Dalai Lama, Sachsenmönch und Mandala
23 июля 2023 г., Индия ⋅ ☀️ 15 °C
Der Dalai Lama kommt und hält ein drei tägiges teaching in Choglamsar - der tibetischen Enklave in Ladakh. Hier leben ehemals geflüchtete Tibeter*innen die gemeinsam mit "His Holyness" nach Indien geflohen sind.
Ich leihe mir ein Moped, packe meine sieben Sachen und fahre in das 10km entfernte Dorf. Hier suche ich eine Bleibe und finde eine Familie bei der ich einen Tag lang umsonst übernachten kann. Am Tag darauf kommen die Verwandten und der Platz wird knapp. Sie vermittelt mir ihre Bekannte. Die Wohnräume der beiden sind interessant. Die Inneneinrichtung gleicht westlichen Standard dich beim genaueren Hinsehen ändert sich der Eindruck. Fließendes Wasser ist trotz vorhandener Waschbecken und Duschen im Haus nicht verfügbar - der Anschluss und das Rohrsystem fehlt gänzlich. Somit greift man wieder auf den Bach im Dorf zurück. Die älteren Damen bevorzugen es auf dem Boden anstelle im Bett zu schlafen und das Klo ist draußen - zumindest im ersten Haushalt. In der zweiten Familie wird sogar löslicher Café aus Holland getrunken.
Die nächsten drei Tage findet gerade rüber auf einem großen Fußballplatz ähnlichem Gelände das teaching des Dalai Lamas statt. Es geht um die Lehren des Bodhisattvas (Wege der Erleuchtung) und um die Mitgefühlspraxis. Ausländer sitzen im Block 2. Es wird über Lautsprecher hier auf Englisch übersetzt. Im Block 1 neben uns sitzen alte Ladahkis und Tibeter*innen.
Fun fact: der Dalai Lama ist 88 Jahre alt und hat noch alle seine natürlichen Zähne! Sein Leibarzt soll gesagt haben dass seien inneren Organe der. Status eines Mitte Dreißigjährigem gleichen. Auf Bildern sieht er oft so zerbrechlich aus aber seine Stimme kommt klar und deutlich rüber. Es ist beeindruckend. Dieser Mensch verbringt mehrere Stunden am Tag damit zu beten und zu meditieren. In der buddhistischen Lehre wird viel melodisch rezitiert - die Texte erinnern an die buddhistischen Tugenden die man leben möchte ( vor allem Mitgefühl mit allen Lebewesen, Freiheit von Neid, Gier und Hass etc.).
Tag zwei fällt aus - es hat stark geregnet und Lehs Straßen stehe unter Schlamm und Wasser. Die Einsatzkräfte werden gebraucht. Ich fahre mit dem Moped 50 km in die nachsten Dörfer und schaue mir die Klöster an. In Thikse treffe ich einen Mönch mit dem ich ein interessantes Gespräch beginne. Er lädt mich in sein Haus auf einen Tee ein. Wir reden über Mediationspraxis, Erleuchtung und das Leben als Mönch. Ich erfahre dass er schonmal in Deutschland zu Besuch war und muss schmunzeln als ich sein Fotoalbum sehe. Ich freue mich über die Begegnung und darüber das es ernsthaft praktizierende Mönche gibt. Ich lerne so einiges über das Leben als Mönch von ihm.
Ich fahre weiter und halte in Chemry, Shakti und Hemis - alles bedeutende Klöster in der Region. In Shakti steht das wohl einzige der Nygma Tradition gehörige Kloster. Sie ist wohl am nächsten um ursprüngliche. Schamanismus dran und praktiziert den Tantrismus. Tantra hat ubrigens nichts mit Erotik zu tun, so wie es häufig in Seminaren, Workshops oder als Behandlung in Massagehäusern angepriesen wird. Die großen Tantriker der Vergangenheit sind Menschen die den Geist kontrollieren können und mentale Kräfte entwickelt haben. Tantra zu praktizieren ohne einen trainierten Geist, kann Menschen psychisch schaden. Daher ist es wichtig zunächst mit Entspannungs- und Konzentrationsübungen zu beginnen. Mein Sachsenmönch bestätigt dies: Tantra ist die hohe Schule. Im Buch von Alexandra David Neel über Tibet wird schön beschrieben welche Tests die angehenden Mönche bestehen mussten mussten und welche Übungen praktiziert wurden.
Am letzten Tag will ich mich mit Marjerie an einer heiligen Quelle treffen ( ja die belgische Motorrad Marjerie - sie ist wieder nicht nach Hause geflogen. Das Motorrad gab auf dem Weg zurück nach Leh den Geist auf, mit dem Visum und der Ausreise gab es immer noch ein Problem und so verweilte sie bei einer Familie in einem aryischen Dorf auf dem Land - auch eine spannende Geschichte 😆).
Stattdessen machte ich aber erstmal einen Abstecher in eine andere Richtung und treffe hier zufällig auf eine besondere Puja (Ritual) in einem kleinen Kloster. Ein von Mönchen über mehrere Tage gelegtes Sonnen-Mandala aus verschieden farbigem Sand wird wieder zerlegt und soll alle die dabei sind davor bewahren nicht als Mensch wiedergeboren zu werden. Ein wichtiger Rinproche (=ein reinkarnierter Lama) hält die Zeremonie. Außer sind nicht zwei ältere westliche Herren dabei. Einer davon aus Deutschland mit extrem viel buddhistischen Wissen. Er ist erstaunt, dass ich zufällig hier sei. Er meint sowas passiert nicht zufällig...jemand muss dich hergeführt haben. Wie dem auch sei. Ich muss nochmal genaueres recherchieren worum es sich handelt 😉.
Dann gehts für mich zurück nach Leh und nach einigem Hin und Her entschließe ich mich nach Delhi zu fliegen um dann mit dem Zug Überland nach Nepal zu reisen. Denn meien 90 Tage sind schon wieder um und Indien verlangt, dass man das Land verlässt und wieder legal in Indien einreisen zu können...also los ( ..und ich wollte nieeee nach Delhi 😅)Читать далее
Von Neu Delhi über Land nach West Nepal
24 июля 2023 г., Индия ⋅ ☁️ 34 °C
Oh man.... Ich habe ein Visum auf dem steht: "bis zum 27. Oktober 2023" gültig. Außerdem muss ich alle 90 Tage das Land verlassen. Nun treffe ich vermehrt Leute die mir erzählen, dass man als Europäer*in insgesamt aber nur 180 Tage im Land pro Jahr bleiben darf. Mmm ich suche überall auf meinen Unterlagen und finde nichts dazu. Ich versuche die deutsche Botschaft in Delhi zu erreichen aber niemand geht ans Telefon. Es bleibt mir also nichts anderes übrig als selbst hinzufahren.
