• Christi-Auferstehungskirche

    May 13 in Lithuania ⋅ ☁️ 10 °C

    Bevor es zurück zum Bahnhof ging, stand noch ein heftiger Kontrastpunkt auf dem Zettel: Es ging hoch in den Stadtteil Žaliakalnis zur Christi-Auferstehungskirche (Kauno Kristaus Prisikėlimo bazilika).
    ​Mein allererster Gedanke beim Näherkommen: Puh, schön ist irgendwie anders… 😅 Das Ding ist riesig, super streng und erinnert eher an einen Wolkenkratzer oder ein gigantisches Fabriksilo als an ein Gotteshaus. Die Kirche ist das radikale Vorzeigeobjekt der Zwischenkriegs-Moderne. Geplant ab 1934, sollte sie als monumentales Beton-Statement das stolze Symbol für die wiedererlangte Unabhängigkeit Litauens werden.

    ​Völlig verrückt ist die Lebensgeschichte dieses Gebäudes: Bevor die Kirche fertig war, marschierten die Sowjets ein. Da diese für Religion nichts übrig hatten, entweihten sie den stabilen Betonbau kurzerhand und verwandelten ihn in eine Radiofabrik!
    ​Wo heute wieder gebetet wird, wurden jahrzehntelang unter dem Fabriknamen „Bangis“ im Akkord Schaltkreise gelötet und Radiogehäuse montiert. Der riesige Innenraum wurde dafür sogar mit Zwischendecken in mehrere Stockwerke unterteilt. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bekam die Gemeinde ihr Gebäude zurück. Nach über 70 Jahren Bauzeit wurde das Jahrhundertprojekt schließlich 2005 endgültig fertiggestellt.

    ​Auch wenn man mit der strengen Architektur erst warm werden muss: Der Weg lohnt sich. Man kann nämlich mit einem Aufzug oder über Stufen rauf auf die gigantische Dachterrasse fahren.
    ​Da oben vergisst man die Betonoptik sofort: Der Rundumblick über Kaunas ist der absolute Wahnsinn! Man schaut über die grünen Stadtteile, die roten Dächer der Altstadt und bis weit hinaus zu den Flüssen der Santaka-Landzunge.

    ​Aber jetzt: Beine in die Hand nehmen, ab zum Bahnhof und zurück in den Zug!
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