Wine-Experience
September 13 in Portugal ⋅ ☀️ 34 °C
Nach dem ersten ernüchternden Eindruck gestern sind wir gespannt auf die kulinarische Erfahrung, die uns heute erwartet. Wir haben einen Frühstückskorb gebucht und die Wine-Expirience, insbesondere das Tasting wird auf Park4Night sehr gelobt und ist der Grund für die hervoragenden Bewertungen in der App. Wir erwarten mal nicht zu viel aber irgendwo müssen die guten Bewertungen ja herkommen...
Das Frühstück sieht auf den ersten Blick schon mal nicht schlecht aus. Wir kriegen eine liebevoll hergerichtete Platte mit Aufschnitt, Käse, hart gekochten Eiern, Früchten und Confitüre. Dazu je zwei Brötchen und Croissants, eine Thermoskanne Kaffee und eine Flasche Birnensaft. Leider weicht auch hier die Freude des Ersteindrucks bald der Ernüchterung. Die Schälchen mit den Sachen drauf sind noch in Plastikfolie eingewickelt, welche wir selber entfernen müssen. Der Käse ist billiger Industriekäse, der Aufschnitt einfache Salami aus dem Supermarkt, ebenso das Ei ist gekocht eingekauft, das Croissant ist frischback aber war zu kurz im Ofen und daher noch teigig... Wenigstens ist der Kaffee gut und die Früchte frisch. Sehr schade, wir können nicht sagen mehr erwartet zu haben aber sind trotzdem etwas enttäuscht, man könnte doch mit wenig Aufwand so viel mehr bieten...
Nun gut so sei es, wir haben jetzt ein paar Stunden zum tot schlagen bis die Führung und das Tasting beginnen. Es werde noch ein Paar dazu stossen und mit uns die Wine-Expirience machen. Wir werweisen was das für Leute sein könnten, Franzosen oder Holländer in ihren 50ern mutmassen wir. Wir verbringen die Zeit im Schatten unseres Vans, ab und zu schlendern wir zum Pool und gönnen uns eine erfrischende Dusche. Als die Sonne um die Mittagszeit ihren Zenit erreicht und unserem Gefährt seine schattenspendende Funktion nimmt, zügeln wir unter das Vordach der Hütte hinter unserem Wagen. Irgenwann am frühen Nachmittag hören wir Stimmen und Schritte näher kommen. Unsere Weingenossen sind offenbar angekommen und kriegen gerade von Raymond, einem unserer Gastgeber, das Gelände gezeigt. Noch sehen wir die Neuankömmlinge nicht aber sie scheinen spanisch zu sprechen. Also machen wir uns langsam bereit und begeben uns nach vorne wo uns die Führung und das Tasting erwarten.
Die anderen haben ihr Wohnmobil vor dem Haus im Schatten der Bäume abgestellt. Ein älteres Pärchen kommt uns entgegen und stellt sich als Guy und Margoti vor, er kommt ursprünglich aus Manchester und sie aus Madrid, inzwischen leben sie aber in Südspanien, wie wie später erfahren. Wir sind uns auf anhieb sympatisch, beste Voraussetzungen also für einen geselligen Nachmittag.
Raymond übernimmt die Führung durch das Anwesen und bringt uns dessen Historie näher. Das Haupthaus wurde bereits im 17. Jahrhundert errichtet und diente als residenz eines Freimaurers. In den 1920ern wurde das Haus umgebaut zum Teil wurden Wände eingezogen und ein Teil wurde 1.5 Meter hoch mit Beton aufgefüllt, warum ist heute schwer nachvollziehbar. In den Nullerjahren wurde das Anwesen zu einer Hotelanlage ausgebaut, kurz vor deren Eröffnung machte 2008 die Finanzkriese sämtliche Pläne der Besitzerin zunichte. Das praktisch fertig gebaute Hotel wurde von den wütenden, weil unbezahlten Handwerkern ausgeschlachtet. Raymond und Nelson haben das Gebäude relativ günstig erworben und wollten es fertig stellen und eröffnen. Aufgrund von Schwierigkeiten mit Stromnetzbetreiber und Wasserversorgung verzögert sich ihr Plan jedoch nun schon seit einigen Jahren. Nun wissen wir auch warum die ganze Anlage so heruntergekommen ist, was es aber nicht besser macht...
Raymond und sein Geschäftspartner Nelson werden uns gemeinsam durch den Nachmittag führen. Raymond erklärt uns die Weine und schmückt hier und da mit spannenden Anekdoten aus, es gibt drei Runden mit jeweils drei bis vier sehr unterschiedlichen Weinen. Am Ende jeder Runde entscheidet jeder welcher Wein ihm am besten gemundet hat, von diesem kriegt man dann nochmal ein Glas, dazu wird von Nelson etwas zu Essen kredenzt. Wir starten mit den Weissweinen, von leicht und fruchtig über trocken bis spritzig ist alles dabei. Als die ersten Häpchen serviert werden wird klar woher die guten Bewertungen kommen. Olivenpaste auf Cracker, Schinken vom feinsten, frisches Brot und Cotfish-Sardinen-Aufstrich... Alles regionale Spezialitäten, frisch zubereitet, mit viel Liebe angerichtet und mit Hingabe von Nelson persönlich erläutert. So schlemmen wir uns durch den Nachmittag, die Stimmung wird mit jeder Runde ausgelassener und wir unterhalten uns immer angeregter mit unseren neuen Freunden. Irgendwann kommen wir auf das Thema Beziehung zu sprechen, auf unsere Frage wie man es schafft über 40 Jahre zusammen zu bleiben meint Guy "don't listen", worauf Margoti sogleich erwiedert "just don't give a fuck". Das "don't listen" beherrscht Nico bereits aus dem Effeff, am "don't give a fuck" arbeitet Nadine noch... 😅
Am Schluss sitzen wir allesammt draussen in der Lounge, von unserem Lieblingsrotwein nehmen wir die angebrochene Flasche noch mit. Ein paar Freunde von unseren Gastgebern verweilen bereits dort und so lassen wir in geselliger Runde den Abend ausklingen bis wir uns irgendwann müde und etwas angesäuselt zurück zu unserem Van begeben.
Schlussendlich war unser Aufenthalt hier ein unvergessliches Erlebnis. Mit Guy und Margoti haben wir noch die Nummern ausgetauscht, wenn wir mal in ihrer Nähe sind sollen wir sie unbedingt besuchen in Spanien.Read more





















TravelerWo sinds in Spanie
NadineLovesTravellingIn Ronda, nächi Gibraltar 😅
Traveler
😋