Ich komme am Flughafen in Delhi an und buche über das Airport WiFi ein Uber was mich zu meinem Hostel bringt.
Delhi man! Krass!
Hier wollte ich nie hin aber was solls.
😄😄😄
Der Flug von Leh war die einfachste und sicherste Weise in Richtung Rishikesh ( wo ja noch mein Koffer, Yogamatte und mein Meditationskissen im Ashram auf mich warten😁 ) zu kommen und vorher die nepalesische Grenze für den obligatorischen "Boarder Run" zu absolvieren. Denn die Straßenverhältnisse im Norden sind aufgrund der Überschwemmungen immer noch heikel. In Leh lasse ich im Internetcafe meine Zugreise von Delhi nach Banbasa (der letzte Ort vor der nepalesischen Grenze) buchen. Jetzt habe ich einen Tag um die Visa Angelegenheiten in Delhi zu klären bevor ich mit dem Zug ins nirgendwo reise😅.
Die deutsche Botschaft lässt niemanden rein. Ich soll eine E-mail schreiben 🙄. Das mache ich und bekomme die Antwort, dass sie über die indischen Bestimmungen keine Aussage treffen können 😑🫠. Ich schnappe mir ein weiteres Motorradtaxi und wende mich an das indische "Foreign Immigration Office". Hier trifft man auf ausländische Menschen, die aus irgendeinem Grund länger als erlaubt im Land sind oder bleiben müssen, z.B wegen Krankheit etc. Man beantragt dann eine Ausreiseerlaubnis und wenn man Pech hat, kommt man auf die schwarze Liste und bekommt nieeee mehr ein Visum für Indien😄 (ganz so schlimm ist es nicht aber es kann durch aus sein, dass es in Zukunft schwieriger wird. Einfach weil man das indische Gesetz missachtet hat). Das will ich nicht riskieren.
Nach langer Wartezeit bin ich an der Reihe und stelle meine Frage. Der Herr meint ich kann bis Oktober bleiben 🙏. So direkt sagt er das nicht aber er meint, dass solange nichts anderes drauf steht, gilt das was ist. Später bekomme ich vom selben Büro eine E-mail mit genau der entgegengesetzten Aussage 😭🥴. Maximal 180 Tage! Das heißt ich habe noch 5 oder 15 Tage? Es gillt das Kalenderjahr. Somit zählen die Tage die ich im Dezember in Indien verbracht habe nicht mit rein - so glaube ich 🤔🤨. Aber es ist auch nicht so als würden die Menschen Klartext reden...😑🙄.
Naja, ich verbringe meinen Tag in Delhi mit Motorradtaxifahrern und bin froh am Abend im Hostel mein Abendbrot auf der Dachterrasse genießen zu können. Der Horizont ist bedeckt von selbstgebastelten Drachen, die Kinder von den Dächern aus steigen lassen. Nett und gar nicht so schlimm wie befürchtet diese Stadt. Der Hostelbetreiber ist extrem hilfsbereit und kennt alle Belange der westlichen Reisenden🙏 😄. Am nächsten Morgen geht's zur Grenze nach Nepal...und dann mal sehen wo ich unter komme 😆. So läuft das hier. Die Planung ist manchmal gar nicht so leicht, man muss dann nehmen was kommt.
Ich will so schnell wie möglich die Grenze überschreiten um meine Tage in Indien zu sparen. Nach 9 Stunden Zugfahrt komme ich im Dorf Banbasa an und nehme die Austrikscha zur Grenze (am ersten Polizeiposten wären wir fast vorbeigefahren, weil der Grenzübergang für Inder und Nepalesen offen ist). Ein Polizist ruft uns nach und pfeift uns zurück. Dann sitze ich in einem Büro mit zwei Angestellten und ich frage mich ob ich noch in Indien oder schon in Nepal bin 🤔. Noch in Indien - wird mir bestätigt 😄. Die Dame erklärt mir auch endlich die aktuelle Visa-Regel. Ich habe noch gute zwei Wochen in Indien. Einreisen kann ich aber an diesem Posten nicht - nur ausreisen ( das soll einer verstehen 🤔)
Ich muss 10 h weiter in Richtung Lumbini - Buddhas Geburtsort und dort über die Grenze nach Indien einreisen. Gut. Ich laufe in Richtung Nepal 😆💪. Unterwegs grüßen mich nette Menschen fröhlich. Eine Frau nimmt mich auf ihrem Scooti (Moped) mit. Dann erreiche ich den Immigration Checkpoint in Nepal. Zwei nette Männer begrüßen mich. Dann der Gau: das Visa "on arrival " für Nepal kann nur mit US Dollar oder Euro bezahlt werden 😳 . Ich trage nur nepalesische und indische Rupien mit mir herum. Man schickt mich mit einem Autorikschafahrer zum Money Exchange. Hier weigere ich mich Geld zu wechseln denn der Mensch verlangt das doppelte! Die Beamten am Immigration Office schicken mich zu verschiedenen Hotels - hier soll ich fragen ob jemand Dollar hat 😆😅😳😭. Ich bin den ganzen Tag unterwegs - erfolglos. Dann lassen sie mich legal illegal in ein Hotel ziehen. Am nächsten Tag soll ich bei den Banken fragen, die waren heute schon geschlossen.
Ich habe Hunger. Der Autorikschafahrer bringt mich zu einem Restaurant und wir essen Momos (gefüllte Teigtaschen). Dann zeigt er mir verschiedene Hotels und setzt mich in einem einfachen Hotel ab was mir genügt. Am nächsten Morgen fahren wir zur Bank. Die Bankkauffrau erklärt mir lange, dass auch sie keine Dollar an ausländische Menschen rausgeben dürfen sondern nur an Nepalesen die ins Ausland fliegen möchten und die ein ausländisches Visum sowie einen gebuchten Flug nachweisen können 🙄🥴. Ich heule fast. Die Frau hat Mitleid und ruft der Reihe nach ihre Bekannten an. Einer der Freunde hat die ersehnten dreißig Dollar in bar und in frischer Qualität (das ist auch eine Bedingung des Immigration Offices😅).
🙏🙏🙏🙏🙏🙏 Wir tauschen Währung und ich bekomme mein Visum. 🙏🙏🙏🙏
Dann überlege ich wie ich weiter komme und frage nach Bussen in Richtung Lumbini. Auf der Karte sehe ich, dass ich einen Zwischenstopp in einem Nationalpark machen könnte und verändere meinen Plan.
