Vorbereitungen
13. Juli 2025 in Deutschland ⋅ 🌙 20 °C
HANNOVER * Morgen geht’s los. Diese Woche war geprägt von Vorbereitungen – Flug buchen, Mietwagen buchen, über Must-Visit-Places informieren, Telefonroaming klären, und gestern und heute dann Sachen zusammensuchen und mit dem Packen anfangen. Morgen um 18:15 Uhr geht der Flieger ab Hannover nach Manchester (über Amsterdam).
North York Moors – da bin ich zuletzt vor 35 Jahren gewesen. Ich war damals Au-Pair in Großbritannien, und hatte ein langes, freies Wochenende. Ich wusste nicht wo ich hinfahren sollte, und da gab es einen Ort an der Küste, der mit der Bahn zu erreichen war. Das konnte ich auf der Ordonance-Survey-Karte, die ich in meinem Zimmer aufgehängt hatte, gut sehen. Das war Whitby. Und so habe ich mir in Manchester einfach eine Bahnfahrkarte nach Whitby gekauft.
Ich war damals komplett geflasht von der Landschaft, von dem Ort, von der Rauheit der Hochmoore, der Lieblichkeit der Täler, Wiesen und Felder, die dann an der Küste unmittelbar in eine fast 100 m hohe Steilküste übergingen.
Ich war nur kurz da, insgesamt zwei Tage. Aber ich habe es nie vergessen, und wollte immer wieder dahin. Am Montag habe ich mich entschlossen, und seitdem war die Woche geprägt von Vorbereitungen ;-)Weiterlesen
Travelling Day
14. Juli 2025 in den Niederlanden ⋅ ☁️ 20 °C
SCHIPOHL * Viel zu berichten gibt es heute nicht, ein fast normaler Reisetag. Allerdings ist der Flug Amsterdam - Manchester jetzt fast zwei Stunden verspätet. Eigentlich war die Ankunft für 21:45 Uhr Ortszeit geplant, aber es ist jetzt bereits 22:20 Uhr in Amsterdam, und der Flug wird immer weiter verschoben. Mal sehen wann ich hier wegkomme. Das ist ja wie bei der Deutschen Bahn…
Der Flug von Hannover - Amsterdam war dafür ein Flug im Sonnenschein.Weiterlesen
Manchester
15. Juli 2025 in England ⋅ 🌧 15 °C
MANCHESTER (8:30 Uhr) * Also okay, rein technisch gesehen war ich noch am Montag in Manchester. Um 23:55 Uhr stand ich an der Hotel – Rezeption.
Das Haus gehört zu einer Hotelkette,“Crowne Plaza Manchester“, und ist unerwartet nett. Sehr freundliches, aufmerksames Personal. Angenehm eingerichtete Zimmer, und: endlich wieder ein English Breakfast!
Deutschland hat mich gestern mit Sonnenschein und 25° verabschiedet, hier ist bedeckter Himmel, sehr windig, und es soll heute nicht wärmer als 19° werden. Es fühlt sich ernsthaft kalt an. Aber ich weiß, dass in England das Wetter ständig wechselt, und ich finde es super. Morgen soll es in jedem Fall wieder wärmer werden!Weiterlesen
A bit of a rough start
15. Juli 2025 in England ⋅ 🌧 15 °C
HUTTON-LE-HOLE * Hm. Was war das denn jetzt? Nach meinem wunderbaren und sehr ausführlichen English Breakfast habe ich meine Sachen gepackt, und bin in Richtung Autovermietung aufgebrochen. Zu Fuß circa 15 Minuten, hat super geklappt, ich habe es sofort gefunden. Die Abholzeiten werden ja relativ genau genommen, ich war sogar 10 Minuten vor der Zeit da, um 9:50 Uhr.
Die Anmietung war völlig problemlos, bis es darum ging, die Kaution von meiner neuen Kreditkarte abzubuchen. Letztendlich stellte sich heraus, dass das Limit der Kreditkarte nicht ausreicht. Ich hatte die Miete mit der gleichen Kreditkarte bereits online bezahlt, und dabei nicht darauf geachtet, dass das Rest-Limit für diesen Monat dann nicht mehr für die Kaution reicht. 200 € haben gefehlt. Mein Fehler.
Die Mietwagenfirma hat mir bis 12:00 Uhr eingeräumt, die Reservierung vorzuhalten. Ich habe dann versucht das Limit per Überweisung rasch zu erhöhen. Keine schöne Situation, dann circa anderthalb Stunden bis 12:00 Uhr in einer britischen Kantine zu sitzen (immerhin auf einem Sessel), und immer wieder zu schauen, ob das Limit erhöht wurde. Das war für mich eine gute Übung, die Ruhe zu bewahren, unter Stress verschiedene Optionen durchzugehen, Mietwagenpreise für eine Anmietung innerhalb von 2-3 Stunden anderswo zu prüfen, und mit verschiedensten Hotlines zu telefonieren.
Alternative: um die erforderliche Kaution zu vermindern, müsste ich ein Versicherungspaket direkt beim Vermieter abschließen. Zusätzlich zu meinem bereits vorhandenen, umfangreichen Versicherungen, online gebucht bei der Anmietung über billiger-mietwagen.de.
Lange Rede, kurzer Sinn: um 12:00 Uhr war das Limit nicht erhöht, die Reservierung drohte zu verfallen. Das Geld hätte ich nicht zurückbekommen. Ich habe die zusätzliche Versicherung abgeschlossen, und die Mietkosten damit locker verdoppelt. Shit.
Kein so besonders schöner Einstieg in den Urlaub.
Den Wagen habe ich dann mit der Zusatzversicherung völlig problemlos erhalten, und ehrlich gesagt ist der auch ganz schick. Eine bessere Kategorie, als ich ursprünglich gebucht hatte, da meine kleinere Kategorie nicht mehr verfügbar war. Ein Nissan Juke, also ein Mini – SUV, fast nagelneu und knallrot. Mein Begleiter in den nächsten zwei Wochen. Hoffentlich mein treuer Begleiter. In jedem Fall mein teurer Begleiter.
Die Autofahrt war dann unspektakulär, ich bin erst zweieinhalb Stunden aus Manchester rausgefahren, Richtung Norden. Der Flughafen in Manchester liegt im Süden der Stadt, ich musste einmal komplett durch den Großraum Manchester. Das war anstrengend, es nieselte, es war sehr viel Verkehr auf der Autobahn, im Bereich Manchester wahnsinnig viele Auf- und Abfahrten, bis zu fünfspurig, einzelne Spuren wurden dann immer Spuren für andere Ziele, ohne dass man die Spur gewechselt hätte, ich musste erst einmal lernen, die englischen Wegweiser korrekt zu interpretieren, dann lernen wie Google überhaupt die Spuren anzeigt (fun fact: immer dann wenn es unübersichtlich wird, gar nicht…), ganz nebenbei hatte ich dann auch jetzt auch noch ein Rechtslenker-Auto, mit der Schaltung, wie sich das gehört, in der Mitte des Fahrzeugs, also links von mir. Ich war dann nicht undankbar, als ich nach ca. 2,5 Stunden von der Autobahn runter konnte.
Die Fernsehserie “Der Doktor und das liebe Vieh“, eine BBC – Produktion, habe ich als Kind gerne gesehen. Vor einigen Jahren gab es ein Remake, auch das fand ich sehr gut. Was für eine wahnsinnig tolle Landschaft! Der Autor, James Herriot, war tatsächlich Tierarzt, hieß tatsächlich Alf Wight, und wohnte und praktizierte in Thirsk. Deshalb gibt es dort das James Herriot – Museum, die Hauptattraktion dieser kleinen Marktstadt.
Das Museum war sehr bezaubernd und interessant. Es wurden zum einen die Originalräume von Alf Wight und seiner Familie gezeigt, zum andern auch Studio-Kulissen der BBC-Serie. Mir hat es sehr gut gefallen.
Zu meinem heutigen Ziel, Hutton-le-hole, waren es dann noch circa 30 km, also eine Dreiviertelstunde mit dem Auto über die Landstraßen. Ich bin hier jetzt in einem kleinen Airbnb, einem schönen alten Farmhaus. Fotos folgen morgen, hier regnet es gerade reichlich. Das Wetter war heute den ganzen Tag kalt, windig und regnerisch, und hier, unmittelbar am Rande der North York Moor ist es auch nicht anders. Im gesamten Örtchen hat leider kein Pub oder Café oder irgendetwas geöffnet, das heißt ich habe einen ruhigen Abend im Quartier vor mir. Der kann mir heute gar nicht schaden.
Morgen soll die Sonne scheinen, und die North York Moors sind nur noch 5 Minuten Autofahrt entfernt – ich freue mich. Ich habe das erste Ziel erreicht!Weiterlesen
Angekommen!
16. Juli 2025 in England ⋅ ⛅ 20 °C
HUTTON-LE-HOLE * Heute habe ich meine Wirtin Rachael kennen gelernt. Sehr schnell, quicklebendig, sehr aufmerksam. Es gab ein tolles English Breakfast. Zunächst war ich alleine im Frühstücksraum, dann kam als erstes ein älterer Brite dazu. Er setzte sich mir schräg gegenüber an einen Tisch, und sprach mich mehrfach an. Eigentlich bin ich nicht so der große Frühstücks – Unterhalter, aber er ließ nicht ab, und als ich mit meinem Frühstück fertig war, habe ich mich zu ihm gesetzt, um mich mit ihm noch eine halbe Stunde unterhalten. Es war sehr interessant. Tochter und Schwiegersohn wohnen in Hutton-le-Hole, beziehungsweise haben hier Ferienhäuser. Weitere Verwandtschaft kommt die nächsten Tage noch dazu, es wird ein Treffen mit insgesamt 20 Personen. Schöne Idee. Seinen beruflichen Werdegang, und alle aktuellen Krankheiten kenne ich jetzt selbstverständlich auch, glücklicherweise verstehe ich manchmal nicht so gut Englisch, und die Details entgehen mir.
Ich hatte mir aus meinem Rother-Wanderführer „England - Nord“ eine Tour ganz in der Nähe herausgesucht. Einziger Nachteil: 20 km lang, 5 Stunden Gehzeit, das war mir zu viel. Komoot hatte eine Alternative mit 10 km. Für den gleichen Ort, das fand ich gut.
Mein Ziel war das Rosedale – Tal, circa 10 km entfernt. Die Wanderung war dann wunderschön, eine gute Kombination aus Hochmooren, einem Abstieg ins Tal hinunter, und einem neuen Aufstieg auf die Hochmoore, wo mein Auto stand. Die Tour war in Komoot mit „mittelschwer“ angegeben, das habe ich die ersten 3 km gar nicht verstanden. Irgendwann wurde mir klar, dass ich auf einer ehemaligen Bahnstrecke laufe, kein Wunder, dass es kaum Steigungen und Gefälle gab, und der Weg breit und flach war. Das Rosedale – Tal hat eine bewegte industrielle Vergangenheit. Um 1860 herum wurde hier eine große Eisenerz – Förderung aufgezogen, mit Brennöfen, Eisenbahnlinien, Häusern für die Arbeitern etc. Die Bevölkerung hat sich innerhalb weniger Jahre verzehnfacht, die Landschaft wurde brutal verändert, alte Fotos zeigen das deutlich. Die Förderung hat sich dann Anfang des 20. Jahrhunderts schon nicht mehr gelohnt. Das Tal ist in sein Dornröschenschlaf zurückgefallen. Die verbliebenen Industrieanlagen und Abraumhalden verschmelzen wieder mit der Landschaft. Faszinierend zu sehen, wie hier Natur und Folgen der frühen Industrialisierung direkt nebeneinander stehen, und jetzt wieder ineinanderfließen.
Auf der Tour wurde es dann zwischendurch abenteuerlich, Komoot führte mich zunächst brav über die ehemalige Bahntrasse, aber dann über offenes Gelände. Der Pfad war teilweise kaum zu erkennen, ich folgte Schafpfaden. Irgendwann verlor ich die Route, und bin peinlicherweise auf Privatgelände gelandet. Ich bin dann einfach elegant die Einfahrt herunter gegangen bis zur Straße, als wenn ich da hingehöre. Angesprochen hat mich niemand.
Auf halber Strecke der Wanderung, in Rosedale-Abbey, gab es im örtlichen Tearoom einen ganz wunderbaren Cream – Tea. Was für eine coole Idee auf ein süßes, mürbes Rosinenbrötchen Schlagsahne (!) zu streichen, und dann noch „homemade“ Himbeer –Marmelade obendrauf? Wahnsinn. Kein Wunder, dass die Engländer zeitweise ein Viertel der Welt beherrschten.
Die Wanderung war wirklich schön, ich könnte noch stundenlang darüber erzählen. Ich habe über 250 Fotos gemacht – und habe jetzt das Problem, einige wenige für den Blog auszuwählen.
Das Wetter war während der Tour wechselhaft, es hat nicht geregnet, aber es war durchaus immer wieder bedeckt, und auf den Höhen auch windig, und dann frisch. Ich bin trotzdem die ganze Zeit in kurzen Hosen gelaufen, was bei dem Abenteuer – Abschnitt keine gute Idee war, das Heidekraut hat mir die Schienbeine ganz schön zerkratzt. Am Ende der Tour war dann jedoch durchgehend schöner Sonnenschein, das Laufen fiel mir zum Schluss wirklich leicht. Am Endpunkt fand ich einen Sitzplatz mit guter Aussicht, und merkte nach über einer halben Stunde, dass ich da überhaupt nicht wieder weg wollte. Ich habe da lange gesessen. Sonnenschein, perfekte Aussicht in das Tal, keine anderen Menschen (aber Schafe), Ruhe, Hochmoor, Weite. Das einzige, was mir zur Perfektion fehlte, war das Meer. Und das ändere ich morgen.
Irgendwann habe ich mich dann doch gelöst und bin zurück ins Quartier gefahren. Dort habe ich mich nach dem obligatorischen Duschen in den Garten gesetzt, und das Quartier für die nächsten drei Übernachtungen gebucht – in Whitby, einem schönen Küstenort ganz in der Nähe. Mehr dazu morgen, im nächsten Blog.
Heute Abend habe ich es mir dann nicht nehmen lassen, noch mal in den Dorf – Pub zu gehen. „The Crowne“ hatte Montag und Dienstag geschlossen, und war jetzt am Mittwoch wieder geöffnet. Essen gab es nicht mehr, aber selbstverständlich Bier, und ich habe einfach Chips dazu genommen. Ich saß dann draußen, und konnte zuschauen wie die Schafe, die im Ort frei herumlaufen, bei der alten Schule gefüttert wurden. Sehr idyllisch. Als die Sonne dann untergegangen war, drehten direkt über uns auf dem Dorfplatz circa ein Dutzend Schwalben ihre Kreise.
Der Ort, die Häuser, die Schafe, die Schwalben, das Grün, die Bäume, der Bach der durch die Ortmitte fließt – es ist fast ein bisschen unwirklich. Ich habe den Eindruck, in einer Filmkulisse gelandet zu sein – auf eine gute Weise.
