• Der Reiseradler aus Ostberlin

    3 marzo, Cipro ⋅ 🌙 14 °C

    Paphos
    Apartment
    11 km

    Heute haben wir unser Zimmer in der Nähe der Strandpromenade verlassen und sind zum Municipal Bath geradelt. Richtig was los hier. Zwei Männer reparierten die Treppe ins Wasser, ließen aber jede Wasserratte durch. Am liebsten wäre ich noch viel länger in dem funkelnden Nass umher geschwommen, aber irgendwann wird einem selbst im warmen Mittelmeer kalt. Außerdem war unser neues Apartment schon fertig.

    Doch zuerst düsten wir zu Lidl. Ein bepacktes Reiserad lehnte am Pfeiler. Ich betrachtete das Herkules. Stabiler Stahlrahmen, die Taschen eindeutig um die halbe Welt gereist. Und da stand auch schon der Besitzer des Stahlrosses vor mir. Er war so was von erstaunt, andere Reiseradler zu treffen. Und dann noch Landsleute. Neo radelt seit zehn Tagen auf Zypern und suchte in Paphos verzweifelt einen Zeltplatz. Ging uns auch so. Er hat nur ein einfaches Handy und Landkarten, kein Internet. "Wenn ich wenigstens ein Hostel finden würde", stöhnte er. Ich zeigte ihm bei Google Maps alle, die ich finden konnte. Doch bei diesem Wetter will er doch lieber zelten. Wir verrieten ihm unseren wilden Zeltplatz 40 km hinter Paphos, in der Nähe des Aphrodite Felsens. Da will er hin. Er fragte, ob sich die Besichtigung der Königsgräber lohnt. Klar. "Ihr könntet aus Rostock sein", meinte er und lag gar nicht so falsch. Nur 60 km daneben getippt. "Ich bin aus Ostberlin". "Dann kennst du vielleicht den Reiseradler Sven Marx? Er ist nach einer schweren Erkrankung (Hirntumor) entgegen der Meinung der Ärzte wieder in den Fahrradsattel gekommen und um die Welt geradelt. Wir sind bei Sven heute Abend wieder im Livestream." "Svenne? Klar, der ist Dachdecker wie ich. Und dass er krank war und jetzt radelt, davon habe ich gehört." Ich schrieb mir ihren gemeinsamen Bekannten und den Fußballverein auf. Neo düste schon in Indien und kam entsetzt zurück. Die Trucker weichen niemals für einen Radler aus. Der Radler muss von der Straße, um sein Leben zu retten. Von Südostasien war er begeistert. In Thailand sind die Straßen gut mit breitem Seitenstreifen, dort fühlte er sich sicher. Und von den rücksichtsvollen Zyprioten am Steuer ist er genauso angetan wie wir. Zu guter Letzt gab er uns seine Telefonnummer und drückte uns zum Abschied. Als wir an den Königsgräbern vorbei radelten, stand dort sein Rad.

    Wir schickten unserem Freund Sven das gemeinsame Bild, den Bekannten und Fußballverein. Sven grübelte und vielleicht ist ihm inzwischen eingefallen, was er mit Neo mal vor vielen Jahren zusammen ausgefressen hat.

    Unsere neue Unterkunft ist ein hübsches Studio im Erdgeschoss. Wieder können wir die Räder rausschieben und sofort im Sattel sitzen. Das war uns wichtig. Der nächste große Supermarkt ist zwei km entfernt, ein kleiner etwas näher. Die Umgebung werden wir morgen erkunden.

    Die Welt ist ein Dorf. Hätte Neo nicht so betont, dass er aus OSTBERLIN kommt, wäre mir niemals Sven eingefallen.
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  • Keine guten Nachrichten

    4 marzo, Cipro ⋅ ☀️ 16 °C

    Paphos
    Apartment
    10 km

    Heute sind wir zum Wasser geradelt, ich war wieder schwimmen. So konnte ich am besten verdauen, dass mein Vater - 93 Jahre alt - ins Krankenhaus kam.

