Brennholz ist verboten
March 11 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 13 °C
Nach einer langen Fahrt von Hima durch die Wüste erreichen wir am späten Nachmittag die Stadt Abha. Unterwegs verändert sich die Landschaft langsam von trockener Wüste zu einer deutlich grüneren Bergregion.
Am Stadtrand finden wir einen einfachen Picknickplatz, wie es sie in vielen Städten in Saudi Arabien gibt. Diese Plätze sind offenbar dafür gedacht, dass sich Menschen am Abend zum Sonnenuntergang treffen, zusammen sitzen und ihre Freizeit genießen. Tagsüber ist es meist zu heiß. An diesem Abend bleibt der Platz jedoch ruhig. Der Platz ist nicht besonders gepflegt, aber es gibt einen kleinen Spielplatz, über den sich Marie sehr freut. Wir verbringen einen ruhigen Abend und gehen schließlich schlafen.
Mitten in der Nacht werden wir jedoch durch lautes Hupen und klopfen geweckt. Ein Geländewagen des Militärs steht neben unserem Camper und Jens wird aufgefordert auszusteigen. Draußen stehen mehrere Männer um das Fahrzeug.
Der Grund ist schnell klar. An unserer Hecktür transportieren wir in einem offenen Kanister etwas Brennholz, das Jens am Nachmittag vom Straßenrand eingesammelt hat. Die Männer machen jedoch deutlich, dass das Sammeln und Besitzen von lokalem Brennholz hier verboten ist und sogar als Straftat gilt.
Das Gespräch ist schwierig, denn keiner der Männer spricht Englisch. Vieles läuft über Gesten und schließlich über den Google Übersetzer. Mehrmals erscheint auf Jens Handy der Hinweis, dass es sich um eine Straftat handelt, gleichzeitig aber auch, dass er dafür vermutlich nicht ins Gefängnis muss.
Jens ist etwas sauer über die nächtliche Störung und wirft das Holz schließlich vor die Füße der Männer und sagt ihnen, sie sollen es einfach mitnehmen. Doch auch die dürfen es nicht besitzen. Das Holz muss offenbar offiziell von der zuständigen Umweltbehörde erfasst werden. Kurz darauf kommt ein weiterer Geländewagen und ein Mitarbeiter schaut sich das Holz genau an und vermisst es und Foto dokumentiert alles.
Währenddessen wollen die Männer wissen, wo wir herkommen, wohin wir reisen und wer noch im Fahrzeug ist. Als sie erfahren, dass Regina und Marie im Camper schlafen, werden sie deutlich freundlicher und fragen sogar, ob alles in Ordnung ist.
Im Laufe der Unterhaltung wird klar, dass es ihnen tatsächlich um Umweltschutz geht. In Saudi Arabien gibt es nur wenige Bäume und deren Abholzung soll verhindert werden. Jens spricht jedoch auch an, dass wir überall Müll in der Natur sehen. Die Männer bestätigen über den Übersetzer, dass auch das verboten ist.
Die Situation wirkt trotzdem etwas absurd. In einer Zeit, in der die Region politisch angespannt ist und Raketen aus dem Iran abgefangen werden, beschäftigt sich mitten in der Nacht eine ganze Gruppe von Staatsschützern mit ein paar Stücken Holz an unserem Camper. Besonders merkwürdig ist auch ein Moment, in dem Jens sich mit dem Gesicht zu einem Geländewagen stellen muss, die Arme vor dem Körper verschränkt und den Kopf gesenkt. Kurz fühlt es sich wie eine Art Buße an. Später erklärt man ihm über den Übersetzer, dass es lediglich ein Foto zur Dokumentation der Straftat war.
Nach ungefähr zwei Stunden ist alles erledigt. Jens unterschreibt mehrere Seiten Dokumente und bestätigt alles zusätzlich mit zahlreichen Daumenabdrücken. Was genau er unterschrieben hat, wissen wir nicht. Zum Schluss entschuldigen wir uns sogar gegenseitig. Jens dafür, dass er die Regel mit dem Brennholz missachtet hat und die Soldaten dafür, dass sie uns mitten in der Nacht gestört zu haben.
Der Mitarbeiter der Umweltbehörde lädt das Holz schließlich in sein Fahrzeug und nimmt es zur Entsorgung mit. Die Männer können sich nach 2 Stunden nun einer neuen Aufgabe in dieser Nacht widmen und wir können endlich unsere Nachtruhe fortsetzen.Read more














TravelerDas fühlt sich etwas an wie unsere Erfahrungen in Medinah. Da hat es uns auch zweimal mit den Wachleuten erwischt und wir sind abgehauen. Vor allen Dingen beim zweiten Mal war nicht klar, was wir falsch gemacht haben. Das sind die extreme in SA: einerseits komische Regeln und Gesetze, die wir oft nicht verstehen und andererseits außergewöhnliche Gastfreundschaft. Zum Glück ist alles soweit gut gegangen. Wieder eine Erfahrung mehr.
TravelerUnd was habt ihr beim ersten Mal falsch gemacht?
TravelerAn den falschen Orten gewesen und nicht gewusst was man darf, weil es ja nirgends steht. Du kannst ja den Pinguin lesen.
TravelerHab ich schon gemacht☺️kann mich aber nicht mehr so erinnern. Muss ich nachlesen 😊
Traveler🤣 Es waren so viele Kleinigkeiten, die man immer wieder irgendwie nicht durfte. Aber alles harmlos und ohne Militärpolizei.
TravelerUnd das steht bestimmt in keinem Reiseführer
TravelerKeine Ahnung. Ich habe nie einen gelesen.