Mannomann, ist das schön hier.
Eine ausführliche Dokumentation der industriellen Vergangenheit des Rosedales, und der heutigen Erscheinung, findet sich unter https://www.paulbeal.com/rosedale-railway/
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2410305872?re…Weiterlesen
Ein Tag ohne Wanderung ist sinnlos
17. Juli 2025 in England ⋅ ☁️ 17 °C
WHITBY * Heute war wieder ein Reisetag, zumindestens hat es sich so angefühlt, auch wenn es nur circa 50 km Fahrstrecke waren.
Vormittags habe ich mir in Hutton-le-Hole noch das Ryedale Folk Museum angeschaut, ein volkskundliches Freiluft-Museum über die Lebensweise der Landbevölkerung in den North York Moors von der Eisenzeit bis in das 17. Jahrhundert hinein. Viele translozierte Gebäude, das war für mich natürlich interessant. Ansonsten: kann man sich anschauen, aber halb so schlimm, wenn man es verpasst.
Ich habe für den Weg einen Ham and Cheese-Pie und Wasser gekauft, und bin dann Richtung Norden aufgebrochen. Die Strecke führte über die Hochmoore. Auf der Strecke gab es immer wieder tolle Ausblicke, schöne Täler, karge und weite Heideflächen. Die Straßen sind auf den Hochmooren breit und relativ gerade, in den Tälern jedoch oft sehr schmal, sehr kurvig, mit ständigen Steigungen und Gefällen. Bei Gegenverkehr gibt es dann ein großes Hallo, aber irgendwie passt es auch immer. Gelegentlich stehen noch Schafe im Weg, zweimal hatte ich die Situation, dass ein Schafbock nicht von der Straße ging, so dass ich komplett bremsen musste, und er erst dann gemütlich weg ging. Die Jungs behaupten ihren Platz.
Ich wäre gerne viel langsamer gefahren, es gab so viele Dinge zu sehen, so schöne, vielfältige Eindrücke, die ich aus den Augenwinkeln sah, und die mich neugierig machten. Aber verständlicherweise wollten andere Verkehrsteilnehmer schneller vorankommen, und so musste ich, statt mir die Landschaft anzuschauen, sehr konzentriert autofahren.
Das fühlte sich falsch an. So eine schöne Gegend, und keine Gelegenheit richtig zu schauen? Ich hab dann immer wieder angehalten, und auch besonders Punkte mit weiter Aussicht genutzt. Trotzdem hat mir das Wandern, das Eintauchen in die Weite der Landschaft, heute sehr gefehlt. Ich glaube, ich werde in diesem Urlaub nicht mehr sehr viele Kilometer fahren. Ein Tag ohne Wanderung ist möglich, fühlt sich aber nicht sinnvoll an (frei nach Loriot).
Das Nationalpark-Haus Danby hatte ich mir ähnlich der deutschen Nationalparkhäuser vorgestellt – viel ernsthafte Wissensvermittlung, und ein bisschen Ermahnungen die Natur zu schützen. Die Briten sehen das aber ganz anders, das Nationalpark-Haus war eher eine Multimedia – Vergnügen für die ganze Familie, mit Eisverkauf und Spielbereich und Holzdrachen zum Beklettern im dazugehörigen Park. Nun ja, so geht es auch. Der interessanteste Teil war für mich die industrielle Geschichte der North York Moors, ich hatte im Rosedale ja schon einiges gesehen.
Für Abenteuer hat heute eher Google Maps gesorgt. Zum einen führte es mich im Hochmoor über eine Strecke, die in Deutschland sicherlich für Autos gesperrt wäre. Ich bin dann extra nochmal 100 m zurückgefahren, und habe sehr sorgfältig geschaut, ob es Verbotsschilder etc. gibt. Die Strecke war unbefestigt, mit großen Schlaglöchern, ohne jede Kennzeichnung, und teilweise mit großen Pfützen, mitten über das Hochmoor hinweg. Genau so einen Weg war ich gestern gewandert! Aber ich dachte, mein Mietwagen hat ja Geländewagen-Wurzeln (als Mini-SUV), soll er mal zeigen, was er kann. Nach circa 3 km bin ich wieder auf einer befestigten Straße gelandet.
Das zweite Abenteuer erwartete mich in Whitby, kurz vor dem Quartier. Hier forderte mich Google Maps auf, jetzt bitte links abzubiegen, in die „Cliff Street“. Das habe ich dann auch brav gemacht, und stellte fest, dass die Cliff Street gerade einmal 50 cm breiter als mein Auto ist. Rechts und links ragten direkt Giebelwände von Häusern auf, ich bin im Grunde genommen rechts und links auf dem Gehweg gefahren, die Straße habe ich teilweise vermutlich überhaupt nicht berührt. So ähnlich war das dann auch immer wieder für einige hundert Meter, und dann war ich ziemlich plötzlich am Ziel.
Whitby ist einer der malerischten Küstenorte an der englischen Ostküste, und sicherlich der Bekannteste und Größte. Mein Zimmer habe ich gebucht, weil es günstig ist, und das Haus sehr gute Bewertung hat, aber auch: es liegt sehr zentral, und ich habe einen direkten Blick auf die bedeutendste Sehenswürdigkeit des Ortes: die Whitby Abbey. Die Whitby Abbey hat Bram Stoker zu seinem Roman “Dracula“ inspiriert, und auch der englische Maler William Turner hat die dramatische Ruine mehrfach als Vorlage genommen. Meerblick habe ich auch.
Das gesamte Örtchen, die Häuser, die Lage direkt am Meer – der Ort ist wirklich sehenswert.
In Whitby gibt es auch Trenchers, einen der besten Fish and Chips – Läden Großbritanniens. Das musste ich natürlich ausprobieren, meine ersten Fish and Chips auf dieser Reise. Und: es war gut, lebensverändernd allerdings nicht.
Morgen wandere ich ab Whitby 20 km die Steilküste entlang Richtung Norden, zu einem anderen, viel kleineren Fischerörtchen, Staithes, und fahre dann abends mit dem Linienbus zurück nach Whitby. Den Termin für die Wanderung, und auch den Ort Whitby, habe ich gestern aufgrund des Wetters gewählt, vorhergesagte 26° maximale Temperatur und kein Niederschlag erschien mir als sehr passend für eine erfrischende Wanderung unmittelbar an der Steilküste. Nun ist für morgen aber Gewitter vorhergesagt – ich glaube, ich werde trotzdem laufen. Schlimmstenfalls werde ich nass, und nehme früher den Bus zurück nach Whitby. Nur Blitzgefahr, das wäre blöd, ich glaube das funktioniert nicht so gut beim Wandern an einer Steilküste.Weiterlesen
Meerblick und nette Menschen
18. Juli 2025 in England ⋅ ☁️ 17 °C
WHITBY * „ Zimmer mit Meerblick“ fand ich immer überflüssig, insbesondere weil der Preis dann gleich nach oben geht. Das braucht doch kein Mensch!
Heute Morgen bin ich zufälligerweise um 4:30 Uhr aufgewacht, und habe aus dem Fenster geschaut. Und erstaunt festgestellt, dass ich nicht nur den Hafen und die Abtei sehen kann, sondern auch den Sonnenaufgang über dem Meer – ohne überhaupt nur einen Fuß an den Strand zu setzen. Wie cool ist das denn?
Heute war der Tag meiner großen Wanderung. Von Whitby nach Staithes, direkt an der Steilküste entlang, circa 20 km. Kommot sprach von einer „schweren“ Wanderung, mein Reiseführer von einer Stufe zwei von drei („rot“). Der Wetterbericht hatte Gewitter vorhergesagt.
Ich war also bis an die Zähne bewaffnet, als ich um kurz nach zehn vor die Tür trat. Regenhose, Regenjacke, Käppi, waren eingepackt im Rucksack, ich hatte nicht die kurze Hose angezogen, sondern die Zip-Off – Hose, damit ich, wenn es kalt wird, schnell die Hosenbeine dazu nehmen kann. Und extra alternative Rückfahrtrouten mit dem Bus herausgesucht, falls ich nass werde, und auskühle.
Als ich oben aus dem Fenster schaute, war der Himmel bedeckt, aber ansonsten alles trocken. Als ich zwei Minuten später unten zur Tür rausging, hatte es angefangen zu nieseln. “Just to wash the dust out of the air“ sagte ein anderer Gast lächelnd zu mir, der hat diese Art von Regen überhaupt nicht ernst genommen.
Ich ging dann los, das Nieseln hörte sehr schnell wieder auf, der Himmel blieb bedeckt. Im örtlichen Supermarkt stattete ich mich mit Proviant aus, ehrlich gesagt, eine sehr schlechte Sortierung, sind das die Folgen des Brexit? Ich musste Familienpackungs-Größen kaufen, ein ganzes Bund Bananen, eine 2 l Flasche Wasser – das wollte ich eigentlich nicht alles mitnehmen auf meine 20 km Wanderung!
Körperlich und kräftemäßig ging es mir während der ganzen Zeit gut, ich habe die ersten 2-3 km langsamer gemacht, als ich das normalerweise machen würde, wurde dann aber immer schneller. Letztendlich hat mir Komoot für die erste Hälfte der Tour eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,8 km/h angezeigt, das ist für das Gelände ganz gut. Viele Abschnitte führen an der Steilküste über das Hochland, zwei Abschnitte waren über Stränden weg, und zwischendurch ging es immer wieder sehr sehr steil Auf und Ab, aber dann immer mit Trittstufen, oder einmal sogar Treppen.
Während der Tour bin ich häufiger ins Gespräch mit anderen Wanderer – Paaren gekommen, einmal ein schottisches Ehepaar, und dann ein britisches Ehepaar aus Lancashire. Alle in meinem Alter, oder älter. Das war sehr nett, und ich konnte meine englische Sprachkenntnisse anwenden. Ich habe gelernt, dass die Westküste Großbritanniens als regenreich gilt, während die Ostküste (wo ich bin) regenarm sein soll. Das ist eine nützliche Information.
Dass die Steilküste und die Landschaft davor wunderschön und beeindruckend ist – das klingt so banal, und ist ja auch eine Wiederholung hier im Blog. Es ist einfach so. Premium.
Was heute nicht passiert ist: es gab KEIN Gewitter. Das Wetter war durchaus wechselhaft war, aber Nieselregen gab es nur noch zwei weitere Male, und sonst keinen Niederschlag. Es war eher schwül, und insgesamt sehr milde, und es wurde richtig warm, sobald die Sonne rauskam. (Fun fact: auf dem Wanderweg an der Steilküste ist es oft fast windstill, und zwar immer dann, wenn der Wind vom Meer kommt. Grund: der Weg verläuft meistens in circa 5-10 m Abstand von der Steilküste. Der kräftige Seewind wird an den Klippen steil hoch gedrückt, und geht über die Wanderer hinweg. Den Unterschied merkt man, wenn man direkt an die Kante herantritt, oder der Wind dreht, und zufälligerweise mal für zehn Minuten aus dem Landesinneren kommt. Dann kann es auch sehr schnell sehr frisch werden.
Auf halber Strecke habe ich eine lange Pause gemacht, und zwischendurch noch zweimal kurz, die 20 km bin ich gut und locker in circa sechseinhalb Stunden gelaufen. Körperlich Und konditionsmäßig hat das sehr gut funktioniert. (Obwohl, als ich eben zur Dusche ging, und mir jeder Schritt weh tat, dachte ich: kaum zu glauben, dass dieser Kerl heute 20 km gelaufen ist).
Staithes war wie erwartet ein pittoreskes Fischerdörfchen auf britische Art, sehr hübsch und besonders. Ich habe mir im örtlichen Pub ein typisch britisches Essen gegönnt – Hühnchen, überbacken mit Parmesan, einen Salat und Béchamelsoße, sowie Chips. Die Engländer scheinen italienische Küche zu lieben, oder das, was sie dafür halten.
Übrigens Fotos: heute habe ich auf 20 km circa 340 Fotos gemacht, vorgestern auf 10 km circa 170 Fotos. Das ergibt, dass ich in diesem Urlaub je Wanderkilometer circa 16 Fotos mache. Ist das als Maß tauglich, um zu messen wie schön ich eine Landschaft finde? Ich werde das mal beobachten.
Am späten Nachmittag ging ich dann aus dem Örtchen hinaus, steil die Klippen hoch, und habe mich oben an die Bushaltestelle gesetzt. Es gibt eine direkte Busverbindung die Küste entlang, so dass man theoretisch zu fast allen Orten One-Way – Routen laufen kann, und dann zum Ausgangspunkt zurückgefahren wird. Als ich an der Bushaltestelle saß, bremste plötzlich neben mir ein grauer Passat scharf in der Bushaltbucht. Ich fand das sportlich, und auch ein bisschen unangemessen. Das linke Seitenfenster fuhr runter, und eine nette, ebenfalls ca. gleichaltrige Dame sprach mich vom Beifahrersitz an, ob ich nach Whitby wolle? Die beiden hatten mich bereits im Pub in Staithes gesehen hatten, und waren sehr neugierig, was ich gemacht hatte.
Richard und Anna stellten sich dann als sehr nett heraus. Die beiden machen Campingurlaub in Yorkshire, Anna musste erst mal den Rücksitz freiräumen. Im Grunde genommen hatten die beiden überhaupt gar keinen Platz jemanden mitzunehmen.
Irgendwie passte es dann aber doch, den linken Fuß konnte ich allerdings während der gesamten Fahrt nicht wirklich auf den Boden setzen, weil es zu eng war. Irgendwann erwähnten Sie, dass auch ihre beiden Hunde mit im Auto waren, ich hatte sie gar nicht bemerkt, sie waren mucksmäuschenstill. Vermutlich hatten die beiden am meisten Platz von uns allen. Aber wir haben uns sehr, sehr nett unterhalten, und ich bin sehr schnell nach Whitby gekommen. Was für nette Menschen!
Ich hatte dann noch circa 5 Minuten Fußweg zum Quartier, weil ich Lust hatte, habe ich spontan einen großen Umweg über den Strand und über den Pier gemacht, es kam die Sonne heraus, und es hat mir wirklich Spaß gemacht da zu fotografieren.
Jetzt sitze ich auf dem Bett, schreibe den Blog, mir tun die Füße weh. Draußen sehe ich, dass Nebel in den Hafen gezogen ist und die Abteil halb im Nebel versunken ist. Ständig verändert sich das Bild da draußen. Ist Meerblick doch irgendwie cool?
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2415462383?re…Weiterlesen
Im Regen wandern – ach so geht das
19. Juli 2025 in England ⋅ 🌧 17 °C
WHITBY * Aha. So fühlt sich das also an, bei Regen zu wandern. Nun ja.
