One Peak Challenge
July 21, 2025 in England ⋅ ☁️ 14 °C
OLD ING (HORTON IN RIBBLESDALE) * Ich sitze jetzt abends auf meinem Bett, und lasse den Tag Revue passieren. Und ich merke: ich mag dieses Zimmer, es gefällt mir sehr. Es ist relativ groß (zumindestens verglichen mit den anderen Quartieren), es ist nicht voll gestopft, die Farben stimmen, und: direkt über meinem Bett ist ein Veluxfenster mit Blick in den Himmel. Rachel ist als Gastgeberin sehr unaufdringlich, aber auch immer sehr kommunikationsbereit. Im Moment läuft meine Wäsche im Wäschetrockner, überhaupt kein Problem, dass ich meine Wäsche mit ihren Geräten machen kann.
Heute bin ich ja auf dem Pen-y-ghent gestiegen. Der Charakter ist tatsächlich ganz anders als in den North York Moors. Dort ist die Besonderheit, dass karge Hochmoore und liebliche Täler immer wieder als Kontrast unmittelbar nebeneinander stehen. Hier in den Yorkshire Dales gibt es deutlich weniger Hochmoore, beziehungsweise sie sind viel feuchter und sehen anders aus. Im Grunde genommen ist das ganze Gebiet eine Graslandschaft. Die Höhenlage ist sogar höher als in den Nord York Moors, das sieht man der Landschaft aber auf dem ersten Blick nicht an.
Der Pen-y-ghent ist bei den sportlichen Wanderern in Großbritannien sehr bekannt, wegen der so genannten Three-Peak-Challenge. Das bedeutet dass drei Berge hier in der Gegend, alle in der gleichen Größenordnung wie der Pen-y-ghent, innerhalb von 12 Stunden in einem Rutsch bestiegen werden, Länge der Strecke 38km. Startpunkt ist dabei sehr häufig der Ort Horton-in-Ribblesdale, zu dem auch mein Quartier gehört (obwohl der Ort 5 km entfernt ist).
Ich habe das für mich ein wenig variiert: ich habe einfach eine One-Peak-Challenge gemacht. Die Route habe ich mir diesmal von den amtlichen Ordonance Survey Karten geben lassen, das sind amtliche Karten, die es für ganz Großbritannien gibt. Es war ein Pfad dabei, der in der Art nicht eindeutig beschrieben war, das war seltsam, denn ansonsten stehen immer beschriebene Anmerkungen dabei (öffentlich, zugelassen für Fahrräder, nur aufgrund besonderer Erlaubnis etc). Dort stand aber einfach nur „Path“.
Es war für mich jedoch die direkte Verbindung zu meinem Ziel, selbstverständlich bin ich den Pfad gegangen. Das war dann auch die heutige Abenteuereinheit, der GPX-Track war nicht 100-prozentig korrekt (und das bei einer amtlichen Karte!), zusätzlich ist der Pfad nur sehr wenig begangen, und war im Gelände nicht immer eindeutig zu erkennen. Interessant war, das es wieder quer durch die Landschaft, über Stock und Stein, durch zwei Flüsschen, und auch durch Feuchtmoore ging. Nach 3 km, ich war wieder vom Track abgewichen, wollte ich wieder auf die Strecke zurück. Es bot sich eine Abkürzung an. Durch eine etwas nasse Stelle? Egal, so eine Pfütze hatte ich doch schon zehnmal gehabt, ich habe doch Goretex-Stiefel. Als ich auf die grünen Pflanzen trat (ähnliche hatte ich vorher schon begangen) gab der Boden nach, und ich bin mit dem rechten Bein bis zur Hüfte eingesunken, sehr schnell, es war eine Sumpfstelle. Ich konnte mich sofort am Rand festhalten, beim Rausklettern ist dann leider auch der linke Fuß ins Wasser gekommen.
