Reisetag again - von Kanälen und Taschen
July 29, 2025 in England ⋅ ☁️ 17 °C
WHALEY BRIDGE (9:25 Uhr) * Reisetag. Nun ist es soweit. Ich bin heute Morgen früh aufgewacht, habe gefrühstückt, und meine Taschen gepackt. Natürlich hat wieder nichts richtig gepasst, ich weiß immer gar nicht wo der ganze Platz bleibt. Das ist aber eigentlich immer so. Jetzt sitze ich noch mal für eine halbe Stunde gemütlich im IKEA – Sessel, mit dem Blick ins Grüne, und gehe meine Mails durch und meine Komoot – Touren.
Um zehn Uhr räume ich das Quartier, Nick öffnet mir noch das motorbetriebene Tor zum Rausfahren, denn meinen Schlüssel mit der Fernbedienung muss ich ja abgeben. Dann habe ich noch 4 Stunden Zeit, bis ich in Richtung Autovermietung beim Flughafen Manchester fahren muss. Ich werde in das Zentrums von Whaley Bridge fahren, den Wagen beim Bahnhof abstellen, und dann entlang des Kanals ca. 5 km gehen. Ich habe tatsächlich etwas gefunden: ganz in der Nähe ist der letzte große erhaltene Inlandhafen des alten Kanalsystems, das Bugsworth Basin. Ich genieße jetzt noch die letzte halbe Stunde in Klausur, und dann mache ich mich auf den Weg.
Der Kanal-Spaziergang auf Komoot: https://www.komoot.com/de-DE/tour/2449598790?re…
MANCHESTER-AIRPORT (15:55 Uhr) * Ich sitze im Verteilerbereich „All Gates“ im Flughafen Manchester. Heute Morgen um 10:00 Uhr habe ich pünktlich das Quartier verlassen, und mit Nick noch ein bisschen geplauscht. Ich hatte dann ja noch reichlich Zeit frei, und so habe ich wie geplant meinen Spaziergang zum Bugsworth Basin gemacht. Das war für mich auch durchaus interessant, ein ehemaliger Kanalhafen, der zu seiner Zeit der geschäftigste Hafen in England war. Heute war es ziemlich ruhig. Ich kam mir ziemlich nerdig vor, mit meinem Spezialinteresse an industriellem Erbe und Kanälen. Interessant war es die Wohnboote zu sehen, die sogenannten Narrow Boats. Teilweise sind die in sehr gutem Zustand, und werden offensichtlich sehr gut gepflegt. Manche sind bewohnt, scheinbar dauerhaft. Andere sehen aus wie eine vernachlässigte Schrebergartenhütte, einschließlich seltsamer Gegenstände am Ufer vor dem Boot. Die soziale Bandbreite scheint hier sehr breit zu sein, für manche Menschen ist das einfach eine billige Wohngelegenheit, für andere ein teures Hobby.
Obwohl das keine Wanderung war, habe ich die Tour auf Komoot getrackt. Interessant war für mich zu sehen, was alles zu so einem Hafen dazugehört. Als da wären: selbstverständlich Kaianlagen, aber nicht eine einzige Schleuse, dafür aber eine schmale Durchfahrt direkt am Haus des Kaimeisters, wo immer nur ein Boot durchpasste, hier wurden die Hafen- bzw. Kanalgebühren gezahlt. Brücken damit Pferde die Kanalseite wechseln konnten, ohne dass die getreidelten Boote abgehängt werden mussten. Und auch Tunnel für die Pferde um zum Beispiel an Kreuzungen von Kanälen die Seite zu wechseln (da mussten die Boote dann leider doch abgehängt werden).
Danach bin ich noch in ein nettes Café in Whaley Bridge gegangen. Die Tearooms und Coffeeshops machen hier in England meist schon allerspätestens um 16:00 Uhr zu. Wann trinken die Briten denn ihren Kaffee und ihren Tee? Mir ist es jedenfalls bisher nur einmal gelungen, auf einer Wanderung auch in einem Tearoom Pause zu machen, weil die ansonsten immer schon zu hatten (damals in Rosedale Abbey).