🌴🌴Auf nach Bardyia!🌴🌴Читать далее
Nepal: Bardia Nationalpark
25 июля 2023 г., Непал ⋅ ☁️ 31 °C
🦋🌴🌴Endlich wieder im Grünen! 🌴🌴🦋
Nach einem Monat Hochwüste bin ich glücklich wieder auf gewohnter Höhe und in grüner Landschaft zu sein! 😄🙏
Dafür ist es heiß und schwül 😄🙏. Dennoch habe ich ein Stückchen Paradies auf Erden gefunden. Ich finde ein Homestay bei einer holländisch-nepalesischen Familie Sonja und Budhi. Sonja ist gerade in den Niederlanden - schade es wäre spannend sich mit ihr auszutauschen - insbesondere ihre Seite der kulturellen Herausforderungen. Budhi hat mir schon von seinen schockierendsten Erlebnissen in Holland erzählt: ein ungekündigter Besuch eines Nudistencampingplatzes 😄! Der Obergau für die doch recht prüde erzogenen Nepalesen 😄. Er selbst war Dschungel Guide und hat Sonja 2011 kennengelernt und so führte eines zum anderen..
Ich bleibe ein paar Tage hier und relaxe bevor ich wieder in den Bus steige! Die letzten Tage waren doch irgendwie anstrengend. Außerdem muss ich mich erstmal an das neue Klima gewöhnen.
Es ist wunderschön hier. 🪷🌴🌺🌴🦋🌴
Das Dorf hat eine reiche Kultur. Hier leben die Tharus - eine ethnische Gruppe in Nepal, die neben dem Hinduismus noch die Naturgötter verehren. Hier vereehrt jeder Familienclan ein Tier welches am Lehmhaus ( wie bei uns die Hausnummer) zu sehen und für welches die Familie einen besonderen Ritual- bzw. Gebetsplatz eingerichtet hat. Man kann die Kultur im lokalen Museum aber auch einfach beim Spaziergang durchs Dorf kennenlernen. Menschen arbeiten auf dem Reisfeld, gehen Fischen und schützen ihre Ernte vor den Elefanten, denn Dorf und Nationalpark trennt nur ein Fluss der für die Dickhäuter leicht zu überqueren ist. Man sieht Büffel in Seitenarmen des Flusses baden, Menschen die ihre Ziegen zum Grasen bringen und Männer die am Abend ihre Kühe aus der "Pufferzone" durch den Fluss laufend zurücktreiben (Pufferzone= (so heißt der Teil des Nationalparkes, welches von den Dorfbewohnern limitiert genutzt werden darf und für die Wildtiere noch als Ausweichzone dient).
Das Leben ist langsam und erinnert mich mal wieder an den Spirit in den Neunzigen im brandenburger Land 😁. Ich sitze zusammen mit Budhi und er erzählt mir wie wichtig hier das soziale Leben ist und dass er den Eindruck hat, im Westen gibt es keines mehr: "Niemand hat Zeit - alle schauen auf die Uhr. Wenn man sich mit Freunden treffen will, muss man drei Wochen vorher einen Termin machen."
Recht hat er.
Außerdem meint er, dass unsere Kultur komisch wäre 😄. Niemand kümmert sich um einander. Man spricht nicht mit Menschen die neben einem sitzen, sei es im Zug oder auf einer Feier. Als würden einem die anderen egal sein, meint er. Spannende Sicht auf die Dinge. Während ich mich in so mancher Situation ( besonders an schlechten Tagen 😄) belästigt, in meiner Ruhe gestört oder genervt fühle wenn mich fremde Menschen in Indien oder Nepal aus heiterem Himmel ansprechen, fühlt er sich in unserer Kultur nicht geborgen genug. Die Mischung macht es wahrscheinlich...
Die Standardfragen in Indien sind übrigens bisher folgende:
1. "Which country?"
(Im Süden wird auch direkt nach dem Namen gefragt - ohne einen vorherigen Wortwechsel),
... dann kommt:
2. "How many people?" (Gemeint ist wieviele reisen)
3. "Your parents?" (Gemeint ist ob sie zusammenleben, manchmal auch in sie noch leben und warum sie nicht mitreisen- ja, auch bei einem Alter von 37! 😄)
4. "Are you married?" No, I have a Partner - Not married? "Children?" - No - "Ooh"
Und gleichzeitig finden die Inder unsere direkte Art unhöflich 😄.
Naja, die Fragen gehen mir an manchen Tagen krass auf den Keks 🍪😉. Je nach Situation sage ich dann ja oder nein bei Frage vier 😄. Bei anderen Reisenden habe ich die Gereiztheit in diesen Situationen übrigen auch schon bemerkt 😄😄😄😄.
Aber jetzt bin ich erstmal wieder in Nepal und muss diese Fragen fast nie beantworten.
Dhan'yavāda ! ( gesprochen: "danjewa" und heißt "Danke" auf Nepalesisch)
Danach gehts nach Lumbini und vielleicht noch in eine der ältesten Stadt der Welt: Varanasi. Auf bald!
🌴🪷🌺🦋🏵️Читать далее
Dschungelkind
29 июля 2023 г., Непал ⋅ ☁️ 30 °C
Eine Nacht im Dschungel-Baumhaus!
Ein Traum oder? Ich hatte erst etwas Bedenken..ganz alleine, nachts im Wald. Etwas gruselig kommt es mir schon vor. Aber ich habe Lust mich dieser gedanklichen und kindlichen Angst zu stellen und zu sehen was passiert. Aber es geht nicht nur um die Dunkelheit, denn zum Programm gehört auch eine zwei stündige Dschungeltour - zu Fuß. Das spannende dabei ist, dass man in das Revier von Oberst Hati und Shir Khan eintritt ohne alles...- ja ohne alles - ohne jegliche Verteidigungsmittel. Lediglich der Ranger, der mich und meinen Guide begleitet, führt ein langes Bambusrohr mit sich, welches er bei Gefahr auf den Boden schlägt um den potentiellen Gegner (🐯🦏🐆🐘🐺🐻🐍🐃🐒... ) zu verschrecken.
😅🫣
Zugegeben, man fühlt sich ganz schön nackig, wenn man so im Dschungel umherläuft...Ich suche mir deshalb auch einen Stock, einfach um etwas in der Hand zu haben - auch wenn es wahrscheinlich lächerlich ist, käme es zum Einsatz 😄😅.
Es ist Monsunzeit und das Grass ist hoch gewachsen. Nicht die beste Zeit für Wildlife Beobachtungen erzählte mir der Guide bereits am Vortag. Anstelle eines ganzen oder halben Tages "jungle walk" entscheide ich mich deshalb für die Möglichkeit eine Nacht im Baumhaus zu verbringen inkl. zwei Stunden jungle walk.