    Ich konnte mit ihm kurz telefonieren, er hörte sich nicht gut an. Der Arzt, zu dem mich die Schwester durchstellte, verstand meine Sprache nicht. Ich habe eine Mail zum Krankenhaus geschickt und bisher keine Antwort.

    Als wir vor drei Jahren in Mexiko waren, gab es eine ähnliche Situation. Mein Vater kam ins Krankenhaus und wir hatten im Dschungel kaum Handyempfang. Auf meine Mail reagierte der Arzt sofort und ich war beruhigt, denn es bestand keine Lebensgefahr und ich sollte mal schön weiter durch den Dschungel radeln.

    Wir kurvten in die Altstadt und trafen ein deutsches Paar. Er stammt aus der Nähe von Wismar und kennt unser Dorf Proseken. (Die ganze Welt ist ein Dorf - hatten wir gestern schon.) Die beiden hatten eine Wanderreise gebucht. Doch kein anderer Wanderer kam an wegen der ausgefallenen Flüge. So tourten sie ein paar Tage mit einem Leihwagen durch die Gegend. Ihr Rückflug geht mit Lufthansa nach Frankfurt am Main. Wenn er denn geht, denn Lufthansa macht momentan einen Bogen um Zypern. Viele andere Fluggesellschaften auch. Einzig Ryanair hat noch Zypern auf dem Schirm. Und damit haben wir den Rückflug gebucht. Wir wünschen uns jetzt selbst viel Glück.
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  • Erstaunte Blicke und nette Gesten

    5 marzo, Cipro ⋅ 🌙 15 °C

    Paphos
    Apartment
    19 km

    Heute hatten wir eine wichtige Mission: Radkartons besorgen. Wir kurbelten zu dem Radladen, wo wir bei unserem ersten Aufenthalt hier um Kartons gebeten hatten. Und das ist gut drei Wochen her.

    Ich betrat den Laden und stellte mich hinten an. Vor mir waren drei Radler, die ausführlich beraten wurden. Der nette Inhaber erkannte mich wieder. "One moment please" rief er zum Ende der Schlange.

    Der Nette hatte Wort gehalten. Er stieg mit Werner in den Keller. Da standen für uns zwei Kartons bereit, die größten, die er anzubieten hatte. Sie passen durch die Scanner am Flughafen. Was waren wir erleichtert. Und die Jungs vom Radladen freuten sich, dass wir uns freuten. Auf unsere Frage empfahlen sie uns ein Taxiunternehmen, das uns mit einem Van zum Flughafen bringen kann.

    Preisfrage: Wie befördert man diese großen Kartons mit den Rädern? Indem man die Box auf eine Pedale stellt und am Rahmen befestigt. Zum Beispiel mit Klebeband. Das Rad kann man dann schieben. Diese Aktion haben wir mehrfach durch. Vier km durch Los Angeles zum Beispiel, oder fünf km bei Frankfurt mit S-Bahnfahrt zwischendrin. Und heute bescheidene 1,6 km.

    Kaum waren wir um die erste Ecke, lachte eine Frau von der Terrasse. Sie hörte auf zu fegen, winkte und hob den Daumen. Ein paar Häuser weiter das gleiche. Autos fuhren ganz langsam vorbei und der erhobene Daumen kam aus dem Fenster. Wir kamen an unserem Apartment an, ein Auto hielt. Ob wir uns Fernseher geholt hätten. Zwei Frauen schauten erstaunt, als wir erklärten, wozu wir die Kartons brauchen. Als ein Auto vor unserer Nase hielt und ein Mann mit einer großen rechteckigen Tasche ausstieg, fragte Werner ob da ein Rennrad drin ist. Unser Landsmann lebt hier schon lange und ist Masseur. Die Tasche ist sein Massagetisch.