Selbst mit der hier verbrachten Zeit hatte ich immer noch reichlich Zeit über, und habe mir etwas gegönnt, wozu ich vor einigen Tagen nicht gekommen bin: ich bin noch mal nach Romiley gefahren, es lag sowieso auf der Strecke, und bin diesmal zu Fuß die Strecke von der Bahnstation bis oben zum Haus gegangen. Diesen Weg bin ich damals oft gegangen, fast immer zu Fuß, wochentags täglich, manchmal zweimal, weil die Jungs zur Schule gebracht oder abgeholt wurden. Beziehungsweise zum Schulbus, oder hab ich das falsch in Erinnerung?Erinnerungen durch den Weg sind aber kaum hochgekommen, ich habe mich an einzelne Häuser erinnert, die mir damals wohl aufgefallen waren. Es gibt da so einen speziellen englischen „Zurück-aufs-Land“-Baustil aus den 1920er-Jahren, der sehr hübsch aussehen kann. Was für mich interessant war, war von der Blick von dem Hügel Richtung Norden. Das war auch ungefähr den Blick, den ich aus meinem Zimmer heraus gehabt hatte. Damals konnte ich in der Ferne Hochmoore sehen, und wusste, dass ich diese Hochmoore aus der Nähe sehen wollte. Einer meiner ersten Eindrücke von dieser Landschaft. Das war wirklich interessant, diesen Blick so ähnlich noch einmal zu sehen. Ansonsten hat auf dem Weg nichts geklickt, es war einfach weitgehend unverändert – und das seit 36 Jahren. In gewisser Weise ist auch das beeindruckend.
Den Mietwagen habe ich auch nachgetankt, natürlich zu viel, wie immer. Bei der Rückgabe hat alles geklappt – das hätte mich auch gewundert, wenn’s nicht funktioniert hätte. Ich wurde dann mit einem Minibus zum Flughafen gefahren, der Fahrer hat ab morgen Urlaub, und ist dann fünf Tage in Berlin, und anschließend eine Woche in Görlitz. Er war vorher noch nie in Deutschland, besucht Freunde und Familie, vom Aussehen und Englisch her ist er ursprünglich indischer Abstammung. Ich habe ihm einen schönen Urlaub gewünscht.
Gepäckaufgabe (Automat zwingend erforderlich) und Security dauerten etwas lange, und jetzt bin ich im Verteilerbereich für „All Gates“ – habe gerade bei WHSmiths ein „Mealdeal“ gekauft – ein Getränk, ein belegtes Sandwich, und einen Snack dazu, günstiger als die Einzelpreise. („Snack“ - das ist hier meist irgendeine Art von Chips in kleinen Tüten). Kosten: gesamt 6,99 £. Das geht zwar draußen auch deutlich günstiger, aber wir sind hier halt auf dem Flughafen. Mein Flug geht in anderthalb Stunden, bisher ist noch nicht mal mein Gate angezeigt, deswegen bleibe ich zunächst einmal hier. Auf Verdacht loslaufen hat in diesem Flughafen keinen Sinn, er ist sehr sehr groß. Meiner Kenntnis nach in England der zweitgrößte Flughafen nach Londen-Heathrow. Jetzt erstmal Meal-Deal essen….
SCHIPHOL (20:20) * Manno, was für ein blödes Gehetze. Eine Stunde Umsteigezeit ist nicht viel, 20:45 Uhr geht mein Flug, die Wege auf Schiphol können sehr lang sein. KLM hatte mir netterweise per SMS einen Short-Connection-Voucher zugeschickt, den konnte ich an der Passkontrolle vorzeigen, und bin weit nach vorne gekommen. Aus dem Flugzeug aus Manchester rausgekommen bin ich aber erst um 19:50 Uhr. Mein Boarding begann vor 5 Minuten. Nun sitze ich aber hier, und hoppla, meine Zone wird bereits für das Boarding aufgerufen. Weiter geht’s!
IM FLUGZEUG SITZEND (20:35) * Ich denke aber mein Aufgabe-Gepäck wird es nicht schaffen, das Spiel hatte ich mit Schiphol schon mal. Eine Stunde Umsteigezeit ist dafür scheinbar zu wenig. Egal, dann sollen die mir das morgen vorbeibringen, und ich mache nachmittags Home-Office, um da zu sein, wenn sie kommen.
