Skansen ist kein Ort, den man einfach „besucht“. Es ist ein Gelände, durch das man geht – und dabei unmerklich durch Zeiten wandert (und das immer und immer wieder, wenn man in Stockholm ist). Hoch oben auf Djurgården, mit Blick über Stockholm und das Wasser, liegt dieses weitläufige Areal wie eine eigene kleine Welt, abgeschirmt vom Tempo der Stadt.
Gegründet wurde Skansen 1891 von Artur Hazelius als erstes Freilichtmuseum der Welt. Seine Idee war ebenso einfach wie radikal: das Alltagsleben Schwedens bewahren, bevor es durch Industrialisierung und Urbanisierung verschwindet. Nicht als abstrakte Geschichte, sondern als begehbare Realität. Häuser, Höfe und Werkstätten aus allen Regionen des Landes wurden hier originalgetreu wieder aufgebaut – nicht idealisiert, sondern so, wie sie tatsächlich waren: schlicht, funktional, manchmal eng.
Was Skansen besonders macht, ist seine Weitläufigkeit. Man geht über Wege, die sich ständig verändern: Waldstücke, offene Wiesen, kleine Dorfplätze, steile Anstiege.
Die Architektur wirkt nicht monumental, sondern menschlich, heimelig, wie bei Astrid Lindgren. Niedrige Decken, schmale Türen, dunkles Holz. Man spürt, dass das Leben früher näher am Boden, näher an der Natur, näher an der Notwendigkeit war.
Skansen erzählt keine großen Heldengeschichten. Es erzählt vom Alltag: vom Kochen, Arbeiten, Überleben. Von Jahreszeiten, Handwerk, Routinen. Genau darin liegt seine Stärke.
Viele Häuser wirken still, fast leer – und doch sind sie voller Spuren. Man beginnt automatisch, sich Fragen zu stellen: Wie kalt war es im Winter? Wie laut, wie dunkel, wie anstrengend? Geschichte wird hier nicht erklärt, sondern erfahrbar gedacht. Ein wichtiger Teil von Skansen ist die Natur selbst. Alte Bäume, Tiere, offene Landschaften – alles ist bewusst eingebunden. Die Grenzen zwischen Kultur und Natur verschwimmen. Man merkt schnell, wie sehr beides früher zusammengehörte.Read more