Und so saß ich dann auf der Hochebene, mit Stiefeln voller Moorwasser. Das Problem ist: nasse Füße + Wandern = Blasen an den Füßen. Kehre ich um, und wechsle Stiefel und Socken? Oder wringe ich meine Schuhe und Socken so gut wie möglich aus, und gehe das Risiko ein, Blasen zu bekommen? Die werte Leserschaft darf sich an dieser Stelle einen Moment Zeit nehmen, und sich überlegen, was ich wohl gemacht habe?
Und selbstverständlich: ich bin weitergegangen. (Und, um die Spannung nicht zu groß werden zu lassen: es hat keine Blasen gegeben. Glück gehabt.)
Der restliche Weg war dann relativ unspektakulär, der Pfad war bald wieder viel besser zu finden, und kaum war ich auf den offiziellen Wanderwegen, gab es auch wieder reichlich andere Wandernde. Die meisten kamen mir entgegen, denn traditionell wird der Pen-y-ghent im Gegenuhrzeigersinn von Horton-in-Ribblesdale begangen. Ich lief im Uhrzeigersinn, da ich einen anderen Startpunkt hatte. Der Berg ist weithin sichtbar und mit einer steilen Kante Richtung Süden recht markant. Der Gipfel auf 694 m war dann relativ unspektakulär, es gibt da oben reichlich Schafe, eine Schutzmauer, einen Steinhaufen, der die höchste Stelle markiert – das war’s dann auch schon. Die Aussicht war gut, reichlich Wandernde dort, auch Leute, die keine klassischen Wandernden sind. Einige von denen sahen aber auch so aus, als wenn sie tatsächlich die Three Peak Challenge machen. Das waren die, die entweder sehr sportlich aussahen oder einfach jung waren – man erkannte sie auch am leichten Gepäck und dem gehetzten Gesichtsausdruck.
Beim Abstieg habe ich dann gemerkt, warum der Uhrzeigersinn eigentlich auch sinnvoll ist, denn es wurde sehr sehr steil. Mindestens einen Wanderstock hätte ich hier gut gebrauchen können (wie auch zuvor im Moor). Aber alles hat gut geklappt, und irgendwann bin ich in Horton-in-Ribblesdale angekommen. Hier gab es Cumberland Sausages und „Half a pint, please!“ im örtlichen Pub „The Golden Lion“, und dann habe ich mich auf den 6 km Rückweg gemacht.
Es war für heute Nachmittag Regen vorhergesagt, aber: es hat fast überhaupt nicht geregnet. Beim Aufstieg kam dreimal ganz leichter Regen, den ich als mittlerweile englanderfahrener Wanderer gar nicht richtig ernst nehmen konnte. Es war auch deutlich zu sehen, dass es sich nur um einen Schauer handeln konnte, es waren ausschließlich Schäfchenwolken am Himmel. Auf dem Rückweg kam dann sogar die Sonne heraus, und plötzlich wirkte der Weitblick ganz anders. Weil ich mich habe ablenken lassen, bin ich dann auch noch einmal von der Route abgewichen, und bin zusätzlich Höhenmeter gelaufen, aber das gehört ja zum Spaß dazu.
Das Auto habe ich heute überhaupt nicht bewegt, das ist auch gut so. Morgen soll es regnen, ich werde mit dem Auto unterwegs sein, und habe 2 -3 Stellen einigermaßen in der Nähe (bis zu 50 km), die ich anfahren werde, je nach Wetterlage gehe ich dann eventuell noch ein Stückchen.
Und übermorgen bin ich dann schon auf dem Weg in den Lake District, das Quartier werde ich gleich noch buchen, diesmal mit einem Tag mehr Vorlauf. Der Lake District gilt als touristisch stark nachgefragt, es ist Hochsaison, und meine drei Übernachtung reichen bis in das Wochenende hinein – da will ich mich lieber etwas früher kümmern. Übrigens: der Lake District gilt als einer der regenreichsten Gegenden Englands. Langsam bin ich ja in Übung.
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2425034819?re…Read more















