• Lakes and Mountains

    July 23, 2025 in England ⋅ 🌙 14 °C

    YHA BORROWDALE (ROSTHWAITE) * Nun bin ich also endlich im Lake District. Der Abschied heute Morgen war interessant, denn ich fühlte mich in Old Ing nach drei Übernachtungen schon wie zu Hause. Das hat sicherlich etwas mit der tollen und besonderen Lage zu tun, mit dem schönen Zimmer, und mit dem guten Kontakt zu Rachel, der Gastgeberin. Sie nutzt die Zeit, wenn sie Gäste hat, und ist dann sehr kommunikativ. So hatte ich zum ersten Mal Kontakt zu einer Einheimischen, beziehungsweise fast einheimisch, da sie erst vor drei Jahren dorthin gezogen ist. Sie kommt ursprünglich aber aus Yorkshire, allerdings aus einer anderen Ecke.

    Sie hat mir viel über ihr Leben in Yorkshire erzählt. Über das Haus, dass sie hier gekauft hat, über die Renovierung, über den Kontakt mit den Farmern rechts und links (Nice Farmer and Grumpy Farmer) und Ihre Gäste. Sie hat erst im März diesen Jahres die Vermietung von Gästezimmern begonnen, und viele Eindrücke sind noch sehr frisch. Eine Freundin hat ihr empfohlen ein Buch über ihre Gastgeberinnen-Erlebnisse zu schreiben - das wäre bestimmt lesenswert.

    Ich merke gerade: das Internet läuft hier nicht gut. Ich sitze in der Lobby der Jugendherberge Borrowdale, meinem neuen Quartier, vielleicht liegt es auch an den vielen Nebengeräuschen, hier ist viel los. Aber nur hier ist das WLAN gut genug, um den Blog einzusprechen (oder hat die werte Leserschaft gedacht ich würde das alles tippen?). Ich hoffe natürlich auch in Kontakt mit anderen Wandernden zu kommen, aber ganz aktuell sieht es nicht danach aus.

    Mein Tag war heute vom Autofahren geprägt, das Wetter war bedeckt, aber temperaturmäßig milde, geregnet hat es überhaupt nicht. Obwohl vorhergesagt!

    Zunächst war ich kurz in Windermere, am Lake Windermere, der touristische Hauptort im Lake District. Dort gibt es ein Museum für Boote und Dampfschiffe. Der Eintritt war mir allerdings viel zu teuer, 12 Pfund, für ein relativ kleines Museum. Ich habe mir einfach Tea and Lemon Drizzle im Museums-Café gekauft, und das vor dem Museum direkt am See gegessen. Tolle Architektur, tolle Lage am See. Interessant war ein Becken für Modellschiffchen, inklusive kleinen Anlegestellen und Bojen, die dann offensichtlich durchfahren werden sollten. Es war leider niemand da.

    Nach Windermere reingefahren bin ich überhaupt nicht, mir war da zu viel los. Ich bin dann weiter meiner Route gefolgt, durch Ambleside hindurch. Ein sehr, sehr schöner Ort, mit enorm vielen Touristen. Allein beim Durchfahren bin ich schon nervös geworden. Viele Touristen….

    Ich hatte auch prompt eine klassische Touristen – Autofahr - Situation. Ich fuhr als Erster in einer Reihe von Autos eine langgezogene Rechtskurve. Als ich wieder auf der Geraden war, sah ich, dass mir ca 200 m entfernt ein weißer SUV auf meiner Spur entgegenkam, also wie im Rechtsverkehr. Ich habe dann gehupt, und nach einem kurzen Moment (in dem ich kurz überlegte ob ich nicht einfach auch Rechtsverkehr fahren sollte ;-) zog der weiße SUV ruckartig auf die linke, also korrekte Spur. Da ist wohl jemand unkonzentriert gewesen…. Auch ansonsten ist zu merken, dass hier sehr viele Touristen mit dem Auto unterwegs sind. Die Engländer wissen ganz genau wie breit ihre Straßen sind, und welche Kurven sie auf gar keinen Fall schneiden dürfen, weil der Gegenverkehr quasi null Zentimeter Ausweichraum nach links hat. Mit den Touristen (große, neue, saubere, teure Autos) habe ich heute zwei-, dreimal Sorgen gehabt, es wurde richtig eng, den rechten Außenspiegel würde ich gerne behalten, trotz doppelter Versicherung.

    Ich hatte dann doch noch eine kurze Wanderung auf Komoot gefunden, in der Nähe von Keswick, 15 Minuten vor meinem Übernachtungs-Quartier. Normalerweise beginnt die Wanderung unten am See, geht auf eine Anhöhe und dann im Rundkurs wieder herunter. Ich habe allerdings oben begonnen, da das direkt an meiner Route lag.

