Die Drei Kreuze und der Kalnai Park
11. maj, Litauen ⋅ ☁️ 13 °C
Mein Weg führte mich noch weiter hinauf zu den Drei Kreuzen (Trijų Kryžių paminklas), die hoch über der Stadt im dichten Grün des Kalnai-Parks thronen. Schon vom Kathedralenplatz aus sieht man sie schlicht, aber unheimlich eindrucksvoll über der Skyline aufragen.
Der Weg dorthin ist fast genauso stimmungsvoll wie der Blick von oben. Los geht es im idyllischen Bernhardinergarten (Bernardinų sodas), vorbei an bunten Beeten und dem Plätschern der Vilnelė. Doch dann ändert sich die Kulisse schlagartig: Über steile Holztreppen und verschlungene Waldpfade geht es knackig hinauf in den Kalnai-Park („Hügelpark“).
Der abrupte Wechsel ist absolut faszinierend - Eben steht man noch zwischen hippen Cafés und barocken Kirchen – und nur wenige Minuten später läuft man über schattige Waldwege und hört die Vögel zwitschern. Der Park ist sozusagen die ungezähmte, grüne Rückseite der Stadt.
Hinter der friedlichen Kulisse steckt allerdings eine Geschichte voller Tragik und Widerstand. Der Legende nach wurden hier im 14. Jahrhundert sieben Franziskanermönche von Heiden hingerichtet. Zum Gedenken standen hier jahrhundertelang Kreuze.
Das spätere Beton-Denkmal von 1916 war den sowjetischen Machthabern jedoch ein Dorn im Auge: 1950 wurden die Kreuze in einer Nacht-und-Nebel-Aktion heimlich gesprengt und vergraben, um die Erinnerung auszuradieren. Aber die Sowjets hatten die Rechnung ohne den langen Atem der Einwohner gemacht. 1989, mitten im Aufkeimen der Unabhängigkeitsbewegung, bauten die Bürger die Drei Kreuze in einer Rekordzeit von nur zwei Wochen als Zeichen des Protests exakt wieder auf. Die Bruchstücke des alten, gesprengten Denkmals liegen heute noch als Mahnmal direkt daneben.
Die Aussicht von der Plattform direkt vor den Kreuzen liefert die perfekte Postkarten-Perspektive auf die Altstadt, den benachbarten Gediminas-Turm und das schier unendliche Grün der Stadt.
Nach der Fotopause ging es für mich noch weiter quer durch das Areal, wo es skurrile Entdeckungen wie den Table Hill (Stalo kalnas) gibt – ein absolut flaches Plateau, das aussieht wie ein umgedrehter Tisch. Im Sommer verwandelt sich das Tal hier übrigens in ein riesiges Amphitheater für Konzerte und die traditionellen Liederfeste.Læs mere


