Die gute Nachricht: das Gewitter ist wieder ausgefallen, insofern war der Wetterbericht falsch. Der Wetterbericht war allerdings richtig in Bezug darauf, dass es überwiegend regnen würde. Ich bin heute von Whitby nach Robin Hood‘s Bay gelaufen, circa 13 km. Der Name bezieht sich auf den echten Robin Hood, und ist bereits seit dem 16. Jahrhundert für den Ort bekannt. Tatsächlich ist Robin Hood vermutlich aber nie dort gewesen, es gibt aber ein damals bekanntes Lied, beziehungsweise Legende, die berichtet, wie Robin Hood plündernde Piraten vertreibt, und damit die Fischer beschützt. Vermutlich hat da jemand bereits im 16. Jahrhundert die Marketingchance für den zukünftigen Tourismus erkannt. Sehr clever.
Diese Strecke bin ich damals, als ich das erste Mal in Whitby war, schon mal gelaufen. Damals ziemlich spontan, und es war mein allererster Eindruck von dem Kontrast zwischen Meer, Steilküste und lieblicher Landschaft. Im Vergleich zur Wanderung Whitby - Staithes gestern war es heute relativ gleichförmig, oder vielleicht kenne ich die Landschaft langsam auch schon.
Es hat immer mal wieder leicht geregnet, so dass ich letztendlich nach dreieinhalb Stunden Laufen ziemlich nass, und auch kalt war. Kurz vor dem Ziel Robin Hood‘s Bay zog dann auch Nebel auf, so dass ich den Ort selber von den Klippen gar nicht sehen konnte, obwohl er eigentlich sehr malerisch in die Bucht eingebettet liegt. Auf dem Wanderweg war viel los, das hat mich erstaunt, denn gestern – als viel schöneres Wetter war – war auf ähnlicher Strecke deutlich weniger los. Ich kam wieder ins Gespräch mit anderen Wanderern, und die einhellige Meinung war: 1. es ist Wochenende, und 2. die englischen Schulferien haben begonnen. Heute war es wesentlich schwerer für mich Fotos ohne bunte Wandergruppe im Bild zu machen. Es ist halt doch touristisch hier, und die Tour die ich gelaufen bin, ist relativ kurz, relativ einfach, und wird deswegen auch gerne von Leuten gelaufen, die eigentlich keine Wandernden sind.
Apropos „Wandernde“: An Ausstattung gab es heute alles Mögliche zu sehen. Wanderschuhe, Funktionskleidung und Wanderstöcke waren die große Ausnahme. Turnschuhe, kurze Hosen, T-Shirts (!), die gut vorbereiteten und erfahrenen England – Urlauber hatten eventuell noch Einweg-Regencapes dabei, das war’s dann aber auch schon. Ich glaube, ich habe auf der ganzen Strecke mit relativ viel Verkehr, maximal ein halbes Dutzend Menschen mit Wanderschuhen gesehen. Vermutlich bin ich zu deutsch, mit meinem Ausrüstungswahn. Regenjacke? Komplett übertrieben, der Regen hört doch jederzeit wieder auf. Wobei: damals, beim ersten Mal, bin ich diese Strecke in Cordschuhen gelaufen. (Jawohl, ich habe einmal Cordschuhe besessen. Und ich stehe dazu. Die waren supergünstig.)
Robin Hood’s Bay ist sehr sehenswert, ich finde es noch hübscher als Staithes, der Charakter ist ähnlich. In Robin Hood‘s Bay gibt es ganz viele Nebengassen, Nebensteige, Treppen, die in winzige Gassen hineinführen. Die Höhenunterschiede innerhalb des kleinen Ortes sind beachtlich, die Ortschaft ist in eine enge Felsenbucht hinein gebaut. Es gibt eine große Vielfalt alter Häusern, jeder Quadratmeter wurde im Laufe der Jahrhunderte genutzt. Der Ort wird allerdings auch stark touristisch vermarktet, wiederum buchstäblich jeder Quadratmeter ist belegt, es wimmelt von Pubs, Souvenirgeschäften, Ferienwohnungen. Leben hier tatsächlich noch echte Einwohner? Vielleicht im Winter.
Die zentrale Straße als Zufahrt ist sehr sehr steil, auch das eine Besonderheit. Heute Morgen beim Frühstück hatte ich eine Unterhaltung mit einem britischen Ehepaar, die Frau sagte, sie könne Robin Hood‘s Bay nicht besuchen, weil ihr der Weg einfach zu steil wäre, zu gefährlich. Dabei sah sie gar nicht so unfit aus.
Fun fact: irgendwie fällt es mir in England deutlich leichter, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, warum eigentlich? Weil es hier nicht so drauf ankommt? Oder weil ich die Sprache anwenden möchte? Oder weil die Leute einfach aufgeschlossener sind, bis zu einem gewissen Grad?
Die Rückfahrt habe ich heute mit dem Bus gemacht, leider hat mich niemand spontan mitgenommen, das hätte bei dem Regen heute gut gepasst. Die Schlange an der Bushaltestelle war bestimmt 60 Personen lang, der Bus fährt halbstündig. Das Einsteigen und Bezahlen jedes einzelnen Fahrgasts hat fast 15 Minuten gedauert. Der Bus war beim Ankommen schon 15 Minuten zu spät, und als alle endlich drinne waren, 30 Minuten zu spät. Ansonsten bin ich aber gut nach Whitby gekommen, neben mir saß ein Brite, mit dem ich ins Gespräch gekommen bin, das war auch interessant. Der erste Einheimische, mit dem ich gesprochen habe, Nachteil: ich habe seinen Akzent teilweise nur sehr schwer verstanden. Es stellte sich heraus, dass er auch schon viel gereist war, er kannte Kiel, Amsterdam, Brügge. Er möchte gerne noch mal zum Schloss Neuschwanstein fahren, und hat sich mit mir ausführlich über deutsche, belgische und englische Biersorten unterhalten.
Ich war nass und kalt als ich dann in Whitby ankam, und bin relativ früh wieder auf dem Zimmer gewesen, circa 16:00 Uhr, habe warm geduscht und schreibe jetzt den Blog. Füße ausgestreckt auf dem Bett, Blick auf die nasse Abtei gegenüber. So ein lazy afternoon ist auch mal ganz schön, besonders nach zwei Tagen hintereinander mit Wanderungen.
Morgen geht es weiter Richtung Yorkshire Dales, also in die Mitte zwischen Ost- und Westküste. Das stelle ich mir so ähnlich wie die North York Moors vor, nur etwas sanfter und lieblicher. Wohin genau weiß ich noch nicht, ich schaue mir gleich die möglichen Wanderungen an, die gemerkten Points Of Interest auf meiner Google Maps – Liste, den Wetterbericht und die verfügbaren Quartiere.
Mit Regen- und Reisetag habe ich den Bogen noch nicht raus. Heute wäre ein idealer Reisetag gewesen, mit Museum, Stadtbesichtigung, und Autofahren. Morgen fahre ich Auto, voraussichtlich circa zweieinhalb Stunden, aber es wird nach Wetterbericht perfektes Wanderwetter geben – das muss ich noch ein bisschen üben.
Allerdings, zu meiner Rettung: auf den britischen Wetterbericht ist kein Verlass, zumindestens nicht, wenn er mehr als 2-3 Tage in die Zukunft geht. Wurde mir auch schon mehrfach bestätigt. Ich glaube die Einflussfaktoren hier auf der Insel mit Wettereinflüssen aus allen Himmelsrichtungen sind einfach zu vielfältig, um sichere Prognosen zu machen. Mein Problem ist nur: die Quartiere buche ich immer im Voraus, für 2-3 Tage am Stück. Ich plane auch vor, welche Wanderungen ich mache, oder ob ich reisen möchte, und das mache ich von der Wetterlage abhängig. Das ist so natürlich nicht so einfach.
Na ja, das sind ein bisschen Luxusprobleme. Wird schon klappen.
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2418604633?re…Weiterlesen
Regen again, und das Ende der Welt
20. Juli 2025 in England ⋅ 🌧 14 °C
OLD ING (HORTON IN RIBBLESDALE) 22:30 Uhr * Heute gibt es nur einen kurzen Blog, morgen mehr. Ich bin ganz schön müde.
Heute Morgen bin ich aus Whitby aufgebrochen, ich habe es geschafft um 9:15 Uhr loszukommen, sehr gut. Das Wetter war sehr schön sonnig, leichter Wind, kaum Wolken am Himmel. Also mein übliches Wetter für die Autofahr – Tage… Ich fand das heute aber gar nicht so schlimm, denn ich hatte mir noch eine lange Tour vorgenommen.
Am kurz vor zwölf bin ich in Gunnerside im Swaledale angekommen, in den Yorkshire Dales. Die Yorkshire Dales sind ein weiterer Nationalpark hier oben in Nord-England.
Die Tour hatte ich in meinem Wanderführer gefunden, und sie war als TOP beschrieben. Sie wäre bestimmt auch top gewesen, wenn – das Wetter so geblieben wäre wie bei der Anfahrt. Als ich um zwölf los ging, war es bedeckt, nach 1 Stunde fing es an zu Nieseln, immer wieder, das ging dann in Regen über, und am Nachmittag regnete es durchgehend. Ich war fast 7 Stunden unterwegs, die Tour war nicht extrem lang, circa 19 km, und auch nur 450 Höhenmeter. Sie war aber technisch anspruchsvoll, weil es sehr oft über unebenes Gelände ging, durch die Nässe waren Wurzeln, Steine und Erde rutschig. Da alles nass war, konnte ich mich im Grunde genommen nirgendwo hinsetzen und Pause machen. Tea Rooms oder Pubs gab es leider nicht auf der Strecke. Irgendwie hat sich das dann sehr gezogen, gegen Ende wollte ich einfach nur noch zum Auto zurück. Im Grunde genommen war die Strecke für das Wetter viel zu lang. Ich bin mal gespannt wie die Fotos geworden sind. Das iPhone ist auch nass geworden, und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich einen Schmierfilm auf der Linse hatte.
Im Auto habe ich dann trockene Schuhe angezogen, auch die nasse Jacke etc. aus, und die Heizung voll aufgedreht. Ich hatte noch circa 1 Stunde Autofahrt vor mir, ständig über Nebenstrecken, mitten durch den Nationalpark durch. Ich bin dabei auch die Cliff Gate Road gefahren. Die Cliff Gate Road gilt als die spektakulärste Straße Englands, es ist ein Bergpass mit tollen Aussichten, mitten durch die Hochebenen. Obwohl es ständig geregnet hat, habe ich auch zwei-, dreimal angehalten und Fotos gemacht, eine Freude war das aber nicht, es war sehr kalt dort oben.
Als ich mich dann meinem Ziel näherte, hörte es auf zu regnen – einerseits nett, andererseits dachte ich mir: Hallo, warum nicht früher?
Mein Quartier heute und für die beiden folgenden Nächte ist etwas ganz Besonderes, und ein großer Unterschied zu meinem letzten Quartier in Whitby, wo ich superzental war: ich bin auf einer Farm, quasi am Ende der Welt in den Yorkshire Dales, der nächste Ort, Horton in Ribbleshead, ist 5 km entfernt. Es gibt nur eine einzige Zufahrtsstraße, die auch wiederum kaum breiter als mein Auto ist. Um hierher zu gelangen, musste ich einige Verbotsschilder ignorieren (als Anlieger durfte ich das) und zum Ende durch einen aktiven Bauernhof fahren, einschließlich Tor auf, durchfahren, Tor zu, etc.
Die Wirtin, Rachel, ca. Mitte 50, ist wirklich sehr nett, es ist ihr Privathaus, sie vermietet sonst hauptsächlich an Wanderer, die die Three-Peak-Challenge machen, ich erzähle morgen, was das ist. Das hier ist schon wirklich eher ein privates Bed & Breakfast, allerdings ohne Breakfast, die Lebensmittel musste ich mir selbst mitbringen. Wir teilen uns die Küche, und ich habe meine Sachen zum Trocknen in ihrer großen Werkstatt aufgehängt.
Ich freue mich sehr, hier in dieser totalen Einsamkeit gelandet zu sein. Ich hatte so etwas vorgehabt, und es hat geklappt. Eine solche Gegend wie diese hier sehe ich normalerweise nur als Wanderer, beim Durchgehen. Und jetzt bin ich mittendrin. Tatsächlich führt auch ein wichtiger Fern-Wanderweg, der Pennine Way, fast direkt am Anwesen vorbei.
Mehr morgen, mein Tag war anstrengend, ich schlafe jetzt.
***
(Nachtrag am nächsten Morgen, 8:30 Uhr): Ich habe gut geschlafen, wie denn auch noch so einem anstrengenden Tag. Gerade habe ich die Komoot – Wanderung editiert, und alle Fotos durchgeschaut. Im Nachhinein sieht es natürlich halb so schlimm aus. Die Wanderung ist wirklich toll, die Landschaft sehr vielfältig, und auch wirklich schön, jeder Teil für sich. (75 pic/km - neuer Rekord). Nur das mit dem Regen – das muss ich noch mal besser managen.
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2423093842?re…
Heute gehe ich auf den Pen-y-ghent, einen der Three Peaks. Ich starte direkt vom Quartier, und bin sehr gespannt, wie die Landschaft hier überhaupt aussieht. Gestern war ich kurz vor dem Ziel nur noch auf Ankommen fixiert - müde, nass und voller anderer Eindrücke.Weiterlesen
One Peak Challenge
21. Juli 2025 in England ⋅ ☁️ 14 °C
OLD ING (HORTON IN RIBBLESDALE) * Ich sitze jetzt abends auf meinem Bett, und lasse den Tag Revue passieren. Und ich merke: ich mag dieses Zimmer, es gefällt mir sehr. Es ist relativ groß (zumindestens verglichen mit den anderen Quartieren), es ist nicht voll gestopft, die Farben stimmen, und: direkt über meinem Bett ist ein Veluxfenster mit Blick in den Himmel. Rachel ist als Gastgeberin sehr unaufdringlich, aber auch immer sehr kommunikationsbereit. Im Moment läuft meine Wäsche im Wäschetrockner, überhaupt kein Problem, dass ich meine Wäsche mit ihren Geräten machen kann.
Heute bin ich ja auf dem Pen-y-ghent gestiegen. Der Charakter ist tatsächlich ganz anders als in den North York Moors. Dort ist die Besonderheit, dass karge Hochmoore und liebliche Täler immer wieder als Kontrast unmittelbar nebeneinander stehen. Hier in den Yorkshire Dales gibt es deutlich weniger Hochmoore, beziehungsweise sie sind viel feuchter und sehen anders aus. Im Grunde genommen ist das ganze Gebiet eine Graslandschaft. Die Höhenlage ist sogar höher als in den Nord York Moors, das sieht man der Landschaft aber auf dem ersten Blick nicht an.
Der Pen-y-ghent ist bei den sportlichen Wanderern in Großbritannien sehr bekannt, wegen der so genannten Three-Peak-Challenge. Das bedeutet dass drei Berge hier in der Gegend, alle in der gleichen Größenordnung wie der Pen-y-ghent, innerhalb von 12 Stunden in einem Rutsch bestiegen werden, Länge der Strecke 38km. Startpunkt ist dabei sehr häufig der Ort Horton-in-Ribblesdale, zu dem auch mein Quartier gehört (obwohl der Ort 5 km entfernt ist).
