Klings, im Kölner Stadt-Anzeiger.
    Keine Belehrung, sondern Dialog
    Lehrtafeln und Erläuterungen der Religionen sucht man vergebens. „Wir wollen nicht über Religion belehren, sondern Religion ins Gespräch bringen“, so der Theologie-Professor und Pfarrer Joachim Windolph, der als geistlicher Beirat das Projekt unterstützt. Die Idee dahinter ist, das Thema Religion in die Öffentlichkeit zu bringen. Dabei ist „mitmachen“ hier besonders gefragt: So wird mit Kreide auf dem Pflaster gemalt oder kleine Holzscheiben, auf welche die Besucher ihre Sorgen geschrieben haben, verwandeln sich im Osterfeuer in Rauch. Sogar ein Grillplatz ist vorhanden. Durch die Verwendung unterschiedlicher Baumaterialien und Bepflanzungen bietet der Garten der Religionen ein genauso abwechslungsreiches Bild wie die Religionen.
    Und so vergisst man bei einem Rundgang glatt, dass man wirklich mitten in der Großstadt ist. Der Barbarossplatz ist gefühlt tausende Kilometer entfernt. Und dabei doch so nah. Gerade mal 400 Meter entfernt.
    Der Garten der Religionen befindet sich im Innenhof des Gebäudes Stolzestraße 1a und ist von der Straße aus nicht zu sehen. Besucher müssen durch die Toreinfahrt in den Innenhof gehen. Der Garten ist von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr frei zugänglich. Zusätzlich ist ein Besuch auch an ausgewählten Samstagen möglich. Für Gruppen bietet IN VIA Köln Führungen und Seminare an. Dieses Angebot haben bis heute schon mehr als 850 Gruppen angenommen.

    Uli Kievernagel

    Hier noch ein Link zu einem dazu passenden Projekt, das Uli sehr am Herzen liegt:

    https://www.kalenderderkulturen.de
    Mehr feine Beiträge und spannende Köln-Führungen vom Köln-Lotsen findet ihr auf seiner

    Homepage:
    https://www.koeln-lotse.de/
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  • ATTILA

    27 Juli 2020, Jerman ⋅ ☁️ 23 °C

    Kunst im öffentlichen Raum

    ATTILA

    Immer wenn ich mit der Linie 16 am Barbarossaplatz stand, sah ich dieses „Monstrum “ dort direkt am Straßenrand stehen. Nun endlich habe ich mir die Frage, was das eigentlich sein soll, beantwortet.
    Kunst?!?!?!
    Ok, das hatte ich mir schon immer gedacht, also wollte ich jetzt zumindest den Versuch wagen, dieses Kunstwerk zu verstehen. Also auf geht’s, recherchieren. Und hier ist das Ergebnis.
    Erstmal zum Künstler, es handelt sich hier um den Schweizer Paul Suter. Seine Lieblingsmaterialien sind Bronze und Naturstein, oder eben Bleigüsse. Seine ersten Eisenplastiken schuf er 1958, ab den 70er Jahren wurden seine Kunstwerke immer größer und größer. Er begann eine eigene Formensprache zu entwickeln. Ab den 80ern arbeitet er dann filigraner. An diesem Kunstwerk sehen wir also, es wurde vor den 80ern gebaut. Filigran? NO.
    «Ich versuche, die gewählten Formteile so einzusetzen und zusammenzufügen, dass nicht so sehr die materielle Präsenz bekundet wird, als vielmehr Bewegungen im Raum, Kräfte im Raum veranschaulicht werden» (Paul Suter). So sieht der Künstler sein Werk.
    Nun zum Werk selbst. Wie schon erwähnt, es steht am Barbarossaplatz, genauer in der Neuen Weyerstraße Nr. 9. Es besteht aus gestrichenem Eisen und hat die stolze Höhe von 9 Metern, ist 2,30 Meter breit und 1,60 Meter lang. Ob die 9 Meter was mit der Hausnummer zu tun haben? Glaube ich eher nicht. Gebaut wurde es 1967-1977. Gestiftet wurde das Werk von Dr. Eleonore und Dr. Michael Stoffel an die Stadt Köln im Jahre 1977. Dies ist der Plakette unten am Sockel zu entnehmen.
    Da ich selbst relativ ratlos vor dem Kunstwerk stand, und mir da bis heute nicht wirklich viel zu einfällt, muss mal wieder der gute Helmut Fussbroich herhalten (Zitat aus dem Buch von Helmut Fussbroich „Skulpturenführer Köln. Skulpturen im öffentlichen Raum nach 1900“).
    Ich zitiere: „Die Skulptur ist eine entfesselte, aus dem unendlichen Raum wie ein Linienblitz herabstoßende Dynamik, die abrupt gestoppt worden ist". Suter hat den Moment des Aufstoßens erfasst, in dem noch nicht alle Bewegung zur Ruhe gekommen ist“.
    Ok, ich hoffe, ihr erkennt das, oder vielleicht auch etwas ganz anderes. Schreibt eure Meinung in die Kommis, ich bin total gespannt.

