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  • Day38

    Unser Kyoto Protokoll

    November 6, 2017 in Japan ⋅ ⛅ 18 °C

    Da sind wir nun in Kyoto. Unser B&B ist wirklich Klasse. Wir haben ein riesiges Zimmer (für japanische Verhältnisse) und ein High-Tech WC sowie eine Duschkammer. Die Duschkammer kann man sich so vorstellen, dass es ein kleines Zimmer ist, in welchem von außen die Zimmertemperatur, Belüftung etc. geregelt wird. Drinnen befinden sich dann eine kleine Badewanne. Geduscht werden kann in dem kompletten kleinen Raum. Duschgel, Shampoo unf Conditioner gibt es hier immer in grossen Mengen inklusive. In China gab es zwar auch eine große Dusche, dass lag aber eher daran, dass das Bad dort keine Duschkabinen kannte und man dort das gesamte Zimmer unter Wasser setzt. Nach kurzem Frühstück ging es dann los in die Stadt. Unser erstes Ziel sollte die Burg Nijo sein. Hierbei handelt es sich um eine japanische Festung, die von einem mit Wasser umschlossenen Burggraben umschlossen ist. Darin selbst befindet sich ein Fürstenschloss und eine weitere Burg, die mit einem Burggraben umschlossen ist. Das Fürstenschloss selbst wirkt - verglichen mit europäischen Schlössern - erstmal recht unspektakulär und besteht vollständig aus Holz. Auffällig sind jedoch die verzierten Schnitzereien im Eingangsbereich und an den Torbögen. Die Räume innen waren groß und die charakteristischen Schiebetüren konnten so geöffnet werden, dass die Räume noch größer wurden. Der Boden in den Räumen selbst war mit Stoff ausgelegt, während in den Fluren ein Holzboden verlegt war, der mit Stahlriemen gespannt wird. Dadurch ist jeder Schritt ausserhalb der Räume deutlich zu hören. Die Räume selbst sind soweit kaum mit Möbeln ausgestattet, was auch nicht weiter nötig ist, da man ohnehin grimmig dreinblickend auf dem Boden sitzt. Lediglich der Shogun sitzt auf einem kleinen Futon, der seine gehobene Stellung verdeutlichen soll. Die Schiebetüren und Wände (sofern sie keine Schiebetüren waren) waren bemalt und entweder aus Holz oder einem Papierüberzug (bzw. Tuchüberzug). Sie waren mit verschiedenen Motiven bemalt. Darunter fanden sich Tiermotive und Landschaftsaufnahmen. Ins Auge fielen insbesondere Tiger und Leoparden, die es beide in Japan nicht gibt. Diese Motive wurden z. B. aus China importiert (Fun Fact: Damals dachte man noch Tiger und Leoparden seien eine Spezies und jeder drittgeborene Tiger sei ein Leopard). Im Übrigen war die Festungsanlage vor allem durch die darin befindlichen Gärten gekennzeichnet. Diese soll - als Kyoto noch Hauptstadt war - noch vom Kaiser persönlich in Auftrag gegeben worden sein. Nach der Burg wollten wir es wie die Einheimischen machen und mieteten uns ein Fahrrad (Kyoto ist die Fahrradstadt Japans). Dabei fuhren wir ein wenig durch die Straßen und schauten uns die Stadt an. Die Stadt selbst ist sehr ruhig und unglaublich friedlich. Alles hat hier seine Ordnung und niemand lässt sich aus der Ruhe bringen. Wir kamen vorbei an den Smoking Points, welche die einzigen öffentlichen Orte in Japan sind, an denen noch geraucht werden darf (und von diesen gibt’s nicht viele), Baustellen an denen man von einer Person an der Baustelle vorbeigeleitet wird, an Parkplätzen, die durch die uniformierten Parkplatzanweiser bewacht wurden (die wir manchmal für Polizisten hielten) und an den kleinen aber sehr gemütlich aussehenden Häusern. Unser erstes Ziel sollte das Kanalviertel sein, welches durch die kleinen Kanäle gekennzeichnet ist und den darüber liegenden - kleinen - Brücken. Soweit so süß. Da Kyoto das kulturelle Zentrum des Landes ist, ist die Stadt voller Tempel und Schreine. Und damit meinen wir hinter wirklich jeder Ecke. Also fuhren wir die Straßen weiter entlang und hielten soweit an den uns interessant erscheinenden Schreinen und Tempeln. Und so ging es zum Heian Schrein, der von mehreren Tempeln umgeben ist und orange-golden erstrahlt. Dazwischen tapsten immer wieder Damen im Kimono und Touristinnen, die das 6.000 Yen Paket für 6 Stunden Kimino tragen, zahlten. Im Heian Tempel selbst fand gerade eine Segnung junger Mädchen statt, die ebenfalls Mit einem Kimino bekleidet waren und verschiedene Rituale über sich ergehen ließen. Von dort ging es dann nach Gion, wo wir zuerst das Tempelviertel durchquerten, wo eine Vielzahl von Tempeln und Schreinen nebeneinander stehen und viele Gläubige zum beten hinpilgern. Die meisten Leute waren jedoch hauptsächlich damit beschäftigt, mit ihren Kimino, verschiedene Posen für Ihre Selfies vor dem wirklich schönen Hintergrund auszuprobieren. Hier zeigt sich wieder die Mischung von Tradition und Moderne Japans. Etwas weiter westlich von der Tempelstätte ging es dann in das Herz von Gion, welches auch dafür bekannt ist, dass dort noch immer Meikos und Geishas verschiedene Gäste unterhalten. Auch hier finden sich Abseits der Hauptstraße wunderschöne Gassen mit zahlreichen Restaurants, die sich jeweils auf eine der vielen japanischen Küchen spezialisieren. Das Hauptaugenmerk liegt auch dabei, dass nur eine kleine Anzahl von Gästen betreut wird und nur wenige Plätze (ca. 8-12) enthalten sind. Da es bereits spät war, entschieden wir uns für ein Teppanyaki Restaurant. Teppanyaki kannten wir soweit auch bereits aus Berlin, wobei die Zutaten und die Gerichte sich doch noch einmal deutlich unterschieden. Bei Teppanyaki werden sämtliche Speisen auf einer Platte - den Gästen zugewandt - zubereitet und so gibt es japanische Omelette, die u. a. mit Nudeln gefüllt sein können, Fleischspezialitäten, warme Salate und Meeresfrüchtegerichte, deren Zubereitung man sich direkt anschauen kann. Wir fanden den Laden wirklich Klasse und es war total beruhigend den Köchen bei der Arbeit zuzusehen. Das Essen hat uns genauso überzeug, wie das Ambiente, das freundliche Personal und der wohlschmeckende Sake, den wir uns verdient hatten. Nach dem guten Essen machten wir uns auf dem Weg ins B&B und fuhren bei Abend noch an Brücken und der wunderschönen Altstadt von Kioto entlang. Abends schauten wir uns dann im japanischen Fernsehen eine Sendung über Ausländer in Japan an (eine Deutsche, die im verschiedenen Restaurants kochen lernt und eine Polin, die sich als Samurai ausbilden lässt) und Japaner im Ausland (in dem Fall Bulgarien), was - auch wenn wir nicht viel verstanden haben - durchaus witzig war. Da wir feststellten, dass die Uhren hier anders ticken und vieles schon am frühen Nachmittag schließt, nahmen wir uns vor, am nächsten Morgen früh aufzustehen.Read more