    Inzwischen hatte ich zwei Mails vom Krankenhaus bekommen. In der ersten stand, dass man mir über die Erkrankung meines Vaters aus Datenschutzgründen per Mail oder Telefon keine Auskunft geben darf. In der zweiten schlug mir der Chefarzt eine Uhrzeit für ein Telefonat vor. Es war ein gutes Gespräch und dem Arzt war der Datenschutz völlig schnuppe. Ich bin jetzt beruhigt und muss nicht sofort zu meinem Vater. Was momentan bei den vielen Flugausfällen auch nicht möglich wäre.

    Die Gesichter der Jungs vom Radladen werden wir nie vergessen. Wie erstaunt sie guckten, als wir Klebeband zückten und uns mit unserer ausgefallenen Konstruktion in Bewegung setzten. Einer ließ sein Werkzeug fallen und schaute zwei Mal hin. Lachen, wow, erhobene Daumen. Vielleicht haben wir ihnen gerade einen Trick verraten.
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  • Die Insel der Katzen

    6 marzo, Cipro ⋅ 🌙 14 °C

    Paphos
    Apartment
    7 km

    Heute war es öfter bewölkt und nicht ganz so warm. Wir radelten zum Supermarkt und kauften Zutaten für Salat und Suppe. Da wir jetzt nur noch auf den Rückflug warten und einen guten Herd haben, entschieden wir uns morgen selbst zu kochen.

    Zuerst machten wir einen Abstecher in die Altstadt und tranken Cyprus Kaffee. Eine Katze schlich um meine Beine. Ich musste sie davon abhalten, auf meinen Schoß zu springen.

    Die Zyprioten lieben ihre Katzen. Es gibt Fütterungsstellen, manchmal wird um Spenden gebeten. Da zanken sich dann manchmal die kleinen Tiger ums Futter und fauchen sich an. Am Strand traf ich Leute mit einem Schäferhund. Sie gingen an einer Bank vorbei, unter der plötzlich eine fauchende Katze hervor sprang und den verdutzten Hund attackierte. Verteidigte sie etwa ihr Revier und sah den Hund als Rivalen?

    In einer Bar stolzierte eine Katze über den Tresen. Ihr Schwanz streifte die sauberen Gläser im Regal. Eine Frau, anscheinend Stammkundin, sprach mich an als ich die Szene fotografierte. "She is our Pussycat and can do wath she want." Dann lachte sie schallend, zog an ihrer Zigarette und nahm einen Schluck Wein. Auf dem Stuhl neben ihr saß auch eine Katze, sie legte die Vorderpfoten auf den Tisch und streckte sich genüsslich. Dann sprang sie zu Pussycat auf den Tresen.

    Zypern ist eine Empfehlung für Katzenfreunde. Vorhin stand eine Mieze vor der Tür zur Terrasse und mauzte. Wir müssen also aufpassen, dass der kleine Tiger uns nicht austrickst und schnurrend auf unserem Bett liegt. Oder sich heimlich darunter versteckt.
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  • Nudeln am Rad und Suppe im Topf

    7 marzo, Cipro ⋅ 🌙 13 °C

    Paphos
    Apartment
    8 km

    An meiner Badestelle, dem Municipal Bath, war richtig was los. Ganz in der Nähe gibt es noch eine Leiter ins Wasser, mit Umkleidekabinen und Toiletten. Hier bin ich heute eine Runde geschwommen.

    Wir wollten noch den Weg am Wasser entlang radeln, da fiel Werner etwas wichtiges ein. Wir brauchen Nudeln, aber nicht zum Essen. Wir brauchen Schwimmnudeln, aber nicht zum Schwimmen. Wir brauchen diese Schaumstoffnudeln zum Verpacken der Räder. Damit unsere wertvollen Stahlrösser fest in den Boxen sitzen. Und später geben diese speziellen Nudeln einen guten Abstandshalter ab zwischen Auto und Radler. Multifunktional also.

