Der Treaty of Waitangi
24. januar, New Zealand ⋅ 🌬 20 °C
Als Māori werden die Angehörigen der indigenen Bevölkerung Neuseelands bezeichnet. Es wird vermutet, dass sie im 13. Jahrhundert, und damit etwa 300 Jahre vor den europäischen Seefahrern, in mehreren Wellen von Polynesien aus, das zuvor unbewohnte Neuseeland als erste Einwanderer besiedelt haben. Sie lebten in Verbänden und Stämmen im Einklang mit der Natur und schriftloser Sprache. Zum Zeitpunkt der Entdeckung durch den englischen Seefahrer James Cook im Jahr 1769 existierten dort geschätzte 100.000 Māori.
Im frühen 19. Jahrhundert kamen vermehrt Europäer ins Land, die sich nach und nach niederliessen und 1814 die erste christliche Missionsstation in der Bay of Islands gründeten. Die Missionare lernten den Māori nicht nur die Grundlagen des christlichen Glaubens, sondern auch Handwerk, Landwirtschaft, Lesen und Schreiben. Sie transkribierten deren Sprache in geschriebene Form und übersetzten u.a. auch die Bibel. Eben diese Transkription ist die Grundlage für das heutige geschrieben „Te Reo Māori“. Somit erklärt sich die Tatsache, dass Te Reo Māori das klassische lateinische Alphabet nutzt und keine Schriftzeichen wie etliche andere asiatische Sprachen.
Beide Völker erkannten die Vorteile des gemeinsamen Miteinanders und profitieren voneinander. Mischehen entstanden und wurden gern gesehen. Ab 1830 erreichten immer mehr englische Einwanderer Neuseeland. Unklare Gesetzlagen und ein Mangel an sozialen Regeln in Kombination mit dem Anstieg der Bevölkerungszahlen führte zu chaotischen Verhältnissen. Auch wurden französische Kolonialabsichten vermutet, was die britische Krone veranlasste, Massnahmen zu veranlassen, Neuseeland schnellstmöglich zu annektieren. Innerhalb weniger Tage wurde ein Verfassungsdokument erstellt, welches durch einen Missionar und seinen Sohn von Englisch auf Te Reo Māori übersetzt wurde. Die Unterzeichnung durch Vertreter der britischen Krone und 45 Māori-Häuptlingen fand am 06.02.1840 statt. Weitere Māori-Häuptlinge folgten in den kommenden Monaten mit der Unterzeichnung der Māori-Version.
Im Kern beinhaltet das Dokument diese Inhalte:
Englische Version:
- Übertragung der Unabhängigkeit Neuseelands an Britannien
- Exklusives Vorkaufsrecht von Ländereien an die Krone
- Uneingeschränktes Eigentumsrecht über Ländereien, Wälder, Fischgründe und andere Besitztümer
- Gleiche Rechte und Privilegien für Briten und Māori
In der Māori-Übersetzung ist der Wortlaut etwas anders. Viele Māori dachten, sie würden die Regierung abgeben, nicht aber das Recht sich selbst zu verwalten. Das Wort "Besitztümer" war nicht klar definiert und führte zu unterschiedlichen Erwartungen. Weitere Missverständnisse gab es, da für Māori das gesprochene Wort mindestens denselben Stellenwert hatte, wie ein Dokument.
Entgegen der vorangegangenen Versprechungen gemäss der Verträge von Waitangi verloren in Folge dessen viele Māori-Stämme ihr Land. Die Regierung kaufte es zu unglaublich niedrigen Preisen und konfiszierte ausserdem im Rahmen von Landkriegen und bei etlichen anderen Gelegenheiten. Viele Māori fühlten sich zu Recht betrogen und es kommt daher noch heute immer wieder zur Protesten.
Knapp 150 Jahre später wurde im Jahr 1975 das Waitangi Tribunal eingerichtet. Deren Aufgabe ist es, die Ungerechtigkeiten, die sich über viele Jahrzehnte ergeben haben, auszuräumen. Es sind langwierige und schwierige Verfahren. Auch ist das Tribunal kein Gericht und kann daher nur feststellen und empfehlen. Mittlerweile wurden dennoch knapp 3500 Fälle bearbeitet, die 83% der Landesfläche Neuseelands beinhalten. In Zahlen beträgt das Volumen ca. 4,6 Milliarden Dollar, welche bislang an die Māori zurückgezahlt wurden.
Die Māori bilden heute mit ca. 17 % der Bevölkerung (ca. 900.000 Personen) eine lebendige, kulturell präsente Gemeinschaft. Sie leben überwiegend urban, vor allem auf der Nordinsel, sind jedoch weiterhin sozialen und ökonomischen Herausforderungen wie geringerem Einkommen ausgesetzt. Kulturelle Traditionen erleben eine starke Renaissance, und ihre Traditionen sind fester Bestandteil der neuseeländischen Gesellschaft geworden . Die Māori-Sprache etwa ist seit 1985 eine der Amtssprachen Neuseelands, viele Orte tragen Maori-Namen.
Man kann nur hoffen, dass der Gerechtigkeit weiterhin Genüge getan wird. Dies beinhaltet noch immer die Rückgabe von Land, den Schutz natürlicher Ressourcen und eine gleichberechtigte Teilhabe an der neuseeländischen Gesellschaft.Læs mere












RejsendeTja wie leider überall auf der Welt ….egal welche Ethnie 😢
RejsendeFind ich auch 🙂