Bei der Einführung heißt es: "siehst du einen Elefanten, Tiger oder Rhino - versteck dich hinter den nächsten Baum. Du kannst auch auf einen Baum klettern, wenn du gut darin bist - aber nicht bei Elefanten - das macht keinen Sinn." 🫣😄
Am Abend zuvor redeten wir noch über "Men-eater Tigers" (Menschenfresser Tiger) und über furiose Elefanten. Die Guides teilten ihre krassesten Erlebnisse. Aber normalerweise passiert sowas nicht, sagen sie im gleichen Atemzug. "The Tiger is a really shy animal" - wenn du einen siehst, bleib stehen, halte Augenkontakt und bewege dich langsam in die entgegengesetzte Richtung. Tiger greifen nie direkt von vorne an (meistens jedenfalls). In diesem Sinne ist es also gut wenn du ihn siehst... anderes könnte ja bedeuten, dass er dich gerade jagt 😄.
Die Wahrscheinlichkeit hier auf einen Tiger zu treffen ist recht hoch. Der Bardiya Nationalpark ist touristischen wenig erschlossen obwohl die Wahrscheinlichkeit hier erfolgreich Tiere zu spotten besser ist als in manch anderen Regionen. Am besten eigenen sich die Monate Jan - April und September - Dezember weil die Tiere, aufgrund der Trockenheit dann die Wasserstellen aufsuchen, die man gezielt in die Tour einbezieht. Außerdem ist das Grass trocken und kurz,so dass man weit blicken kann.
All das ist also jetzt - Ende Juli - nicht der Fall. Ich frage mich, ob es nicht auch gefährlicher ist, im hohen Grass unherzuwandern, weil man vielleicht unverhofft nah auf einen Bewohner trifft, der darüber nicht so erfreut ist. 🤔
"No, no you just have to be careful 😅".
Die meistens Unfälle passieren, weil Menschen sich in diesen sogenannten Puffer Zonen des Nationalparks aufhalten und nicht aufpassen. Sie sind damit beschäftigt Holz oder Grass zu sammeln und so schauen sie die ganze Zeit auf den Boden. Tiger verwechseln die Menschen dann mit grasendem Wild - ihrer natürlichen Beute.
Ich recherchiere im Internet und lese, dass die Tigerangriffe auf Menschen immer durch alte oder verletzte Tiere geschahen. Der Mythos vom Menschenfresser Tiger, der sobald er einmal Menschenfleisch gekostet hat, darauf umsteigt, ist also umstritten. Der Mensch steht nicht auf dem Beuteplan und ist dem Tiger eher egal. Aber dennoch gibt es Situationen in denen er agressiv reagiert. Zum Beispiel die furiose Tigermama oder wenn man ihm doch zu nahe kommt..
Am Abend zuvor höre ich Geschichten der Guides, da flackern dir die Ohren 🫣😅... Aber immerhin machen sie ihren Job schon seit den Neunzigern - alle Gliedmaßen noch vorhanden 😜.
Wir streifen durch den Wald. Es ist still. In der Ferne donnert es leicht. Der Ranger zeigt auf die Rinde eines Baumes die völlig zerkratzt ist. Der Baum diente dem Tiger als Krallenschäfer oder wie bei unseren Stubentigern: als Katzenbaum - allerdings sind die Ritze hier auf Kopfhöhe 😅. Miau !
Wir kommen auf eine freie Fläche und der Ranger meinte, dass normalerweise um diese Zeit hier viele Rehe grasen - es kann gut sein, dass ein Tiger hier unterwegs war und sie verschreckt hat. Er meint es ernst. Ich blicke schonmal nach Bäumen, aber das Terrain ist mir so fremd und noch dazu so dicht bewachsen, dass ich mir kaum vorstellen kann hier überhaupt irgendwo schnell Zuflucht zu finden. Atmen - das ist wieder die Praxisphase der angewandten Mediatation 😜😁.
Als wir schließlich Nashörnern mit Jungen begegnen, bin ich zurückhaltend. Der Guide beruhigt mich und meint, dass wir weit genug entfernt seien. Wir klettern auf einen Baum um sie besser sehen zu können und hoffen, dass sie zur nahegelegenen Wasserstelle kommen um zu baden. Wir haben Glück und der Plan des Rangers geht auf!
Es ist beeindruckend dieses riesige Tier so nahe zu sehen!! Als es nach einem ausgiebigen Bad noch näher kommt, sieht es einen unserer Rucksäcke am Boden liegen und rennt erschrocken davon. Ich bin überrascht, wie scheu das Tier ist. Nashörner können schlecht sehen, dafür aber wohl gut hören und riechen.
Als mich die beiden Begleiter am Ende der Tour zum Baumhaus bringen, wo ich alleine übernachten werden, hören wir die Warnsignale einer Rehart. Eindeutig der Tiger Warnruf ! Er muss hier wirklich in der Nähe jagen...
Als ich dann im Baumhaus bin, die Sonne untergeht und die Dunkelheit heranbricht erscheinen tausende Glühwürmchen die den ganzen Wald in funkeln versetzen. Als ob die Sterne auf die Erde gekommen sind. Im Bett liegend und aus dem Fenster spähend, höre plötzlich grasende Nashörner schnaufen. Ein tolles Gefühl unter der Baumkrone zu liegen und von so vielen friedlichen Tieren umgeben zu sein. Dann höre ich sie wegrennen. Wahrscheinlich hat eins den Betonklotz gesehen, der noch als Bauabfall im hohen Gras liegt und sich erschreckt. Unterschiedliche Geräusche und Gerüche aus dem Wald (Katze??) begleiten mich in die Nacht - es ist alles, aber nicht gruselig 💕Читать далее

Josephin DahlenburgJa gerade nicht! Ich dachte es würde gruselig werden - war es aber nicht 😁
Am Geburtsort von Lord Buddha
8 августа 2023 г. ⋅ 🌧 29 °C
36 Grad und es wird noch heißer....
Ich bin nicht wählerisch, aber diemal gönne ich mir ein Zimmer mit Klimaanlage. Was ich nicht wusste: es herrscht Nebensaison im sonstigen "Meditationsmekka" Lumbini. Mein ursprünglicher Plan hier 7 Tage Vipassana und Gehmeditation zu üben, geht also nicht auf, weil die Zentren geschlossen sind.
Was nun? Ich laufe schwitzend durch die Straßen und treffe auf ein Tor "International Buddhist Society". Ich bin neugierig und gehe auf einen Mann zu der gerade auf sein Mofa steigt. Er fragt mich ob ich den Mönch treffen will. Ich sage ja 😄.
Er führt mich in ein Zimmer wo ein in orangefarbenen Mönchsroben gekleideeter glatzköpfiger Mann mit langgestreckten Beinen auf einem Bett sitzt. Er heißt mich willkommen. Ich habe keine Ahnung wer dieser Mensch ist, aber ich habe Lust es zu erfahren.