    Ich hatte Schwimmnudeln in einem Souvenirladen am Wasser gesehen. Aber in welchem? Wir grasten alle ab. Wie soll es anders sein, wir fingen an der falschen Seite an. Im vorletzten erspähte ich endlich, was wir suchten.

    Für den Weg am Wasser hatten wir keine Zeit mehr. Werner radelte nun mit den Nudeln, aber (noch) nicht als Abstandshalter, zurück zu unserem Apartment. Denn heute wird gekocht. Oder weiter gekocht. Gestern Abend roch es hier schon wie in einer Restaurantküche. Wir kochten schon zwei Beinscheiben vom Rind. Und heute kam das Gemüse dazu. Möhren (die hier unglaublich lecker schmecken), Porree und Kartoffeln. Zuletzt weiße Bohnen. Sollte für zwei Tage reichen. Wir mussten uns sehr zusammen reißen, nicht schon alles zu verputzen. Die Suppe ist einfach nur köstlich.

    Ich lief noch kreuz und quer durch die Altstadt. Einige Restaurants und Geschäfte sind noch geschlossen. Ich setzte mich in ein kleines Lokal, bestellte einen Smoothie und beobachtete junge Leute, die sich in Gebärdensprache unterhielten.

    Auf dem Rückweg kam ich an einer orthodoxen Kirche vorbei, aus der Gesang zu hören war. Ich warf einen kurzen Blick durch die Glastür, die Messe war in vollem Gange.

    Die Altstadt thront auf einem Felsplateau. Die Ausblicke sind traumhaft. Über die Dächer von Paphos zum Beispiel, oder in die andere Richtung zum
    Sonnenuntergang.
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  • Die moderne orthodoxe Kapelle

    8 marzo, Cipro ⋅ 🌙 14 °C

    Paphos
    Apartment
    10 km

    Sind wir hier nicht schon vorbei geradelt? Und hatten die kleine Kapelle übersehen? Vielleicht weil sie nicht unseren Vorstellungen von einer Kirche entspricht...

    Zur Abwechslung holten wir uns bei Lidl Schokopudding. Es war warm und wir wollten ihn nicht verderben lassen. Also ab zum Wasser und einen netten Platz gesucht um in Ruhe zu schlemmen. Die kleine Mauer ist gut, meinte Werner. Erst als wir futterten wurde uns klar, dass wir neben einer kleiner Kapelle sitzen. Mir fielen Glocke und Kreuz auf. Man konnte nur reinschauen, ein paar Ikonen waren zu erkennen.

    Eine Drohne kreiste über uns. Einige Frauen saßen Richtung Wasser im Gras. Sie blickten sich suchend um, entdeckten den Hobbyfilmer und baten nicht aufgenommen zu werden. Der Drohnenmann lenkte sein Spielzeug in eine andere Richtung.

    Wir kurbelten am Wasser zurück. Den kleinen Sandstrand kannten wir, hier wollte ich heute baden. Er ist künstlich angelegt und wunderschön. Mit Toiletten und Umkleidekabinen. Der Strandsand war weich und warm, der Untergrund im Wasser auch nur Sand, kein einziger Stein. Ich schwamm im glasklaren Wasser bis zu den aufgeschichteten Felsen, die als Wellenbrecher dienen. Kinder, und nicht nur kleine, buddelten selbstvergessen im Sand. Nur Steine sind hier nicht zu finden. Ich fragte mich, woher der feine Sand stammt. Nicht etwa von der Ostsee?

    Zurück im Apartment nutzten wir zum zweiten Mal die Waschmaschine. Sie gab auch heute nicht den Geist auf. Auf der Terrasse trockneten unsere Klamotten im Handumdrehen.