    Bleibt neugierig und aufmerksam

    Euer Ronald
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  • Das Henkelmännchen

    26 Juli 2020, Jerman ⋅ ☀️ 20 °C

    Queen, Led Zeppelin oder gar Madonna, das Henkelmännchen hat sie alle schon "gesehen". Oder sollte ich sagen, die theoretisch möglichen 20.000 Zuschauer, die in der Kölnarena Platz haben.
    Ja ich weiß, es nennt sich jetzt Lanxess Arena. Aber für mich bleibt es die Kölnarena. Gedanklich zumindest! Und weil wir in Köln alles umbenennen oder ihm einen Beinamen geben, hat der Name Henkelmännchen ebenso Priorität.
    So ist das halt in Köln! Da sind wir eigen! Und auch mit der Superlative haben wir es ja in Köln. Diese zeichnet sich aus durch lange Bauzeiten, wie z. B. an unserem Dom, der Oper oder dem Hubschrauber Landeplatz. Jedoch auch Großes kann Köln. Denn die Arena ist Deutschlands größte Multifunktionshalle. Die Bauzeit betrug auch nur 2 Jahre. Einweihung war 1998.
    Neben vielen Konzerten finden auch Sportveranstaltungen statt. Ob nun Handball oder Eishockey, es kommt Stimmung auf im Henkelmännchen. Der Kölner Eishockey Verein "Kölner Haie" hat dort seine feste Spielstätte. Das ist schon ein besonderes Erlebnis. Wrestling wird auch immer wieder gerne gezeigt. Sport passte von Anfang an. Und ganz ehrlich, manchmal hat die Akustik dort sehr zu wünschen übrig gelassen, wenn ich da an das Prince Konzert denke. Das wurde damals sogar extra eine Stunde unterbrochen, damit die Tontechnik bessere Ergebnisse erzielen konnte. Aber auch das ist Schnee von gestern.
    Zur Zeit hat die Arena wie die meisten "Betriebe" mit den Ausfällen durch Corona Maßnahmen zu kämpfen. Doch man steht auch da nicht still und hat ein gutes Konzept entwickelt, welches zumindest ca. 1/8 Auslastung zulässt.
    Aber warum nennt der Kölner die Arena eigentlich Henkelmännchen?
    Ich könnte jetzt spaßig sagen: "Weil die den Bogen gerne überspannen!" Damit liege ich dann sogar fast richtig. Architektonisch wurde nämlich ein Bogen über den runden Bau der Arena "gespannt".
    Von weitem betrachtet vermittelt sie dadurch die Form eines "Henkelmännchens" (Foto).
    Dieses ist ein ursprünglich aus Blech bestehender runder Behälter mit einem Henkel, zur Aufbewahrung von Speisen. Er diente den Bergarbeitern um ihr von daheim mitgebrachtes Mittagessen zu transportieren.
    An den ursprünglichen Namen "Kölnarena" erinnert übrigens noch die jährlich stattfindende Veranstaltung "Lachende Kölnarena". Wobei diese wohl erst wieder im nächsten Jahr stattfinden wird.
    Die Arena liegt im rechtsrheinischen Köln Deutz, wird aber bei Köln Silhouetten Bildern /Stickern, gerne mal mit präsentiert. Macht sich ja darauf auch ganz gut. Dä! Wieder ein Stück mehr von unserer Stadt beleuchtet.
    Habt einen entspannten Sonntag.

