Angekommen!
July 16, 2025 in England ⋅ ⛅ 20 °C
HUTTON-LE-HOLE * Heute habe ich meine Wirtin Rachael kennen gelernt. Sehr schnell, quicklebendig, sehr aufmerksam. Es gab ein tolles English Breakfast. Zunächst war ich alleine im Frühstücksraum, dann kam als erstes ein älterer Brite dazu. Er setzte sich mir schräg gegenüber an einen Tisch, und sprach mich mehrfach an. Eigentlich bin ich nicht so der große Frühstücks – Unterhalter, aber er ließ nicht ab, und als ich mit meinem Frühstück fertig war, habe ich mich zu ihm gesetzt, um mich mit ihm noch eine halbe Stunde unterhalten. Es war sehr interessant. Tochter und Schwiegersohn wohnen in Hutton-le-Hole, beziehungsweise haben hier Ferienhäuser. Weitere Verwandtschaft kommt die nächsten Tage noch dazu, es wird ein Treffen mit insgesamt 20 Personen. Schöne Idee. Seinen beruflichen Werdegang, und alle aktuellen Krankheiten kenne ich jetzt selbstverständlich auch, glücklicherweise verstehe ich manchmal nicht so gut Englisch, und die Details entgehen mir.
Ich hatte mir aus meinem Rother-Wanderführer „England - Nord“ eine Tour ganz in der Nähe herausgesucht. Einziger Nachteil: 20 km lang, 5 Stunden Gehzeit, das war mir zu viel. Komoot hatte eine Alternative mit 10 km. Für den gleichen Ort, das fand ich gut.
Mein Ziel war das Rosedale – Tal, circa 10 km entfernt. Die Wanderung war dann wunderschön, eine gute Kombination aus Hochmooren, einem Abstieg ins Tal hinunter, und einem neuen Aufstieg auf die Hochmoore, wo mein Auto stand. Die Tour war in Komoot mit „mittelschwer“ angegeben, das habe ich die ersten 3 km gar nicht verstanden. Irgendwann wurde mir klar, dass ich auf einer ehemaligen Bahnstrecke laufe, kein Wunder, dass es kaum Steigungen und Gefälle gab, und der Weg breit und flach war. Das Rosedale – Tal hat eine bewegte industrielle Vergangenheit. Um 1860 herum wurde hier eine große Eisenerz – Förderung aufgezogen, mit Brennöfen, Eisenbahnlinien, Häusern für die Arbeitern etc. Die Bevölkerung hat sich innerhalb weniger Jahre verzehnfacht, die Landschaft wurde brutal verändert, alte Fotos zeigen das deutlich. Die Förderung hat sich dann Anfang des 20. Jahrhunderts schon nicht mehr gelohnt. Das Tal ist in sein Dornröschenschlaf zurückgefallen. Die verbliebenen Industrieanlagen und Abraumhalden verschmelzen wieder mit der Landschaft. Faszinierend zu sehen, wie hier Natur und Folgen der frühen Industrialisierung direkt nebeneinander stehen, und jetzt wieder ineinanderfließen.
Auf der Tour wurde es dann zwischendurch abenteuerlich, Komoot führte mich zunächst brav über die ehemalige Bahntrasse, aber dann über offenes Gelände. Der Pfad war teilweise kaum zu erkennen, ich folgte Schafpfaden. Irgendwann verlor ich die Route, und bin peinlicherweise auf Privatgelände gelandet. Ich bin dann einfach elegant die Einfahrt herunter gegangen bis zur Straße, als wenn ich da hingehöre. Angesprochen hat mich niemand.
Auf halber Strecke der Wanderung, in Rosedale-Abbey, gab es im örtlichen Tearoom einen ganz wunderbaren Cream – Tea. Was für eine coole Idee auf ein süßes, mürbes Rosinenbrötchen Schlagsahne (!) zu streichen, und dann noch „homemade“ Himbeer –Marmelade obendrauf? Wahnsinn. Kein Wunder, dass die Engländer zeitweise ein Viertel der Welt beherrschten.
Die Wanderung war wirklich schön, ich könnte noch stundenlang darüber erzählen. Ich habe über 250 Fotos gemacht – und habe jetzt das Problem, einige wenige für den Blog auszuwählen.
Das Wetter war während der Tour wechselhaft, es hat nicht geregnet, aber es war durchaus immer wieder bedeckt, und auf den Höhen auch windig, und dann frisch. Ich bin trotzdem die ganze Zeit in kurzen Hosen gelaufen, was bei dem Abenteuer – Abschnitt keine gute Idee war, das Heidekraut hat mir die Schienbeine ganz schön zerkratzt. Am Ende der Tour war dann jedoch durchgehend schöner Sonnenschein, das Laufen fiel mir zum Schluss wirklich leicht. Am Endpunkt fand ich einen Sitzplatz mit guter Aussicht, und merkte nach über einer halben Stunde, dass ich da überhaupt nicht wieder weg wollte. Ich habe da lange gesessen. Sonnenschein, perfekte Aussicht in das Tal, keine anderen Menschen (aber Schafe), Ruhe, Hochmoor, Weite. Das einzige, was mir zur Perfektion fehlte, war das Meer. Und das ändere ich morgen.
Irgendwann habe ich mich dann doch gelöst und bin zurück ins Quartier gefahren. Dort habe ich mich nach dem obligatorischen Duschen in den Garten gesetzt, und das Quartier für die nächsten drei Übernachtungen gebucht – in Whitby, einem schönen Küstenort ganz in der Nähe. Mehr dazu morgen, im nächsten Blog.
Heute Abend habe ich es mir dann nicht nehmen lassen, noch mal in den Dorf – Pub zu gehen. „The Crowne“ hatte Montag und Dienstag geschlossen, und war jetzt am Mittwoch wieder geöffnet. Essen gab es nicht mehr, aber selbstverständlich Bier, und ich habe einfach Chips dazu genommen. Ich saß dann draußen, und konnte zuschauen wie die Schafe, die im Ort frei herumlaufen, bei der alten Schule gefüttert wurden. Sehr idyllisch. Als die Sonne dann untergegangen war, drehten direkt über uns auf dem Dorfplatz circa ein Dutzend Schwalben ihre Kreise.
Der Ort, die Häuser, die Schafe, die Schwalben, das Grün, die Bäume, der Bach der durch die Ortmitte fließt – es ist fast ein bisschen unwirklich. Ich habe den Eindruck, in einer Filmkulisse gelandet zu sein – auf eine gute Weise.
Mannomann, ist das schön hier.
Eine ausführliche Dokumentation der industriellen Vergangenheit des Rosedales, und der heutigen Erscheinung, findet sich unter https://www.paulbeal.com/rosedale-railway/
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2410305872?re…Read more