    Dann ließen wir uns die restliche Suppe schmecken. Gestern entdeckte ich in der Nähe eine kleine Kapelle, sofort als solche zu erkennen. Ich zeigte sie heute Werner. Innen viele Ikonen, draußen Sitzecke, Toiletten, kleiner Spielplatz. Und eine Nische mit Ikonen, worin eine Frau eine Kerze aufstellte.

    Im Krankenhaus geht niemand ans Telefon. Vermutlich ist am Wochenende noch weniger Personal da. Mein Vater sollte entlassen werden, sein Zustand hat sich aber verschlechtert. Ich mache mir Sorgen.
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  • Heute wird geschraubt

    9 marzo, Cipro ⋅ 🌙 11 °C

    Paphos
    Apartment
    13 km

    Wir sind nochmal zum kleinen Sandstrand geradelt. Und sogar Werner ist ins glasklare Wasser gestiegen. Ich konnte ihn überreden. Er fand das Wasser etwas kühl, war aber trotzdem begeistert.

    Zwei Dinge waren wichtig.
    Das Taxiunternehmen, welches uns der Radladen empfohlen hatte, antwortete bisher nicht auf unsere Mail. Ich rief an. Unsere Nachricht war nicht angekommen. Vielleicht im Spamordner gelandet? Also schickte ich nochmal die Maße der Kartons. Wir bekamen ganz schnell die Zusage. Die Fahrt zum Flughafen mit Sack und Pack ist gesichert.

    Nun mussten die Räder in die Boxen. Ehrlich, so kleine Radkartons hatten wir noch nie. Mit Sattel abnehmen, Vorderrad ausbauen und Lowrider abschrauben passte Werners Rad gerade so in den größeren Karton. Selbst mein kleines Rad ging nur ohne Vorderrad und Lowrider rein. Mit zusätzlichen Pappen, Bläschenfolie und Schwimmnudeln sicherten wir die empfindlichen Teile.

    Werner ist wohl nun doch vom Baden begeistert. Gerade spazierte er noch ein bisschen draußen rum, schaute zu den Sternen und merkte im letzten Moment, dass er beim nächsten Schritt im Pool gelandet wäre.... Bei den Temperaturen wären seine Klamotten sogar noch über Nacht getrocknet.
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  • Ikonen im Berg

    10 marzo, Cipro ⋅ 🌙 16 °C

    Paphos
    Apartment

    Hier hätten wir zelten können, war mein erster Gedanke. So groß sind die Höhlen im Felsplateau, auf dem Pano-Paphos, Ober-Paphos, thront.

    Meinen ersten Gedanken verwarf ich sofort, als ich die vielen Ikonen sah, die gläubige Menschen hier drinnen aufstellten. Ja, ich war alleine unterwegs. Werners Achillessehne meldete sich wieder, die Weg zum Supermarkt heute vormittag reichte ihm.

    Die Höhlen entdeckte ich bei Google Maps. Historical Caves? Ich war wie immer neugierig und stiefelte los. Waren es sechs oder sieben Höhlen? Ist auch egal. Die Höhlen stehen auf keiner Liste von Paphos Sehenswürdigkeiten. Warum eigentlich? Sind die Königsgräber interessanter? Ich fand jedenfalls spannend, dass diese Höhlen mitten in der Stadt sind und vielleicht sogar als unterirdische orthodoxe Kapellen genutzt werden. Drinnen sollen Fledermäuse leben, gesehen habe ich keine. Das Gestein war teils durchlöchert, es wirkte filigran und ist steinhart.

    Ein Wanderweg führt vorbei an den Höhlen und weiter entlang der Felswand. Mit Blick zum Meer. Ich lief bis zu einer Treppe, die nach oben führte. Durch schicke Villen bis zu einer großen Kirche, an der wir schon vorbei radelten.

