Wandern wie im Freizeitpark
July 28, 2025 in England ⋅ 🌙 13 °C
WHALEY BRIDGE * Heute war also mein letzter ganzer Tag in Großbritannien. Ein seltsames Gefühl nach 14 vollen Tagen „on the Road“, mit so vielen Erlebnissen und Eindrücken.
Der britische Wetterbericht stellte sich heute Morgen wieder zuverlässig als unzuverlässig heraus. Es sollte sonnig sein, tatsächlich begann der Morgen mit einem kräftigen Schauer. Wiederum ließ ich mir etwas Zeit mit dem Losgehen, denn gegen Mittag sollte es aufklaren. Ein zweiter kräftiger Schauer erwischt mich fast, als ich gerade dabei war, die Sachen ins Auto zu packen. Ich musste mich dann sehr beeilen, sonst wäre ich gleich nass zum Wandern gefahren. Auch mal was Neues.
Die Tour, die ich heute gelaufen bin, geht über Mam Tor und Lose Hill. Es ist eine sehr beliebte Tour, durch eine landschaftlich sehr schöne Ecke des Peak District. Obwohl heute Montag war, war es wieder sehr voll. Das war schon beim Heranfahren an das Tal deutlich zu merken, überall parkende Autos an jeder nur denkbaren Stelle, diesmal waren allerdings sogar noch Parkplätze frei.
Direkt vor dem Tal fuhr ich dann von einer Anhöhe unvermittelt in eine wunderschöne Felsschlucht. In einiger Entfernung vor mir fuhr ein Wohnmobil, so dass die Dimensionen im Maßstab noch beeindruckender wirkten. Ich trennte das Smartphone vom Kabel, ließ die Seitenscheibe runter und machte aus dem Auto heraus Fotos. Die Navigation ist dabei abgebrochen. Das machte ja nichts, denn ich war quasi am Ziel.
Nach der Schlucht war links sofort ein Auto-Parkplatz, ich dachte „Super, ich bin am Ziel!“ und habe dort geparkt. Es war ein Pay-and-display Parkplatz, man musste also gegen Geld ein Zettel an einem Automaten ziehen, und unter die Windschutzscheibe legen. Angeboten wurde mir dort Parken bis 16:00 Uhr für sechs Pfund (teuer), das war mir zu kurz. Die nächste Stufe war dann Parken bis an den Folgetag um 7:00 Uhr für zehn Pfund (reine Abzocke). Ich habe mit den Zähnen geknirscht und 10 Pfund ausgegeben.
Als ich los ging und die Navigation für das Wandern einschaltete, fiel mir auf, dass ich einen Parkplatz zu früh abgebogen war. Problem dabei: jetzt passte meine Route nicht mehr. Die Route hatte ich mir am Regen – Vormittag sehr sorgfältig ausgesucht: erst eine ganz leichte Steigung kurvig durch das Tal hindurch, mit Blick auf die Bergrücken, die ich gleich begehen würde, an einigen Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten vorbei. Dann der direkte Aufstieg zum höchsten Gipfel. Anschließend entlang des Bergrückens und gemütlich wieder ins Tal hinunter zum Startpunkt. Soweit der Plan, der jetzt hinüber war. Stattdessen begann meine Tour mit einem ziemlich knackig steilen Anstieg auf genau die Felsen, die mich gerade eben so beeindruckt hatten. Auch am Ende der Tour musste ich dann variieren, die Strecke wurde dadurch etwas länger. Sonnig wurde es übrigens tatsächlich - insofern war Verlass auf den Wetterbericht.
Der Mam Tor ist durchaus beeindruckend, der höchste Berg in der direkten Umgebung, wenn auch circa 100 m niedriger als die Berge von gestern. Er war bereits heidnische Begräbnisstätte, und auch befestigtes Fort. Vermutlich war die Gegend damals dicht bewaldet, es fällt mir tatsächlich schwer, mir das vorzustellen.
Die Tour selber war landschaftlich sehr schön. Allerdings konnte ich das heute leider nicht richtig genießen. Diese Wanderstrecke ist noch in höheren Maße als die Strecke von gestern ein Freizeitvergnügen für Großstädter, es wirkt wie ein großes Naturerlebnis-light. Es war relativ laut und unruhig, die übliche Dynamik bei Gruppen- und Familienausflügen halt. Die Landschaft wurde zur Kulisse für Selfies an möglichst exponierten Stellen. Naturschönheit als Konsumgut. Der landschaftlichen Schönheit und der Geschichte des Ortes wird das nicht gerecht. Not my cup of tea.
Interessanterweise wurde es oben auf der Wanderstrecke ab circa 15:00 Uhr wieder viel ruhiger. Vielleicht ist das ein Geheimtipp: ganz früh, oder relativ spät gehen.
Auf dem Rückweg habe ich dann den Mietwagen doch noch ausgesaugt, und wo ich schon mal da war, bin ich auch mit dem Hochdruckreiniger über die Räder und Radkästen gegangen, damit nicht sofort klar ist, dass ich entgegen den Vorschriften des Mietvertrages doch auf unbefestigten Straßen gefahren bin (in den Yorkshire Dales wäre ich ansonsten gar nicht zu meinem Quartier gekommen).
Jetzt bin ich schon ein kleines bisschen nervös, wie immer vor einer Reise. Das Packen liegt noch vor mir, und morgen früh um zehn checke ich hier aus. Um 14:30 Uhr werde ich das Auto bei der Autovermietung abgeben, was ich zwischendurch mache, habe ich noch nicht geplant. Die Autofahrt zu. Flughafen ist nur ca. 30 Minuten lang. Vielleicht gibt es in der Nähe etwas zum Thema industrielles Erbe, dass ich mir zu Fuß mit Straßenschuhen gut anschauen kann.
In Bezug auf mein Quartier, von dem ich eigentlich so begeistert bin, ist mir aufgefallen, dass es mir hier ein bisschen zu einsam ist. Mir fehlen die Gespräche, entweder beim Frühstück, oder die Begegnungen abends, wie zum Beispiel in der Jugendherberge. Hier bin ich wirklich für mich allein, meinen Gastgeber habe ich nur beim Check-in gesehen. Ansonsten sehe ich nur Wandertouristen (tagsüber) und Einheimische in den Supermärkten, Gespräche ergeben sich aber keine. Das ist mir eindeutig zu wenig Sozialkontakt. Wieder was gelernt für die Zukunft.
Außerdem fehlt mir hier das English Breakfast!
Die Wanderung auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2444127824?re…Read more