Ich habe das für mich ein wenig variiert: ich habe einfach eine One-Peak-Challenge gemacht. Die Route habe ich mir diesmal von den amtlichen Ordonance Survey Karten geben lassen, das sind amtliche Karten, die es für ganz Großbritannien gibt. Es war ein Pfad dabei, der in der Art nicht eindeutig beschrieben war, das war seltsam, denn ansonsten stehen immer beschriebene Anmerkungen dabei (öffentlich, zugelassen für Fahrräder, nur aufgrund besonderer Erlaubnis etc). Dort stand aber einfach nur „Path“.
Es war für mich jedoch die direkte Verbindung zu meinem Ziel, selbstverständlich bin ich den Pfad gegangen. Das war dann auch die heutige Abenteuereinheit, der GPX-Track war nicht 100-prozentig korrekt (und das bei einer amtlichen Karte!), zusätzlich ist der Pfad nur sehr wenig begangen, und war im Gelände nicht immer eindeutig zu erkennen. Interessant war, das es wieder quer durch die Landschaft, über Stock und Stein, durch zwei Flüsschen, und auch durch Feuchtmoore ging. Nach 3 km, ich war wieder vom Track abgewichen, wollte ich wieder auf die Strecke zurück. Es bot sich eine Abkürzung an. Durch eine etwas nasse Stelle? Egal, so eine Pfütze hatte ich doch schon zehnmal gehabt, ich habe doch Goretex-Stiefel. Als ich auf die grünen Pflanzen trat (ähnliche hatte ich vorher schon begangen) gab der Boden nach, und ich bin mit dem rechten Bein bis zur Hüfte eingesunken, sehr schnell, es war eine Sumpfstelle. Ich konnte mich sofort am Rand festhalten, beim Rausklettern ist dann leider auch der linke Fuß ins Wasser gekommen.
Und so saß ich dann auf der Hochebene, mit Stiefeln voller Moorwasser. Das Problem ist: nasse Füße + Wandern = Blasen an den Füßen. Kehre ich um, und wechsle Stiefel und Socken? Oder wringe ich meine Schuhe und Socken so gut wie möglich aus, und gehe das Risiko ein, Blasen zu bekommen? Die werte Leserschaft darf sich an dieser Stelle einen Moment Zeit nehmen, und sich überlegen, was ich wohl gemacht habe?
Und selbstverständlich: ich bin weitergegangen. (Und, um die Spannung nicht zu groß werden zu lassen: es hat keine Blasen gegeben. Glück gehabt.)
Der restliche Weg war dann relativ unspektakulär, der Pfad war bald wieder viel besser zu finden, und kaum war ich auf den offiziellen Wanderwegen, gab es auch wieder reichlich andere Wandernde. Die meisten kamen mir entgegen, denn traditionell wird der Pen-y-ghent im Gegenuhrzeigersinn von Horton-in-Ribblesdale begangen. Ich lief im Uhrzeigersinn, da ich einen anderen Startpunkt hatte. Der Berg ist weithin sichtbar und mit einer steilen Kante Richtung Süden recht markant. Der Gipfel auf 694 m war dann relativ unspektakulär, es gibt da oben reichlich Schafe, eine Schutzmauer, einen Steinhaufen, der die höchste Stelle markiert – das war’s dann auch schon. Die Aussicht war gut, reichlich Wandernde dort, auch Leute, die keine klassischen Wandernden sind. Einige von denen sahen aber auch so aus, als wenn sie tatsächlich die Three Peak Challenge machen. Das waren die, die entweder sehr sportlich aussahen oder einfach jung waren – man erkannte sie auch am leichten Gepäck und dem gehetzten Gesichtsausdruck.
Beim Abstieg habe ich dann gemerkt, warum der Uhrzeigersinn eigentlich auch sinnvoll ist, denn es wurde sehr sehr steil. Mindestens einen Wanderstock hätte ich hier gut gebrauchen können (wie auch zuvor im Moor). Aber alles hat gut geklappt, und irgendwann bin ich in Horton-in-Ribblesdale angekommen. Hier gab es Cumberland Sausages und „Half a pint, please!“ im örtlichen Pub „The Golden Lion“, und dann habe ich mich auf den 6 km Rückweg gemacht.
Es war für heute Nachmittag Regen vorhergesagt, aber: es hat fast überhaupt nicht geregnet. Beim Aufstieg kam dreimal ganz leichter Regen, den ich als mittlerweile englanderfahrener Wanderer gar nicht richtig ernst nehmen konnte. Es war auch deutlich zu sehen, dass es sich nur um einen Schauer handeln konnte, es waren ausschließlich Schäfchenwolken am Himmel. Auf dem Rückweg kam dann sogar die Sonne heraus, und plötzlich wirkte der Weitblick ganz anders. Weil ich mich habe ablenken lassen, bin ich dann auch noch einmal von der Route abgewichen, und bin zusätzlich Höhenmeter gelaufen, aber das gehört ja zum Spaß dazu.
Das Auto habe ich heute überhaupt nicht bewegt, das ist auch gut so. Morgen soll es regnen, ich werde mit dem Auto unterwegs sein, und habe 2 -3 Stellen einigermaßen in der Nähe (bis zu 50 km), die ich anfahren werde, je nach Wetterlage gehe ich dann eventuell noch ein Stückchen.
Und übermorgen bin ich dann schon auf dem Weg in den Lake District, das Quartier werde ich gleich noch buchen, diesmal mit einem Tag mehr Vorlauf. Der Lake District gilt als touristisch stark nachgefragt, es ist Hochsaison, und meine drei Übernachtung reichen bis in das Wochenende hinein – da will ich mich lieber etwas früher kümmern. Übrigens: der Lake District gilt als einer der regenreichsten Gegenden Englands. Langsam bin ich ja in Übung.
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2425034819?re…Weiterlesen
Wasserfälle und eine Eisenbahnbrücke
22. Juli 2025 in England ⋅ ☁️ 13 °C
OLD ING (HORTON IN RIBBLESDALE) * Heute versuche ich, den Blog tatsächlich mal kurz zu machen, es ist schon 22:50 Uhr.
Für heute war Regen vorhergesagt, das hat mich nicht motiviert eine größere Tour in Angriff zu nehmen. Ich bin mit dem Auto zwei Orte angefahren, die ich in meiner Yorkshire – To Do Liste hatte, zum einen das so genannte Ribbleshead-Viadukt, eine alte gemauerte Eisenbahnbrücke, mehrere Hundert Meter lang, die in einem leichten Bogen über ein Tal hinweg geht. Es ist ganz in der Nähe, und war sowieso auf dem Weg zum zweiten Ziel. Auf den Fotos im Internet sah es toll aus, in der Wirklichkeit eher ernüchternd. Naja. Ne Brücke halt. Toll.
Danach bin ich zu einem eher touristischen Highlight weitergefahren, dem so genannten Ingleton Waterfalls Track. Hier gibt es zwei Felsbäche mit Wasserfällen. Das Ganze ist auf Privatgelände, man kann dann eine Rundtour von circa 6 km gehen. Also auch eine kleine Wanderung. Der Unterschied ist: der Pfad ist absolut nicht zu verfehlen, und ist es einer Einbahnstraßenregelung. Und: es kostet Eintritt, genau genommen elf britische Pfund. Also recht ordentlich. Zu sehen gibt es dafür insgesamt sieben Wasserfälle, die teilweise tatsächlich auch sehr eindrucksvoll sind. Die Täler in denen die Felsbäche verlaufen sind schön, zwischendurch läuft man ein bisschen über die Hochebene (oben stand dann in der Mitte der Tour zufälligerweise ein Eiswagen, auch wieder mitten im Nichts, leicht surreal). Ansonsten gibt es wenig touristische Infrastruktur, außer am Start. Es waren viele Familien unterwegs, oder ältere Ehepaare – touristisch halt. Ansonsten habe ich den Besuch in der kleinen Stadt Ingleton genutzt, um Besorgungen zu machen, unter anderem einzukaufen.
Faszinierend ist für immer ist für mich immer noch die Zufahrt zu diesem entlegenen Quartier. Eine fast 5 km langer einspurige Straße, dann Tore mit reichlich Verbotsschildern, und dann ein nur grob befestigter Wanderweg, den ich legal mit dem Auto befahren darf. Faszinierend. Geländewagen-Feeling. Ich habe sowohl auf dem Hin- als ich dem Rückweg reichlich Fotos und Videos gemacht
Bereits gestern habe ich mein Quartier ab morgen für die nächsten Tage gebucht – ich bin dann tatsächlich im Lake District. Der grobe Plan, den ich mir in Deutschland bereits gemacht hatte, geht tatsächlich auf. Der Lake District ist die gebirgigste Gegend in England, und gilt als landschaftlich am reizvollsten. Hier ist auch der Scafell Pike, mit 978 m der höchste Berg in England. Wohlgemerkt England, Schottland hat noch den Ben Nevis mit 1.345m.
Das klingt für deutsche Ohren alles nicht besonders hoch und eher harmlos. Hier vor Ort fühlt sich das aber komplett anders an, bereits der Pen-y-ghent mit etwas über 600 m Höhe ist bei schlechtem Wetter definitiv etwas für Fortgeschrittene.
Ich bin im Lake District in einer Jugendherberge, die vermieten auch so genannte Private Rooms, die man dann selber mit mehreren Leuten belegen kann. Ich habe einfach einen Private Room für zwei Personen gebucht, und belege den alleine. Ist auch nicht teurer als ein Zimmer in einem Hotel, und ich glaube es ist für mich ganz interessant, auch andere Wanderer kennen zu lernen.
Rachel, die Gastgeberin in meinem aktuellen Quartier, habe ich erst heute Abend gesehen, sie kam um circa 20:00 Uhr nach Hause, hatte ihre Familie besucht, und war ziemlich erschöpft. Aber nicht zu erschöpft, um sich nicht noch circa 2 Stunden mit mir zu unterhalten. Sie macht die Vermietung ihrer beiden Fremdenzimmer erst seit März diesen Jahres, und sammelt noch Erfahrungen. Sehr oft hat sie Leute nur für eine Nacht da, das sind dann Wanderer, die den Pennine Way (den benachbarten Fernwanderweg) laufen, oder die die Three Peak Challenge machen. Heute Abend sind auch zwei weitere Gäste gekommen, zwei Jungs circa Mitte 20, sehr kräftig gebaut, die morgen die Three Peak Challenge machen. Wir haben alles Gute gewünscht dazu!
Rachel ist eine sehr gute Gastgeberin gewesen, ich habe mich hier wohl gefühlt. Es hat sich für mich wirklich gelohnt, ans Ende der Welt zu kommen. Morgen in der Jugendherberge wird es deutlich trubeliger werden, am Samstag habe ich meinen letzten Tag im District, dann habe ich noch mal drei Tage, bis der Flieger wieder geht. Ich werde mir dann wieder etwas suchen, was deutlich ruhiger ist, um noch mal richtig Hochmoor zu genießen.
Heute war ein Autofahrtag (da Regen vorhergesagt war), morgen wird auch wieder ein Autofahrer Tag. (Es ist ebenfalls Regen vorhergesagt, und ich will in den Lake District kommen). Apropos Wettervorhersagen: tja, entweder es regnet, oder es regnet nicht. Trotz Regenvorhersage regnet es auch häufiger mal nicht, so wie gestern und heute. Für den Lake District ist mir aber von verschiedensten Leuten dauerhafter, häufiger, und immer wieder überraschend anfangender Regen zugesagt worden. Darauf kann ich mich dann verlassen. Im Ernst - die Touren, die ich mir dort vorgenommen habe, sind die anspruchsvollsten bisher. Ich bin jetzt schon ein bisschen im Training, und hatte ja schon einige Touren, das ist auch gut so. Trotzdem brauche ich im Lake District gutes Wetter, ansonsten kann ich die interessantesten Touren nicht machen.
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2427796579?re…Weiterlesen
Lakes and Mountains
23. Juli 2025 in England ⋅ 🌙 14 °C
YHA BORROWDALE (ROSTHWAITE) * Nun bin ich also endlich im Lake District. Der Abschied heute Morgen war interessant, denn ich fühlte mich in Old Ing nach drei Übernachtungen schon wie zu Hause. Das hat sicherlich etwas mit der tollen und besonderen Lage zu tun, mit dem schönen Zimmer, und mit dem guten Kontakt zu Rachel, der Gastgeberin. Sie nutzt die Zeit, wenn sie Gäste hat, und ist dann sehr kommunikativ. So hatte ich zum ersten Mal Kontakt zu einer Einheimischen, beziehungsweise fast einheimisch, da sie erst vor drei Jahren dorthin gezogen ist. Sie kommt ursprünglich aber aus Yorkshire, allerdings aus einer anderen Ecke.
Sie hat mir viel über ihr Leben in Yorkshire erzählt. Über das Haus, dass sie hier gekauft hat, über die Renovierung, über den Kontakt mit den Farmern rechts und links (Nice Farmer and Grumpy Farmer) und Ihre Gäste. Sie hat erst im März diesen Jahres die Vermietung von Gästezimmern begonnen, und viele Eindrücke sind noch sehr frisch. Eine Freundin hat ihr empfohlen ein Buch über ihre Gastgeberinnen-Erlebnisse zu schreiben - das wäre bestimmt lesenswert.
Ich merke gerade: das Internet läuft hier nicht gut. Ich sitze in der Lobby der Jugendherberge Borrowdale, meinem neuen Quartier, vielleicht liegt es auch an den vielen Nebengeräuschen, hier ist viel los. Aber nur hier ist das WLAN gut genug, um den Blog einzusprechen (oder hat die werte Leserschaft gedacht ich würde das alles tippen?). Ich hoffe natürlich auch in Kontakt mit anderen Wandernden zu kommen, aber ganz aktuell sieht es nicht danach aus.
Mein Tag war heute vom Autofahren geprägt, das Wetter war bedeckt, aber temperaturmäßig milde, geregnet hat es überhaupt nicht. Obwohl vorhergesagt!
Zunächst war ich kurz in Windermere, am Lake Windermere, der touristische Hauptort im Lake District. Dort gibt es ein Museum für Boote und Dampfschiffe. Der Eintritt war mir allerdings viel zu teuer, 12 Pfund, für ein relativ kleines Museum. Ich habe mir einfach Tea and Lemon Drizzle im Museums-Café gekauft, und das vor dem Museum direkt am See gegessen. Tolle Architektur, tolle Lage am See. Interessant war ein Becken für Modellschiffchen, inklusive kleinen Anlegestellen und Bojen, die dann offensichtlich durchfahren werden sollten. Es war leider niemand da.
Nach Windermere reingefahren bin ich überhaupt nicht, mir war da zu viel los. Ich bin dann weiter meiner Route gefolgt, durch Ambleside hindurch. Ein sehr, sehr schöner Ort, mit enorm vielen Touristen. Allein beim Durchfahren bin ich schon nervös geworden. Viele Touristen….
