• Getrocknete Kröten und Marzipan: die Ratsapotheke

    May 21 in Estonia ⋅ ☁️ 14 °C

    Gestern hab ich es schon kurz erwähnt, heute war ich direkt drin: mich zog es direkt wieder zurück auf den Rathausplatz und hinein in die Ratsapotheke (Raeapteek). Gestern hatte ich ja schon kurz die skurrilen Heilmittel angerissen – aber wenn man sich in dem kleinen, kostenlosen Museum im hinteren Raum der Apotheke umschaut, staunt man doch sehr. Hier taucht man ungefiltert in die schaurig-schöne Welt der mittelalterlichen Medizin ein. 🧪👀

    In den alten Vitrinen und Schubladen liegt das pure Grauen für jeden modernen Arzt. Im Mittelalter glaubte man fest an die „Signaturlehre“ – also dass Dinge, die eklig oder stark sind, auch starke Krankheiten bekämpfen können (naja, schon als Kind habe ich oft gehört: "Medizin die schmeckt, hilft nicht"). Was man in der Ausstellung alles bestaunen kann:

    Getrocknete Kröten und Igel: Beliebte Zutaten, um böse Geister oder das Fieber aus dem Körper zu treiben.

    Wolfsorgane und Hirschpenisse: Galten als absolute Power-Medizin für Kraft und Männlichkeit.

    Pulverisierte Schalen von Schlangeneiern: Wurden fleißig gegen die Pest gemischt. 🐍

    Echter Rindergallen-Wein: Ein absoluter Allrounder für Magenbeschwerden (schmeckt vermutlich noch schlimmer, als es klingt).

    Besonders skurril ist das sogenannte Klarett – ein mit brennenden Gewürzen versetzter, süßer Wein, den die Ratsherren damals literweise direkt in der Apotheke kippten. Eigentlich als Magenbitter gedacht, wurde die Apotheke so am Wochenende schnell mal zum inoffiziellen Party-Hotspot des Stadtparlaments.

    Und dann steht man vor den historischen Holzformen für das berühmte Marzipan. Die Ausstellung erzählt die wunderbare Anekdote, wie der Lehrling Jaan die süße Mandel-Zucker-Masse erfand, weil der kranke Ratsherr eine Medizin verlangte, die „nicht so bitter schmeckt“.
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