Wandertag im Peak District
July 27, 2025 in England ⋅ 🌙 14 °C
WHALEY BRIDGE * Warum schreibe ich im Titel eigentlich „Wandertag“? Ich mache hier doch jeden Tag nichts anderes?
Der Wetterbericht für heute war durchmischt, es sollte am Morgen bedeckt sein, gelegentliche Regenschauer, am Nachmittag dann aufklären, und auch Sonne. Ich habe mir mit dem Aufstehen also Zeit gelassen, ein großer Vorteil wenn man sich selbst versorgt. In der Jugendherberge musste ich immer bis 9:00 Uhr morgens gegessen haben. Ich habe dann ganz in Ruhe geschaut, was es für Touren gibt, was empfohlen wird, was zum Wetter passt.
Heute habe ich eine Tour auf den Kinder Scout gemacht. Mein Gastgeber hatte mich vorgewarnt: der Peak District liegt im Einzugsbereich großer Städte wie Manchester und Sheffield, am Wochenende kann es hier richtig voll werden. Und ich solle sehr sehr gut aufpassen wo ich parke, denn die Gemeinden hier suchen ausdrücklich Parksünder, es werden regelmäßig circa 500 Tickets an einem Wochenende verteilt.
Und voll war es tatsächlich, nach circa 15 Minuten Fahrt kam ich an meinen Startpunkt, einem Auto-Parkplatz, der natürlich komplett belegt war. Auch die Zufahrtstraße dahin war auf mindestens 2 km komplett an jeder zulässigen Stelle voll geparkt. Ein Parkticket wäre ja schon doof genug, aber die Autovermietung möchte für jedes Ticket, das ich einsammle, noch 84 Britische Pfund zusätzlich als Bearbeitungsgebühr haben. Das geht natürlich gar nicht. Ich hatte aber Glück, und habe einen Platz an einer Ecke gefunden weil gerade jemand weg fuhr, leicht kreatives Parken, aber es hat geklappt.
Die Route von heute ist ein Rundweg, einer der Klassiker im Peak-District, der von verschiedenen Startorten aus von vielen Menschen gegangen wird. Es war wieder ein kunterbunter Blumenstrauß aller möglichen Arten von Spaziergehenden und Wandernden unterwegs. Die Tour ist allerdings nicht ganz anspruchslos, und bei manchen Spaziergehenden habe ich mich gefragt, ob die wirklich Freude daran haben, was sie dort machen. Festes, wasserdichtes Schuhwerk war eigentlich Grundvoraussetzung. Geregnet hat es letztendlich nur zwei bis drei Tropfen, und es kam wie vorhergesagt nachmittags die Sonne raus. Die Strecke hat sich dann sehr geleert, ich war circa 17:30 Uhr wieder im Auto, und bin die letzten anderthalb Stunden quasi alleine gelaufen. Die Tour selber mit circa 14 km war interessant, hat mich nach meinem bisherigen umfangreichen Wandererfahrungen in Nord-England aber auch nicht neu überrascht. Lohnenswert ist das auf jeden Fall gewesen, jetzt gleich noch mal machen müsste ich die Tour aber nicht unbedingt. Siehe Fotos auf Komoot, interessant, aber nicht einzigartig. Besonders fand ich, dass man letztendlich von den Höhenlagen einen Blick auf Manchester und die umliegenden Orte hatte. Ich konnte mit dem Fernglas sogar den Lake District ganz schwach am Horizont erkennen.
Auf dem Weg zum Wandern bin ich noch Einkaufen gegangen, und sah in Google Maps dass es einen Aldi auf der Strecke gibt. Das wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen, meinen Lieblingsdiscounter aus Deutschland einmal in England zu sehen. Und es ist anders: viel größer, viel schicker, viel mehr Auswahl, eher wie ein Rewe in Deutschland. Die Preise kann ich nicht wirklich beurteilen, ich habe aber Sachen gekauft, die Qualität ist völlig in Ordnung, so wie bei Aldi ja fast immer. Nebenan war übrigens ein Spar, und Lidl habe ich hier auch schon gesehen, und dort auch schon eingekauft. Die Deutschen übernehmen hier die Supermärkte. Ob ich darüber traurig sein muss weiß ich nicht, denn ich habe hier auch schon sehr schäbige Supermärkte gesehen. In den kleinen Städten gibt es ansonsten noch kleine Supermärkte, die zum Beispiel keine eigenen Auto-Parkplätze haben, und in alten, gewachsenen Geschäftslagen sitzen, die so genannten COOPs. Die lassen sich dann auch zu Fuß erreichen, also auch durch Menschen, die kein Auto besitzen, oder noch nicht fahren können. Das Unternehmen hat sich ethische Grundsätze auf die Fahne geschrieben, das ist vielleicht das britische Pendant zu der deutschen Bio – Supermarkt – Bewegung.
Jetzt bin ich wieder ganz schön platt, die Füße tun weh, was mich nicht erstaunt, wenn ich jeden Tag so viel laufe. 14 km ist eine Strecke, die ich nicht unbedingt ständig laufen muss, ich merke, dass ich auch mit 7-8 km und einer schönen Landschaft voll zufrieden bin. Der sportliche Aspekt steht für mich ein bisschen im Hintergrund, ich möchte etwas erleben und sehen und Anregungen aufnehmen und Interessen folgen.
Morgen gehe ich die Standard – Premium Runde, die man im Peak District quasi gemacht haben muss. Ich berichte dann davon. Es soll schönes Wetter werden, und ich hoffe auf meine dritte Königstour, die erste war im Rosedale, die zweite die Catbells im Lake District, und die dritte: vielleicht morgen!
In Gedanken bin ich auch schon dabei den Dienstag, den Abflugtag, zu planen. Ich werde den Wagen noch mal aussaugen, aber durch die Waschanlage fahre ich ihn nicht. Ich habe ein bisschen gegoogelt, im Grunde genommen gilt es als vertragsgemäße Rückgabe, wenn der Wagen direkt weiter vermietet werden könnte. Ganz wird das mit dem Auto nicht klappen, denn ich bin ja auch über Wege gefahren, die nicht sauber sind. Aber ich glaube, ich bin da zu deutsch, oder zu gewissenhaft.
Ich sitze hier in meinem Steinhäuschen in der grünen Felsschlucht in einem gemütlichen IKEA Sessel. Es ist das gleiche Modell, dass ich auch bei mir zu Hause stehen habe, mit dem Unterschied dass es hier auch den Fußhocker dazu gibt. Gar nicht schlecht. Neben mir wird es langsam dunkel, ich sehe die Pflanzen und die Bäume. Es ist sehr ruhig hier, abgesehen davon, dass gelegentlich ein Flugzeug über uns aufsteigt, der Flughafen Manchester (zu dem ich ja auch hin muss) ist nicht weit entfernt.
Ich bin sehr zufrieden mit dem Haus, und dass ich es mir einfach noch mal geleistet habe. Es ist teurer als ein Hotelzimmer – aber man gönnt sich ja sonst nichts. ;-)
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2441942618?re…Read more







