Was ich aus Malawi mitnehme
May 30 in Malawi ⋅ ⛅ 23 °C
Nun sitzen wir wieder in Lilongwe. Dort, wo die Reise begonnen hat. Diesmal allerdings mit deutlich mehr Staub auf den Schuhen, einer gewissen emotionalen Bindung zu Maisbrei und einer Sammlung von Geschichten, die sich teilweise noch immer etwas unwirklich anfühlen.
Malawi war anders als erwartet.
Natürlich hatten wir die üblichen Afrika-Klischees im Kopf: Safari, wilde Tiere, Sonnenuntergänge und endlose Landschaften. Und ja, das alles gab es. Elefanten, Flusspferde, Baobab-Bäume, Teeplantagen, Wasserfälle und den riesigen Malawi-See.
Aber an vieles davon denke ich überraschenderweise gar nicht zuerst zurück.
Ich denke an den einen Liter Benzin, über den sich unser Busfahrer gefreut hat, als hätte er im Lotto gewonnen.
An meinen Mietwagen, der kopfüber in einem Lehmweg steckte.
An die Bauern, die ohne gemeinsame Sprache sofort verstanden haben, dass Hilfe gebraucht wird.
An Joshi, seine Großeltern und die seltenen Momente, in denen aus einer Begegnung tatsächlich ein echter Austausch wurde.
An den Hexendoktor, der gleichzeitig Heiler und knallharter Geschäftsmann war.
An den Wasserfall, der mich mit seiner stoischen Gelassenheit mehr über das Leben nachdenken ließ als manches kluge Buch.
Und an einen österreichischen Fahrradfahrer, der sich in einem der ärmsten Länder der Welt über fehlenden Nachtisch beschwerte.
Vor allem aber werde ich mich an die Menschen erinnern.
Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das sieht man. Jeden Tag. Überall. Und trotzdem habe ich selten ein Land erlebt, in dem Menschen so offen, freundlich und neugierig auf Fremde reagieren. Kinder winken einem stundenlang vom Straßenrand zu, Menschen kommen sofort und locker ins Gespräch, helfen selbstverständlich und lachen oft deutlich mehr als man selbst.
Gleichzeitig hat mich die Reise immer wieder mit Fragen konfrontiert, auf die ich bis heute keine Antwort habe. Fragen nach Privilegien, nach Gerechtigkeit und danach, wie Reisen in einem so armen Land eigentlich fair funktionieren kann.
Vielleicht war genau das die größte Erkenntnis dieser Reise: Dass nicht jede Frage eine Antwort braucht.
Manche Gedanken begleiten einen einfach weiter nach Hause.
Und vielleicht ist das auch gut so.
Malawi war chaotisch. Anstrengend. Wunderschön. Manchmal absurd. Oft herausfordernd. Gelegentlich nervenaufreibend.
Aber niemals langweilig.
Und irgendwie fasst das dieses Land vielleicht am besten zusammen:
Man macht einen Plan.
Malawi macht einen anderen.
Und am Ende wird die Geschichte meistens besser als das, was man ursprünglich geplant hatte.Read more

Komm gut und sicher nach Hause, Schwesterlein. Die letzte Reise ist immer eine Inspiration für die nächste. Man will irgendwie alles einmal gesehen und auch gefühlt haben. Du nimmst sicher ganz viel mit – und wie ich dich kenne, ist die nächste Destination bestimmt schon längst im Kopf. [EmmaEmily]
♥️ [EmmaEmily]