    Vom ersten Abschnitt bis nach unten war ich sehr enttäuscht, es ging im Grunde genommen innerhalb eines Waldes die ganze Zeit einen Wirtschaftsweg hinunter. Keine Aussicht, Nadelbäume, breiter befestigter Weg - laaaangweilig! Unten war ein Auto Parkplatz mit Wanderkarte, der Ort hieß „Great Wood“. Was hatte ich erwartet? Hätte ich mich mal besser informiert.

    Am See war es dann eigentlich schön, recht idyllisch. Und auch gar nicht so viel los. Für den Rückweg habe ich kurz überlegt, ob ich nicht den gleichen Weg wieder zurückgehen sollte. Ist doch eh langweilig! Na ja, was soll’s. Ich bin dann doch der Original-Route, also,einem Rundkurs gefolgt. Irgendwann wurde der Weg enger, und unebener, und plötzlich auch steiler. Ich stand dann vor einer Felsschlucht mit einem wilden Bach (ein bisschen wie gestern), und sah, dass der Weg durch die Schlucht weiter steil nach oben führte. „Die 50 Höhenmeter mache ich doch jetzt einfach mal schnell“ dachte ich mir, und ging sehr engagiert los. Hinterher habe ich festgestellt: es waren fast 300 Höhenmeter, der Wanderweg wurde nicht besser. Das war definitiv die Abenteuereinheit heute. Landschaftlich sehr sehr schön, mit immer wieder neuen Ausblicken auf den See und die gegenüberliegenden Berge. Zum Schluss lag ganz oben eine Felskuppe im Hochmoor, mit einem 180° Überblick über diesen Teil des Lake Distrikt. Beeindruckend, und ganz anders als alles was ich bisher in Großbritannien gesehen hatte. Erinnerte mich eher an das Alpenvorland. Auf dem Aussichtspunkt waren dann wieder viele Touristen, weil der Ort relativ einfach mit dem Auto zu erreichen ist.

    Es war heute ein Reisetag (circa 2,5 Stunden Autofahren), und trotzdem letztendlich kein verlorener Tag durch die tolle, kleine Wanderung.

    In der Jugendherberge ist es wirklich interessant. Der bauliche Standard ist so wie in Deutschland wie vielleicht vor 30-40 Jahren, sehr einfach, viel dunkles Holz, nicht modern. Aber das Haus ist trotzdem sympathisch, und sozial funktioniert es. Ein wildes, aber sehr entspanntes Gewimmel. Es sind viele Menschen hier, eine Küche zum Selberkochen und Abwaschen. Man kann aber auch warmes Essen und Getränke mit / ohne Alkohol vor Ort kaufen (ich hatte gerade Burger and Beer). Ich sitze im Eingangsbereich / Lobby, überall stehen gemütliche Chesterfieldsofas. So etwas hätte ich gerne zu Hause im Wohnzimmer. Das Haus lebt, trotz des einfachen, baulichen Standards, der Raum ist gefüllt. Die Menschen unterhalten sich, spielen Brettspiele, Jugendliche nutzen, dass hier das WLAN am besten ist. Im sozialen Sinn ein besonderer Ort, eine Art geteiltes Privatleben. Weniger Schwellen, mehr Teilen. Und für mich ein kleiner Einblick in britisches Familenleben. Schön und interessant das zu sehen.

    Ich bin natürlich auch in der Jugendherberge, nicht nur, weil es günstig ist, sondern auch weil ich in Kontakt zu anderen Wandernden kommen möchte. Bisher ist mir das nicht gelungen, aber ich bin ja auch gerade erst gekommen.

    Mein Zimmer ist sehr einfach, circa 6 m² groß. Es ist ein so genannter „Private Room“, eigentlich für zwei Personen, den ich einfach im Ganzen gebucht habe, das andere Bett bleibt unbelegt. Letztendlich ist es trotzdem günstiger als ein Hotel, und das gerade hier, im besonders nachgefragten Lake District in der Hochsaison.

    Ich diktiere den Block mittlerweile direkt in das Handy hinein, das ich direkt vor den Mund halte, die Nebengeräusche sind sonst zu groß, das Diktat funktioniert nicht. Für morgen habe ich mir bereits eine Wanderung vorgenommen, ich glaube an die Wettervorhersage! Ich werde erstmal mit dem Bus fahren, und dann den Bergrücken entlang wandern, den ich heute vom Aussichtspunkt gut sehen konnte - die Catbells. Ich laufe direkt wieder zurück zur Jugendherberge. Auch eine der „Top“-Wanderungen aus meinem Rother-Wanderführer. Diese Wanderung wird wieder relativ lang, und vermutlich in der Art und im Wetter ähnlich sein wie meine allererste Wanderung im Rosedale. Die Erwartungen sind hoch, und ich bin fast davon überzeugt, dass sie übertroffen werden. Immerhin bin ich hier in der schönsten Wandergegend Englands. Morgen folgt Genaueres.

    Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2430605980?re…
    Read more