Ich hatte auch prompt eine klassische Touristen – Autofahr - Situation. Ich fuhr als Erster in einer Reihe von Autos eine langgezogene Rechtskurve. Als ich wieder auf der Geraden war, sah ich, dass mir ca 200 m entfernt ein weißer SUV auf meiner Spur entgegenkam, also wie im Rechtsverkehr. Ich habe dann gehupt, und nach einem kurzen Moment (in dem ich kurz überlegte ob ich nicht einfach auch Rechtsverkehr fahren sollte ;-) zog der weiße SUV ruckartig auf die linke, also korrekte Spur. Da ist wohl jemand unkonzentriert gewesen…. Auch ansonsten ist zu merken, dass hier sehr viele Touristen mit dem Auto unterwegs sind. Die Engländer wissen ganz genau wie breit ihre Straßen sind, und welche Kurven sie auf gar keinen Fall schneiden dürfen, weil der Gegenverkehr quasi null Zentimeter Ausweichraum nach links hat. Mit den Touristen (große, neue, saubere, teure Autos) habe ich heute zwei-, dreimal Sorgen gehabt, es wurde richtig eng, den rechten Außenspiegel würde ich gerne behalten, trotz doppelter Versicherung.
Ich hatte dann doch noch eine kurze Wanderung auf Komoot gefunden, in der Nähe von Keswick, 15 Minuten vor meinem Übernachtungs-Quartier. Normalerweise beginnt die Wanderung unten am See, geht auf eine Anhöhe und dann im Rundkurs wieder herunter. Ich habe allerdings oben begonnen, da das direkt an meiner Route lag.
Vom ersten Abschnitt bis nach unten war ich sehr enttäuscht, es ging im Grunde genommen innerhalb eines Waldes die ganze Zeit einen Wirtschaftsweg hinunter. Keine Aussicht, Nadelbäume, breiter befestigter Weg - laaaangweilig! Unten war ein Auto Parkplatz mit Wanderkarte, der Ort hieß „Great Wood“. Was hatte ich erwartet? Hätte ich mich mal besser informiert.
Am See war es dann eigentlich schön, recht idyllisch. Und auch gar nicht so viel los. Für den Rückweg habe ich kurz überlegt, ob ich nicht den gleichen Weg wieder zurückgehen sollte. Ist doch eh langweilig! Na ja, was soll’s. Ich bin dann doch der Original-Route, also,einem Rundkurs gefolgt. Irgendwann wurde der Weg enger, und unebener, und plötzlich auch steiler. Ich stand dann vor einer Felsschlucht mit einem wilden Bach (ein bisschen wie gestern), und sah, dass der Weg durch die Schlucht weiter steil nach oben führte. „Die 50 Höhenmeter mache ich doch jetzt einfach mal schnell“ dachte ich mir, und ging sehr engagiert los. Hinterher habe ich festgestellt: es waren fast 300 Höhenmeter, der Wanderweg wurde nicht besser. Das war definitiv die Abenteuereinheit heute. Landschaftlich sehr sehr schön, mit immer wieder neuen Ausblicken auf den See und die gegenüberliegenden Berge. Zum Schluss lag ganz oben eine Felskuppe im Hochmoor, mit einem 180° Überblick über diesen Teil des Lake Distrikt. Beeindruckend, und ganz anders als alles was ich bisher in Großbritannien gesehen hatte. Erinnerte mich eher an das Alpenvorland. Auf dem Aussichtspunkt waren dann wieder viele Touristen, weil der Ort relativ einfach mit dem Auto zu erreichen ist.
Es war heute ein Reisetag (circa 2,5 Stunden Autofahren), und trotzdem letztendlich kein verlorener Tag durch die tolle, kleine Wanderung.
In der Jugendherberge ist es wirklich interessant. Der bauliche Standard ist so wie in Deutschland wie vielleicht vor 30-40 Jahren, sehr einfach, viel dunkles Holz, nicht modern. Aber das Haus ist trotzdem sympathisch, und sozial funktioniert es. Ein wildes, aber sehr entspanntes Gewimmel. Es sind viele Menschen hier, eine Küche zum Selberkochen und Abwaschen. Man kann aber auch warmes Essen und Getränke mit / ohne Alkohol vor Ort kaufen (ich hatte gerade Burger and Beer). Ich sitze im Eingangsbereich / Lobby, überall stehen gemütliche Chesterfieldsofas. So etwas hätte ich gerne zu Hause im Wohnzimmer. Das Haus lebt, trotz des einfachen, baulichen Standards, der Raum ist gefüllt. Die Menschen unterhalten sich, spielen Brettspiele, Jugendliche nutzen, dass hier das WLAN am besten ist. Im sozialen Sinn ein besonderer Ort, eine Art geteiltes Privatleben. Weniger Schwellen, mehr Teilen. Und für mich ein kleiner Einblick in britisches Familenleben. Schön und interessant das zu sehen.
Ich bin natürlich auch in der Jugendherberge, nicht nur, weil es günstig ist, sondern auch weil ich in Kontakt zu anderen Wandernden kommen möchte. Bisher ist mir das nicht gelungen, aber ich bin ja auch gerade erst gekommen.
Mein Zimmer ist sehr einfach, circa 6 m² groß. Es ist ein so genannter „Private Room“, eigentlich für zwei Personen, den ich einfach im Ganzen gebucht habe, das andere Bett bleibt unbelegt. Letztendlich ist es trotzdem günstiger als ein Hotel, und das gerade hier, im besonders nachgefragten Lake District in der Hochsaison.
Ich diktiere den Block mittlerweile direkt in das Handy hinein, das ich direkt vor den Mund halte, die Nebengeräusche sind sonst zu groß, das Diktat funktioniert nicht. Für morgen habe ich mir bereits eine Wanderung vorgenommen, ich glaube an die Wettervorhersage! Ich werde erstmal mit dem Bus fahren, und dann den Bergrücken entlang wandern, den ich heute vom Aussichtspunkt gut sehen konnte - die Catbells. Ich laufe direkt wieder zurück zur Jugendherberge. Auch eine der „Top“-Wanderungen aus meinem Rother-Wanderführer. Diese Wanderung wird wieder relativ lang, und vermutlich in der Art und im Wetter ähnlich sein wie meine allererste Wanderung im Rosedale. Die Erwartungen sind hoch, und ich bin fast davon überzeugt, dass sie übertroffen werden. Immerhin bin ich hier in der schönsten Wandergegend Englands. Morgen folgt Genaueres.
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2430605980?re…Weiterlesen
Königstour
24. Juli 2025 in England ⋅ 🌙 14 °C
YHA BORROWDALE (ROSTHWAITE) * Mir ist danach den heutigen Blog so zu nennen. Königstour. Die heutige Wanderung ist gar nicht die längste, die ich bisher gemacht habe, aber an den Fotos sieht man wie unterschiedlich die Landschaften waren, durch die ich gegangen bin. Die Höhenmeter sind auch durchaus ordentlich, insbesondere weil ich den letzten Berg, den Dale Head, eigentlich gar nicht ersteigen wollte. Es war aber Superwetter, und ich hatte Zeit, und so habe ich noch einmal 200 Höhenmeter drangehängt. Einzige Einschränkung war die Fernsicht, es war ein bisschen diesig in der Ferne, ab circa 20-30 km.
Der erste Schritt der Tour hat nicht funktioniert, ich wollte mich mit dem Bus bis zum Fußpunkt der Catbells bringen lassen, einem Höhenzug ganz in der Nähe. Der Bus kam auch, einigermaßen pünktlich, der Fahrer sagte aber die Catbells würden heute nicht angefahren werden, weil sein Bus dafür nicht geeignet ist. Der richtige Bus wäre defekt. Er könne mich aber woanders absetzen, und dann könnte ich zu den Catbells laufen. Dafür ließ er mich dann auch umsonst mitfahren.
Das klappte soweit auch super, allerdings war dieses „dahin laufen“ über 4 km lang. Das Gute: ich wäre diese Streke sonst nie gelaufen, es ging direkt am See Derwent Water entlang, mit Landschaftsbildern, die ich bisher in England noch nirgendwo gesehen hatte. Dann ging es die Catbells hoch, das ist ein sehr touristischer Ort bis zum zweiten Gipfel. Es gibt dort zwei Anstiege, die recht steil sind. Die Sonne schien, das ist schön, aber für mich war das nicht optimal. Letztendlich war ich genauso schnell wie Familie mit kleinen Kindern, bei denen die Väter noch ein Baby zusätzlich auf dem Rücken trugen, und die Mutter nicht den Eindruck machte, als wenn sie schon jemals ein Berg hoch gestiegen wäre. Ein bisschen peinlich, aber ich habe versucht, souverän und professionell auszusehen, trotz sehr wenig überzeugender Höhenleistung. Dann bogen alle Touristen irgendwann links ab, laufen eine Rundtour, und der eigentliche Wanderweg geht geradeaus weiter, und folgt dem Bergrücken. Hier waren dann fast ausschließlich nur noch gut ausgerüstete Wandernde unterwegs, man merkte, dass man sich tatsächlich im Gebirge befand.
Die Tour hatte ich wieder aus meinem Rother – Wanderführer, eigentlich war das eine große Rundtour, die ich variiert habe. In weiter Ferne sah ich schon die ganze Zeit den größten Berg der unmittelbaren Umgebung, den Dale Head. Ich konnte mit dem Fernglas auch sehen, dass Leute den Berg hochstiegen, und wo der Pfad war. Ziemlich langer Anstieg, ständig steil nach oben. Und mit meiner noch sehr frischen Anstiegserfahrung dachte ich bei mir die ganze Zeit: gut, dass ich da heute nicht hoch laufe.
Irgendwann stellte ich beim Blick auf den GPX-Track fest, dass der Dale Head sehr wohl in der Tour enthalten ist…. Natürlich hätte ich das nicht machen müssen, ich hätte auch direkt zur Jugendherberge zurückgehen können, aber wie gesagt: alles passte, und ich habe es dann einfach gemacht. Es hat sich auf jeden Fall auch gelohnt. Etwas gezogen hat sich dann nur der Abstieg vom Dale Head, das war eine Stunde langweilig und stetig bergab.
Ganz zum Ende der Tour wurde es dann noch mal interessant, mein Zielort war die Honister Slate Mine, eine aktive Schiefermine. Die kleine Ansammlung von Gebäuden sah von oben wie ein Goldgräberstädchen aus. Es gab dort auch ein Café für Touristen, einschließlich Kletterausflug-Anbieter etc. Die Preise für die Mineralwasserflaschen waren auch Goldgräberstädtchenmäßig, 2,50 GBP pro 0,5 l – Flasche. Das ist ein Spitzenwert bisher.
Von da aus wollte ich dann wieder zur Jugendherberge zurückgehen, nochmal einige Kilometer. Als ich die Straße circa 100 m entlang gegangen war, saßen Menschen auf einer Mauer und warteten, es war aber kein Haltestellenschild vorhanden. Ich fragte die Leute und siehe da: der Bus für meine Richtung sollte kommen, und war schon 10 Minuten überfällig. Den habe ich dann also auch zurückgenommen, zum Einheitsfahrpreis von drei Pfund, egal wie weit man fährt.
Heute war also ein reiner Wandertag, und ich habe wirklich wirklich Glück mit dem Wetter gehabt. Tolles Wetter. Tolle Gegend. Solche Tage muss es in einem Wanderurlaub auch geben. Königstour halt.
Morgen gibt es bedeckten Himmel, mit einer gewissen Regenwahrscheinlichkeit. Ich werde eine andere Tour aus dem Wanderführer laufen, auch wieder abgewandelt, und mit einem Anteil Bus ergänzt. Dazu muss ich quasi nur zur Jugendherberge raus, dann beginnt die Tour schon fast vor der Haustür. Auch bei der heutigen Tour war ich nie mehr als 10 km von der Jugendherberge entfernt. Gute Wandergegend.
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2433298491?re…Weiterlesen
Freiheit spüren - trotz Regen
25. Juli 2025 in England ⋅ ☁️ 15 °C
YHA BORROWDALE (ROSTHWAITE) * Klingt der Titel eigentlich leicht widersprüchlich? Für mich interessanterweise überhaupt nicht.
Heute ist ein Regentag. Schade, aber gestern habe ich ja Premium-Wetter gehabt. Heute ist außerdem auch mein zweiter ganzer Tag im Lake District. Und den wollte ich natürlich unbedingt nutzen - trotz bedecktem Himmel und angesagtem Regen. Ich habe morgens erst einmal in Ruhe mein Quartier gebucht, und mir beim Frühstück von einem Londoner eine Tour empfehlen lassen. Ganz in der Nähe, Lake Buttermere.
Die Tour sollte unten am See beginnen, auf circa 90 Höhenmeter, und auf den Bergspitzen enden, bei ca 780 Höhenmeter. Als ich losfuhr, sah ich, dass die Bergspitzen im Nebel waren. Das fand ich dann irgendwie nicht sinnvoll, so viele Höhenmeter für null Aussicht? Außerdem war zunehmender Regen für den Tag vorhergesagt. Keine Motivation für anspruchsvolle Bergtouren.
Ich bin dann dort gestartet, wo gestern das Ende meiner Tour war, in dem „Goldgräberstädtchen“ Honister Pass. Das Auto habe ich dort abgestellt, fünf Pfund für den ganzen Tag, und bin einfach losgegangen, in Richtung interessant aussehender Felsen. Ich hatte zu Anfang kein Internet, und konnte die Tour nicht neu planen. Als ich das Handy dann nach etwas Anstieg aus der Tasche zog um Fotos zu machen, hatte ich plötzlich eine Nachricht von Amazon. Dafür ist aber zwingend mobiles Internet erforderlich? Siehe da: LTE mit zwei von drei Streifen – perfekt. Die Tour hatte ich dann also - mitten im Nirgendwo.
Letztendlich hatte ich geplant, dass ich einfach nur mal nach oben gehe, etwas schaue, und wieder zum Auto zurückgehen, damit der Tag nicht als Wandertag komplett verloren ist. Der Lake District ist ja sehr regenreich, und was mich hier am meisten interessiert sind Bergtouren. Wenn es also ernsthaft regnet, kann ich diesem Interesse nicht folgen - doof. Ich bin dann also trotzdem losgefahren, obwohl ich ahnte dass es naß und anstrengend wird. Freiheit spüren – trotz Regen!
Wo ich dann also schon mal vom Honister Pass losgelaufen bin, bin ich natürlich, wie sollte es anders sein, auch immer weiter gegangen, und es war auch wirklich interessant da oben. Ich war ja quasi sofort im hohen Teil der Berge, sehr schroff, sehr viel Wind, der Regen kam schräg von der Seite, und trotzdem waren etliche Wanderer unterwegs, alle gut eingepackt. So wie ich auch. Auch diese Tour hat sich wirklich wirklich wieder gelohnt, ich fand es auch besonders cool gerade bei kühleren Wetter zu laufen. Das liegt mir scheinbar, das werde ich mal in die zukünftigen Planungen mit einbeziehen.