    Die Wanderung heute nachmittag brauchte ich dringend, so kann ich schlechte Nachrichten am besten verdauen. Das Krankenhaus rief an. Mein Vater kommt ins Hospiz.
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  • Henkersmittagsmahlzeit

    11 marzo, Cipro ⋅ ☁️ 15 °C

    Paphos
    Apartment

    Heute gibt es nicht viel zu berichten. Außer dass ich zum Supermarkt gelaufen bin und uns von der Heißtheke leckeres Mittagessen geholt habe. Sozusagen die Henkersmittagsmahlzeit. Beef, vegetables, potatoes.

    Wir packten die letzten Sachen ein und ich telefonierte mehrmals mit dem Palliativzentrum. Auch wenn es meinem Vater nicht gut geht, er wird dort bestens versorgt. Das beruhigt mich ungemein.
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  • Wem gehören die Kartons?

    12 marzo, Germania ⋅ ⛅ 8 °C

    Berlin
    Flughafen BER

    Das Taxi kam pünktlich, dem Fahrer verging allerdings die gute Laune als er unser Gepäck sah. Angeblich wusste er nichts von Radkartons. Ich hielt ihm den WhatsApp Chat mit seinem Chef unter die Nase. Es war alles haarklein aufgeführt, auch die Maße der Kartons. Daraufhin telefonierte er aufgebracht und gestikulierend. Schließlich wollte er mehr als die vereinbarten 50 €. Etwas zerknirscht willigten wir ein. Denn wenn der jetzt einfach abhaut, ist unser Problem größer als seins. Wir sind auf den Typen angewiesen. Für 15 € mehr klappte er dann endlich die Sitze runter und wir konnten unsere Sieben Sachen einladen. Er betonte noch, dass die Mitnahme des Handgepäcks 5 € kostet. Ich konnte nur noch drüber lachen. Schweigend spulten wir die 15 km zum Flughafen ab. Unseren Abschied von Zypern hatten wir uns wahrlich anders vorgestellt.

    Wir hingen noch ein bisschen im Flughafen rum. Endlich wurden wir unser Gepäck los. Die nette, fließend deutsch sprechende Mitarbeiterin von Ryanair ließ tatsächlich unsere Räder trotz Übergewicht ohne Nachzahlung durchgehen. Dann schickte sie uns nicht nur mit den Rädern, sondern auch mit den drei großen Taschen zum Sperrgepäck. Der junge Mann dort war genauso gut drauf. Er war neugierig, wo wir schon überall radelten. Wir quatschen eine ganze Weile. Schließlich passte alles durch den Scanner, nichts war verdächtig, keine Tasche musste geöffnet werden. Der unfreundliche Taxifahrer, der vielleicht private Probleme an uns ausgelassen hatte, war längst vergessen.

    Berlin empfing uns mit einem rasanten Sonnenuntergang und deutlich kühlerer Luft, als wir es gewohnt waren. Als wir das Gepäckband erspähten, drehten unsere drei Taschen darauf ihre Runden. Und am Sperrgepäck warteten zwei unbeschädigte Radkartons auf uns.

    Wir suchten uns eine ruhige Ecke und bauten die Räder zusammen. Ein junges Paar mit zwei kleinen aufgeweckten Jungs sprach uns an. Bevor sie Eltern wurden, radelten sie unter anderem durch Thailand. Etwas wehmütig schauten sie auf unsere Räder. Mit den beiden Rackern trauen sie sich keine Radreise zu.

