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  • Day36

    Die freundlichsten Menschen der Welt

    November 4, 2017 in Japan ⋅ ☀️ 20 °C

    Tokio! Die bevölkerungsreichste Stadt der Welt. Wir erwarteten an jeder Ecke Menschen, Hektik, Trubel und Stress. Was wir sahen, war jedoch so ziemlich das Gegenteil. Kurz gesagt! Vergesst Paris, New York und London! Das sind hinterwäldlerischere Vorstädte. Tokio is the place to be! Wir waren überbewältigt von allen. Und die Erwartungshaltung war schon gigantisch hoch, da jeder Reisende unterwegs von Japan geschwärmt hat. Aber fangen wir vielleicht einfach von vorne an. Letzte Nacht wurde es spät und so schliefen wir erstmal verhältnismäßig lange, genossen ein einfaches Frühstück und steckten auf maps.me den heutigen Tag digital ab, um dann einfach loszulaufen und uns von der Stadt treiben zu lassen. Am Ende des Tages sollten es 20 Km Fußmarsch durch Tokio sein. Bereits aus dem Hotel raus, fiel uns sofort auf, dass hier alles so sauber ist und an jeder Ecke Getränkeautomaten stehen. Sauberer als in jeder Stadt, die wir bisher gesehen haben. Auf dem Boden ist absolut nichts. Nada, nicht ein Krümmel, Zigarettenstummel, Blatt, Tüte oder sonst irgendetwas. Von den Hauptstraßen hier gehen kleine Straßen, die eher wie Gassen sind, ab. In einer solchen befindet sich das Hotel. Alles ist friedlich und ruhig. Nur vereinzelt ist in weiter Ferne Baulärm zu hören. Auch waren wir die einzigen Menschen, die hier zu sehen waren. Die überfüllten Straßen gibt es wohl eher in Shibuya. Hier in Jimbocho ist alles friedlich und man findet sich gerade in den kleineren Seitenstraßen oftmals alleine wieder. Auch die Gebäude ragen hier nicht bis hoch in den Himmel. Wobei uns auch in anderen Stadtteilen aufgefallen ist, dass es nur wenige Hochhäuser gibt. Die Gebäude sind allesamt immer relativ neu, da Tokio dafür bekannt ist, alle 30 Jahre die Häuser abzureißen und an der Stelle ein neues zu bauen. Daher wirkt alles sehr modern, der Schein kann jedoch trügen, da Traditionen hier sehr wichtig sind. Die Mischung ist hier unglaublich ambivalent, da sich hier wirklich alles findet und Tradition und Moderne miteinander verfließen ohne sich zwingend voneinander abzugrenzen oder zu verdrängen. Nachdem wir uns ein grobes Bild gemacht hatten, liefen wir weiter bis wir Live-Musik hörten und erinnerten uns, dass der Taxifahrer uns bereits mitteilte, dass ein Straßenfest in der Gegend ist. Gesagt getan, war dies auch die erste Station unterwegs. Dort angekommen, bot sich ein Nachbarschaftsfest mit vielen dauerhaft lächelnden und unglaublich freundlichen Menschen, die Bücher und Essen verschenkten. Dabei ist uns ebenfalls gleich aufgefallen, dass die Menschen hier kleiner als in China sind und so ragte Chris doch ziemlich über alle Köpfe hinaus. Da uns auch diesmal der Wettergott gut gesonnen war, ging es dann weiter zum Ostgarten des kaiserlichen Palastes. Der kaiserliche Palast hingegen versteckt sich im Westpark hinter hohen Bäumen und ist grundsätzlich nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Park selbst ist eine wunderbare Mischung aus Freiflächen, alten Festungsmauern und schönen Gartenanlagen, wofür die Japaner bekanntlich ein Händchen haben. So ging es für uns einmal durch den Park und wir könnten hier gepflanzte Obstsorten bestaunen, auf dem Gras sitzen und uns die Skyline von Jimbocho anschauen. Nachdem wir auch feststellten, dass es über 20 Grad waren, konnten wir auch die Jacken ausziehen. Die Luft war angenehm und es lag auch