HANNOVER (22:50 Uhr) * Puuh, wieder zu Hause. Mein Aufgabe – Gepäck hat es natürlich nicht geschafft, ich hatte dann die Freude am wie tot daliegenden Flughafen Hannover mein verspätetes Gepäck irgendwo zu melden. Nach etwas Sucherei fand ich einen Schalter, der natürlich nicht besetzt war. Dort war allerdings immerhin ein QR-Code für KLM angegeben, damit konnte ich die Vermisst-Meldung aufgeben, und habe bestellt, dass ich das Gepäck nach Hause geliefert bekomme.
Bereits das letzte Mal, als ich aus Wien im Mai nach Hause kam, funktionierte die S-Bahn nicht, es gab Schienenersatzverkehr. Damals musste ich umständlich die Bushaltestelle suchen, letztendlich hat es natürlich geklappt. Heute wurde mir bereits im Flugzeug angezeigt: eine S-Bahn ab Flughafen um ca. 22:00 Uhr, die nächste um ca. 23:30 Uhr. Normalerweise fahren die S-Bahnen vom Flughafen alle 30 Minuten. Allerdings wurde mir eine Ersatz angezeigt, mit einem Bus, dann Straßenbahn und dann wäre ich auch beim Hauptbahnhof Hannover. Das Problem war nur: die Bushaltestelle für den Schienenersatzverkehr ist nicht für den Linienverkehr zuständig, eine andere Bushaltestelle mit Fahrtrichtung Langenhagen Zentrum habe ich nicht gefunden, nur mit Stöcken. Letztendlich hatte ich die Schnauze voll, und habe ein Taxi genommen. 38 €, was für ein Scheiß. Deutsche Bahn, du bist ein Arschloch. In den Gesamtkosten des Urlaubs geht das allerdings komplett unter.
Dass ich das Aufgabe – Gepäck letztendlich bekomme, da habe ich überhaupt keine Sorge. Selbst wenn der Gepäck – Tag abgerissen sein sollte, ist die Adresse in einer Lasche verzeichnet. Dabei fällt mir ein: das wäre eine super Gelegenheit gewesen, einen AirTag ins Gepäck zu legen. Aber naja. Alles was ich kurzfristig brauche hatte ich im Handgepäck.
Morgen arbeite ich wieder, komisches Gefühl. Ich hätte gerne die Woche noch frei gehabt, ging aber nicht, weil mein Kollege jetzt Urlaub hat, und einer von uns beiden muss da sein. Zwei Tage musste die ÜSTRA schon ohne uns beide durchhalten. Mal sehen, wie sich das morgen anfühlt.
So, jetzt duschen, frische Sachen anziehen, freuen, dass ich zu Hause bin, schlafen, und dann morgen arbeiten.
Morgen kommt der letzte Blog-Eintrag. Zu Beginn des Urlaubs habe ich mit dem Blog einen Tag vor Abreise begonnen, und zum Ende des Urlaubs werde ich mit dem Blog einen Tag nach Wiederankunft enden.
Übrigens: was mir noch einfällt: vom Flugzeug aus gab es richtig schicke Sonnenuntergänge zu sehen, sowohl auf dem Flug nach Amsterdam, als auch auf dem Flug nach Hannover. Ich hatte heute zufälligerweise auf beiden Flügen Fensterplätze, und ich finde es immer noch interessant aus dem Fenster zu schauen, selbst wenn da nur Wolken sind. Ich bin reichlich geflogen in den letzten zehn Jahren, aber es wird nicht langweilig. Ich sitze jetzt hier in meinem IKEA-Sessel (das gleiche Modell wie im letzten Quartier), ich habe die Fenster offen, damit die Wohnung gelüftet wird. Ich höre die Geräusche der Straße von draußen, Stimmen aus den Lokalen, ein gelegentliches Auto auf der Bödekerstraße. Das ist vertraut und gewohnt. Und auch wenn ich mich in der Wohnung umschaue – diesen Ort kenne ich sehr gut. Ich habe die Wohnung selber ausgebaut und eingerichtet, und hier auch schon viel Leben gelebt. Ich glaube, wenn es so etwas für mich überhaupt gibt, dann fühlt sich das jetzt an wie: Heimat.Read more








