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  • Day307

    Schlafen im Dorm

    February 6 in Mexico ⋅ ☀️ 16 °C

    Wir sind wieder in den wunderschönen, aber doch sehr kalten Bergen der Sierra Madre gelandet. Was wir hier eigentlich machen wollten, ist in Wasserfällen baden, Höhlen besichtigen, und wandern gehen. Ich mache es kurz: wir haben unser bestes gegeben, aber die Umstände waren irgendwie ganz anders als vorgestellt und wir haben verdammt viel Zeit im Hostel verbracht. Somit möchte ich dieses Kapitel dem Thema widmen, was jeder Reisende kennt, keiner gerne macht, aber jeder trotzdem irgendwie mal drin landet: Der Dorm - (in deutscher Sprache: das Mehrbettzimmer mit Stockbetten). Der Dorm ist unbeliebt, aber trotzdem immer voll, weil es nunmal die günstigste Variante ist unterzukommen. Und manchmal auch die einzige Option. Der Dorm ist ein Sammelsurium von Individualisten, die letztendlich doch alle die gleichen Gespräche führen. Auch wir haben dort hin und wieder drin geschlafen. Hier in den Bergen sogar 4 Nächte hintereinander in einem 12-Bett-Zimmer. Es gibt kein Entkommen, vor den vielzähligen Spezien, zu denen die die Mitschlafenden dann plötzlich mutieren. Da gibt es die Tütenraschler, Baumsäger, Hygieneverweigerer, Türknaller, Bettenwechsler, Klimaanlagenfanatiker, Deckendiebe, Partymonster und Quasselstrippen. Sobald man einen Dorm betritt, trifft man mindestens einen dieser Spezies an, meist aber mehrere oder sogar Mischformen in einer Person vereint. Meine Toleranz diesen Spezien gegenüber sinkt in der Regel mit jeder weiteren angebrochenen und schlaflosen Stunde. Bis ich es endlich schaffe trotzdem einzuschlafen, ist es oft schon Morgengrauen. Doch seit neustem ist eine weitere Spezies hinzugekommen, die es früher definitiv noch nicht gab, die aber unangefochten die Königsdisziplin im Dorm darstellt.
    Die "Ich-lass-meinen-Wecker-einfach-durchklingeln-Spezie". Damit ist dann auch das Schlafen in den frühen Morgenstunden pasé. Denn meistens beginnt der Handywecker zwischen 5.00 Uhr -7.00 Uhr morgens und hört nicht mehr auf, bis wirklich alle wach und zähneknirschend aufgestanden sind. Und selbst danach klingelt er munter weiter, oft bis zur Mittagszeit. Nun könnte man sich zurecht fragen, warum der Besitzer den Handywecker nach dem eigenen Erwachen nicht ausmacht. Die Antwort ist so unglaublich wie simpel. Der Handybesitzer ist meist gar nicht mehr im Zimmer, sondern z. B. auf einer Wanderung, oder auf dem Markt. Da die meisten Menschen eine unglaubliche Rücksicht auf Privateigentum nehmen, traut sich auch nur in den seltensten Fällen Irgendjemand fremdes an die Sachen des verschollenen Handybesitzers um dem nervtötenden Geklingel ein Ende zu bereiten. Alleine hören die Dinger jedenfalls nicht auf. Und so gewinnt in der Regel der Wecker den Kampf und alle stehen genervt auf. Nachdem dieses Phänomen nun wirklich mehrfach vorgekommen ist, bin ich wieder großer Fan vom Wild-campen geworden. Vogelgezwitscher und Affengebrüll fangen zwar genauso früh an, machen beim Aufstehen aber eine wesentlich bessere Laune.
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