    Ein Securitymann hatte uns schon mehrfach erklärt, wo wir die Radkartons entsorgen sollen. Dahin brachte Werner die Boxen und kam zurück, um endlich etwas zu essen. Was für ein Fauxpas. Plötzlich stand eine Polizistin vor uns. Ob in den Kartons unsere Räder befördert wurden. Klar, wir entsorgen sie auch noch. Sie rümpfte zwar die Nase, ging aber wieder. Nach ein paar Minuten war sie wieder da. Ihr Vorgesetzter hat von unbewachtem Gepäck Wind bekommen. Wenn wir nicht augenblicklich in ihrer Gegenwart die Kartons entsorgen, übernimmt das der Flughafen und schickt uns eine Rechnung. Ich fragte, ob wir noch runterkauen dürfen. Drei Minuten gab sie uns. Wir schnappten uns unser ganzes Zeug, denn in die Ankunftshalle konnten wir nicht wieder zurück. Zusammen mit ihrem jungen Kollegen führte uns die Polizistin zu den beiden Steinen des Anstoßes, den Kartons mit Bläschenfolie und anderem harmlosen Füllmaterial innen drin. Doch dann drehten sich die beiden um und verschwanden wieder in der Ankunftshalle. Gerade sollten wir noch in ihrer Gegenwart den Kartons zu Leibe rücken, und nun?

    Werner zückte das Messer und zerlegte die Boxen. Was gar nicht so einfach war. Mega stabil, hätten sie noch einige Räder sicher befördern können. Alle erreichbaren Abfallbehälter für Pappe und Papier stopften wir bis zum Anschlag voll. Schade drum. Wir haben einen Tipp: Jeder Flughafen sollte ein Depot für noch gut erhaltene Radkartons haben, einsehbar mit Größenangaben auf der Website. Dann könnten wir Radler unsere Räder auf dem Flughafen verpacken und müssten uns nicht von teuren Taxis (und genervten Fahrern) durch die Gegend kutschen lassen. (Natürlich nicht ohne rechtzeitig zu testen, ob sich auch der Lenker drehen, die Sattelstütze rausziehen lässt und die Pedalen nicht fest gerostet sind.) Nachhaltig wäre es auch noch.

    Wir fanden ein paar Bänke zum Schlafen. Zwei junge Männer wollten hier auch nächtigen. Wir quatschten bis nach Mitternacht, dann fielen uns die Augen zu. Einer streckte sich auf dem Fußboden aus, Werner schlief recht und schlecht im Sitzen, ich lag auf der harten Bank. Irgendwie ging die Nacht vorbei. Geweckt wurden wir von der Durchsage: Achten Sie auf unbewachtes Gepäck und melden Sie es dem Flughafenpersonal. Da wusste ich, wovon ich gerade geträumt hatte. Von leeren Kartons und aufgebrachten Polizisten...
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  • Rechtzeitig zurück

    13 marzo, Germania ⋅ ☁️ 12 °C

    Berlin
    37 km
    Fahrradwerkstatt BerlinBikeTour

    Au Backe, war das kalt an den Händen. Wo sind nur meine Handschuhe? Irgendwo in den Untiefen meiner Radtaschen. Ich hatte keine Lust zu suchen.

    Die Sonne schien, aber der Wind war lausig. Komoot schickte uns zum Glück auf Radwege, oft ohne Verkehr. Wir radelten auf dem Mauerweg, der Wind schob uns, Krokusse blühten. Frühling in Berlin, wir mittendrin und inzwischen waren auch meine Hände warm.

    Schneller als erwartet waren wir am Ziel, der Fahrradwerkstatt unseres Freundes Sven, der uns während unserer Reise dienstags zum Livestream einlud. Sven war krank, sein Kollege zeigte uns wo wir die Räder abstellen können, ohne dass sie jemandem im Weg stehen. In Svens Büro dürfen wir heute Abend unsere Matten ausbreiten.

    Wir liefen zur S-Bahn Bornholmer Straße, fuhren nach Gesundbrunnen und nahmen den Zug nach Neuruppin. Mein Vater ist hier seit Mittwoch im Palliativzentrum. Vater hat auf uns gewartet. Er wird hervorragend versorgt und macht einen zufriedenen Eindruck.

    Was für ein Glück, dass wir nicht zu spät gekommen sind.

    PS: Mein Vater ist zwei Tage später ruhig und friedlich für immer eingeschlafen. Er wurde 93 Jahre alt.
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    Fine del viaggio
    15 marzo 2026