• Die Mauern, die Afrika erzählen

    October 22 in Zimbabwe ⋅ ☁️ 21 °C

    Beim Grenzübertritt nach Simbabwe spüren wir sofort, dass sich etwas verändert. Das Land wirkt geordneter, strukturierter – und doch so roh und ursprünglich. Die Menschen leben in Steinhütten, manche rund, andere viereckig, mit Strohdach, das in der Sonne golden schimmert. Die Straße nach der Grenze ist zunächst ein Abenteuer aus Schlaglöchern und Staub, aber dann wird sie ruhiger, geflickt, halbwegs gut befahrbar. Wir atmen auf.

    Die Vegetation wandelt sich innerhalb weniger Kilometer dramatisch. Erst noch grün, dicht und lebendig – fast wie Dschungel – und dann plötzlich trocken, beige, karg. Die Luft wird heiß und still. Die Erde unter uns ist hart wie Stein, das Gras verdorrt. Nur manchmal blitzt ein Hauch von Grün auf, als wolle das Land kurz zeigen, dass es einmal anders war. Es ist, als würde jemand das Blau aus dem Himmel und das Leben aus dem Boden saugen – nur das Licht bleibt, gleißend und grell.

    Die Städte wirken müde. Alte Tankstellen, ausgebrannte Gebäude, gespenstische Überreste einer Zeit, in der hier mehr Hoffnung geherrscht haben muss. Wir halten an einer Total-Tankstelle, doch der Tankwart sagt, er müsse erst den Generator anwerfen, um überhaupt Diesel pumpen zu können. Wir lächeln höflich, danken und fahren weiter – zur Puma-Tankstelle, wo der Liter 1,60 Dollar kostet. Der Diesel riecht nach schlechter Qualität, aber was bleibt uns anderes übrig.

    Der Tankwart spricht leise, fast verschämt. 35 Prozent Steuern muss er zahlen, erzählt er. Sozialversicherung? Gibt es nicht. Über Politik will er lieber nicht reden – und wir merken, dass es besser ist, nicht nachzufragen.

    Wir kaufen noch eine SIM-Karte. Es dauert ewig, alles wird per Hand eingetragen, Passdaten, Namen, Nummern. Aber am Ende funktioniert es. In der Stadt sehen wir kaum Weiße. Die Menschen sind freundlich, aber das Leben hier ist hart. Geld abheben kostet fünf Prozent Gebühren, also lassen wir es bleiben.

    Am Abend finden wir einen Platz mitten im Busch. Kein Mensch weit und breit, nur trockenes Gras, Grillenzirpen und der weite Himmel über uns. Wir machen Feuer, kochen Tee, und dann passiert es: Maries Ball rollt ins Feuer. Ein kurzer Moment, ein Schrei, dann Stille. Der Ball schmilzt, das Feuer knistert. Marie weint kurz, dann lacht sie wieder. Es ist nur ein Ball – und trotzdem spüren wir, wie alles hier ein bisschen zerbrechlicher ist.

    Am nächsten Tag erreichen wir Great Zimbabwe. Schon der Name klingt mächtig, und als wir die alten Mauern sehen, verstehen wir, warum. Für Einheimische kostet der Eintritt 10 Dollar, für internationale Besucher 15. Regina sagt einfach, sie komme aus Südafrika – niemand fragt nach. So zahlen wir 20 Dollar für uns alle, Kinder sind frei.

    Zwischen den alten Granitmauern scheint die Zeit stillzustehen. Die Steine sind riesig, kunstvoll geschichtet, ohne Mörtel, und doch halten sie seit Jahrhunderten. Wir klettern durch schmale Gänge, umrunden Mauern, steigen auf den Felsen, wo einst der König lebte. Es ist heiß, fast 35 Grad, aber der Blick von oben ist atemberaubend. Marie bekommt zur Belohnung ein paar Gummibärchen und ihren kleinen Saft – ihr Schatz, wie sie sagt.

    Im Museum erfahren wir, dass hier der berühmte Wappenvogel Simbabwes entdeckt wurde – acht Specksteinfiguren, die den Adler des Landes darstellen. Fotografieren darf man sie nicht, als wären sie zu heilig, um eingefangen zu werden. Früher wurde hier Gold abgebaut, exportiert in ferne Länder. Great Zimbabwe war einst das Zentrum einer reichen Hochkultur, das Herz eines Königreichs, das bis heute in den Steinen nachhallt.

    Am Abend schlafen wir an einem kleinen See. Das Wasser schimmert im letzten Licht, bevor die Sonne untergeht.
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