Wenn die Piste zur Prüfung wird
June 8 in Albania ⋅ 🌧 21 °C
Wir fahren ins albanische Landesinnere Richtung Ohridsee. Regina hat zuvor eine Offroad-Piste herausgesucht, die laut Google Maps und Satellitenbildern tatsächlich befahrbar sein soll. Auch die Navigation bestätigt die Route über einen Bergpass. Die Berge sind in diesem Frühling grün, blühend und wunderschön. Wir starten voller Vorfreude zu den heißen Quellen bei Përmet Richtung Gjirokastra und weiter nach Moglicë.
Am Vormittag ist die Strecke noch angenehm zu fahren, doch je weiter wir kommen, desto steiniger, schmaler und anspruchsvoller wird der Weg. Trotzdem begegnen uns immer wieder Autos, sogar Limousinen und Mietwagen, was uns überrascht und gleichzeitig verunsichert. Immer wieder halten wir an, um die unglaubliche Landschaft zu genießen, die gleichzeitig so wild und so einsam wirkt.
Mit der Zeit wird der Weg immer abgelegener. Wir fahren durch kleine Bergdörfer, über schmale Schotterpisten entlang steiler Hänge. Die Unsicherheit wächst langsam, doch wir bleiben optimistisch. Kurz nach einer ersten schwierigen Passage wird es ernst. Eine enge Schräge mit mit einer 90-Grad-Kurve und einer Auswaschung bringt uns in eine gefährliche Situation. Das Fahrzeug rutscht hinten rechts in die Auswaschung und gerät in Schräglage. Daraufhin springt der Reifen vorne rechts von der Felge. Unser rollendes Zuhause droht den Abgang herunter zu kippen. Zum Glück sind Marie und Regina zu diesem Zeitpunkt nicht im Auto. Jens stellt schnell den Motor ab und steigt aus , wobei Regina sich an die Fahrertür hängt.
In diesem Moment bleibt alles stehen. Marie schreit panisch, und wir versuchen gleichzeitig ruhig zu bleiben und das Auto zu stabilisieren. Die Lage ist ernst, der Hang neben uns wirkt plötzlich viel steiler.
Entsetzt aber entschlossen beginnen wir zu handeln. Wir spannen Gurte vom Dachträger zu einem Baum um ein Kippen zu verhindern als sich plötzlich ein Rallye Quad vorbei drängelt sich. Er kommt ebenfalls ins Rutschen und bringt unseren Rocky fast zum Absturz. Wir sind Fassungslos!
Da ein Unglück selten allein kommt zieht auch noch ein Gewitter auf und es droht zu regnen. Das Regenwasser würde ganz klar durch die Auswaschung fließen, in der unser Rocky mit dem Hinterrad hineingerutscht ist. Er droht also nach wie vor den Hang abzurutschen. Wir graben eine kleine Rinne um das kommende Regenwasser umzuleiten. Dann setzt auch schon der Regen ein. Marie sitzt hysterisch weinend im Strandzelt, während wir durchnässt und im Schlamm weiterarbeiten und versuchen, die Kontrolle zurückzubekommen. Plötzlich kommt das Rallye-Quad erneut vorbei und brettert haarscharf an uns vorbei und über unsere Waschschüssel, die in Teile zerspringt während Marie und Regina schreien. Was für ein Wahnsinn!
Jens legt sich unter das Auto in den Schlamm und setzt den Wagenheber an, um ihn hinten rechts aus der Auswaschung zu heben. Währenddessen sammeln Regina und Marie Steine, um damit die Auswaschung zu füllen.
In dieser angespannten Situation tauchen plötzlich zwei polnische Geländewagen auf. Die Fahrer steigen aus und helfen ohne zu zögern. Ihre Ruhe überträgt sich ein Stück weit auf uns. Gemeinsam sammeln wir Steine und platzieren sie in der Furche unter dem Hinterrad. Mittlerweile regnet es kräftig und der Weg hat sich in eine mega glitschige Schlammpiste verwandelt.
Langsam kommt das Fahrzeug wieder in eine bessere Position bis es schließlich recht stabil steht. Dann wird mit dem Wagenheber das Vorderrad gegen das Ersatzrad gewechselt. Mit jedem Moment wächst die Erleichterung ein wenig mehr. Als wir schließlich realisieren, dass das Auto wieder stabil steht, fällt eine enorme Anspannung von uns ab.
Jetzt gilt es noch den Wagen rückwärts den rutschigen Anstieg zurück zu einem, von den Polen präparierten, Wendepunkt zu manövrieren. Bei Jens ist die Anspannung riesig. Falls der Wagen ins Rutschen kommt ist er kaum noch aufzuhalten. Doch schließlich klappt es ohne Probleme. Wir sind völlig durchnässt, erschöpft und gleichzeitig glücklich das uns die Bergung geglückt ist.
Gemeinsam treten wir die Rückfahrt an. Als wir das Tal erreichen und es bereits dunkel wird, sind wir einfach nur froh, wieder festen Boden unter uns zu haben. Wir verbringen einen lustigen Abend zusammen und gehen erst gegen 2 Uhr Nachts todmüde ins Bett.Read more






TravelerWolltet ihr Kneippkur in den Bergen machen?
Traveler😂
TravelerUiii. So eine Situation hätte ich in Afrika erwartet, aber nicht in Albanien. Glück gehabt. Für Marie war das aber eine schlimme Situation. Für euch natürlich auch. Es gibt leider überall A……, aber man findet auch immer jemanden, der hilft. Das finde ich sehr beruhigend. Eine gute und entspannte Weiterfahrt wünsche ich euch. Eigentlich darf man heute kein Herz geben. Aber da alles gut ausgegangen ist, gibt es hier noch ein zweites extra. ❤️ Genau diese Situationen sind es, die ich fürchte. Ich kann mir da nicht selbst helfen. Respekt - was für eine Bergung.
TravelerVielen Dank für den lieben Kommentar! Wir haben uns mittlerweile von dem Schreck erholt und eine Reiseerfahrung mehr im Gepäck! LG