    Eure Elisabeth
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  • Schlacht an der Ulrepforte

    25 Juli 2020, Jerman ⋅ ☁️ 23 °C

    Köln wurde über 1000 Jahre nicht erobert. Unsere wehrhafte Mauer ließ schon den Gedanken daran gar nicht erst aufkommen.
    Jedoch einmal war es eng. List, Tücke und Verrat hätten im Jahr 1268 beinahe zum Erfolg geführt. Das kam so:
    Die herrschenden Patriziergeschlechter der Overstolzen und der Weisen liegen im heftigen Streit um die Herrschaft. In einem blutigem aber letztendlich erfolglosem Angriff der Weisen auf die Overstolzen, kommt Bürgermeister Ludwig Weise im Kampf gegen Ritter Matthias Overstolz ums Leben. Der Rest seiner Familie flieht in hoher Not aus der Stadt.
    Ein anderer Feind der Kölner Bürger, Erzbischof Engelbert II., sitzt dort übrigens auch schon - also draußen. Diesen haben wir wegen eines anderen Streits bereits fortgescheucht. - Ich muss kurz erläutern, dass Köln zwar erzkatholisch ist, aber Erzbischöfe und Kardinäle können wir traditionell nicht leiden. Mit ihnen zu streiten ist zu jeder Zeit Hobby der Kölner Bürger. Der Neue, dieser Kardinal Woelki, der ja auch noch aus unsere Mitte ist, ist diesbezüglich ein echter Spielverderber. Er ist noch viel zu lieb, der Kerl. Muss dringend mal abgesetzt werden, damit wir hier mal wieder mehr Spaß haben.
    Also, die Weisen und der Erzbischoff sind draußen und wollen rein. Wie mag das gelingen? Der Graben ist zu tief, die Pfähle zu spitz, die Dornensträucher zu dicht, die Mauer zur dick und sowieso zu hoch. Die Tore sind zu gut bewacht. Mist!
    Obwohl, wenn du nicht drüber oder durch kommst, kannst du dann vielleicht drunter her? Ja! Der arme Schuster Havenith (Habnichts) wohnt direkt an der Stadtmauer in der Nähe der Ulrepforte. Er ist die Schwachstelle, die die Allianz braucht. Er ist bestechlich und er schaufelt eifrig einen Gang unter der Mauer her. So reiten in der Nacht zum 15. Oktober 1268 etwa 300 Mann schwertschwingend im vollen Galopp unter der Mauer her in die Stadt.
    Glaubt Ihr das? Ich selbst bin ja romantisch. Aber diese Sage geht selbst mir zu weit. Vermutlich quetschten sich einige Krieger durch ein kleines Loch, bezwingen die Wachtruppe der Ulrepforte und lassen den Rest durch dieses Tor herein.
    Die Overstolzen werden aber schnell alarmiert und laufen hastig mit nur vierzig Mann, die sich in der Kürze der Zeit finden lassen, zur Ulrepforte. Natürlich sind sie die Gerechten, haben Gott, alle Heiligen und alle himmlischen Heerscharen auf ihrer Seite - und ein paar Kölner kommen helfen. Der Überfall der Dämonen aus der Hölle, die so hinterlistig zu nachtschlafener Zeit in Köln einfallen, wird in höchster Not abgewehrt.
    Gut, das erste profane Denkmal Deutschlands wäre nicht das Relief am Sachsenring, welches wir auf dem Bild sehen, wenn es anders gewesen wäre. 1360 wird es in Gedenken an diesen Sieg aufgestellt. Man sieht die angreifenden Ritter, die mit den höllischen Dämonen im Bunde stehen, abgewehrt von Fußtruppen und Engeln. Darüber zwischen den Zinnen, Heiligenbüsten, die die Kölner im Mittelalter tatsächlich im Falle eine Angriffs dort aufstellen. Damit weiß der Feind, dass er gegen Gott kämpft. Hinter den Büsten stehen Menschen, die zu Christus beten.
    Bunt war das Relief einst. Der Maler Siegfried Glos hat die Farben in einem Gemälde rekonstruiert. Und wenn Euch diese Sage auch ein wenig gefällt: keiner erklärt sein Bild wie er selbst. Fragt ihn. Er entführt Euch gern mit Hilfe seiner Bilder in die Geschichten Kölns von damals. Hier der Link zu seinem Werk: https://www.das-alte-koeln.de/schlacht_an_der_u…

    Michael

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    Schlaach an der Üülepooz