kein Smog in der Luft. Es ging dann anschließend für uns weiter durch die Stadt, wo wir als nächstes zum knapp 6 Km Miji Schrein wollten. Auf dem Weg dorthin durchstreiften wir verschiedene Wohnviertel, bei denen die Wohnsituation durchaus überzeugen konnte und ebenfalls nichts mit riesigen Wohntürmen zu tun hatte. Es sah überall einladend, sauber und schick aus. Auch die Leute auf der Straße achten sehr auf ihr Outfit, seien es die Schulmädchen und -jungen in ihren Uniformen, die Cosplayer, die Anzugtypen und Kostümfrauen oder einfach die normal gekleideten Leute auf der Straße. Aussehen und körperliche Pflege ist hier wirklich wichtig und wenn man etwas in der Öffentlichkeit trägt, sitzt jedes Detail. Wir müssen zugeben selten so gut und stilsicher gekleidete Menschen gesehen zu haben. Dabei lässt sich niemand so richtig festlegen und niemand scheint völlig gleich gekleidet zu sein (außer natürlich die ein oder anderen Cosplayer und die Schulkinder in Uniformen). Da hält in Europa wohl nichts mit. Chapeau! Auf dem weiteren Weg kamen wir bei der Sophia Universität vorbei, die gerade ein Sommerfest abhielt, bei den Studenten Stände Aufbauten und gut gelaunt und freundlich Leckereien verkauften und ein Dance Battle stattfand. Vor dem Battle durften die Cheerleader jedoch - bis ins Detail perfekt eingeübt - ihr Können beweisen. Das Treiben hat uns ebenfalls sehr gut gefallen und die Freundlichkeit der Leute reißt einen wirklich mit (was selbst Grumpy-Chris eingestehen musste). Unser Weg sollte danach weiter durch die Stadt gehen, wobei wir an zahlreichen Sushi und Ramen Restaurants vorbeikamen. Hunger hatten wir allerdings noch nicht. Und so ging es weiter durch den nächsten japanischen Garten und einem Park (irgendwie kam es uns so vor, als wenn hier sehr viel grün ist), den nächsten Wohnvierteln hin Richtung Miji Schrein. Auch auf diesem Weg bestätigte sich unser Bild immer wieder aufs Neue. Nirgends mit Menschen überladen und ein Gefühl sich wohl zu fühlen (was auch an den sehr sauberen Straßen, den strengen Verkehrsregeln und den zuvorkommenden Menschen lag). Da wir uns unterwegs Zeit gelassen haben, kamen wir leider pünktlich zur Schließung um 16:10 Uhr an den Miji Schrein, sodass wir die Möglichkeit nutzten einmal schnell durch den Park zu kommen. Auf der anderen Seite erwartete uns Shibuya, welches wohl eines der lebendigsten Viertel der Stadt ist, mit unzähligen Geschäften in den Haupt- und Seitenstraßen (die sich über eine sehr große Fläche zogen, ein Traum für Leute die gerne Shoppen und bisher das Gewaltigste, was wir so gesehen haben), die neben den bekannten Ketten vor allem zahlreiche kleinere Läden enthielten und daher ganz klar von europäischen und amerikanischen Grossstädten abgrenzbar sind. Hier zeigte sich auch das Tokio mit dem wir gerechnet hatten: Es war ein riesiger Menschenauflauf, der sich über dieses wirklich große Viertel erstreckte. Steffi verschlug es dann auch in einen Kosmetikladen, der sie aber ein wenig überforderte, da dort Dinge im Angebot waren, die es bei uns schlicht (noch) nicht gibt und die Markenvielfalt schlicht gigantisch war (Chris hätte in Sachen Kosmetika nicht damit gerechnet Steffi mal überfordert zu sehen). Auch hier gilt, dass insbesondere die Japanerinnen sehr auf ihr Äußeres achten, was in der ganzen Stadt zu sehen war (und wir uns mit unseren Backpacker-Klamotten bald schlecht fühlten). Auch in Sachen Kosmetika wird hier nichts dem Zufall überlassen. Nachdem wir uns hier ein paar Gimmicks zugelegt haben, ging es