Wenn ich die Tour jetzt im Nachhinein auf Komoot anschaue, stelle ich fest, das erste Drittel war relativ einfach und nicht spannend, das letzte Drittel war wieder ein langer, langer Abstieg, und das mittlere Drittel ist das, was in meiner Erinnerung 90% der Tour ausmacht – richtiges Hochgebirge mit Nebel, Regen, schroffen Felsen - cool. Teilweise war es auch hier so, dass der Pfad nicht zu erkennbar war, vor mir waren junge Wanderer, die auch schon verschiedene Varianten ausprobiert hatten. Eigentlich waren die viel schneller als ich, fanden aber immer wieder den Pfad nicht, obwohl die einen erfahrenen Eindruck machten. Und: der Pfad war kaum zu erkennen, Kennzeichnungen gibt es dort oben fast keine, und es waren auch zwei bis drei felsige Kletter Partien dabei - hier ist natürlich von unten kein Pfad in der Grasnarbe erkennbar, denn es gibt dann nur Felsen statt Pfad. Die kleinen Kletterpartien sind bei Trockenheit sicherlich fast harmlos, bei Nässe sind aber durchaus Spannungmomente dabei gewesen.
Beim Abstieg kam für ca. zwei Minuten die Sonne heraus - ich hatte einen Regenbogen unter mir, im Hintergrund der Lake Buttermere. Also auch einen Hauch Königstour ;-)
Zum Schluss der Tour war ich komplett durchnässt, kam unten wieder an der Passstraße an, und wie ist der Zufall mit sich brachte sah ich, dass der Bus in drei Minuten kommen würde, bei einem 2-Stundentakt - als hätte ich es geplant. Den habe ich dann genommen, circa 4 km wieder nach oben auf den Honister Pass, zum Auto zurück.
Ich bin dann direkt in die Jugendherberge gefahren, um 15:30 Uhr nachmittags – habe geduscht, und meine Sachen im Trockenraum aufgehängt.
Die Jugendherberge wird jetzt gerade sehr voll, man merkt, dass es auf das Wochenende zugeht, und außerdem Hochsaison ist. Die sonst so ruhige Lobby mit dem gemütlichen Chesterfield – Sofas ist heute extrem laut, es ist eine große Gruppe aus jungen Briten und Britinnen mit Kindern gekommen, die sich sehr laut unterhalten. Auch ein deutsches Pärchen ist da, fast die ersten Deutschen überhaupt, die ich auf der ganzen Reise getroffen habe. Die beide machen auch einen Wanderurlaub, sind nach Manchester geflogen und fahren jetzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln verschiedene Orte an, wo es sie gerade hintreibt. Und sind sehr froh, nicht mit dem Auto unterwegs zu sein. Auch das ist etwas, was ich bei einer weiteren Nord England – Wanderreise nicht mehr machen würde: das Auto benötigt man eigentlich nicht.
[Ich merke beim Korrektur lesen deutlich, dass ich mich im Erzählfaden mehrfach wiederhole. Kein Wunder, ich bin müde, die Lobby heute sehr laut, und ich diktiere den Blog immer abends immer noch schnell ein. Da müssen stilistische Gesichtspunkte dem anstehenden Lektorat *1) vorbehalten bleiben.]
(Fußnote: *1) Das Lektorat wird selbstverständlich nie stattfinden.)
Die Tour auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2435496115?re…Weiterlesen
Visit to a special place
26. Juli 2025 in England ⋅ ☁️ 16 °C
WHALEY BRIDGE (21:25 Uhr) * Heute soll der Blog tatsächlich einmal kurz werden, ich bin bereits ganz schön müde. Dabei gäbe es eigentlich viel zu erzählen.
Losgefahren bin ich heute Morgen im Lake District, beim Frühstück habe ich mich noch mit zwei jungen Engländern unterhalten, und Bergwanderungs-Erfahrung ausgetauscht. Überhaupt: ich bin dann doch mit den verschiedensten Leuten in der Jugendherberge ins Gespräch gekommen, das endete letztendlich damit, dass ich fast pausenlos im Gespräch war. Das ist dann leider auch ein bisschen anstrengend.
Eigentlich wollte ich noch eine größere Wanderung im Lake District machen. Der Lake District hat mich wirklich begeistert, ich bin ein bisschen süchtig geworden. Die Berge haben ziemlich schnell Hochgebirgs – Feeling, ich mag das. Kalt, windig, baumlos, felsig. Bei schlechtem Wetter wird die Sicht schnell sehr eingeschränkt, Wegweiser gibt es oben fast gar nicht, man muss sich gut orientieren, und auch ganz normale Wandertouren arten gelegentlich in kleinere Kletterpartien aus. Die Gespräche in der Jugendherberge verstärken das noch, da kommen immer neue Ideen, welcher Gipfel noch geht, und warum, und wie das Wetter ist. Und alle Gipfel sind machbar, sogar der höchste Gipfel, der Scafell Pike mit 978 m.
Aber ich komme ins Erzählen, das wollte ich heute eigentlich gar nicht. Letztendlich habe ich mir dann eine andere Wanderung ausgesucht, unmittelbar neben der Autobahn. Meine Gesamtfahrstrecke waren heute circa 250 km, relativ viel davon auf der Autobahn. Ungefähr auf halber Strecke lag die Morecombe – Bay, da hatte mein Rother – Wanderführer eine Tour vorgeschlagen. Davon bin ich den größten Teil gegangen. Es war – interessant, teilweise lieblich, aber insgesamt eher ein Spaziergang, der nicht super interessant war. Aber – ich habe mal etwas ganz anderes gesehen. Danach hatte ich noch Zeit, ich hatte meine Ankunft im Quartier für 7:00 Uhr abends angekündigt, und bin dann noch an einen für mich ganz besonderen Ort gefahren.
Mit 22 Jahren, vor 36 Jahren, hatte ich noch keine echte Auslandserfahrung, das fand ich sehr doof. Ich habe mich dann direkt nach dem Zivil-Dienst einfach bei verschiedenen Agenturen per Post beworben, 1989 gab es noch kein Internet. Eine Agentur hat geantwortet, und mich auf eine Au-Pair Stelle in der Nähe von Manchester vermittelt, für drei Monate als Au-Pair zwischen zwei 1-Jahres-Au-Pairs. Der Ort war Romiley bei Stockport im Großraum Manchester.
Ich erinnere mich, dass ich damals, wie bei Auslandserfahrung bei jungen Menschen oft, zwischen Verängstigung und Begeisterung schwankte, im Grunde genommen völlig überfordert war, und trotzdem alles gemacht und auch hinbekommen habe. Ich war zuvor noch nie in Großbritannien gewesen, und war verwundert, dass der Ort Romiley irgendwie anders funktionierte als das, was ich kannte. Nach und nach habe ich verstanden, wie der Ort gewachsen ist und wie die Struktur ist. Da war mein Architektustudium noch eine ganze Ecke weg, und ich hätte nie geahnt, dass ich das mal studieren würde.
Besonders erstaunt hat mich damals der Peak-Forest-Canal, der unmittelbar an Romiley vorbeiführt. Darauf war ich nicht vorbereitet – ein Kanal, erbaut ca. 1800, circa 5 m breit, aus gehauenen Steinen gesetzt (also Steinmetzarbeiten) führte in dieser Mittelgebirgslandschaft als ebene Wasserfläche über viele Kilometer über den Peak Forest hinweg, der kurvige Verlauf passte sich den Hügeln an, und da wo das nicht mehr ging, wurden Tunnel gegraben, Brücken gebaut, oder sogar Aquädukte. Das bekannteste Aquädukt des Peak-Forest-Canals befindet sich unmittelbar in der Nähe von Romiley, in Marple Bridge. In Marple Bridge ist auch eine 200 Jahre alte Schleusenanlage mit insgesamt 16 Schleusen die 64 m Höhendifferenz überwindet. Dieses frühe Ingenieurbauwerk hat mich sehr beeindruckt, und bei mir das Interesse an dem britischen industriellen Erbe geweckt. Besonders faszinierend finde ich, dass noch heute die Brutalität des Eingriffs in die Natur spürbar wird, und gleichzeitig wurden damals alle topographischen Gegebenheiten genutzt, wo immer möglich. Zusätzlich hat sich die Natur die industriellen Bauten im Laufe von über 200 Jahren wieder zurückgeholt, der Kanal ist komplett in die Landschaft integriert, und Teil der Hügellandschaft geworden. Alles zusammen ist faszinierend zu sehen.
Ich habe später immer mal wieder in meinen Träumen die Situation der Ankunft in Romiley erlebt, oder wie ich mir das Aquädukt anschaue. Ich wusste dann immer: ich bin nie wieder da gewesen, das kann also nur damals gewesen sein, oder in meinen Träumen.
Und genau an diesen Ort bin ich heute gefahren. Ich habe mir den Kanal angeschaut, und bin ihn ein Stückchen entlang gelaufen. Ich bin sogar in die Bahnstation in Romiley gegangen, und mit dem Zug zurück zum Auto nach Marple Bridge zurückgefahren. Die Bahnstation Romiley habe ich damals sehr, sehr viel benutzt, sie war fast unverändert.
Es war für mich wirklich interessant, diese für mich damals wegweisende Zeit und meine Eindrücke von damals heute noch mal nach zu erleben, beziehungsweise die Orte zu sehen. Auf meiner Reise durch England habe ich ein Zitat gelesen: „Was du tust, bestimmt wer du wirst“. Und ich glaube, so ist es auch. Ich habe damals den Mut gehabt, nach England zu gehen, ich habe eine neue Welt erlebt, Interessen wurden geweckt, den ich später gefolgt bin. Das sollte ich mir mal hinter die Ohren schreiben, für alles Weitere das kommt.
Ich wollte den Blog heute ja kurz halten, und versuche das auch immer noch. Ich bin dann zum Quartier weitergefahren, das waren nur noch circa 15 km, nach Whaley Bridge. Der Ort des Quartiers war vom Gastgeber sehr genau beschrieben worden, und das war auch gut so, denn Google Maps half nicht wirklich weiter. Nick hat ein kleines Bauunternehmen, ist circa Anfang 60, und hat mich sehr nett empfangen. Er hat ein großes Grundstück in einem Felsental (also genau das, was ich sehr gerne mag). Auf dem Grundstück steht sein eigenes Gebäude und auch ein weiteres kleines Steingebäude von 1880, etwas abgesetzt vom Haupthaus, dass er als Gästehaus zurecht gemacht hat. Ich sitze jetzt also in einer dieser Felsenschluchten, die ich so toll finde, in einem eigenen kleinen Haus. Es ist circa 50 m² groß, auf zwei Etagen (was ein kleines bisschen umständlich ist). Wir kamen ins Gespräch und er hat mir noch ein bisschen was erzählt, welche Wanderwege ich vom Haus aus direkt erreichen kann, und auch über die Industrie-Vergangenheit des Tales, in dem ich bin, das ist in der unmittelbaren Nähe zu Manchester ja auch nicht weiter verwunderlich. Interessant ist: es gibt überall in England ehemalige Bahnstrecken, die man häufig daran erkennt, dass sie relativ gerade, flach und breit durch die Landschaft führen, egal wie die Landschaft eigentlich aussieht. Sehr gerne werden Wanderwege oder Rad-Wanderwege auf diesen Bahnstrecken eingerichtet, da gerade die alten Linien mitten durch die wunderschönsten Landschaften hindurch führen. Und siehe da: genauso so eine ehemalige Bahnstrecke, 1890 bereits stillgelegt, geht auch durch seinen Grundstück durch, jetzt wieder komplett mit Laubbäumen bewaldet ist. Es gibt sogar eine kleine gemauerte Eisenbahnbrücke, die auch zu seinem Grundstück dazugehört. Ich finde das klasse.
So, genug für heute. Ich werde heute gut schlafen. Jetzt noch den Text korrekturlesen, die Komoot-Fotos für beide Spaziergänge ergänzen, die Links in den Blog stellen, Fotos in den Blog – und dann bin ich fertig. So ein Blog ist halt doch ein bisschen Arbeit, aber ich habe etwas zum Nachlesen.
Ich habe jetzt noch zwei volle Tage und den Dienstag, am Dienstagnachmittag muss ich am Flughafen in Manchester sein, also ein kurzer Weg. Ein erstes Fazit der Reise habe ich heute beim Autofahren gezogen, da hatte ich ja Zeit zum Denken. So viele Eindrücke, die ich jetzt neu gesammelt habe, so viele Menschen, die ich kennengelernt habe, so viele Landschaften, in denen ich unterwegs war – das hätte ich nicht erwartet. Die Reise ist leider richtig teuer, aber ich finde sie ist jeden Cent zweimal wert.Und auch hier wieder: was du tust, bestimmt wer du wirst.
Der Küsten-Spaziergang auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2439171629?re…
Der Special-Place-Walk auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2439171629?re…Weiterlesen
Wandertag im Peak District
27. Juli 2025 in England ⋅ 🌙 14 °C
WHALEY BRIDGE * Warum schreibe ich im Titel eigentlich „Wandertag“? Ich mache hier doch jeden Tag nichts anderes?
Der Wetterbericht für heute war durchmischt, es sollte am Morgen bedeckt sein, gelegentliche Regenschauer, am Nachmittag dann aufklären, und auch Sonne. Ich habe mir mit dem Aufstehen also Zeit gelassen, ein großer Vorteil wenn man sich selbst versorgt. In der Jugendherberge musste ich immer bis 9:00 Uhr morgens gegessen haben. Ich habe dann ganz in Ruhe geschaut, was es für Touren gibt, was empfohlen wird, was zum Wetter passt.
Heute habe ich eine Tour auf den Kinder Scout gemacht. Mein Gastgeber hatte mich vorgewarnt: der Peak District liegt im Einzugsbereich großer Städte wie Manchester und Sheffield, am Wochenende kann es hier richtig voll werden. Und ich solle sehr sehr gut aufpassen wo ich parke, denn die Gemeinden hier suchen ausdrücklich Parksünder, es werden regelmäßig circa 500 Tickets an einem Wochenende verteilt.
Und voll war es tatsächlich, nach circa 15 Minuten Fahrt kam ich an meinen Startpunkt, einem Auto-Parkplatz, der natürlich komplett belegt war. Auch die Zufahrtstraße dahin war auf mindestens 2 km komplett an jeder zulässigen Stelle voll geparkt. Ein Parkticket wäre ja schon doof genug, aber die Autovermietung möchte für jedes Ticket, das ich einsammle, noch 84 Britische Pfund zusätzlich als Bearbeitungsgebühr haben. Das geht natürlich gar nicht. Ich hatte aber Glück, und habe einen Platz an einer Ecke gefunden weil gerade jemand weg fuhr, leicht kreatives Parken, aber es hat geklappt.