Wir unterhalten uns und ich erfahre, dass er Krebs hat. Darmkrebs. Aus seiner Lebensgeschichte höre ich heraus das er - wer hätte das von einem Mönch gedacht - ein stressiges Leben hat. Anstelle von Familie und Co. Kümmert er sich nämlich um die gesellschaftliche Entwicklung, gründete Gesundheitszentren in abgelegenen Dörfern, eine Akkupunkturklinik für paralysierte Menschen, sponsort Ausbildungsplätze im medizinischen Bereich, besucht buddhistische Konferenzen und pflegt internationale Kontakte. Nebenbei bildet er selber junge Mönche aus.
Ganz schön viel oder?
Ich besuche ihn - sein Name ist Ven. Maitri Mahasthavir - an zwei Tagen. Einen ganzen Tag schaue ich mich in seiner Akkupunkturklinik um und spreche mit dem Arzt. Ab und zu wird hier auch Energieheilung abgewendet. Der Mönch meinte er hätte dies oft angewandt - Hand auflegen. Ich bin neugierig und frage nach... er sagt, dass man dabei einfach die Hände auf die betroffene Stelle legt und Energie schickt - positive innere Bilder entstehen lässt, von Gesundheit oder was auch immer. Reiki? Frage ich. Ja sowas, sagt er. Er fragt ob ich das kann. Ich sage vielleicht 😄. Ich denke jede*r Mensch ist dazu in der Lage. Er stimmt mir zu und ergänzt "Menschen die Vipassana üben können das". Es erfordert die Fähigkeiten sich zu zentrieren und zu konzentrieren. Er selbst wird von seinen "deciples" - Jüngern (?) - mit Massagen und alternativer Medizin zusätzlich zur modernen Medizin behandelt. Es dauert lange, sagt er. Die Chemotherapie hat seine Nervenbahnen stark beeinflusst. Es fällt ihm schwer zu laufen.
Wir unterhalten uns über alles mögliche. Ich sitze auf dem Boden. Wir trinken Tee. Er will mir helfen einen Ort für Meditation zu finden obwohl die Zentren gerade geschlossen sind. Ich telefoniere von seinem Telefon aus mit einem Mönch der Deutsch spricht. Er empfiehlt mir seine online "Dhamma talks" und ein Meditations Selbstretreat. Ich bekomme eine Email mit Links und Empfehlungen - witzigerweise und ohne darüber gesprochen zu haben - auch zu Energieheilung.
Wir reden über Heilung, Medizin, Mönch sein und Stress. Ich erzähle ihm, dass ich mich für Yoga und alternative Medizin interessiere. Er empfiehlt mir eine Ayurvedaklinik in Indien und einen Yoga Master hier in Lumbini - er kennt beide persönlich.
Ich freue mich, laufe zurück zum Hotel und mache Halt auf dem Wochenmarkt, wo die einfachen Leute ihr Obst und Gemüse verkaufen. Mit Guaven, Zitronen und Mangos bepackt, verlasse ich den Markt und freue mich über den schönen Nachmittag.
Am Morgen treffe ich den Yoga Master. Er ist 92 Jahre alt und stammt gebürtig aus Myanmar (Burma). Sein Englisch ist perfekt. Er lebt im Klosterviertel in unmittelbarer Nähe zum Vipassana Zentrum und einer Nunnery (Kloster für weibliche Mönche) in einem Kleinen Haus mit Tea Shop, den seine Frau führt. Von ihm lerne ich die nächsten 4 Tage Pranayama (yogische Atemtechniken in einer bestimmten Sequenz). Wir treffen uns morgens um kurz vor fünf und üben bis 7 Uhr. Er führt diese Übungen seit mehr als 30 jahren in dieser Form durch und ist fit. Als ich frage, wie er zum Yoga kam, antwortete er, dass sein Vater bereits Yoga übte. Mit 15 traf er dann auf einen yogischen Mönch der ihm verschiedene Techniken beibachte. In den 90ern absolvierte er dann ein Training in Haridwar Indien bei Guru Ram Dev (Patanjali) wo er verschiede Übungen als zusammenhängende Sequenzen lernte.
Govinda ist wirklich ein interessanter Mensch (und ein wirklich guter Lehrer!). Jeden Tag steht er um 2:30 Uhr auf, wäscht sich und beginnt mit der Pranayama Sequenz. Einzelne darin enthaltene Übungen verlängert er auf jeweils eine Stunde (Für Kenner: es handelt sich dabei um Kapalabati und Analom Biom - er meint, diese hätten die größte Wirkung).
Heute hat er mir erzählt, dass er einst 18 Monate im Dschungel als Einsiedler verbrachte. Er baute sich ein kleines Dach als Schutz vor dem Wetter - aber mehr hatte er nicht. Ich muss dazu sagen, dass es im Sommer extrem heiß sein kann aber im Winter auch ziemlich kalt (5 Grad). Er meditierte Tag und Nacht. Einmal am Tag machte er sich eine Mahlzeit. Die Zutaten dafür brachte ihm seine Frau jeweils einmal im Monat zum Vollmond an den Waldrand. Sie sahen sich die 18 Monate nicht ein einziges mal. Er sagt, er hätte viele Tiger und alle möglichen Tiere gesehen aber wenn man selber keine Angst hat und einfach meditierend dasitzt, dann sind auch diese Tiere friedlich. Sie haben ja auch Angst, sagt er.
Wir beginnen mit einem Gebet. Er sagt, es sei wichtig sich zuerst mit der "Supreme Power" zu verbinden. Er macht mich darauf aufmerksam, dass der größte Hindu Gott "Shiva" in Meditationshaltung sitzt und seinen Atem beobachtet. Shiva gilt als die Supreme Power. Gleichzeitig ist unser Atem unsere größte Kraft - unsere eigene "Supreme Power". Durch verschiedene Techniken können wir die Produktion und Distribution unserer inneren Medizin im Körper beeinflussen.
Ich bin zutiefst beeindruckt von dem Wesen dieses Menschen und dankbar für die gemeinsame Zeit. Sein Gesundheitsgeheimnis, die Pranayama Übungen (Atemsequenz) und ein paar andere Körperübungen habe ich von ihm gelernt und werde sie auf jeden Fall anwenden und in meinen eigenen Yoga Stunden weitergeben. Denn er ist der lebende Beweis dafür, dass es funktioniert.
