• Am Zusammenfluss von Neris und Nemunas

    13 de maio, Lituânia ⋅ 🌧 8 °C

    Nach der Burg bin ich einfach immer weiter die grüne Landzunge vorgelaufen, bis zum Punkt Santaka (übersetzt schlicht „Zusammenfluss“). Das ist so ein Ort, an dem man automatisch stehen bleibt, die Hände in die Taschen steckt und tief durchatmet.
    ​Genau hier knallen nämlich zwei der wichtigsten Flüsse des Landes zusammen: Die Neris, die ich schon aus Vilnius kenne, trifft auf den mächtigen Nemunas (Memel). Ab diesem exakten Punkt verschmelzen beide und fließen gemeinsam als Nemunas weiter in Richtung Ostsee. 🌊
    ​Hier an der äußersten Spitze versteht man sofort, warum die Menschen im Mittelalter genau hier die erste Hütte bauten. Wasser war damals alles: Autobahn, Schutzschild und Supermarkt in einem. Das Spannende an der Santaka ist die Nähe: Dreht man sich um die eigene Achse, sieht man weites Wasser, saftige Wiesen, die rauen Backsteine der Burg und die Spitzen der Altstadtkirchen. Natur und Geschichte laufen hier Hand in Hand.

    ​Natürlich hat so ein magischer Ort auch seine Mythen. Die schönste Legende besagt, dass genau hier an der Flussgabelung früher ein heiliger Hain für die Göttin Milda stand – im alten, heidnischen Glauben der Litauer die Göttin für Liebe, Freundschaft und Freiheit. An ihren heiligen Feuern opferten die Menschen für das Liebesglück.
    ​Vielleicht ist das der Grund, warum die Santaka bis heute der unangefochtene Date-Spot Nummer eins in ganz Kaunas ist. Trotz des nasskalten Wetters saßen auch heute wieder Pärchen eng aneinandergekuschelt auf den dicken Steinen am Ufer und starrten Hand in Hand aufs Wasser. Da hat Milda wohl nach Jahrhunderten immer noch ihre Finger im Spiel!
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