Die Route von heute ist ein Rundweg, einer der Klassiker im Peak-District, der von verschiedenen Startorten aus von vielen Menschen gegangen wird. Es war wieder ein kunterbunter Blumenstrauß aller möglichen Arten von Spaziergehenden und Wandernden unterwegs. Die Tour ist allerdings nicht ganz anspruchslos, und bei manchen Spaziergehenden habe ich mich gefragt, ob die wirklich Freude daran haben, was sie dort machen. Festes, wasserdichtes Schuhwerk war eigentlich Grundvoraussetzung. Geregnet hat es letztendlich nur zwei bis drei Tropfen, und es kam wie vorhergesagt nachmittags die Sonne raus. Die Strecke hat sich dann sehr geleert, ich war circa 17:30 Uhr wieder im Auto, und bin die letzten anderthalb Stunden quasi alleine gelaufen. Die Tour selber mit circa 14 km war interessant, hat mich nach meinem bisherigen umfangreichen Wandererfahrungen in Nord-England aber auch nicht neu überrascht. Lohnenswert ist das auf jeden Fall gewesen, jetzt gleich noch mal machen müsste ich die Tour aber nicht unbedingt. Siehe Fotos auf Komoot, interessant, aber nicht einzigartig. Besonders fand ich, dass man letztendlich von den Höhenlagen einen Blick auf Manchester und die umliegenden Orte hatte. Ich konnte mit dem Fernglas sogar den Lake District ganz schwach am Horizont erkennen.
Auf dem Weg zum Wandern bin ich noch Einkaufen gegangen, und sah in Google Maps dass es einen Aldi auf der Strecke gibt. Das wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen, meinen Lieblingsdiscounter aus Deutschland einmal in England zu sehen. Und es ist anders: viel größer, viel schicker, viel mehr Auswahl, eher wie ein Rewe in Deutschland. Die Preise kann ich nicht wirklich beurteilen, ich habe aber Sachen gekauft, die Qualität ist völlig in Ordnung, so wie bei Aldi ja fast immer. Nebenan war übrigens ein Spar, und Lidl habe ich hier auch schon gesehen, und dort auch schon eingekauft. Die Deutschen übernehmen hier die Supermärkte. Ob ich darüber traurig sein muss weiß ich nicht, denn ich habe hier auch schon sehr schäbige Supermärkte gesehen. In den kleinen Städten gibt es ansonsten noch kleine Supermärkte, die zum Beispiel keine eigenen Auto-Parkplätze haben, und in alten, gewachsenen Geschäftslagen sitzen, die so genannten COOPs. Die lassen sich dann auch zu Fuß erreichen, also auch durch Menschen, die kein Auto besitzen, oder noch nicht fahren können. Das Unternehmen hat sich ethische Grundsätze auf die Fahne geschrieben, das ist vielleicht das britische Pendant zu der deutschen Bio – Supermarkt – Bewegung.
Jetzt bin ich wieder ganz schön platt, die Füße tun weh, was mich nicht erstaunt, wenn ich jeden Tag so viel laufe. 14 km ist eine Strecke, die ich nicht unbedingt ständig laufen muss, ich merke, dass ich auch mit 7-8 km und einer schönen Landschaft voll zufrieden bin. Der sportliche Aspekt steht für mich ein bisschen im Hintergrund, ich möchte etwas erleben und sehen und Anregungen aufnehmen und Interessen folgen.
Morgen gehe ich die Standard – Premium Runde, die man im Peak District quasi gemacht haben muss. Ich berichte dann davon. Es soll schönes Wetter werden, und ich hoffe auf meine dritte Königstour, die erste war im Rosedale, die zweite die Catbells im Lake District, und die dritte: vielleicht morgen!
In Gedanken bin ich auch schon dabei den Dienstag, den Abflugtag, zu planen. Ich werde den Wagen noch mal aussaugen, aber durch die Waschanlage fahre ich ihn nicht. Ich habe ein bisschen gegoogelt, im Grunde genommen gilt es als vertragsgemäße Rückgabe, wenn der Wagen direkt weiter vermietet werden könnte. Ganz wird das mit dem Auto nicht klappen, denn ich bin ja auch über Wege gefahren, die nicht sauber sind. Aber ich glaube, ich bin da zu deutsch, oder zu gewissenhaft.
Ich sitze hier in meinem Steinhäuschen in der grünen Felsschlucht in einem gemütlichen IKEA Sessel. Es ist das gleiche Modell, dass ich auch bei mir zu Hause stehen habe, mit dem Unterschied dass es hier auch den Fußhocker dazu gibt. Gar nicht schlecht. Neben mir wird es langsam dunkel, ich sehe die Pflanzen und die Bäume. Es ist sehr ruhig hier, abgesehen davon, dass gelegentlich ein Flugzeug über uns aufsteigt, der Flughafen Manchester (zu dem ich ja auch hin muss) ist nicht weit entfernt.
Ich bin sehr zufrieden mit dem Haus, und dass ich es mir einfach noch mal geleistet habe. Es ist teurer als ein Hotelzimmer – aber man gönnt sich ja sonst nichts. ;-)
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2441942618?re…Weiterlesen
Wandern wie im Freizeitpark
28. Juli 2025 in England ⋅ 🌙 13 °C
WHALEY BRIDGE * Heute war also mein letzter ganzer Tag in Großbritannien. Ein seltsames Gefühl nach 14 vollen Tagen „on the Road“, mit so vielen Erlebnissen und Eindrücken.
Der britische Wetterbericht stellte sich heute Morgen wieder zuverlässig als unzuverlässig heraus. Es sollte sonnig sein, tatsächlich begann der Morgen mit einem kräftigen Schauer. Wiederum ließ ich mir etwas Zeit mit dem Losgehen, denn gegen Mittag sollte es aufklaren. Ein zweiter kräftiger Schauer erwischt mich fast, als ich gerade dabei war, die Sachen ins Auto zu packen. Ich musste mich dann sehr beeilen, sonst wäre ich gleich nass zum Wandern gefahren. Auch mal was Neues.
Die Tour, die ich heute gelaufen bin, geht über Mam Tor und Lose Hill. Es ist eine sehr beliebte Tour, durch eine landschaftlich sehr schöne Ecke des Peak District. Obwohl heute Montag war, war es wieder sehr voll. Das war schon beim Heranfahren an das Tal deutlich zu merken, überall parkende Autos an jeder nur denkbaren Stelle, diesmal waren allerdings sogar noch Parkplätze frei.
Direkt vor dem Tal fuhr ich dann von einer Anhöhe unvermittelt in eine wunderschöne Felsschlucht. In einiger Entfernung vor mir fuhr ein Wohnmobil, so dass die Dimensionen im Maßstab noch beeindruckender wirkten. Ich trennte das Smartphone vom Kabel, ließ die Seitenscheibe runter und machte aus dem Auto heraus Fotos. Die Navigation ist dabei abgebrochen. Das machte ja nichts, denn ich war quasi am Ziel.
Nach der Schlucht war links sofort ein Auto-Parkplatz, ich dachte „Super, ich bin am Ziel!“ und habe dort geparkt. Es war ein Pay-and-display Parkplatz, man musste also gegen Geld ein Zettel an einem Automaten ziehen, und unter die Windschutzscheibe legen. Angeboten wurde mir dort Parken bis 16:00 Uhr für sechs Pfund (teuer), das war mir zu kurz. Die nächste Stufe war dann Parken bis an den Folgetag um 7:00 Uhr für zehn Pfund (reine Abzocke). Ich habe mit den Zähnen geknirscht und 10 Pfund ausgegeben.
Als ich los ging und die Navigation für das Wandern einschaltete, fiel mir auf, dass ich einen Parkplatz zu früh abgebogen war. Problem dabei: jetzt passte meine Route nicht mehr. Die Route hatte ich mir am Regen – Vormittag sehr sorgfältig ausgesucht: erst eine ganz leichte Steigung kurvig durch das Tal hindurch, mit Blick auf die Bergrücken, die ich gleich begehen würde, an einigen Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten vorbei. Dann der direkte Aufstieg zum höchsten Gipfel. Anschließend entlang des Bergrückens und gemütlich wieder ins Tal hinunter zum Startpunkt. Soweit der Plan, der jetzt hinüber war. Stattdessen begann meine Tour mit einem ziemlich knackig steilen Anstieg auf genau die Felsen, die mich gerade eben so beeindruckt hatten. Auch am Ende der Tour musste ich dann variieren, die Strecke wurde dadurch etwas länger. Sonnig wurde es übrigens tatsächlich - insofern war Verlass auf den Wetterbericht.
Der Mam Tor ist durchaus beeindruckend, der höchste Berg in der direkten Umgebung, wenn auch circa 100 m niedriger als die Berge von gestern. Er war bereits heidnische Begräbnisstätte, und auch befestigtes Fort. Vermutlich war die Gegend damals dicht bewaldet, es fällt mir tatsächlich schwer, mir das vorzustellen.
Die Tour selber war landschaftlich sehr schön. Allerdings konnte ich das heute leider nicht richtig genießen. Diese Wanderstrecke ist noch in höheren Maße als die Strecke von gestern ein Freizeitvergnügen für Großstädter, es wirkt wie ein großes Naturerlebnis-light. Es war relativ laut und unruhig, die übliche Dynamik bei Gruppen- und Familienausflügen halt. Die Landschaft wurde zur Kulisse für Selfies an möglichst exponierten Stellen. Naturschönheit als Konsumgut. Der landschaftlichen Schönheit und der Geschichte des Ortes wird das nicht gerecht. Not my cup of tea.
Interessanterweise wurde es oben auf der Wanderstrecke ab circa 15:00 Uhr wieder viel ruhiger. Vielleicht ist das ein Geheimtipp: ganz früh, oder relativ spät gehen.
Auf dem Rückweg habe ich dann den Mietwagen doch noch ausgesaugt, und wo ich schon mal da war, bin ich auch mit dem Hochdruckreiniger über die Räder und Radkästen gegangen, damit nicht sofort klar ist, dass ich entgegen den Vorschriften des Mietvertrages doch auf unbefestigten Straßen gefahren bin (in den Yorkshire Dales wäre ich ansonsten gar nicht zu meinem Quartier gekommen).
Jetzt bin ich schon ein kleines bisschen nervös, wie immer vor einer Reise. Das Packen liegt noch vor mir, und morgen früh um zehn checke ich hier aus. Um 14:30 Uhr werde ich das Auto bei der Autovermietung abgeben, was ich zwischendurch mache, habe ich noch nicht geplant. Die Autofahrt zu. Flughafen ist nur ca. 30 Minuten lang. Vielleicht gibt es in der Nähe etwas zum Thema industrielles Erbe, dass ich mir zu Fuß mit Straßenschuhen gut anschauen kann.
In Bezug auf mein Quartier, von dem ich eigentlich so begeistert bin, ist mir aufgefallen, dass es mir hier ein bisschen zu einsam ist. Mir fehlen die Gespräche, entweder beim Frühstück, oder die Begegnungen abends, wie zum Beispiel in der Jugendherberge. Hier bin ich wirklich für mich allein, meinen Gastgeber habe ich nur beim Check-in gesehen. Ansonsten sehe ich nur Wandertouristen (tagsüber) und Einheimische in den Supermärkten, Gespräche ergeben sich aber keine. Das ist mir eindeutig zu wenig Sozialkontakt. Wieder was gelernt für die Zukunft.
Außerdem fehlt mir hier das English Breakfast!
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2444127824?re…Weiterlesen
Reisetag again - von Kanälen und Taschen
29. Juli 2025 in England ⋅ ☁️ 17 °C
WHALEY BRIDGE (9:25 Uhr) * Reisetag. Nun ist es soweit. Ich bin heute Morgen früh aufgewacht, habe gefrühstückt, und meine Taschen gepackt. Natürlich hat wieder nichts richtig gepasst, ich weiß immer gar nicht wo der ganze Platz bleibt. Das ist aber eigentlich immer so. Jetzt sitze ich noch mal für eine halbe Stunde gemütlich im IKEA – Sessel, mit dem Blick ins Grüne, und gehe meine Mails durch und meine Komoot – Touren.
Um zehn Uhr räume ich das Quartier, Nick öffnet mir noch das motorbetriebene Tor zum Rausfahren, denn meinen Schlüssel mit der Fernbedienung muss ich ja abgeben. Dann habe ich noch 4 Stunden Zeit, bis ich in Richtung Autovermietung beim Flughafen Manchester fahren muss. Ich werde in das Zentrums von Whaley Bridge fahren, den Wagen beim Bahnhof abstellen, und dann entlang des Kanals ca. 5 km gehen. Ich habe tatsächlich etwas gefunden: ganz in der Nähe ist der letzte große erhaltene Inlandhafen des alten Kanalsystems, das Bugsworth Basin. Ich genieße jetzt noch die letzte halbe Stunde in Klausur, und dann mache ich mich auf den Weg.
Der Kanal-Spaziergang auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2449598790?re…
MANCHESTER-AIRPORT (15:55 Uhr) * Ich sitze im Verteilerbereich „All Gates“ im Flughafen Manchester. Heute Morgen um 10:00 Uhr habe ich pünktlich das Quartier verlassen, und mit Nick noch ein bisschen geplauscht. Ich hatte dann ja noch reichlich Zeit frei, und so habe ich wie geplant meinen Spaziergang zum Bugsworth Basin gemacht. Das war für mich auch durchaus interessant, ein ehemaliger Kanalhafen, der zu seiner Zeit der geschäftigste Hafen in England war. Heute war es ziemlich ruhig. Ich kam mir ziemlich nerdig vor, mit meinem Spezialinteresse an industriellem Erbe und Kanälen. Interessant war es die Wohnboote zu sehen, die sogenannten Narrow Boats. Teilweise sind die in sehr gutem Zustand, und werden offensichtlich sehr gut gepflegt. Manche sind bewohnt, scheinbar dauerhaft. Andere sehen aus wie eine vernachlässigte Schrebergartenhütte, einschließlich seltsamer Gegenstände am Ufer vor dem Boot. Die soziale Bandbreite scheint hier sehr breit zu sein, für manche Menschen ist das einfach eine billige Wohngelegenheit, für andere ein teures Hobby.
Obwohl das keine Wanderung war, habe ich die Tour auf Komoot getrackt. Interessant war für mich zu sehen, was alles zu so einem Hafen dazugehört. Als da wären: selbstverständlich Kaianlagen, aber nicht eine einzige Schleuse, dafür aber eine schmale Durchfahrt direkt am Haus des Kaimeisters, wo immer nur ein Boot durchpasste, hier wurden die Hafen- bzw. Kanalgebühren gezahlt. Brücken damit Pferde die Kanalseite wechseln konnten, ohne dass die getreidelten Boote abgehängt werden mussten. Und auch Tunnel für die Pferde um zum Beispiel an Kreuzungen von Kanälen die Seite zu wechseln (da mussten die Boote dann leider doch abgehängt werden).
Danach bin ich noch in ein nettes Café in Whaley Bridge gegangen. Die Tearooms und Coffeeshops machen hier in England meist schon allerspätestens um 16:00 Uhr zu. Wann trinken die Briten denn ihren Kaffee und ihren Tee? Mir ist es jedenfalls bisher nur einmal gelungen, auf einer Wanderung auch in einem Tearoom Pause zu machen, weil die ansonsten immer schon zu hatten (damals in Rosedale Abbey).