Ach so. Ansonsten gibt es in Lumbini den Maya Devi Tempel - Maya Devi ist die Mutter von Gautama Buddha gewesen und verstarb sieben Tage nach seiner Geburt. In dem neu gebauten Tempel befinden sich Ruinen und Reste des alten Palastes in dem Baby Bhudda geboren wurde. In der Mitte steht eine Glasvitrine mit einem Stein. Dieser soll angeblich der genaue Geburtsort gewesen sein 🤨😊. Im selben Komplex befinden sich auch neu gebaute Tempel aus aller Welt - es gibt auch einen deutsches buddhistisches Kloster. Allerdings erinnern mich diese Anlagen eher an Design-Museen oder sowas - mir fehlte hier der wahre Spirit der geübten und praktizierten Meditation - der authentischen Tradition. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit - keine Ahnung. Ich verbrachte viel Zeit mit Lesen und Kontemplation über Leben und Tod. Denn die vielen Buddha Abbildungen in unterschiedlichen Posen erinnern daran. Mein Highlight in Lumbini war jedenfalls die Begegnung mit Govinda 😊🙏
International Buddhist Society
https://ibs.org.np/
Video-Empfehlungen zum Thema Ursachen chronischer Krankheiten:
https://youtu.be/Rik5E7wey0w
Die Atemübungen habe ich nun für euch aufgenommen: . https://youtu.be/1IbWqL-htxA?feature=shared . Zum Abschluss eignet sich das folgende Mantra für die Ohren: https://spotify.link/3c118OFFVCb
WICHTIG: Bitte nur auf nüchternen Magen üben - am besten am frühen Morgen (o. mind. 4h nach letzter Nahrungsaufnahme)Читать далее

ПутешественникBei uns haben wir gerade die schönste Wetter, wir sehen alle Vier Jahreszeiten in einer Tag 😁. Viel Spaß 😊

Josephin DahlenburgHallo Bashir, das hast du schön formuliert 😄😄😄. Ich hab schon gehört, dass es zuhause gerade schön durchwachsen ist 😁☔🌄🥶🥵 Ich hoffe dir geht es gut!! Ganz liebe Grüße

Josephin DahlenburgDanke dir!😊🙏 Ich hoffe es geht dir/euch gut. Eine Freundin hat mir übrigens kürzlich ein Buch zum Thema Atem empfohlen "the breath" (gelbes Cover). Ich habs noch nicht gelesen aber hier soll auf westlicher wissenschaftlicher Basis beschrieben sein wie der Atem an sich und gewisse Atemübungen auf schwere Krankheiten wirken inkl. Übungen. Vielleicht ist das auch für dich spannend 😊. Ganz viele Grüße!
Varanasi - Om Namah Shivaya
13 августа 2023 г., Индия ⋅ ☁️ 33 °C
Vom besten Mango Lassi der Stadt zum offenem Krematorium ....
Liebe Leute,
nach einer sehr langen Busreise bin ich in Varanasi - auch bekannt als Banares oder Kashi - angekommen. Ich habe viel Furchterregendes vorher über diese Stadt gehört 😱 - zum Beispiel warnten mich andere Reisende (und sogar Inder) vor aufdringlichen Verkäufern, Hitze, schmutzigen Straßen und Gestank 🥵. Außerdem soll man hier viel Elend sehen, weil viele alte und kranke Hindu Gläubige, hier herkommen um zu sterben. An den Ghats am Ganges verbrannt zu werden, gilt als heilig - wer hier als Asche zurück in die heilige "Mother Ganga" fließt, hat sein letztes Leben vollbracht und wird nicht mehr wieder geboren - so heißt es. Schluss mit Leiden - ab ins Nirvana!
Ich wollte trotzdem hin - einfach weil Varanasi auch das Venedig Indiens ist und es eine so wichtige Bedeutung für die Menschen hier hat.
Varanasi ist die Shiva Stadt. Shiva ist einer der drei Hindu Götter: Bramah - der Erschaffer, Vishnu - der Erhalter und Shiva der Zerstörer. Shiva als Zerstörer meint aber nicht die aggressive Kraft, sondern eher die Vergänglichkeit, die Teil des Neuanfangs ist. Somit ist er der, der alles beendet und gleichzeitig der, der den Neuanfang bereitet.
Ich war also auf alles gefasst. Aber nichts von all den Horrorgeschichten finde ich wirklich zutreffend. Ganz im Gegenteil - die Stadt ist zauberhaft... Barfuß laufende Pilger*innen und schöne Cafés, alte Gassen, Ashrams, uralte Tempel und Dachterrassen, von denen man über den Ganges schauen kann und wenn man genau hinsieht, auch die (Stadt)affen von Dach zu Dach hüpfen sieht. Dieser Ort ist etwas besonderes. Dazu die vielen Zeremonien, die den Ganges ehren und Menschen, die hierher kommen um vedische Astrologie oder Sanskrit zu lernen.
Ich bin beeindruckt! Am ersten Tag spaziere ich durch die Gegend und finde einen kleinen Shiva Tempel. Er ist geschlossen aber nach kurzer Zeit kommt der vedische Priester und öffnet die Tür. Es kommen Menschen, die ihre Gebete in Form von Mantren singen. Dann muss der Priester für eine Stunde weg ("going to worshipping", wie er sagt 😄) und überlässt mir den Tempel für meine Mediation. (Priester können übrigens nur Brahmanen werden - Menschen die der höchsten Kaste in Indien angehören). Er schließt das Tor so dass ich ungestört Yoga machen kann wie er sagt. Das eigentliche Yoga ist übrigens die Meditation.
Als er wiederkommt und ich mich verabschieden will, treffe ich auf den Stufen des Tempels sitzend einen jungen Mann, der die alten indischen Schriften und Weisheiten - man könnte auch sagen Wissenschaft der Vedanta - lernt. Astrologie, Sanskrit, Mantren ... alles - sagt er - lernt man da. "Es ist so interessant!" sagt er begeistert. "Wenn man das alles lernen und verstehen will, reicht ein Leben nicht aus. Man muss sein Leben komplett dieser (inneren und äußeren) Wissenschaften widmen, keine Familie um die man sich kümmern muss, kein Job oder materieller Wohlstand etc. - ein einfaches Leben für die Gesellschaft gilt es zu führen."
"You read upanishad and veda" - Ich soll die Upanishaden und Veden lesen, sagt er, "It will be good for you." ☺️. Als ich ihm erzähle, dass ich im Osho Ashram war meint er: "Oh Osho - Osho is different. He only read a part of the vedas, not all."
(Die Reise geht also weiter... war ja klar 😃) Dann muss er weg.
Ich schlendere umher, finde den besten Lassi der Stadt, esse eine echte Steinofen Pizza (die für Indien echt ok war 😄), trinke Cappuccino und gönne mir Indiens besten Apfelkuchen. So gutes Essen in toller Atmosphäre mit Ganges Blick hatte ich schon lange nicht mehr!