weiter. Die Straßen zogen und zogen sich und wir bekamen zwischenzeitlich wirklich Lust zu shoppen, da das Angebot wirklich super war und uns auch der Stil total gefallen hat (zudem fanden wir auch super, dass die großen Ketten hier nicht sonderlich präsent ins Auge fallen und es wirklich großartige Alternativen gibt). Da wir aber mit knappen Gepäck unterwegs sind, blieben wir stark, hielten uns aber ein Hintertürchen für den letzten Tag in Tokio offen. Schliesslich hatten wir auch Hunger und so gingen wir in eines der Ramen-Restaurants, welche wir in einer Gasse fanden. Für den gemeinen Europäer ungewöhnlich war dabei, dass sich vor dem Restaurant ein Automat befindet, bei dem man die Bestellung aufgibt und bezahlt. Irgendwann wird man dann von der Bedienung hereingeholt und an einen Tisch gesetzt. Wasser gibt es selbstverständlich gratis zum Essen (kannten wir auch schon so aus Hongkong). Bevor das Essen serviert wird, kommt dann noch jemand und bringt einen ein warmes und feuchtes Handtuch, mit dem man sich reinigen kann (Auch das wird einem mit zwei Händen - wie alles andere - und einer leichten Beugung übergeben.) Da er uns natürlich sofort als Ausländer erkannte, gab er uns auch noch ein Lätzchen, was für ungeübte Ramenesser auch notwendig ist. Dann wird das Essen serviert. Es war wirklich Klasse. Vielleicht noch kurz zum Essen. Es gibt hier in Tokio alles! Wir bleiben jedoch beim Sprichwort „When in Rome go with the Romans“ und bleiben auch hier bei den lokalen Spezialitäten. Wobei es hier grandios aussehende Süssspeisen gibt (also richtig geiles Zeug), die sicher nicht ihren unmittelbaren Ursprung in Japan haben. Nach dem Essen ging es dann weiter Richtung Shibuya Crossroads (an dieser Stelle eine kurze Verbeugung vor dem One and Only: Bill Murray). Hier kamen wir wieder an zauberhaften Läden, einer Live-Radioshow und einen Disneystore vorbei. In Letzteren hat Steffi dann ein wenig den Verstand verloren (Zwinker). Am Shibuya Crossroads angekommen, war natürlich wirklich sehr viel los. Es gab überall Neonreklamen, eine Kreuzung auf der verdammt viele Leute unterwegs waren und viele Geschäfte. Die Atmosphäre war unbeschreiblich, da ein Heer von Eindrücken auf uns abregnete. Es war bunt, es war überall Musik (von Live-Sängern, J-Pop, Popmusik bis hin zu den Sounds alter Arcade-Videospiele zu hören). Gleichzeitig war die Stimmung aber völlig entspannt, da niemand drängelte und die Japaner mit ihrer Zurückhaltung im Alltag auch keinen künstlichen Druck erzeugten (man hatte nicht den Eindruck als wenn wir zu langsam über die Straße gingen, ausserdem wird immer ordentlich angestellt und nicht vorgedrängelt, z. B. auf Rolltreppen). Nachdem wir noch in eine der vielen Video- und Kirmesläden (wir nennen die jetzt mal so, da es dort diese Automaten mit den Greifhaken gibt) und wir unser Glück versuchten (und nur knapp scheiterten), machten wir noch einen kurzen Abstecher zur Hachiko-Statue (wenn einem die Japaner noch nicht sympathisch sind, dann spätestens dann, wenn sie für einen Hund ein Denkmal errichten; Empfehlung von Steffi: Den Film mit Richard Gere schauen). Es war mittlerweile echt dahin spät und wir hatten uns in der Stadt verloren. Wir fühlten uns super, waren aber müde. Es ging dann zurück ins Hotel (was ca. 10 Stunden Fussmarsch waren, sind plötzlich 14 Minuten mit der U-Bahn). Die Stadt hatte uns überzeugt, nur leider hatten wir zu wenig Zeit mitgebracht. Morgen schauen wir sie uns aber noch einmal an und fahren dann mit dem Schnellzug nach Kyoto.Read more