• Freiheit spüren - trotz Regen

    July 25, 2025 in England ⋅ ☁️ 15 °C

    YHA BORROWDALE (ROSTHWAITE) * Klingt der Titel eigentlich leicht widersprüchlich? Für mich interessanterweise überhaupt nicht.

    Heute ist ein Regentag. Schade, aber gestern habe ich ja Premium-Wetter gehabt. Heute ist außerdem auch mein zweiter ganzer Tag im Lake District. Und den wollte ich natürlich unbedingt nutzen - trotz bedecktem Himmel und angesagtem Regen. Ich habe morgens erst einmal in Ruhe mein Quartier gebucht, und mir beim Frühstück von einem Londoner eine Tour empfehlen lassen. Ganz in der Nähe, Lake Buttermere.

    Die Tour sollte unten am See beginnen, auf circa 90 Höhenmeter, und auf den Bergspitzen enden, bei ca 780 Höhenmeter. Als ich losfuhr, sah ich, dass die Bergspitzen im Nebel waren. Das fand ich dann irgendwie nicht sinnvoll, so viele Höhenmeter für null Aussicht? Außerdem war zunehmender Regen für den Tag vorhergesagt. Keine Motivation für anspruchsvolle Bergtouren.

    Ich bin dann dort gestartet, wo gestern das Ende meiner Tour war, in dem „Goldgräberstädtchen“ Honister Pass. Das Auto habe ich dort abgestellt, fünf Pfund für den ganzen Tag, und bin einfach losgegangen, in Richtung interessant aussehender Felsen. Ich hatte zu Anfang kein Internet, und konnte die Tour nicht neu planen. Als ich das Handy dann nach etwas Anstieg aus der Tasche zog um Fotos zu machen, hatte ich plötzlich eine Nachricht von Amazon. Dafür ist aber zwingend mobiles Internet erforderlich? Siehe da: LTE mit zwei von drei Streifen – perfekt. Die Tour hatte ich dann also - mitten im Nirgendwo.

    Letztendlich hatte ich geplant, dass ich einfach nur mal nach oben gehe, etwas schaue, und wieder zum Auto zurückgehen, damit der Tag nicht als Wandertag komplett verloren ist. Der Lake District ist ja sehr regenreich, und was mich hier am meisten interessiert sind Bergtouren. Wenn es also ernsthaft regnet, kann ich diesem Interesse nicht folgen - doof. Ich bin dann also trotzdem losgefahren, obwohl ich ahnte dass es naß und anstrengend wird. Freiheit spüren – trotz Regen!

    Wo ich dann also schon mal vom Honister Pass losgelaufen bin, bin ich natürlich, wie sollte es anders sein, auch immer weiter gegangen, und es war auch wirklich interessant da oben. Ich war ja quasi sofort im hohen Teil der Berge, sehr schroff, sehr viel Wind, der Regen kam schräg von der Seite, und trotzdem waren etliche Wanderer unterwegs, alle gut eingepackt. So wie ich auch. Auch diese Tour hat sich wirklich wirklich wieder gelohnt, ich fand es auch besonders cool gerade bei kühleren Wetter zu laufen. Das liegt mir scheinbar, das werde ich mal in die zukünftigen Planungen mit einbeziehen.

    Wenn ich die Tour jetzt im Nachhinein auf Komoot anschaue, stelle ich fest, das erste Drittel war relativ einfach und nicht spannend, das letzte Drittel war wieder ein langer, langer Abstieg, und das mittlere Drittel ist das, was in meiner Erinnerung 90% der Tour ausmacht – richtiges Hochgebirge mit Nebel, Regen, schroffen Felsen - cool. Teilweise war es auch hier so, dass der Pfad nicht zu erkennbar war, vor mir waren junge Wanderer, die auch schon verschiedene Varianten ausprobiert hatten. Eigentlich waren die viel schneller als ich, fanden aber immer wieder den Pfad nicht, obwohl die einen erfahrenen Eindruck machten. Und: der Pfad war kaum zu erkennen, Kennzeichnungen gibt es dort oben fast keine, und es waren auch zwei bis drei felsige Kletter Partien dabei - hier ist natürlich von unten kein Pfad in der Grasnarbe erkennbar, denn es gibt dann nur Felsen statt Pfad. Die kleinen Kletterpartien sind bei Trockenheit sicherlich fast harmlos, bei Nässe sind aber durchaus Spannungmomente dabei gewesen.

    Beim Abstieg kam für ca. zwei Minuten die Sonne heraus - ich hatte einen Regenbogen unter mir, im Hintergrund der Lake Buttermere. Also auch einen Hauch Königstour ;-)

    Zum Schluss der Tour war ich komplett durchnässt, kam unten wieder an der Passstraße an, und wie ist der Zufall mit sich brachte sah ich, dass der Bus in drei Minuten kommen würde, bei einem 2-Stundentakt - als hätte ich es geplant. Den habe ich dann genommen, circa 4 km wieder nach oben auf den Honister Pass, zum Auto zurück.

    Ich bin dann direkt in die Jugendherberge gefahren, um 15:30 Uhr nachmittags – habe geduscht, und meine Sachen im Trockenraum aufgehängt.

    Die Jugendherberge wird jetzt gerade sehr voll, man merkt, dass es auf das Wochenende zugeht, und außerdem Hochsaison ist. Die sonst so ruhige Lobby mit dem gemütlichen Chesterfield – Sofas ist heute extrem laut, es ist eine große Gruppe aus jungen Briten und Britinnen mit Kindern gekommen, die sich sehr laut unterhalten. Auch ein deutsches Pärchen ist da, fast die ersten Deutschen überhaupt, die ich auf der ganzen Reise getroffen habe. Die beide machen auch einen Wanderurlaub, sind nach Manchester geflogen und fahren jetzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln verschiedene Orte an, wo es sie gerade hintreibt. Und sind sehr froh, nicht mit dem Auto unterwegs zu sein. Auch das ist etwas, was ich bei einer weiteren Nord England – Wanderreise nicht mehr machen würde: das Auto benötigt man eigentlich nicht.

    [Ich merke beim Korrektur lesen deutlich, dass ich mich im Erzählfaden mehrfach wiederhole. Kein Wunder, ich bin müde, die Lobby heute sehr laut, und ich diktiere den Blog immer abends immer noch schnell ein. Da müssen stilistische Gesichtspunkte dem anstehenden Lektorat *1) vorbehalten bleiben.]

    (Fußnote: *1) Das Lektorat wird selbstverständlich nie stattfinden.)

    Die Tour auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2435496115?re…
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