• Abha

    March 12 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 31 °C

    Abha liegt im Südwesten von Saudi-Arabien, hoch oben in den Bergen auf fast 3000 Metern. Wir erkunden die Stadt zunächst vom Auto aus und fahren durch die bergige Landschaft. Nebel zieht durch die Höhenlagen, der Wind weht kräftig, doch immer wieder bricht die Sonne durch die Wolken. Tagsüber ist es angenehm warm, aber sobald sich die Wolken schließen, wird es überraschend kühl.

    Die Stadt wirkt grün und lebendig. Sogar eine Bergbahn gibt es hier, die derzeit allerdings stillsteht. An einem Aussichtspunkt halten wir und blicken über eine beeindruckende Schlucht. Eigentlich wollen wir noch die Altstadt besuchen, doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Straßenführung bringt uns an unsere Grenzen. Viele Abbiegespuren sind durch Absperrungen getrennt, Linksabbiegen ist oft unmöglich und selbst U-Turns, die Google Maps vorschlägt, existieren nicht. Immer wieder fahren wir kilometerweit in die falsche Richtung, nur um später wieder zurückzumüssen.

    Das sorgt für zunehmend schlechte Laune, besonders bei Regina, die es gar nicht mag, sich zu verfahren. Auch andere Navigationssysteme helfen nicht weiter. Am Ende haben wir schneller als gedacht genug von Abha, obwohl die Stadt eigentlich sehr schön ist. Selbst aus der Stadt herauszufinden wird zur kleinen Geduldsprobe. Schließlich geben wir auf und fahren weiter.

    Die Straße führt immer höher in die Berge hinein. Der Nebel wird dichter, zeitweise sehen wir kaum zehn Meter weit. Kurz darauf beginnt die spektakuläre Abfahrt Richtung Rijal Almaa. Innerhalb von nur zwanzig Kilometern verlieren wir rund 1500 Höhenmeter. Die Straße schlängelt sich in engen Serpentinen steil an der Felswand entlang.

    Eine Höhenbegrenzung von drei Metern sorgt kurz für Unsicherheit, denn unser Fahrzeug ist 3,30 Meter hoch. Die Begrenzung wirkt allerdings deutlich höher. Ein Einheimischer hält neben uns an, beruhigt uns und erklärt, dass die Beschränkung nur für große LKW gilt. Also wagen wir die Weiterfahrt. Im ersten Gang, mit Untersetzung und Motorbremse, tasten wir uns langsam bergab. Es dauert lange, Autos überholen uns, doch Sicherheit geht vor. Unterwegs beobachten wir zahlreiche Paviane am Straßenrand, die offenbar an Passanten gewöhnt sind.

    Unten angekommen erreichen wir das Dorf Rijal Almaa mit seinem beeindruckenden Museum, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Die traditionellen Steinhäuser wirken wie aus einer anderen Zeit. Wir schauen uns alles von außen an und fahren anschließend weiter, denn der Sonnenuntergang und damit das Fastenbrechen im Ramadan stehen kurz bevor.

    Wir holen uns etwas zu essen und bleiben schließlich an einem Park mit Spielplatz stehen. Marie spielt sofort mit den Kindern vor Ort, auch wenn niemand die Sprache des anderen versteht. Besonders bleibt uns ein Moment im Gedächtnis: Ein Junge wirft seinen leeren Becher achtlos ins Gras. Regina erklärt mit Gesten, dass Müll in den Mülleimer gehört. Marie hebt den Becher auf und wirft ihn weg. Nach und nach machen es die anderen Kinder nach. Die Eltern beobachten uns neugierig. Ein kleiner Moment, der zeigt, dass Vorleben manchmal mehr bewirkt als Worte.

    Die Nacht verläuft ruhig und angenehm. Am nächsten Morgen spielt Marie noch einmal auf dem Spielplatz, bevor unsere Reise weitergeht.
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