Am Abend gegen 18 Uhr laufe ich zum Dashashwamedh Gath und beobachte die berühmte Ganga Aarti von einem Boot aus. Eine wunderschöne Atmosphäre und welch ein schöner Akt der dahintersteckt. Der Ganges - als weiblicher Ursprung (Mutter Ganges) und als Schöpfung - wird hier unter hunderten von Gästen und Einheimischen aufwendig geerht.
Neben mir sitzen zwei Spanier die in nur 8 Tagen Delhi, Agra (Taj Mahal) und Varanasi besuchen und dann wieder nach Hause fliegen. Sie sind hier mit einem indischen Guide unterwegs der Spanisch spricht. Sie reden viel und die Blicke gehen hektisch hin und her. Am Ende verlassen sie die Veranstaltung 10 min. früher um nicht so lange warten zu müssen, wenn alle Leute aufbrechen 😄. Ich bin wirklich schon länger hier merke ich, sonst wäre ich vielleicht genauso geladen unterwegs wie die beiden.
Ich genieße es, die sehr hingebungsvolle Musik zu hören und die Bewegungen, die Lichter der Öllampen und die vielen Zuschauer*innen, die an den Treppen des Ghats sitzen, zu sehen. Da geht mir das Herz auf. Wunderschön! Wieder einer der Momente wo ich kaum glauben kann, dass ich sie gerade erlebe.❤️🙏
Am nächsten Morgen um 5 Uhr mache ich mich auf zum Assi Ghat um hier die besondere Atmosphäre, die hier durch Ganga Aarti, vedische Gesänge, Musik und Yoga entsteht. Menschen sitzen gemütlich beisammen und trinken Chai aus Tonbechern. Ich auch. Die Becher werden danach übrigens entweder auf dem Boden zerschlagen oder in einen Mülleimer geworfen - Einweg sozusagen.
Jetzt wird es spannend.... Ab um 7 Uhr nehme ich mir eine Autorikscha und fahre zum Manikarnika Ghat - das ist wohl einer der Orte für die Varanasi besonders bekannt ist. Hier werden Tag und Nacht die Toten verbrannt. Auf diesen Besuch habe ich besonders große Lust seitdem klar ist, dass ich nach Varanasi komme.
Ich laufe die kleinen Gassen runter zum Ghat. Vor mir schiebt ein Mann Brennholz auf einen Handwagen vor sich. Ich bin also richtig. Als ich ankomme, gibt es zwei wichtige Punkte. Einmal direkt am Wasser wo zur Monsunzeit (hoher Wasserstand) und aufgrund des Platzmangels nun nur Verwandte und Freunde der verstorbenen Zutritt haben. Der andere führt eine Treppe hinauf - direkt in das offene Krematorium. Hier landen jetzt alle. Das indische Kastensystem ist hier überwunden.
Man sieht mehrere Haufen aufgestapeltes brennendes Holz. Ganz oben werden die Toten, in weißen Tüchern gehüllt, aufgebettet. Ich stehe direkt vor einem der brennenden Haufen und sehe einen halben Arm an einem Oberkörper der gerade verbrennt. Später auch Beine und Füße und frisch aufgebettete Leichen die dann langsam zu Asche werden. Ich verbringe fast 2 Stunden an diesem glühend heißen Ort um das Geschehen zu beobachten.
Sadhguru schreibt in seinem Buch "Death", dass er als Jugendlicher viel Zeit an den Ghats seiner Stadt verbracht hat und sagt, dass diese Beobachtung dabei hilft Leben und Tod besser zu verstehen. Er rät uns allen diese Erfahrung zu machen. Auch im Schamanismus und im tibetischen Tantra wird das Thema durch direkte Konfrontation, z.B. auf Friedhöfen meditieren etc. näher gebracht.
Ich sehe viele hier arbeitende Menschen, die mit Bamusstöckern das brennende Holz und die angeschmorten Körperteile zurechtrücken. Schwitzend und in normaler Kleidung - manche auch Oberkörper frei und nur mit einem Tuch um den Kopf gewickelt. Unter den hier Arbeitenden auch ein Junge - vielleicht 15 oder 16 Jahre alt. Sie sind emsig und sorgfältig bei der Sache.
Die Toten werden auf einer Bambustrage - zunächst noch eingehüllt in schönen bunten Seidentüchern - herangetragen. Währenddessen kehren andere die Asche der schon Verbrannten zusammen und tragen diese in einer Metallschüssel auf dem Kopf hinunter zum Ganges.
An einem anderen Haufen entzündet gerade ein Priester mit einem langen Fächer aus Gräsern das Holz auf dem eine Tote gebettet wurde. Manchmal kommt der Geruch von verbranntem Fleisch auf. Ein anderer Priester in weißen Roben gekleidet mit kahlen Kopf, trägt ein schwarz verkohltes Stück Menschenkörper zwischen zwei Bambusstäben zum Rand des Turms auf dem wir uns befinden und wirft es in den Ganges, dann murmelt er etwas und geht. Ich beobachte wie das schwarze Stück stromabwärts schwimmt.
Unter uns sehe ich am Ufer einen Hund der etwas frisst. Ein anderer Hund kommt mit wedelndem Schwanz und etwas Schwarzem dazu. Sie haben wohl die anderen bereits angeschwemmten menschlichen Überreste gefunden und genießen ihre Mahlzeit.
Eine Kuh läuft um die brennenden Haufen herum und sucht in den herumliegenden Tüchern und Beuteln nach essbaren. Sie wird geduldet. Nur wenn sie jemanden stört oder im Weg ist, gibt es einen klapps auf den Hintern. Manche Menschen laufen barfuß herum. Ein Tontopf mit Ganges Wasser wird in einer Menschenschlange bis zu den lodernden Resten eines Haufen gereicht und dort vergossen bevor ein anderer Mann mit dem Wasserschlauch kommt und die Glut entgültig löscht.
Unter uns führt ein Brahmane ein Ritual mit Räucherstäbchen und Asche durch. Man ruft laut mit erhobenen Händen "Maha Dev" (=ein anderer Name für Lord Shiva. Mann begrüßt sich übrigens hier in Varanasi auch oft mit diesem Wortlaut).
Zirka zwei Meter vor mir fällt ein Bein aus dem brennenden Haufen. Der Junge der hier arbeitet - ich nenne ihn mal den Azubi - versucht es mit einem Bambusstock wieder hineinzuwerfen und schafft es erst als er sich einen zweiten Stock sucht, das verkohlte Bein dann wie mit einer Zange festklammert und zurück in den Haufen wirft. Weiter entfernt, sehe ich zwei Füße die nur noch an schwarzen Knochen hängen. Wenn man genau hinsieht erkennt man den Sud der aus den Körperteilen die noch nicht lange brennen, tropft.
Jetzt seit ihr bestimmt schockiert, oder 😄?
