• Die Dicke Margarethe: Tallinns wehrhafter Brocken

    May 21 in Estonia ⋅ ☁️ 13 °C

    Direkt am nördlichen Eingang zur Altstadt steht ein weiteres, absolut unübersehbares Monument der Stadtbefestigung: die Dicke Margarethe (Paks Margareeta). Wenn man vor diesem gewaltigen, runden Turm steht, versteht man sofort, woher er seinen charmanten Spitznamen hat. Mit gut 25 Metern Durchmesser und meterdicken Mauern ist der fette Brocken das perfekte Gegenstück zum hohen, schlanken Kiek in de Kök.

    Erbaut wurde der Turm im frühen 16. Jahrhundert direkt neben dem Großen Strandtor. Die Lage war strategisch extrem wichtig: Die Dicke Margarethe sollte nicht nur die Stadt vor Angreifern schützen, sondern vor allem Eindruck auf die Seefahrer machen, die im Hafen anlegten. Sie war das stolze, wehrhafte Aushängeschild der reichen Hansestadt Tallinn.

    Woher der Name „Margarethe“ genau kommt, ist übrigens bis heute ein kleines Geheimnis der Stadtgeschichte. Die wohl populärste Anekdote besagt, dass der Turm nach einer besonders resoluten, kräftigen Köchin benannt wurde, die hier einst die Soldaten bekochte. Eine andere Theorie meint, es lag schlicht an den riesigen, fetten Kanonen, die aus den Schießscharten ragten.

    Im Laufe der Jahrhunderte diente der Koloss übrigens für so ziemlich alles: Er war Waffenlager, Kaserne und im 19. Jahrhundert sogar ein berüchtigtes Gefängnis.

    Heute beherbergt die Dicke Margarethe einen weiteren Teil des Estnischen Meeresmuseums – und der Besuch lohnt sich absolut! Während man sich über Treppen durch die runden Stockwerke des Turms nach oben arbeitet, reist man chronologisch durch die maritime Geschichte des Landes.

    Das unbestrittene Herzstück der Ausstellung ist das Wrack einer mittelalterlichen Hanse-Kogge. Das sensationell gut erhaltene Holzschiff wurde erst vor wenigen Jahren bei Bauarbeiten im Tallinner Stadtteil Kadriorg im Boden entdeckt und mühsam restauriert. Wenn man vor diesem gigantischen Holzskelett steht, bekommt man eine Gänsehaut und begreift sofort, wie die Kaufleute damals die stürmische Ostsee erobert haben. Daneben gibt es jede Menge interaktive Modelle, alte Logbücher und Fundstücke aus dem Meer zu bestaunen.

    Ganz oben auf dem Dach der Dicken Margarethe gibt es eine wunderschöne Dachterrasse samt Café.
    Nach dem Aufstieg kann man sich hier oben perfekt einen Kaffee schnappen und den genialen Rundumblick genießen (oder auch ohne Kaffee). Auf der einen Seite schaut man über das rote Dächermeer der Altstadt, auf der anderen Seite direkt auf den modernen Hafen und die ein- und auslaufenden Riesenfähren.
    Read more