Selbst mit der hier verbrachten Zeit hatte ich immer noch reichlich Zeit über, und habe mir etwas gegönnt, wozu ich vor einigen Tagen nicht gekommen bin: ich bin noch mal nach Romiley gefahren, es lag sowieso auf der Strecke, und bin diesmal zu Fuß die Strecke von der Bahnstation bis oben zum Haus gegangen. Diesen Weg bin ich damals oft gegangen, fast immer zu Fuß, wochentags täglich, manchmal zweimal, weil die Jungs zur Schule gebracht oder abgeholt wurden. Beziehungsweise zum Schulbus, oder hab ich das falsch in Erinnerung?Erinnerungen durch den Weg sind aber kaum hochgekommen, ich habe mich an einzelne Häuser erinnert, die mir damals wohl aufgefallen waren. Es gibt da so einen speziellen englischen „Zurück-aufs-Land“-Baustil aus den 1920er-Jahren, der sehr hübsch aussehen kann. Was für mich interessant war, war von der Blick von dem Hügel Richtung Norden. Das war auch ungefähr den Blick, den ich aus meinem Zimmer heraus gehabt hatte. Damals konnte ich in der Ferne Hochmoore sehen, und wusste, dass ich diese Hochmoore aus der Nähe sehen wollte. Einer meiner ersten Eindrücke von dieser Landschaft. Das war wirklich interessant, diesen Blick so ähnlich noch einmal zu sehen. Ansonsten hat auf dem Weg nichts geklickt, es war einfach weitgehend unverändert – und das seit 36 Jahren. In gewisser Weise ist auch das beeindruckend.
Den Mietwagen habe ich auch nachgetankt, natürlich zu viel, wie immer. Bei der Rückgabe hat alles geklappt – das hätte mich auch gewundert, wenn’s nicht funktioniert hätte. Ich wurde dann mit einem Minibus zum Flughafen gefahren, der Fahrer hat ab morgen Urlaub, und ist dann fünf Tage in Berlin, und anschließend eine Woche in Görlitz. Er war vorher noch nie in Deutschland, besucht Freunde und Familie, vom Aussehen und Englisch her ist er ursprünglich indischer Abstammung. Ich habe ihm einen schönen Urlaub gewünscht.
Gepäckaufgabe (Automat zwingend erforderlich) und Security dauerten etwas lange, und jetzt bin ich im Verteilerbereich für „All Gates“ – habe gerade bei WHSmiths ein „Mealdeal“ gekauft – ein Getränk, ein belegtes Sandwich, und einen Snack dazu, günstiger als die Einzelpreise. („Snack“ - das ist hier meist irgendeine Art von Chips in kleinen Tüten). Kosten: gesamt 6,99 £. Das geht zwar draußen auch deutlich günstiger, aber wir sind hier halt auf dem Flughafen. Mein Flug geht in anderthalb Stunden, bisher ist noch nicht mal mein Gate angezeigt, deswegen bleibe ich zunächst einmal hier. Auf Verdacht loslaufen hat in diesem Flughafen keinen Sinn, er ist sehr sehr groß. Meiner Kenntnis nach in England der zweitgrößte Flughafen nach Londen-Heathrow. Jetzt erstmal Meal-Deal essen….
SCHIPHOL (20:20) * Manno, was für ein blödes Gehetze. Eine Stunde Umsteigezeit ist nicht viel, 20:45 Uhr geht mein Flug, die Wege auf Schiphol können sehr lang sein. KLM hatte mir netterweise per SMS einen Short-Connection-Voucher zugeschickt, den konnte ich an der Passkontrolle vorzeigen, und bin weit nach vorne gekommen. Aus dem Flugzeug aus Manchester rausgekommen bin ich aber erst um 19:50 Uhr. Mein Boarding begann vor 5 Minuten. Nun sitze ich aber hier, und hoppla, meine Zone wird bereits für das Boarding aufgerufen. Weiter geht’s!
IM FLUGZEUG SITZEND (20:35) * Ich denke aber mein Aufgabe-Gepäck wird es nicht schaffen, das Spiel hatte ich mit Schiphol schon mal. Eine Stunde Umsteigezeit ist dafür scheinbar zu wenig. Egal, dann sollen die mir das morgen vorbeibringen, und ich mache nachmittags Home-Office, um da zu sein, wenn sie kommen.
HANNOVER (22:50 Uhr) * Puuh, wieder zu Hause. Mein Aufgabe – Gepäck hat es natürlich nicht geschafft, ich hatte dann die Freude am wie tot daliegenden Flughafen Hannover mein verspätetes Gepäck irgendwo zu melden. Nach etwas Sucherei fand ich einen Schalter, der natürlich nicht besetzt war. Dort war allerdings immerhin ein QR-Code für KLM angegeben, damit konnte ich die Vermisst-Meldung aufgeben, und habe bestellt, dass ich das Gepäck nach Hause geliefert bekomme.
Bereits das letzte Mal, als ich aus Wien im Mai nach Hause kam, funktionierte die S-Bahn nicht, es gab Schienenersatzverkehr. Damals musste ich umständlich die Bushaltestelle suchen, letztendlich hat es natürlich geklappt. Heute wurde mir bereits im Flugzeug angezeigt: eine S-Bahn ab Flughafen um ca. 22:00 Uhr, die nächste um ca. 23:30 Uhr. Normalerweise fahren die S-Bahnen vom Flughafen alle 30 Minuten. Allerdings wurde mir eine Ersatz angezeigt, mit einem Bus, dann Straßenbahn und dann wäre ich auch beim Hauptbahnhof Hannover. Das Problem war nur: die Bushaltestelle für den Schienenersatzverkehr ist nicht für den Linienverkehr zuständig, eine andere Bushaltestelle mit Fahrtrichtung Langenhagen Zentrum habe ich nicht gefunden, nur mit Stöcken. Letztendlich hatte ich die Schnauze voll, und habe ein Taxi genommen. 38 €, was für ein Scheiß. Deutsche Bahn, du bist ein Arschloch. In den Gesamtkosten des Urlaubs geht das allerdings komplett unter.
Dass ich das Aufgabe – Gepäck letztendlich bekomme, da habe ich überhaupt keine Sorge. Selbst wenn der Gepäck – Tag abgerissen sein sollte, ist die Adresse in einer Lasche verzeichnet. Dabei fällt mir ein: das wäre eine super Gelegenheit gewesen, einen AirTag ins Gepäck zu legen. Aber naja. Alles was ich kurzfristig brauche hatte ich im Handgepäck.
Morgen arbeite ich wieder, komisches Gefühl. Ich hätte gerne die Woche noch frei gehabt, ging aber nicht, weil mein Kollege jetzt Urlaub hat, und einer von uns beiden muss da sein. Zwei Tage musste die ÜSTRA schon ohne uns beide durchhalten. Mal sehen, wie sich das morgen anfühlt.
So, jetzt duschen, frische Sachen anziehen, freuen, dass ich zu Hause bin, schlafen, und dann morgen arbeiten.
Morgen kommt der letzte Blog-Eintrag. Zu Beginn des Urlaubs habe ich mit dem Blog einen Tag vor Abreise begonnen, und zum Ende des Urlaubs werde ich mit dem Blog einen Tag nach Wiederankunft enden.
Übrigens: was mir noch einfällt: vom Flugzeug aus gab es richtig schicke Sonnenuntergänge zu sehen, sowohl auf dem Flug nach Amsterdam, als auch auf dem Flug nach Hannover. Ich hatte heute zufälligerweise auf beiden Flügen Fensterplätze, und ich finde es immer noch interessant aus dem Fenster zu schauen, selbst wenn da nur Wolken sind. Ich bin reichlich geflogen in den letzten zehn Jahren, aber es wird nicht langweilig. Ich sitze jetzt hier in meinem IKEA-Sessel (das gleiche Modell wie im letzten Quartier), ich habe die Fenster offen, damit die Wohnung gelüftet wird. Ich höre die Geräusche der Straße von draußen, Stimmen aus den Lokalen, ein gelegentliches Auto auf der Bödekerstraße. Das ist vertraut und gewohnt. Und auch wenn ich mich in der Wohnung umschaue – diesen Ort kenne ich sehr gut. Ich habe die Wohnung selber ausgebaut und eingerichtet, und hier auch schon viel Leben gelebt. Ich glaube, wenn es so etwas für mich überhaupt gibt, dann fühlt sich das jetzt an wie: Heimat.Weiterlesen
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30. Juli 2025 in Deutschland ⋅ ☁️ 17 °C
HANNOVER * Welch treffender Titel. Der letzte Blog. Nachdem ich über zwei Wochen lang jeden Tag abends geschrieben habe.
Mir ist dabei fast ein bisschen melancholisch zumute. Der Blog hat mich in England gut beschäftigt gehalten, der Zeitaufwand ist doch erheblich, circa 1,5 Stunden am Tag. Einschließlich Komoot – Wanderung mit Fotos ausstatten, den Blog aufsprechen, korrekturlesen, Fotos einfügen, etc. pp.
Aber bereits jetzt merke ich, dass ich selbst mein vermutlich treuester Leser bin, und einzelne Tage wieder anschaue und lese und nacherlebe. So ist es ja auch gedacht, als persönliches Reisetagebuch, das mit Interessierten geteilt wird.
Heute war wieder ein Arbeitstag, ich bin sehr müde heute Morgen aufgewacht, trotzdem um 8:45 Uhr bei der Arbeit gewesen, und hatte sofort zwei Besprechungen direkt hintereinander, bis einschließlich 13:00 Uhr. Typische Arbeitstermine, den zweiten Termin hätte ich gerne viel besser vorbereitet, beziehungsweise vorbereitet gehabt durch einen Kollegen. Aber so ist es dann manchmal. Der Rest des Tages war von Mails durchsehen geprägt, und natürlich auch Gespräche mit Kollegen, die sich meinen Urlaub erzählen ließen etc. pp.
Wie blicke ich auf die Zeit in England zurück?
Erstmal: ich finde es sehr cool, dass ich es überhaupt gemacht habe. Die Entscheidung dieser Art von Reise zu machen, kam ja erst eine Woche bevor ich überhaupt losgefahren bin. Das es teuer werden würde, war mir klar, denn die Kosten für Unterkunft und Mietwagen würde ich alleine tragen müssen, sonst sind diese Kosten oft durch zwei gegangen. In der kurzen Zeit hatte ich mich dann doch etwas vorbereitet, und hatte dann eine Google Maps Liste mit Orten, die ich mir anschauen wollte. Und interessant: im Grunde genommen habe ich es dann auch genauso gemacht. Gut finde ich auch, dass ich letztendlich dann flexibel reagiert habe, wenn ich gemerkt habe, dass die Art der Reise nicht zu meinen Bedürfnissen passt. Zum Beispiel habe ich dann nicht mehr ständig die Quartiere gewechselt, sondern hatte immer drei Mindestübernachtung. Und ich habe deutlich gemerkt, was ich mag in Nord-England, und was ich nicht mag.
Was ich mag: die Landschaft, die Ausblicke, das milde Wetter, die freundlichen Menschen, die schönen alten Häuser, die traditionellen Felder und Weiden mit den Steinmauern, die Tearooms, und auch die zahlreichen Pfade und Wanderwege innerhalb und außerhalb von Ortschaften.
Was ich nicht mag: die engen englischen Straßen, auf denen man ständig mit voller Aufmerksamkeit fahren muss. Menschen, die nicht grüßen, wenn man sich beim Wandern begegnet. Regen, der zu häufig kommt. Und Tearooms, die zu früh schließen. Ach ja, und nicht zu vergessen: britische Insekten scheinen deutlich aggressiver als in Deutschland zu sein. Ich habe das im Blog nicht weiter erwähnt, aber zwischendurch war ich ganz schön zerstochen, und auch aus meinem letzten Quartier habe ich mir noch ein Dutzend juckende Mückenstiche mitgebracht.
Die Fahrstrecke war fast 1.000 km (991 km Gesamt), ich habe nicht geschaut, wie viele Kilometer ich gewandert bin, wie viele Höhenmeter ich gemacht habe, und ich habe auch noch nicht geschaut, was es insgesamt gekostet hat. Im Grunde genommen sind die Kosten auch egal, obwohl das Thema für mich natürlich immer da ist. Aber ich werde nie mehr Geld haben als jetzt. Also: wenn eine solche Reise, dann jetzt. Goldrichtig!
Was lerne ich aus der Reise, was nehme ich mit? Natürlich ganz vorne: Was du tust, bestimmt, wer du wirst! Das ist ein Mantra, bei dem ich tatsächlich erst schauen muss, wie ich es im alltäglichen Leben anwende. Aber es gilt es anzuwenden. Dann ist auch interessant: Pläne gehen auf, oder entwickeln sich ganz anders – und eigentlich ist es immer gut. Egal, ob es Fahrstrecken, Sonnentage oder menschliche Begegnungen betrifft.
Interessant übrigens auch: ich habe während der ganzen Zeit in Großbritannien nicht an einziges Mal Fernsehen geschaut, doch, Korrektur: in einem Frühstücksraum eines Gästehauses lief ein Fernseher, morgens. Für alle.
Ich freue mich für mich, dass ich die Reise gemacht habe. Ich habe es mir gegönnt, und ich gönne es mir. Ein tolles Erlebnis, an dass ich noch jahrelang denken werde. Diese Reise gehört jetzt zu meinen Lebenserinnerungen.
Und noch eine Erkenntnis: ich sollte mehr reisen. Deutlich mehr.
Zu Orthographie und Zeichensetzung: Werte Leserschaft, wenn ihr überflüssige Kommas findet, nehmt sie bitte und setzt sie dahin, wo welche fehlen. Findet ihr Rechtschreibfehler, dürft ihr sie gerne behalten. Beschwerden bitte an Siri, ich habe den Blog normalerweise komplett eingesprochen. Für Unklarheiten in der Erzählstruktur, Dramaturgie, oder dem fehlenden roten Faden übernehme ich selbst die Verantwortung: alle Blogs sind direkt am jeweiligen Abend eingesprochen, und dann nur noch sehr unwesentlich geändert worden. Der Vorteil ist: die Authentizität. Das, was ich in dem Moment dachte und fühlte, und das können ja manchmal auch sehr kleine Sachen sein, haben ihren Weg in den Blog gefunden, aus dem Moment heraus.
Meine verloren gegangene Tasche (Aufgabe – Gepäck) ist übrigens gefunden worden, bisher aber nicht bei mir angekommen. Ich rechne morgen mit ihr, und lasse mir dann berichten, was sie in der Zwischenzeit alles ohne mich erlebt hat.
Vielen Dank für euer Interesse!Weiterlesen































































































































