Auch wenn sich meine Beschreibungen für euch vielleicht komisch anhören.... Irgendwie wirkt alles sehr natürlich und geordnet. Die vorher durch Zerominen geschmückten Leichen sehen am Ende alle gleich aus. Alles wird zu Asche.
Es ist ein interessantes Unterfangen diesen Prozess zu beobachten. Das Leid des sterbenden Körpers verschwunden. Übrig bleibt eine leere Hülle, die Ebene für Ebene vergeht...und dann ist er weg - der Körper - der einst als Tempel der Seele diente. Nun ist Frieden. Wieder eingekehrt ins große Ganze - zurück zu Mother Ganga, zur Natur - zurück zu Shiva, der in uns allen steckt. Weg sind das "ich", die Persönlichkeit , die Charakterzüge, die guten und schlechte Taten, der Besitz, das Wissen, die schönen und schlimmen Erfahrungen, der Status... kurz gesagt: alles Angehäufte im Leben ist nun weg und nichtig.
Ich schaue auf die übriggebliebene Asche der toten Frau deren Bein vorher mit großer Mühe wieder an seinen Platz gebracht wurde. Jetzt ist nur noch Asche da. Frieden steigt in mir auf.
Ich verstehe mehr was man mit der Aussage "In Frieden ruhen" meint. Denn mit dem Tod des Körpers sind auch all unsere Konditionierungen, unsere Ärgernisse, Sorgen, Leid, Sehsüchte und menschlichen Verstrickungen und Beziehungen, die wir glauben in irgendeiner bestimmten Weise zu führen, verschwunden. Sozusagen das angehäufte Karma. Ein Guide hat heute etwas Interessantes zu mir gesagt: "Wir sind alle mit Gott durch unseren Atem verbunden (Im Yoga heißt der Atem ja auch Prana - Lebensenergie). Atmest du, dann spürst du Gott. Hörst du auf zu atmen, dann hat Gott die Verbindung zum Körper gekappt und die gehst ins Nirvana, Himmel, Hölle..was auch immer". Er lachte 😄.
Tatsächlich ist es schön hier zu sein und das alles zu beobachten. Ich schaue in die entsetzen Gesichter einiger westlicher Touristen, die die Hitze hier nur ein paar Minuten aushalten. Ich sehe aber auch in Augen von Menschen, die es verstandenen haben. Man fühlt sich verbunden. Manche Menschen die hier arbeiten, tragen eine besondere Ruhe in sich, andere machen einfach ihren Job 😄.
Der Tod ist das Ende der Illusion und die Rückkehr in das Ganze - mache sagen dazu Gott. Wir sind alle gleich - Gott ist in uns und wenn wir sterben, dann kehren wir zu ihm zurück. Ich fühle ein bisschen mehr was damit gemeint ist.
Es ist spannend auf der einen Seite die Toten zu sehen und auf der anderen Seite den Ganges, der für das pure und fließende Leben steht.
Ich schaue mir nun die unterschiedlichen (lebenden) Menschen an, die sich hier tummeln und wie sie sich verhalten. Zwei Männer die hier arbeiten, streiten sich inmitten der brennenden Hitze und es kommt zu einem kleinen Geraufe 🫣🤭. Andere telefonieren und schützen ihr Gesicht indem sie den Kopf in Richtung Ganges halten um ein bisschen mehr frische Luft abzubekommen, wieder andere verweilen in Stille. Ein Mann hält mehrmals eine Zigarette in einen brennenden Haufen und zieht anschließend mehrmals daran um sie anzuzünden. Ein anderer junger Mann in Jeans und Hemd gekleidet, trägt seinen Kumpel und simuliert, wie er ihn auf einen der brennenden Haufen wirft. Es wird gelacht. Man ruft sich irgendwas auf Hindi in unterschiedlichsten Ton und Stummlagen zu. Ein anderer fragt mich wo ich herkomme und will ein Gespräch inmitten der brennenden Leichen beginnen.....
Gott hat manchmal wirklich witzige Gestalten hier auf Erden angenommen
😄😌☺️🙏❤️.
Om Namah Shivaya!
(=Ruf an Lord Shiva)
Übrigens habe ich meine "Identität" in Varanasi gelassen... denn ich habe meinen Reisepass irgendwo zwischen Universität, Autorikschas und Tempeln verloren. Bemerkt habe ich es erst als ich kurz vor der Hafenrundfahrt stand. Ich entschied mich die Bootstour trotzdem mitzumachen und mich anschließend um den Umstand zu kümmern 😀. Wundervoll Varanasi vom Ganges aus zu sehen!!!
Ich war am selben Tag übrigens im Durga Tempel und habe keine Spende gegeben...🫣 Ich muss dazu sagen, dass Durga die Göttin im Hinduismus ist, die uns immer das gibt was auf einer übergeordneten Weise richtig ist - egal ob wir es wollen oder nicht.... Mises Karma 🙈😉.
Abends saß ich dann bei der Polizei - das war vielleicht ein Akt 😆.... Nachdem ich mind. 10 unterscheidlichen Polizisten die Frage "what happened" beantwortet habe und ich drei schriftliche Versionen meiner Verlustanzeige auf ein weißes Blatt schreiben musste, konnte ich dann auch gehen - das hat 2 Stunden gedauert
🥵🤭🫣😜
Immerhin hat mir der "Muttizettel" der Polizeistation dabei geholfen, dass ich am darauffolgenden Tag meinen Flug nach Rishikesh wahrnehmen konnte - auch ohne Reisepass...
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Ergänzung:
Fotos und Videos sind übrigens im Krematorium verboten (zumindest für Touristen - ich habe eine Menge Inder gesehen, die mit ihren Handys jede Menge Schnappschüsse gesammelt haben). Im Internet gibt es einige Videos.
Hier mal ein Link zu einem kurzen Video vom Manikarnika Ghat in Varanasi. Ab Minute 2:19 sieht man auch den Ort an dem ich sein durfte:
https://youtu.be/WMGvvnyNy7E
Om Shanti ❤️Читать далее

ПутешественникJosi…. Du schreibst so toll ubd fesselnd, ich könnte das stundenlang lesen (wenn man so will, mach ich das auch fast☺️… bei der Länge).

Josephin Dahlenburg😄😄😄 Danke du Liebe! 🥰 Ganz viele Grüße an euch alle 😘

ПутешественникHab weiterhin viel Freude dort und nehme und weiterhin auf deinen Reisen mit😘


























































































