    Kölle woodt üvver 1000 Johr nit erobert. Die staats Muur drömeröm leet ald dä Gedanke dran gar nit eesch opkumme.
    Ävver eimol wor et baal esu wigg. Schliche, Nidderdrächtigkeit un Verrod hätt em Johr 1268 beinoh för dä Erfolg gesorgt. Dat kom esu:
    De Patriziergeschläächter vun de Overstolze un de Weise, die et Regalt hatte, strigge sich öm die Vorherrschaff. De Wiese griefe de Overstolze su aan, dat Blod flüüß. Am Engk han se ävver keine Erfolg un der Bürgermeister Ludwig Weise kütt em Kamf gäge der Ritter Mattes Overstolz öm et Levve. Der Ress vun singer Famillich mäht sich en huher Nud durch de Kood us der Stadt erus.
    Ene andere Feind vun de kölsche Bürger, der Ääzbischoff Engelbert II., setz do üvvrigens och ald - alsu drusse. Dä han mer wäge enem andere Disputier ald fottgescheuch. - Ich muss koot ens verklöre, dat Kölle zwor ääzkatholisch es, ävver Ääzbischöff un Kardinäl künne mer traditionell nit ligge. Met inne zo strigge es zo jeder Zigg Hobby vun de kölsche Bürger. Dä Neue, der Kardinal Woelki, dä jo och noch us uns Medde es, es doför jo nit zo gebruche. Hä es noch vill zo leev dä Kääl. Muss eesch ens avgesetz wääde, domet mer hee widder mih Jeckerei han.
    Alsu, de Weise un dä Ääzbischoff sin drusse un welle eren. Wie kann dat fumpe? Der Grave es zo deef, de Pöhl ze spetz, et Doonegestrüpp zo deech, de Muur zo deck un suwiesu zo huh. De Pooze sin zo god bewaach. Dress!
    Ovschüns, wann do nit drüvver ov durch küss, kanns do dann villleich nit drunger her? Jo! Der ärme Schohmächer Havenith (Hannix) wonnt tirek an der Stadtmuur en der Nöh vun der Üülepooz. Hä es die Schwachstell, die die Allianz bruch. Im kann mer jet en de Häng däue un hä schepp iefrig ene Gang unger dä Muur her. Esu rigge en der Naach vür dem 15. Oktober 1268 wall 300 Kääls em volle Galopp unger dä Muur her en de Stadt un schwinge de Schwääter.
    Gläuv Ehr dat? Ich selvs ben jo romantisch. Ävver dä Verzäll geiht selvs mir zo wigg. Ich gläuve, e paar Kreeger quetsche sich durch e klei Löchelche, bezwinge der Waachtrupp vun der Üülepooz un looße der Ress durch die Pooz eren.
    De Overstolze wääde ävver flöck alarmeet un laufe hastig met nor veezig Kääls, die sich en der koote Zigg finge looße, noh der Üülepooz. Natörlich sin se de Geräächte, han Godd, all de Hellige un all de himmlische Heerschare op ehrer Sigg - un e paar Kölsche kumme helfe. Dä Üvverfall vun dä Dämone us der Höll, die esu nitsch medden en der Naach en Kölle enfalle, weed en hühster Nud avgewehrt.
    God, et eeschte profane Denkmol vun Deutschland wör jo nit dat Relief am Sachsering, dat mer op däm Beld sinn, wann et anders gewäse wör. 1360 weed et em Gedenke an dä Seeg opgestellt. Mer süht do schön die, die met de höllische Dämone em Bund stonn un op de Muur lossgonn, avgewehrt vun Foßtruppe un Engelcher. Dodrüvver, zwesche de Zinne, Helligebüste, die de Kölsche em Meddelalder ungeloge do opstelle. Domet weiß der Feind, dat hä gäge Godd kämf. Hinger de Büste stonn Minsche, die Christus öm Hölp bedde.
    Bunt wor dat Relief domols. Dä Möler Siegfried Glos hät die Färve en enem Gemälde rekonstrueet. Un wann Üch dat Kreppche och e bessche gefällt: keiner verklört si Beld wie hä selvs. Frogt in. Hä entföht Üch gään met der Hölp vun singe Belder en die Historie vun Kölle. Hee kutt Ehr noh singem Beld: https://www.das-alte-koeln.de/schlacht_an_der_u…

    Mechel
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